Leicht hat er es keinem gemacht der Rudi. Sich selbst schon gar nicht. Anstatt nach einer Revolution den neuen Schweinen am Trog das gute Futter zu versprechen, spricht er von einem ständigen Kampf. Veränderung des Menschen in einem nie endenden Prozess.
Kein Wunder, das sie ihn nicht mochten. Es war doch nur die Schlacht gegen die bösen Anderen, gegen die Ausbeuter zu gewinnen und dann würde die Sonne ohne Unterlass scheinen.
Na bitte geht doch. Traditionell und zielbewusst rückwärts schauend nach vorne gehen. Dummerweise kommt dann so etwas dabei heraus:
Da fällt einem doch sofort Kurt Tucholsky ein und man wünscht sich, dass das Volk die Signale hören würde:
Der schlimmste Feind, den der Arbeiter hat,
das sind nicht die Soldaten;
es ist auch nicht der Rat der Stadt,
nicht Bergherrn, nicht Prälaten.
Sein schlimmster Feind steht schlau und klein
in seinen eigenen Reihn, in seinen eigenen Reihn.
Wer etwas diskutieren kann,
wer einmal Marx gelesen,
der hält sich schon für einen Mann
und für ein höh’res Wesen.
Der ragt um einen Daumen klein
aus seinen eigenen Reihn, aus seinen eigenen Reihn.
Der weiß nichts mehr vom Klassenkampf
und nichts von Revolutionen;
der hat vor Streiken allen Dampf
und Furcht vor blauen Bohnen.
Der will nur in den Reichstag hinein
aus seinen eigenen Reihn, aus seinen eigenen Reihn.
Klopft dem noch ein Regierungsrat
auf die Schulter: “Na, mein Lieber…”,
dann vergißt er das ganze Proletariat -
das ist das schlimmste Kaliber.
Kein Gutsbesitzer ist so gemein
wie der aus den eigenen Reihn, wie der aus den eigenen Reihn.
Paßt Obacht! Da steht euer Feind,
der euch hundertmal verraten!
Den Bonzen loben gern vereint
Nationale und Demokraten.
Freiheit? Erlösung? Gute Nacht.
Ihr seid um die Frucht eures Leidens gebracht.
Das macht: Ihr konntet euch nicht befrein
von dem Feind aus den eigenen Reihn,
von dem Feind aus den eigenen Reihn.
Theobald Tiger
Die Weltbühne, 28.12.1926, Nr. 52, S. 998,
Ja die Schweine sind ständig auf dem Weg zum Trog.
Der Rudi hat bewusste Produzentendemokratie gefordert. Irgendwer muss ihn da falsch verstanden haben. Auch schon vor ihm ging es um die Gemeinschaft der Werktätigen. Gebe so wird dir gegeben. Das Maß ist nicht wieviel du gibst sondern das du gibst.
Einen sehr interessanten Beitrag zu einer neuen Diskussion leistet Christian Siefkes mit seinem Buch Beitragen statt tauschen:
In den letzten Jahrzehnten ist eine neue Produktionsweise entstanden, die auf Kooperation und Teilen beruht. Diese Produktionsweise hat ausgereifte Betriebssysteme wie GNU/Linux sowie unzählige andere Freie Softwareprogramme hervorgebracht. Auch riesige Wissenssysteme wie die Wikipedia, eine große Bewegung Freier Kultur, und die sogenannte Blogosphäre – ein neues, dezentralisiertes Medium für die Verbreitung und Diskussion von Nachrichten und Wissen – sind auf ihrer Grundlage entstanden.
Bislang wird diese neue Produktionsweise – Peer-Produktion genannt – allerdings nur bei Informationsgütern praktiziert. In diesem Buch wird die Frage diskutiert, ob diese Beschränkung notwendig ist oder ob das Potential der Peer-Produktion weiter reicht. Ist eine Gesellschaft möglich, in der Peer-Produktion die dominierende Produktionsweise ist?
Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, wo die Bedürfnisse, nicht der Profit bestimmen, was und wie produziert wird? Wo es keinen Bedarf gibt, irgendetwas zu verkaufen, und somit auch keine Arbeitslosigkeit? Wo Konkurrenz eher ein Spiel ist als ein Kampf ums Überleben? Wo es keinen Unterschied mehr zwischen Menschen mit und Menschen ohne Kapital gibt? Eine Gesellschaft, die keine Knappheit braucht und in der es dumm wäre, Ideen und Wissen geheim zu halten statt sie zu teilen?
Mensch Rudi hättest du uns nicht einfach das Paradies versprechen können. Machen die anderen doch auch alle. Aber du willst uns in Bewegung halten. Wir sollen nicht nach der verlogenen Sonne schauen sondern ständig an der Zukunft arbeiten. Na gut. Wenn du meinst.



















