Da soll doch noch einer sagen, die Spaßgesellschaft sei tot. Nein, sie lebt und der Kongress tanzt. Diesmal war es keine Kommission und auch kein Arbeitskreis, es war ein Gesprächskreis um den ehemaligen Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi. Andere sprechen von einem Beraterkreis.
Das Ergebnis war die weltbewegende Erkenntnis, das mit dem Aufbau Ost und der tollen Förderung war so richtig nichts. Für diese Erkenntnis hätte sich niemand im Kreis hinsetzen müssen und auch nicht im Rechteck. Da hätte ein Anruf bei irgendeinem Bürgermeister zwischen Rügen und Zittau gereicht, um diese Erkenntnis zu gewinnen.
Dank den fachlich kompetenten Empfehlungen, die unser zukünftiger Bundespräsident Horst Köhler seinem dicken Kanzlerfreund Kohl eingeflüstert hatte, war jede Chance für die neuen Länder von Anfang an vertan. Wie immer in Deutschland werden jetzt die Schuldigen befördert, so wird Herr Köhler Bundespräsident und darf aufgrund seines damaligen Versagens noch mehr Schaden anrichten. Die Unschuldigen, die neuen Bundesbürger, also die ehemaligen Einwohner der sowjetischen Besatzungszone, werden Laborratten bei dem Versuch Sonderwirtschaftszone. Hauptsache Zone.
Großes Lob von allen, die keine Ahnung haben oder selbst nicht gefährdet sind. Endlich Schluss mit Tariflöhnen und Arbeitsschutz, Krankenkasse und Sozialversicherung. Freies Unternehmertum schafft sich ein Kalkutta mitten in Deutschland, und das mit noch kürzeren Transportwegen auf guten deutschen Autobahnen. Der Traum aller unfähigen Manager.
Das ist Spaßgesellschaft pur. Für zwei Euro die Stunde am Fließband schuften und 800 Euro für Miete und Heizung ausgeben. Wenn da kein Aufschwung kommt. Wie bitte, dann müssten die Leute ja schon 400 Stunden für die Wohnung arbeiten. Ja und. Da soll die Mutter ruhig mal mit ran, und dass die Kinder nur auf der Straße rumhängen, muss ja auch nicht sein. Die können doch Fußbälle für den DFB nähen, das machen die Kinder in Pakistan auch, wenn keine Kameras da sind. Ansonsten müssen die sich halt Zelte kaufen und in Sonderlagern leben.
Am besten mit Sichtschutzzäunen von der Autobahn getrennt und mit Lärmschutzwällen von den Nachbarn abgeschottet. Slums gibt es überall auf der Welt, warum nicht bei uns? Die Gewerkschaften werden schon mitmachen. Frau Dr. Ursula Engelen-Kefer und Herr Michael Sommer sind zwar noch nicht so richtig dafür, aber das wird sich geben.
Frau Engelen-Kefer ist sich als Multifunktionärin ja schon häufig nicht mehr sicher gewesen, für wen sie gerade spricht. Die wird das schon managen. Wahrscheinlich wird der DGB dafür sorgen, dass einmal im Monat jeder gewerkschaftlich organisierte Slumbewohner Anspruch auf eine fünfminütige lauwarme Dusche in zentralen, automatisierten Duschanlagen haben wird. Das ist dann soziale Gerechtigkeit.
Die FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper ist natürlich begeistert, sie kommt ja aus der Spaßpartei. Und der ewige zweite Mann Nordrhein-Westfalens, der dortige Wirtschaftsminister Harald Schartau, verlangt sogar Subventionen für die Umsiedlung von Firmen aus den alten Bundesländern in die Sonderwirtschaftszone. Da steckt Humor drin. Wenn schon im Arsch, dann auch richtig.
Da ist selbst Friedrich Merz, dem Bierdeckeldompteur, noch nichts eingefallen, was man da noch oben drauf setzen könnte. Auch Papa Genscher, der Hallenser mit Leib und Seele, der vorsichtshalber aber nicht dort leben möchte, verdient sich seine 40.000 Euro bei der Berliner PR-Agentur WMP EuroCom AG redlich und ist natürlich auch dafür, eine Sonderwirtschaftszone einzurichten.
Dr. Michael Rogowski, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und anerkannter Fachmann für unsinnige Wortmeldungen, kann nun endlich das deutsche Tarifrecht öffentlich verbrennen und ausbeuten lassen, was das Zeug hält. Da kommt Freude auf, das ist Spaß pur.
Vor allem ist das ganze Gelabere völlig ungefährlich. Der EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat bereits klar signalisiert, dass diese Pläne gegen das EU-Recht verstoßen und nicht genehmigungsfähig sind. Und tschüss. Aber Spaß hat es doch gemacht.
< Wahrsager | Offener Brief an Rolf Heckmann, Gesamtbetriebsrats- und Aufsichtsratsmitglied der Siemens AG. >



















