Ich schlage der Bundesregierung vor den Armutsbericht doch einfach ausfallen zu lassen. Die Statistik ist durch und durch verlogen, die Bemessungensgrenzen werden willkürlich hin und her geändert, die Zahlen werden von jedem anders interpretiert und am besten sind unsere Institute wie das Ifo-Institut des sinnlosen Professors der in seinem Hass allen anderen nur die blanke Not gönnt.
Es ist ganz einfach. Für die Armutsberechnung müssen wir nur festlegen wieviel Raum ein einzelner Mensch benötigt. Das ist simpel. Toilette, Kochnische und ein kombiniertes Wohnschlafzimmer. Auch die Größe lässt sich leicht festlegen. Da hilft die Zwingerverordnung für Hunde. Hunde mit einer Schulterhöhe von bis zu 50 Zentimeter haben Anspruch auf sechs Quadratmeter, bis zu 65 Zentimeter Schulterhöhe sind es acht Quadratmeter. Noch größere Hunde müssen zehn Quadratmeter Auslauf haben. Das bedeutet 0.12 Quadratmeter pro Zentimeter Körpergröße. Gehen wir Menschen von einer Durchschnittsgröße von 1,73 cm aus und geben ihnen aufgrund der Größe rund 21 qm.
Ja ich weiß das ist gemein, aber Herr Sarrazin und Herr Hundt werden bemängeln, das die meisten Einpersonenwohnklos dadurch zu groß sind, das Flure, Kochnische und Toilette mit Dusche zu viel Raum einnehmen. Denen kann gesagt werden, das auch bei Zwingern, Einbauten wie Futterplätze nicht zählen und es nur um den verfügbaren Auslauf geht.
Menschenjunge, auch Kinder genannt erreichen natürlich nicht die Größe von Erwachsenen, was ihr Raumbedürfnis allerdings nicht einschränkt. Das Zwingergesetz fragt ja auch nicht nach dem Alter des Hundes sondern nach der Zielkörpergröße. Glücklicherweise können sich mehr Personen auch gemeinsam Küche und Toilette/Bad teilen. Bei der Küche funktioniert das bis ans Ende der normalen Familiengrößen in Deutschland, bei Bad und Toilette sollten drei bis vier Personen die Obergrenze darstellen.
Unnötig zu sagen, das diese Fläche beheizt, beleuchtet, mit warmen und kaltem Wasser versorgt und auch entsorgt werden muss. Dazu muss die Stromversorgung für die Küche, also kochen und kühlen, für die Wäsche inkl Bügeln und je ein Elektrogerät wie Radio, Computer oder Fernseher pro Person enthalten sein.
Rechnen wir mal einen fünf Personen Haushalt weil ich die Zahlen gerade griffbereit habe und der mit Fluren und allem drum und dran zwischen 130 und 140 qm Wohnfläche braucht. In mittlerer Lage zum Mittelpreis in Berlin Wilmersdorf beträgt die Miete laut Mietspiegel 4,92 Euro Kalt zu denen etwas mehr als 2 Euro für die Warmmiete und die Nebenkosten kommen, also ca. 7 Euro, was bei 135 qm 945 Euro ausmachen würde.
Natürlich ist eine solche Wohnung zu solchen Bedingungen real nicht zu bekommen, aber um diskutieren zu können muss man beim Mietspiegel bleiben. Die Folge ist, das die Leute in kleineren Wohnungen leben. Rechnen wir dann noch Strom und eine Hausratsversicherung hinzu, sind das weitere 105 Euro.
Dazu eine Flatrate für DSL und innerdeutsche Telefonate im Festnetz, weil Kommunikation ja Teilhabe bedeutet. Die kostet rund 30 Euro, für jedes Familienmitglied eine Haftlichtversicherung kostet 20 Euro. Dazu für die gesamte Familie zwei übertragbare Umweltfahrkarten für den Citybereich macht 115 Euro. Die Fernsehgebühren mit 17 Euro, ein Abo der Welt mit 33 Euro.
Damit sind 1265 Euro weg, ohne das es etwas zu Essen, Kleidung, Bücher, Kino, Theater oder gar Urlaub gab.
Im § 1612a BGB legt ab 01.01.2008 einen gesetzlichen Mindestunterhalt für minderjährige Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben, fest:
Kinder bis 6 Jahre: 279 Euro
Kinder zwischen 7 und 12 Jahren: 322 Euro
Kinder zwischen 13 und 18 Jahren: 365 Euro.
Dieser Mindestunterhalt bezieht sich natürlich auch auf einen Anteil an den Wohn- und Lebenskosten, der aber hier vernachlässigt werden kann, da das Kindergeld abschließend vom Bedarf abgezogen wird. Die Gesetze gehen davon aus, dass der betreuende Elternteil seinen Anteil am Unterhalt nicht in bar sondern durch die Betreuung erbringt. Beide Anteile dürften also ebenbürtig sein. Bei dieser Betrachtung käme für ein Kind zwischen 7 und 12 Jahren aber ein realer Bedarf von 644 Euro zustande. Hartz IV sieht für die gleiche Gruppe einen Bedarf von nur 207 Euro, die Wohlfahrtsverbände sprechen von 249 Euro.
Es ist sehr schwer mit den von unserem Bundesamt für Statistik zusammengemogelten Zahlen etwas wirklich stichhaltiges zu sagen. Wir selbst haben mal Haushaltsbuch geführt, mit den üblichen Unsicherheiten, weil irgendwelche Einkaufszettel immer weg sind. Essen, trinken, Kleidung, Brillen, Haftpflicht, Spielzeug, Bücher, Stifte, Papier und all die vielen Kleinigkeiten am Rande bringen uns bei Kindern von 0 bis 6 Jahren heute auf rund 371 Euro im Monat. zieht man davon das Kindergeld ab, bleibt eine Belastung von 217 Euro. Ohne Wäsche und bei einer gutbürgerlichen Küche in der alles frisch gekocht wird. Nein die Hamburger kaufen auch wir. Bei Erwachsenen mit berufsbezogener Kleidung und ohne Alkohol und Zigaretten oder Ausgehen kommen wir auf 463 Euro. Das macht gesamt 1577 Euro.
Aber diese 1577 Euro sind ja noch nicht das Ende des Bedarfs. Um alle zwei Jahre einen Urlaub unter Minimalanforderungen machen zu können, müssen 7,5 Prozent der Ausgaben zurückgelegt werden, was in diesem Fall weitere 118 Euro sind. Die Versicherungswirtschaft geht davon aus, das pro Quadratmeter Wohnfläche ca. 650 Euro an Einrichtungswert vorhanden sind. Bei Einzelpersonen steigt dieser Wert an, weil hochwertige Elektrogeräte aus Küche und Wohnzimmer sich auf weniger Quadratmeter verteilen. Nimmt man die allfälligen Renovierungen dazu, dann ist es realistisch den Wohnungswert innerhalb von 9 Jahren auf Null abzuschreiben, was pro Quadratmeter und Monat 6 Euro sind und im Rechenbeispiel 810 Euro bedeuten.
Langsam wird es erschreckend. Unsere fünfköpfige Familie die alle zwei Jahre einen Urlaub mit Zusatzkosten von 2.840 Euro macht, kein Auto hat, nicht raucht, nicht trinkt und deren Wohnungseinrichtung inkl Fahrräder knapp 85.000 Euro wert ist, braucht im Monat 3.770 Euro netto. In ähnlicher höhe liegt auch das, was uns das Bundesamt für
Es ist wirklich nicht so, das diese Familie große Sprünge machen könnte. Sie kann leben und sich vernünftig ernähren, wird aber sowohl bei Anschaffungen als auch bei Reparaturen und der Wohnfläche immer Kompromisse machen müssen. Dagegen spricht in dieser Einkommensklasse auch noch nichts.
Wenn wir in Deutschland sagen das 60 Prozent des mittleren Einkommens die Armutsgrenze darstellen, dann würde dies bedeuten. das erst eine Familie dieser Art die weniger als 2.262 Euro zur Verfügung hat, arm ist. Gut Arme brauchen keinen Urlaub. Das bringt 118 Euro. Arme sollen keine Rücklagen haben, deshalb brauchen sie auch nichts abzuschreiben und dadurch Rücklagen für den Verbrauch zu bilden. Das bringt 810 Euro. Auf eine Zeitung kann man ebenfalls verzichten. Die Welt deren Abopreis hier zugrunde liegt, taugt eh nichts, und das bringt 33 Euro. Wer nicht Zeitung liest braucht auch keinen Computer und kein Telefon, das bringt weitere 30 Euro. Leider haben wir bisher erst 991 Euro zusammen.
Dann müssen die Armen eben auch noch zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, auch zur Arbeit, das bringt in Berlin 115 Euro. Damit haben wir die Leute ans Haus gefesselt, sie können nur noch auf einem Prepaidhandy angerufen werden, machen keinen Urlaub schaffen keine Rücklagen und sind im Arsch wenn die Waschmaschine oder der Kühlschrank kaputt gehen. Aber immer noch fehlen uns 402 Euro. Wir könnten sie natürlich alle in zwei Zimmern zusammenpferchen, aber selbst das bringt nur 300 und wir brauchten dann jemand der ständig den Streit schlichtet, damit sie sich nicht an den Kragen gehen.
Die letzten 102 Euro können am Essen gespart werden. Kaufen wir nur den letzten gleichförmigen Dreck ohne frische Produkte. Das macht Herrn Sarrazin glücklich. Wir haben nun eine Familie geschaffen in der keiner Leben kann, ständig einer dem anderen auf die Nerven geht, das schlechte Essen die Stimmung auch nicht bessert und in dem noch jemand oder mit etwas Pech zwei Leute arbeiten gehen müssen.
Gehen wir es noch einmal anders herum an. Bei Hartz IV ständen unserer Beispielfamilie 705 Euro Warmmiete zu, wobei bei Warmwasserversorgung noch 45 Euro abzuziehen sind, was eine reale Warmmiete von 660 Euro bedeutet. Realistisch sind das 2,5 Zimmer mit 70 qm in Berlin Wilmersdorf. Weit draußen in der Pampa gibt es mehr Fläche, dafür müsste aber viel mehr gefahren werden und mangels Wettbewerbs sind die Preise für Lebensmittel höher. Die zwei Erwachsenen bekämen je 311 Euro und die drei Kinder je 207 euro inkl. des Kindergeldes. Das macht zusammen 1592 Euro und ist seltsamerweise nur 42 Prozent des Mittellohns für derartige Familien.
Ja ich weiß, diese Rechnerei ist langweilig. Aber wenn ich sie nicht vorgerechnet hätte, könnte man nicht diskutieren. Für eine Familie mit zwei Kindern bedeutet Hartz IV 42 Prozent des Durchschnittslohns und liegt damit eindeutig wit unter der Armutsgrenze.
Die Armutsgrenze selbst ist mit 60 Prozent auch schon zu niedrig und stellt eine Gefahr für die Familie, die Erziehung und Startbedingungen der Kinder da. Warum das so ist, ist relativ einfach. Wenn schon ein Durchschnittsverdienst einer Familie nicht ausreicht um normal teilhaben zu können, dann kann die Armutsgrenze nicht bei 60 Prozent dieses Wertes liegen und dann ist Hartz IV mit nur 42 Prozent davon eine absolute Frechheit.
Meiner Meinung nach ist dieses Durchschnittseinkommen für eine volle Teilhabe auf durchschnittlichem Niveau schon um 20 Prozent zu gering. In meiner Beispielrechnung ist die Miete um mindestens 400 Euro zu niedrig und es fehlen rund 50 Euro Handykosten für alle, sowie einmal ausgehen zum Essen mit der ganzen Familie und ein Essen mit Abend und Kindermädchen für die Eltern.
Da das aber im Moment nicht zu erreichen ist, muss der Beginn der Armut nach oben, nämlich auf 80 Prozent des Durchschnitts verlegt werden. Jeder der darunter liegt ist definitiv arm.
Das Hauptarmutsrisiko sind sicherlich Kinder. Das ist ja auch der Grund für den Geburtenrückgang. Vom Urlaubszeitpunkt, über die Wohnung, Kindergarten- und Studienkosten sind sie die größte Belastung. Wie man auch immer rechnet kommt man auf Beträge zwischen 5 und 10.000 Euro pro Jahr und Kind und durchschnittlich auf 26 Betreuungsjahre was ohne Verzinsung rund 195.000 Euro bedeutet. Davon werden über das Kindergeld von der Allgemeinheit rund 48.000 Euro getragen, was einen Nettoverlust von 147.000 Euro bedeutet.
Da zu dem materiellen Aufwand auch der Zeitaufwand und die Einschränkung in der Lebensqualität der Eltern hinzukommt, ist diese finanzielle Schieflage das größte Problem. Es lässt sich am leichtesten lösen wenn das Kindergeld verdreifacht würde. Dann hätten die Eltern zwar immer noch 50.000 Euro und den Betreuungsaufwand selbst zu tragen, aber das würde die Sache rechenbar machen, da Kinder ab einem gewissen Alter natürlich auch eine Hilfe sind, wenn sie denn helfen wollen.
Für unsere Beispielfamilie würde das eine Entlastung von formal 924 Euro bedeuten wovon die Steuer aber sicher einiges wieder auffressen würde. Tatsächlich entspräche das dem Angleich an die geforderten 20 Prozent mehr Einkommen für den Durchschnitt.
Plötzlich sähe auch unser Armutsfall viel vernünftiger aus. Sie wären arm, könnten aber mit viel Geschick noch gerade so teilhaben. Sogar bei Hartz IV würde die blanke Not etwas menschlicher.
Im Grunde genommen müssten in diesem Land die Löhne bei gleichbleibenden Kosten um 20 Prozent nach oben, was aber Gewerkschaften voraussetzen würde die sich nicht kaufen lassen und einen Gesetzgeber der mit Mindestlöhnen von unten her Druck macht.




















Vielen Dank und LG
R.B.