Da pfeift eine ganze Notenbank laut gegen ihre eigenen Angst vor der Dunkelheit an und beschließt einfach mal die Finanzkrise abzusagen. Nette Idee. Erinnert mich an Kleinkinder, die nie zur Toilette müssen wenn man sie fragt, aber kaum ist man wieder auf der Autobahn geht das Geschrei los:
Die britische Notenbank hat Hoffnungen auf einen Wendepunkt in der Finanzkrise geweckt. In ihrem halbjährlichen Stabilitätsbericht schrieb die Bank of England, die Korrektur an den Finanzmärkten sei womöglich zu weit gegangen.
Obwohl Abwärtsrisiken bestünden, sei es wahrscheinlich, "dass Vertrauen und Risikoappetit in den nächsten Monaten allmählich zurückkehren", sagte John Gieve, Vizechef der Bank of England (BoE)
Ja. So hätten sie es gerne und viele Banken und die Händler von Aktien und sonstigen Finanzmarktprodukten auch. Ist aber leider nicht. Bernanke wird weiter Zinsen senken müssen und die paar Tage Bärenmarktralley halte ich für genauso inszeniert wie die das Pfeifen der Bank of England:
Erleben wir jetzt eine Bärenmarktralley, und was ist das eigentlich ?
Diesere Begriff klingt schon kurios. Der Bär steht für fallende Kurse und die Ralleye für eine breit angelegte Aufwärtsbewegung. Die Börsianer meinen damit, dass nach starken Korrekturen die Kurse sich zunächst auf unbestimmte Zeit erholen, aber nicht mehr neue Höchststände markieren, sondern vorher eine neuerliche Abwärtsbewegung beginnen und anschließend den vorhereigen Tiefststand unterschreiten.
Eine Bärenmarktralley nutzt vor allem den Banken, die noch tonnenweise Altpapier in ihren eigenen Depots haben und dieses noch gerne gegen richtiges Geld an andere verkaufen wollen. Da die Banken die Märkte leicht manipulieren können und vor allem auch alle gemeinsam den gleichen Grund dafür haben, ist es wahrscheinlich das wir uns genau in dieser gemachten Ralley befinden. Ähnlich sieht das auch die FTD die unter dem Titel "Kaufgründe, soweit das Auge reicht in großartiger Art und unbedingt lesenswerter Weise die reale Situation schildert:
Was könnte den Aktienanlegern, die ja seit Wochen allen Schreckensnachrichten nur Positives abgewinnen können, diesmal so gut gefallen haben? Dass die reale Endnachfrage um 0,2 Prozent gesunken ist? Dass die Konsumnachfrage nach Gebrauchsgütern um 6,1 Prozent eingeknickt ist und jene nach Verbrauchsgütern um 1,3 Prozent? Dass die Firmeninvestitionen um 2,5 Prozent gesunken sind (Gewerbebau minus 6,2 Prozent, Ausrüstung minus 0,7 Prozent)? Dass die Wohnungsbauinvestitionen nunmehr um 26,7 Prozent gepurzelt sind, der höchsten Rate im bisherigen Abschwung? Dass das annualisierte nominale Außenhandelsdefizit von 709 Mrd. $ auf 737 Mrd. $ gestiegen ist?
Dass der Staat die Verteidigungsausgaben real um 6 Prozent, nominal gar um 12 Prozent erhöht hat? Dass die Verbraucher ihre Ausgaben für Elektrizität und Gas angeblich real um 14,2 Prozent gesteigert haben, was zusammen mit der Position "Sonstige" zum schleierhaften Anstieg der realen Nachfrage nach Diensten um 3,4 Prozent beigetragen hat, während der Dienstleistungs-Einkaufsmanagerindex eine klare Kontraktion angezeigt hat? Dass, um noch einen Blick auf die Einkommensseite der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu werfen, die nominale Lohn- und Gehaltssumme angeblich um 5,5 Prozent gestiegen ist, während die Beschäftigung mit einer Jahresrate von 0,3 Prozent gefallen ist? Dass selbst diese Margenquetsche den Verbrauchern bloß zu einem realen Zuwachs des verfügbaren Einkommens von 1,4 Prozent verholfen hat (wobei die meisten Indikationen für den heutigen Arbeitsmarktbericht düster anmuten)? Dass, kurzum, alles halb so schlimm ist - und die USA dank der enthemmten Wirtschaftspolitik bald wieder zügellos über ihre Verhältnisse leben?
Dem brauchte normalerweise nichts hinzugefügt werden zumal auch Unicredit-Kreditanalyse-Chef Jochen Felsenheimer noch einen drauf legt:
Die Krise läuft ganz nach Lehrbuch ab. Und es spricht wenig dafür, dass sich das in Zukunft ändert. Das bedeutet: Wir stecken noch mittendrin, weil es nicht gelungen ist, die Krise auf den Häusermarkt zu begrenzen. Längst ist sie in andere Bereiche übergeschwappt und zeigt nun ihre Auswirkungen in der Realwirtschaft. Es geht also nicht mehr um Wochen und Monate, sondern um Quartale und Jahre. Darum fürchte ich, dass es auch noch einen weiteren Schlag für die Märkte geben wird. Einen hatten wir im Sommer letzten Jahres, einen weiteren Anfang 2008 - und der dritte kommt.
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Infolge der Krise sind vor allem die Kredite für Unternehmen erheblich teurer geworden. Darum werden die Ausfallraten im Firmenkreditgeschäft mittelfristig stark zunehmen. Manchmal überrascht es auch uns, wie weit sich die Krise verzweigt hat. Es sind Bereiche betroffen, in denen es nie zuvor Probleme gab. Etwa bei der Finanzierung der Gebietskörperschaften in den USA - weil manchen Anleiheversicherern die Pleite drohte.
Harte Worte, aber scheinbar nicht hart genug. Die Käufer wollen einfach nicht glauben. Da hilft sicher auch nicht Robert Misiks Bericht über Island:
Island ist nicht Eden. Aber im Vergleich mit den meisten anderen Plätzen auf diesen Globus kommt die westlich von Grönland gelegene Atlantikinsel dem Paradies verdammt nahe. 300.000 Menschen leben hier, das Pro-Kopf-Einkommen liegt über dem der USA. Nirgendwo auf der Welt leben die Menschen länger. Kein anderes Land hat eine niedrigere Analphabetenrate. Es führt den „Human-Developement-Index“ der UNO an. Eine hippe Kulturszene hat Rejkavik auch noch – Sängerin Björk etwa gehört zu den globalen Kulturtitanen. Als wäre das nicht genug, erlebte der kleine Inselstaat in den vergangenen zehn Jahren auch noch einen phänomenalen wirtschaftlichen Aufstieg. Jahr für Jahr betrug das Wirtschaftswachstum rund vier Prozent. Und wegen des Klimawandels friert man auch weniger.
Aber jetzt scheint es aus zu sein mit dem isländischen Wunder – und zwar deshalb, weil Hausbesitzer weit weg in den USA, in Miami, San Diego oder sonst wo die Kredite nicht mehr bedienen können, die sie auf ihre Häuser aufgenommen haben. Deswegen kommt die isländische Krone ins Trudeln (Kursverlust 20 Prozent in diesem Jahr), deswegen musste die Zentralbank in Rejkjavik die Leitzinsen auf astronomische 15,5 Prozent hochtreiben, deswegen schoss die Inflationsrate auf neun Prozent hoch.
Es geht ganz sicher nicht darum Panik zu schüren. Aber es muss darum gehen, die Menschen vor dem was kommt zu warnen. Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, wir werden den Crash nicht aufhalten, sondern bestenfalls bremsen können. Wer allerdings geschickt taktiert, unnötige Geldausgaben vermeidet und zum richtigen, möglichst späten Zeitpunkt Schulden tilgt, kann viel Gewinnen. Es ist sicher nicht verkehrt Geld das im Finanzmarkt steckt in Immobilien oder zur Hypothekentilgung der eigenen Behausung zu verwenden. Sicher werden auch Wärmedämmung und Solardächer nicht billiger.



















