Das was uns golem.de hier als militärische Entwicklung präsentiert, dürfte durchaus auch eine zivile Seite haben:
Das U.S. Army Research Laboratory hat zur Entwicklung von winzigsten Drohnen, die nach bionischen Merkmalen aufgebaut sind, eine Allianz ins Leben gerufen, die von BAE Systems angeführt wird. Ein Team von Wissenschaftlern verschiedener Unternehmen und Regierungsstellen, dem 38 Millionen US-Dollar zur Verfügung stehen, soll die Miniaturflieger und -krabbler entwickeln.
Die "MAST" genannte Kooperative (Micro Autonomous Systems and Technology) hat zum Ziel, autonom steuernde Aufklärungsroboter zu entwickeln, die Gegenden aufklären sollen, die für Soldaten zu gefährlich oder unzugänglich sind, wie Wohnungen, Höhlen und Kanäle. Dabei handelt es sich nicht nur um flugfähige, sondern auch um krabbelnde Spezies, wie Spinnen und anderes Getier.
Tatsächlich ist ein Späheinsatz im Feld eher unwahrscheinlich, da ja zunächst einmal die Frontlinie überwunden werden muss und dann beträchtliche Entfernungen zurückzulegen sind, die nicht nur selbst energieaufwendig sind, sondern natürlich auch einen erheblichen Energieaufwand für Sender und Empfänger haben.
Das kleinste was uns als Antriebsaggregat in Form einer Brennstoffzelle zur Verfügung steht ist ungefahr Handteller groß, vermutlich dürfte die kleinste militärische Variante immer noch der Fläche eines zwei Eurostücks entsprechen. Kleiner lassen sich auch keine Batterien für einen langfristigen Einsatz mit viel Energieaufwand herstellen.
Deshalb ist der Kriegseinsatz eher etwas in entfernter Zukunft. Ein Einsatz gegen Gegner im Inneren ist aber leicht denkbar. Da reicht die begrenzte Kapazität heutiger Batterien da sowohl die Einsatzwege als auch die Funkübertragungswege kurz sind. Denken wir z.B. an den Staatstrojaner so könnte ein solches künstliches Insekt leicht an den USB-Port eines Rechners gelangen und ohne bemerkt zu werden den Trojaner einbringen.
Genauso denkbar ist eine Dauerüberwachung durch mehr als eine Drohne, womit sichergestellt werden kann, das sich die eine aufladen kann, während die andere observiert. Dank der vielen USB-Ports ist die Stromversorgung auch kein Thema.
Aber auch zur Ablösung der teilweise schon allgegenwärtigen Videoüberwachungssystem wäre solche Drohnen gut geeignet, da sie unbemerkt arbeiten können und nicht Verdrängungseffekt gegenüber Kriminalität haben, wie die Kameras.
Wie Mark Seibert in seinem Logbuch vermeldet, erweisen sich Kameras ja zunehmend als wirkungslose Geldverschwendung:
Mike Neville, der Chef der Scotland-Yard-Abteilung für Videoüberwachung erklärte heute, dass das Netz mit mehr als vier Millionen Videokameras ein “völliges Fiasko” sei. Der Abschreckungseffekt der Kameras sei völlig verpufft. In London wurden lediglich drei Prozent der begangenen Raubüberfälle mit Hilfe von Videokameras aufgedeckt. Etliche Milliarden Pfund hat die flächendeckende Videoüberwachung bislang gekostet. Die Summe betrifft freilich nur die technische Ausstattung ohne Personal- und Folgekosten.
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Die Erfahrungen auf der Insel decken sich weitestgehend mit denen, die hier in Deutschland gemacht werden konnten. So verbrannte das BKA beispielsweise bei dem Mainzer Feldversuch zur automatischen Gesichtserkennung eine große sechsstellige Summe, obwohl das Scheitern der Technik vorher absehbar war.
Wenn Mark Seibert sich auch noch nicht sicher ist welche Konsequenzen das Versagen der Kameras hat, so tippe ich mal darauf das der nächste Versuch mit den Drohnen erfolgt. Bis sie irgendwann alles über alle wissen, oder zumindest doch zu wissen glauben. Dann ertrinken sie in ihren Datenmengen.




















http://blog.kairaven.de/archives/1508-Unbemannte-Invasoren-in-der-Stadt.html
und hier
http://blog.kairaven.de/archives/1510-Drohnen-fuer-den-Kampf-um-Haeuser-und-Staedte.html
findet man ähnliches
Ganz ehrlich gesagt ist diese Art von Aufklärung zwingend notwendig. Auf der einen Seite hochmodernes Militär (und zwar in Uniform!) und auf der anderen Seite Kämpfer mit im Vergleich primitiven Waffen (meist in "Zivil"). Genau das ist es, was das Leben der Soldaten im Irak oder Afghanistan so schwer macht, sie wissen nicht wer der Feind ist, bis dieser auf sie schiesst.
Ach noch was zum Mike, er hat nicht generell die Videoüberwachung mies gemacht. Er hat auf den Bufferoverflow an Daten hingewiesen und dass mit der derzeitigen technischen und personelen Ausstattung diese Datenflut nicht zu bewältigen ist.
Das Konzept ist toll und tatsächlich könnte ein mit bestimmten Giften ausgerüstetes Stechinsekt, den gegnerischen Oberbefehlshaber aus dem Spiel nehmen und damit einen Enthauptungsschlag führen. Das ist eine legitime Kriegswaffe. Nur im Moment nicht für den Krieg geeignet.
Anders sehe ich das bei der Videoüberwachung. Statische Kameras können nur beim Fangen von Idioten helfen. Alle anderen suchen sich einen Platz ohne Kameras.
Die Datenflut ist das Problem jeder Überwachung. Die Amis hören alles ab, haben aber kaum Leute um auch nur das wichtigste auszuwerten. Sie produzieren genau wie die Cams, die Fingerabdrücke, die biometrischen Daten, die Abhörer, nur Datenmüll. Hoffnungslose Mengen.
Genau da wären diese Drohnen sofort zielgerichtet einsetzbar. Weil das geht, wird es auch die erste Anwendung mit allen denkbaren Folgen sein.
Aber trotzdem gibt es bei diesen Konflikten keine Frontlinien. Der "Krieg" im Irak war ja eher so eine Art Homerun -- ich habe ja da immer drauf gewartet, dass die Iraker den Amis bie Ihrem Run auf Bagdad den Nachschub abschneiden.
Hmm, Oberbefehlshaber, du denkst da schon wieder zu konservativ :-P
Bleibt da noch die Überwachung der eigenen Bevölkerung. Da gibt es auch jetzt schon sehr viele technische Möglichkeiten, ohne Robospinne (ebenfalls gezielte Überwachung, zwar nicht autonom aber immerhin).