So überschrieb Thomas Knüwer heute in
Indiskretion Ehrensache und im Handelsblatt seine erschreckenden Erkenntnisse über die gewollte technische Unfähigkeit unserer Politiker, Spitzenmanager und Spitzenbeamten.
Allerdings ist die Haltung dieser Herrschaften, von Glos, Wiefelspütz, über Werner Müller bis zu Jörg Zierke und den vielen ungenannten nur allzu verständlich. Sie müssen sich mit nichts mehr beschäftigen. Sie bekommen das was sie sagen sollen, in handliche Häppchen vorgekaut, auf kleinen Zetteln, die sie mit viel Glück auswendig lernen. Manchmal klappt das, manchmal wird es lustig oder peinlich.
Warum sollte z.B. Michel Glos irgendwas verstehen. Der Mann ist Minister geworden ohne Kenntnis von dem worüber er seit Jahren entscheidet. Er verweigert sich reinen Herzens. Er braucht keine Informationen, außer denen, die von seinen Mitarbeitern kommt. Seine Stärke liegt doch gerade im Nichtverstehenkönnen und Nichtverstehenwollen. Es nimmt ihm die Verantwortung für das was er tut.
Wir beobachten das gleiche Verhalten bei Kuhherden. Sie trotten gemeinsam um sich hinzulegen, zu saufen, zu fressen und sich melken zu lassen. Die einzelne Kuh ist nur Teil der Herde und unsere Entscheider wollen in der Herde sein. Sie wissen nämlich genau, das einzelne Tiere leichter angreifbar sind.
Der Erfolg von Mohn/Bertelsmann und der INSM in der Desinformation beruht doch gerade darauf, das sich die Politik in der Herde bewegt. Da wird bei Wahlen mal kurz irgendeine Position bezogen, und nach der Wahl, oder wenn sie nicht mehr opportun erscheint, verschwindet sie im Nichts und das Politikerlein ist wieder Teil der Herde.
Internet bedeutet Freiheit. Internet bedeutet aber auch Selbstbeschränkung um sich nicht zu verlieren. Internet erfordert persönliche Verantwortung für sich selbst und andere. Was empfehle ich mit welchem Kommentar. Welchen Quellen will ich vertrauen und wie verifiziere ich diese. Kurzum das Internet erfordert den mündigen Bürger. Also diametral das Gegenteil von dem was Management, Politik und Beamtentum haben wollen.
Klein-Bloggerdorf beeinflusst keine politischen Entscheidungen, das Handelsblatt und die Süddeutsche in Wirklichkeit auch nicht. Aber sie liefern Informationen und Bewertungen. Die sind natürlich für Politiker, bestimmte Spitzenmanager und Beamte nicht nutzbar, weil sie ja Informationsverarbeitung nie gelernt haben. Die gleichen Leute die an der Uni zu dumm waren mit einer Bibliothek umzugehen können heute auch nichts mit dem Netz anfangen. Dafür nützen aber viele Entscheidungsvorbereiter der untersten Ebene diese Informationen, sodass ein kleiner Abklatsch der Information, tröpfchenweise die Kapillare der Entscheidungsfindung hochsteigen.
Ich erinnere mich noch gut an den Early Bird bei Nixdorf und in anderen Konzernen, der nichts anderes als eine zur Motivierung und Gesprächsführung zusammengestellte tägliche Pressemappe war. Wer wissen wollte, was wirklich los war, musste in die nicht mitkopierten Blätter schauen.
Versöhnlich stimmt mich nur, das die Jugend in ihrer Mehrheit, den Computer intensiv nutzt. Hätten wir Lehrer mit Ahnung könnten wir das ausnutzen. So müssen wir einfach abwarten wie das unendliche Angebot auf den Einzelnen wirkt.