Schon seit ewigen Zeiten ist es den Menschen ein Bedürfnis zu erfahren, was morgen sein wird. Aus dem Rauch der Lagerfeuer, den Innereien einer Schlange, dem Fall kleiner Holzstückchen oder den Linien der Hand lesen angeblich Kundige den Verlauf der Zukunft. Während beim Kaffeesatz und den Eingeweiden von Hühnern der Humbug offensichtlich ist, erheben Meinungsumfragen den Anspruch mit tatsächlichen Zahlen zu operieren.
Tarotkarten im Computer. Gutes Orakel, guter Lohn. Schlechtes Orakel mit kostenpflichtigem Hinweis zur Vermeidung des Übels. Es geht immer nur um Geld. Dabei hat die aus der Hand oder der Kristallkugel lesende Zigeunerin wenigstens noch einen Flair, auch wenn es sich bei der Dame um Rosamunde Knülpich, Hausfrau aus Mettmann handelt. Dieser Flair geht den computergestützten Wahrsagern völlig ab. Ob Hans-Werner Sinn, der sich als Nebenregierung versteht, oder Klaus-Peter Schöppner der als CDU-Wahlkampfhelfer bei Emnid agiert, es fehlt ihrem Hokuspokus einfach der Charme. Da wird Reza Darius Montass
< Hans-Erich Bilges wünscht noch mehr Tote im Irak, wenn möglich auch viele Deutsche. | Sonderwirtschaftszone >
Wahrsager
Wozu also all dieser faule Zauber? Einen Markt für Wahrsager gibt es nur deshalb, weil das Leben für viele leichter zu ertragen ist, wenn sie einem ungünstigen Schicksal die Schuld für ihre Niederlagen zuweisen können. Ungünstige Sterne, eine kurze Lebenslinie oder seltsam angeordnete Teeblätter als Dauerentschuldigungen für eigenes Versagen oder fehlende Wehrhaftigkeit sind zwar nur ein dürftiger Trost, aber immerhin ein Trost. Vor allem aber ist man die lästige Verantwortung los. Der Zweck aller Wahrsagerei ist also die Verschiebung von Verantwortung. Das mag bei der Hausfrau, die den misslungenen Sonntagsbraten mit ihrem schlechten Horoskop in der Fleischerzeitung begründet, noch angehen, auch bei Politikern mögen die miesen Umfrageergebnisse als Mäntelchen für die eigene Unfähigkeit herhalten, spätestens aber bei Unternehmensführern wird es gefährlich, wenn diese sich lieber auf die Voraussagen von Professor Unsinns Ifo-Institut als auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen.
Nein, es gibt wirklich keine Wahrsagerei und auch Meinungsumfragen gehören zur Kaffeesatzleserei. Wie Prof. Dr. Fritz Ulmer sogar mit gerichtlicher Bestätigung durch das OLG Hamburg feststellt: "Anstatt den Ausgang der nächsten Wahlen mit der aktuellen Umfrage vorauszusagen, wird der Ausgang der aktuellen Umfrage mit alten Wahlergebnissen vorausgesagt!"
Am ehrlichsten war da immer noch Frau Prof. Dr. Dr. h.c. E. Noelle-Neumann, die über die Methoden ihres Allensbach-Institutes sagte: "Zwischen dem, was wir an Rohergebnissen erhalten, und dem, was wir als Prognose publizieren, liegt manchmal eine Differenz von zehn oder elf Prozent." Sie nennt das Gewichtung der Ergebnisse, böse Zungen könnten auch behaupten, dass die Ergebnisse einfach aus der Luft gegriffen werden. Selbst wenn diese Institute ihre Arbeit wirklich sorgfältig und durch Offenlegung der Rohdaten auch nachvollziehbar machen würden, ist die Errechnung eines Trends mit den praktizierten Methoden kaum möglich.
Um mathematisch vertretbare Ergebnisse eines Trends für Deutschland zu erhalten, müssten anstatt der üblichen 500 bis 2000 Befragten etliche 100.000 Leute befragt werden. Das würde allerdings Geld kosten und ist für die Zwecke der Branche auch nicht erforderlich.
So wie Allensbach die FDP immer im sonnigsten Licht sieht, um Wähler für die FDP zu generieren die sonst ihre Stimme lieber der CDU geben würden, haben alle anderen auch ihre persönlichen Vorlieben. Wer jemals auf n-tv die Ergebnisse der Emnid Umfragen, vorgetragen von Klaus-Peter Schöppner gesehen hat, weiss, dass es nicht um die Darstellung von Ergebnissen sondern um Manipulation des Publikums geht.
Nun mag Schöppner mit seinem blinden Hass auf die SPD in seiner Ausdrucksform sicherlich ein Ausnahmebeispiel sein, aber es bleibt doch die Vermutung, dass allgemein nicht Ergebnisse ermittelt, sondern Meinung und Stimmung gemacht werden soll. Diese Vermutung zu beweisen, dürfte schwer sein, auch wenn Prof. Ulmer schon einige Indizien zusammengetragen hat. Die wöchentliche Verkündung dieser aus der Luft gegriffenen Zahlen beeinflusst natürlich das Wahlverhalten zumindest des unsicheren und unbedarften Teils der Bevölkerung. Da wäre die Anwendung von Kristallkugeln deutlich ehrlicher.
Bei Wahlumfragen und politischen Stimmungsbildern ist diese Art der Wahrsagerei zwar unangenehm und mag vielleicht auch den einen oder anderen Wähler beeinflussen, was bei der aktuellen Qualität der deutschen Parteienlandschaft aber fast schon bedeutungslos ist und sich spätestens nach der Auszählung aller Stimmen relativiert.
Wie sieht es jedoch mit kommerziellen Umfragen aus, bei denen auf gleiche Art und Weise über das Wohl und Wehe von Innovationen und die Einführung von Artikeln wahrgesagt werden soll? Wie viele nutzlose Produkte wurden dort schöngerechnet und wie viele Arbeitsplätze durch falsche negative Ergebnisse nicht geschaffen? Wie viele Manager, die in Deutschland ja sowieso eher Abfindungen in Millionenhöhe auf sich nehmen als Verantwortung, haben ihre Verantwortung auf derartige Umfrageergebnisse abgeschoben?
Liegt es vielleicht gerade an den falschen Wahrsagern und verantwortungslosen Managern, dass wir derartige Probleme mit neuen Arbeitsplätzen und zu wenig Innovationen haben? Auch diese Frage lässt sich mangels verfügbarer Daten kaum gerichtsverwertbar beantworten, aber die Indizien stützen diese Vermutungen sehr stark. Ein Manager, der sich in seinen Märkten nicht auskennt, weil er zum Beispiel nie verkaufen gelernt hat, wird sicherlich anfälliger für Wahrsagereien sein, als jemand, der seine Märkte von der Pike auf kennt.
Besonders schlimm wird es jedoch, wenn sich die Wahrsagerei auf die gesamte wirtschaftliche Lage eines Landes oder gar einer Wirtschaftsregion wie Europa bezieht. Was Prof. Hans-Werner Sinn mit seinem Ifo-Institut und andere betreiben, ist gefährlich für alle Bewohner dieser Regionen.
Das Sinnsche Konjunkturbarometer beeinflusst die Entscheidungen anderer und der Status der Wirtschaftsweisen verstärkt diesen Effekt noch. Prof. Sinn erzeugt mit seinen Aussagen, die zwar wissenschaftlich mehr als fragwürdig sein mögen, eine Stimmung, die erst zu einer Bestätigung der Ergebnisse führt. Diese sich selbst erfüllenden Prophezeiungen sind eine ständige Gefahr für unsere Wirtschaft.
Wir sind kaum in der Lage, eine halbwegs stimmige Wetterprognose für mehr als drei Tage abzugeben und gleichzeitig wollen einige Propheten die konjunkturelle Entwicklung für 30 Tage oder gar ein Vierteljahr voraussagen. Da man das aus rechtlichen Gründen nicht als Scharlatanerie bezeichnen darf, muss es doch erlaubt sein vor diesen Wahrsagern und ihren Ergebnissen zu warnen, auch wenn diese durch Steuermittel finanziert werden. Gibt es eigentlich auch einen Lehrstuhl für Handleserei und Ermittlung von Konjunkturdaten durch die Kristallkugel?
Wer unbedingt Wahrsagerei braucht, soll eine Münze werfen. Das ist billiger und zumindest in 50 % aller Fälle ist das Ergebnis richtig.
Nein, es gibt wirklich keine Wahrsagerei und auch Meinungsumfragen gehören zur Kaffeesatzleserei. Wie Prof. Dr. Fritz Ulmer sogar mit gerichtlicher Bestätigung durch das OLG Hamburg feststellt: "Anstatt den Ausgang der nächsten Wahlen mit der aktuellen Umfrage vorauszusagen, wird der Ausgang der aktuellen Umfrage mit alten Wahlergebnissen vorausgesagt!"
Am ehrlichsten war da immer noch Frau Prof. Dr. Dr. h.c. E. Noelle-Neumann, die über die Methoden ihres Allensbach-Institutes sagte: "Zwischen dem, was wir an Rohergebnissen erhalten, und dem, was wir als Prognose publizieren, liegt manchmal eine Differenz von zehn oder elf Prozent." Sie nennt das Gewichtung der Ergebnisse, böse Zungen könnten auch behaupten, dass die Ergebnisse einfach aus der Luft gegriffen werden. Selbst wenn diese Institute ihre Arbeit wirklich sorgfältig und durch Offenlegung der Rohdaten auch nachvollziehbar machen würden, ist die Errechnung eines Trends mit den praktizierten Methoden kaum möglich.
Um mathematisch vertretbare Ergebnisse eines Trends für Deutschland zu erhalten, müssten anstatt der üblichen 500 bis 2000 Befragten etliche 100.000 Leute befragt werden. Das würde allerdings Geld kosten und ist für die Zwecke der Branche auch nicht erforderlich.
So wie Allensbach die FDP immer im sonnigsten Licht sieht, um Wähler für die FDP zu generieren die sonst ihre Stimme lieber der CDU geben würden, haben alle anderen auch ihre persönlichen Vorlieben. Wer jemals auf n-tv die Ergebnisse der Emnid Umfragen, vorgetragen von Klaus-Peter Schöppner gesehen hat, weiss, dass es nicht um die Darstellung von Ergebnissen sondern um Manipulation des Publikums geht.
Nun mag Schöppner mit seinem blinden Hass auf die SPD in seiner Ausdrucksform sicherlich ein Ausnahmebeispiel sein, aber es bleibt doch die Vermutung, dass allgemein nicht Ergebnisse ermittelt, sondern Meinung und Stimmung gemacht werden soll. Diese Vermutung zu beweisen, dürfte schwer sein, auch wenn Prof. Ulmer schon einige Indizien zusammengetragen hat. Die wöchentliche Verkündung dieser aus der Luft gegriffenen Zahlen beeinflusst natürlich das Wahlverhalten zumindest des unsicheren und unbedarften Teils der Bevölkerung. Da wäre die Anwendung von Kristallkugeln deutlich ehrlicher.
Bei Wahlumfragen und politischen Stimmungsbildern ist diese Art der Wahrsagerei zwar unangenehm und mag vielleicht auch den einen oder anderen Wähler beeinflussen, was bei der aktuellen Qualität der deutschen Parteienlandschaft aber fast schon bedeutungslos ist und sich spätestens nach der Auszählung aller Stimmen relativiert.
Wie sieht es jedoch mit kommerziellen Umfragen aus, bei denen auf gleiche Art und Weise über das Wohl und Wehe von Innovationen und die Einführung von Artikeln wahrgesagt werden soll? Wie viele nutzlose Produkte wurden dort schöngerechnet und wie viele Arbeitsplätze durch falsche negative Ergebnisse nicht geschaffen? Wie viele Manager, die in Deutschland ja sowieso eher Abfindungen in Millionenhöhe auf sich nehmen als Verantwortung, haben ihre Verantwortung auf derartige Umfrageergebnisse abgeschoben?
Liegt es vielleicht gerade an den falschen Wahrsagern und verantwortungslosen Managern, dass wir derartige Probleme mit neuen Arbeitsplätzen und zu wenig Innovationen haben? Auch diese Frage lässt sich mangels verfügbarer Daten kaum gerichtsverwertbar beantworten, aber die Indizien stützen diese Vermutungen sehr stark. Ein Manager, der sich in seinen Märkten nicht auskennt, weil er zum Beispiel nie verkaufen gelernt hat, wird sicherlich anfälliger für Wahrsagereien sein, als jemand, der seine Märkte von der Pike auf kennt.
Besonders schlimm wird es jedoch, wenn sich die Wahrsagerei auf die gesamte wirtschaftliche Lage eines Landes oder gar einer Wirtschaftsregion wie Europa bezieht. Was Prof. Hans-Werner Sinn mit seinem Ifo-Institut und andere betreiben, ist gefährlich für alle Bewohner dieser Regionen.
Das Sinnsche Konjunkturbarometer beeinflusst die Entscheidungen anderer und der Status der Wirtschaftsweisen verstärkt diesen Effekt noch. Prof. Sinn erzeugt mit seinen Aussagen, die zwar wissenschaftlich mehr als fragwürdig sein mögen, eine Stimmung, die erst zu einer Bestätigung der Ergebnisse führt. Diese sich selbst erfüllenden Prophezeiungen sind eine ständige Gefahr für unsere Wirtschaft.
Wir sind kaum in der Lage, eine halbwegs stimmige Wetterprognose für mehr als drei Tage abzugeben und gleichzeitig wollen einige Propheten die konjunkturelle Entwicklung für 30 Tage oder gar ein Vierteljahr voraussagen. Da man das aus rechtlichen Gründen nicht als Scharlatanerie bezeichnen darf, muss es doch erlaubt sein vor diesen Wahrsagern und ihren Ergebnissen zu warnen, auch wenn diese durch Steuermittel finanziert werden. Gibt es eigentlich auch einen Lehrstuhl für Handleserei und Ermittlung von Konjunkturdaten durch die Kristallkugel?
Wer unbedingt Wahrsagerei braucht, soll eine Münze werfen. Das ist billiger und zumindest in 50 % aller Fälle ist das Ergebnis richtig.
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