41. Liebessachen und ein Wohltäter
Sie sagte sich: Mit ihm schlafen, ja –
aber nur keine Intimität.
Karl Kraus
25. April 2006 Wien 16 Uhr 10
Helga hatte ihrem Hintern erklärt, dass er zu schweigen habe und war ebenfalls mitgekommen, sehr zum Missfallen Dragos.
Sie lachte höhnisch, als er sie bat, zu bleiben. Zu sehr hatte er sie gekränkt dieser Tage, als sie ihm einen Heiratsantrag gemacht hatte. Mit der fadenscheinigen Ausrede, er müsse erst eine richtige Existenz aufbauen mit seinem geplanten Musiklokal, hatte er glatt nein geantwortet.
Nun sagte sie, während sie den Trolley packte: „Vielleicht finde ich ja da oben einen Kerl, der meinen Heiratsantrag würdigt!“
„Aber Helga! Ich schwöre dir, du bist die Liebe meines Lebens. Und wir machen Hochzeit.“
Helga hörte auf herumzukramen und die Sachen in den Koffer zu schleudern. Sie blickte Drago an. „Wann?“
Er schlug die Augen nieder. „Wenn ich das Lokal zum Laufen gebracht habe.“
Sofort knüllte sie ihre Reizwäsche in den Trolley. „Dann pfeif ich drauf.“
Eine zurückgewiesene Frau ist gefährlich. Aufgeladen trat Helga die Reise nach Hamburg an.
Tatijana hatte die Zimmerreservierungen im Hotel Atlantic gemacht. Selbstverständlich hatte Johann die Atlantic-Suite, sie und Helga waren in der einen Corner-Suite untergebracht, Homer und Mücke hatten jeweils eine Juniorsuite, weil sie nicht mit anderen in einem Zimmer schlafen konnten und Hubsi musste mit der Störchin in der anderen Corner-Suite nächtigen.
Während Huber über solche Dinge gar nicht nachdachte, würde er eben auf der Couch schlafen, grinste die Störchin innerlich. Helga glaubte, dass Tatijana Homer oder Mücke allein haben wollte, um mit ihnen rummachen zu können, wie ihr der Sinn gerade stand. Homer war wirklich froh, seine Ruhe zu haben. Johann und Mücke war das ganze egal, Hauptsache, der Reichsgraf hatte Platz und einen Konferenzraum.
Die Hamburger Innenbehörde stellte ihnen die Kriminalrätin Manuela Weißbach zur Verfügung, die eigentlich für den Informationsfluss zu den Ermittlern sorgen sollte. Aber schon nach wenigen Minuten im Konferenzraum erkannte sie, dass die Angereisten sehr viel mehr an Wissen in ihrem System hatten, als sie selbst.
Zusammen mit Tatijana sorgte sie dafür, dass die relevanten Daten zur Hamburger Polizei flossen und ein Kanal für die Daten aus der Brandermittlung in Richtung Ermittlerteam offen stand.
Im lokalen dritten Fernsehprogramm wurde eine Zusammenfassung über das Leben von Roger Harry Schillke gezeigt. Es gab eine erstaunliche Menge von Originalaufnahmen vor Gerichten und bei Veranstaltungen der Hamburger Gesellschaft. Die Vorwürfe bezüglich des Kunstdiebstahles und der Fälschungen wurden erst am Ende des Beitrags gebracht. Vermutlich war das Material eigentlich für einen Nachruf bereitgestellt worden, um im Falle eines Falles schnell sendebereit zu sein. Der Bruch zwischen dem positiven ersten Teil, in dem Schillke als Familienmensch, Wohltäter und erfolgreicher Anwalt gezeigt wurde und dem zweiten Teil war überdeutlich.
„Leider wird uns in diesem Bericht nicht gesagt, mit wem Schillke zusammengearbeitet hat. Das bringt uns also auch nicht weiter. Was ist mit den Telefondaten?“ Johann ging alles viel zu langsam.
„Seine Kanzlei blockiert uns vollständig“, teilte Frau Weißbach mit, „Es ist nicht abzusehen, ob wir von einem Richter einen Beschluss dazu bekommen. Schließlich war der Mann Rechtsanwalt und seine Mandanten müssen geschützt werden. Ich glaube, das kriegen wir hier, auch bei dieser Beweislage gegen einen Toten nicht durch.“
„Dachte ich mir schon. Das ist die eine Krähe, die der anderen kein Auge aushackt. Das war einer der Gründe, weshalb ich den Polizeidienst quittiert habe. Homer, würdest du bitte deine Lieblingsfreundin anrufen? Wir brauchen ihre Hilfe. Du kannst sie ja nach Hamburg einladen. Die Sache mit dem Trampfrachter bringt mich auf die Idee, doch mal an der Stelle tiefer zu bohren. Frau Weißbach, könnten Sie mal anfangen, in Hamburg nach Menschenhandel zu fahnden. Alles, was sie kriegen können und eventuell mit Schillke oder Benno von der Lohe zu tun hat.“
„Gegen von der Lohe haben wir doch noch nicht einmal einen Anfangsverdacht. Das wird Ärger geben, wenn wir da etwas anfassen“, versuchte sich die Weißbach zu drücken.
„Quatsch! In einer Stunde haben Sie die Aussage, dass von der Lohe mit drinsteckt. Also fangen Sie schon an.“ Michael Mücke griff, noch während er sprach zum Telefon und rief seinen Mitarbeiter Trinkhaus an. „Hör zu, Trinkhaus, im Computer haben wir Fotos von einem Benno von der Lohe. So ein Hamburger Obermufti. Greif dir den Staatsanwalt und dann fahrt ihr nach Moabit. Ich will, dass Olav Geiger den auch als Auftraggeber benennt. Versprich ihm zur Belohnung, dass ihm keiner mehr ins Essen pinkeln wird, oder Sonnenschein im Winter. Ich brauch die beeidigte Aussage auf Video so schnell wie möglich.“
Trinkhaus hatte wortlos aufgelegt. Die Aufgabe war leicht zu lösen. Der Faschoheini hatte die Hosen ja ständig voll.
Zwischendurch hatte auch Homer mit Cecil telefoniert. Die würde sich schnell von einer Boeing F/A-18F „Super Hornet“ von Ramstein aus rüberfliegen lassen. Homer hätten hundert Pferde und ein ganzes Armeechor nicht in solch ein Kampfflugzeug gekriegt. Die Dame benutzte das Ding einfach mal eben als schnelles Taxi zu ihrem Liebhaber. Homer schwante Böses, denn eines war klar: Cecil würde ihn nicht aufgeben.
26 April 2006 Hamburg 8 Uhr 30
Benno von der Lohe hatte seine eigenen Quellen in die Hamburger Staatsanwaltschaft. Seine Seismographen waren in höchster Alarmbereitschaft, sodass bereits die ersten Ermittlungsschritte gegen ihn sofort gemeldet wurden.
Er ließ von seiner Sekretärin die, wie er es nannte, „Schmarotzerpost“ der letzten Wochen hereinbringen. All die Briefe, in denen er und andere Hamburger Honoratioren um Spenden angegangen wurden, weil die öffentliche Hand angeblich kein Geld hatte. Private Bittbriefe landeten schon bei Bennos Sekretärin im Müll.
Schnell wurde er fündig. Der Innensenator wollte Geld für ein Sportprojekt in St. Georg. Als Ausgleich zu den Drogenproblemen, die er und seine Vorgänge gerade in diese Gegend verschoben hatten, weil sich die normalen Bürger dort nicht wehren konnten.
Natürlich blieb er der Kanzlei Schillke treu. Das wurde einfach von ihm und den anderen Klienten erwartet. Zumindest für eine gewisse Schamfrist. Deshalb rief auch ein Anwalt dieser Kanzlei den Pressesprecher des Innensenators an. Die beiden fanden schnell einen Weg, es so kostengünstig wie möglich für Benno und so prestigeträchtig für beide wie möglich zu machen.
Nach einem frühen Abendessen im Fischereihafenrestaurant wurde die sorgfältige präparierte Presse, die rein zufällig dort in Hundertschaften angerückt war, vom ebenso zufällig anwesenden Pressesprecher des Senators über das Programm 'Zehn mal eine Million' aufgeklärt, nachdem Benno von der Lohe sich verpflichtete, in den Hamburger Jugendsport zur Verbrechensprävention für die Dauer von zehn Jahren jedes Jahr eine Million zu spenden. Dies sollte als Signal auch für andere Honoratioren verstanden werden. Das Geld würde nur für zusätzliche Aufgaben eingesetzt werden und in einem Fond landen, der auch Kapital bilden sollte.
Den Journalisten war klar, dass dies nichts anderes bedeutete, als dass Benno von der Lohe für zehn Jahre das Geld, mit dem er eigentlich seine Steuern hätte bezahlen müssen, nun in diesen Fond steckte und dafür noch belobigt werden wollte. Sie wussten auch, der Fond würde das Kapital behalten und bestenfalls flossen die Zinsen in den Zweck.
Mit dem Kapital ließ sich ja locker Sicherheit für neue Kredite darstellen. Aber was nützte es. Niemand, der als Journalist an seinem Job hing, hätte es gewagt, die Dinge kritisch zu hinterfragen oder gar kritisch zu berichten. Sie sahen sich selbst und waren wohl auch Meinungsmacher im Sinne von Public Relations. Egal, wie mies der Zweck auch immer sein mochte.
20. April 2006 Hamburg 20 Uhr 10
Die Ermittler aßen im Konferenzraum von Johann zu Abend, als die Nachricht von der großzügigen Spende durchkam. Breit grinsend fragte Mücke: „Ob da wohl jemandem der Arsch brennt?“
„Wenn sie freigiebig werden, ist das das Zeichen, dass wir sie haben. Erlebe ich bei mir in Wien dauernd. Passt auf, Morgen küsst er Babys. Hat Trinkhaus eigentlich die Aussage dieses braunen Trottels schon geschickt?“ Huber sah fragend in die Runde.
„Hubsi. Das war vorhin. Was da so aufgeregt gepiepst hat, als du versuchtest, dich mit der Krawatte zu erwürgen, war dein Handy mit der Nachricht“, sagte die Störchin und lächelte ihn liebevoll an.
„Ich kann abends keine Krawatten binden, das mach ich morgens und da geht es“, maulte Huber.
„Kenne ich von meinem Vater. Wenn der anfängt über das Binden von Krawatten nachzudenken, macht der sich nen Knoten in den Arm“, krähte Tatijana albern. Sie war ein wenig verunsichert über Cecil Whiteness, die nicht nur aufgetreten war, als ob ihr Homer gehören würde, sondern auch so, als ob sie ihn sicher habe.
Tatijana wusste, dass dieses Mäuschen sich nicht grundlos so gebärdete. Egal, wie erfolgreich sie auch immer Job sein mochte, ihr Privatleben ging aus der Art, wie sie sich kleidete und agierte, hervor. Was also hatte sich geändert?
Sie hätte beinahe laut losgelacht, als sie es begriff. Nun war Tatijana klar, welchen Trumpf die gute Cecil im wahrsten Sinne des Wortes in sich hatte. Ob Homer es wohl auch schon wusste? Eher nicht, der sah ziemlich hilflos und gleichzeitig gebauchpinselt aus. Nachdem ihre Neugierde befriedigt war, wünschte sie den beiden innerlich Glück und vor allem viel Spaß. Sie hatte nie einen Anteilschein an Homer oder anderen gewollt. Selbst den, den sie wollte, wollte sie nur haben, aber nicht besitzen. Sie grinste über so viel innere Philosophie.
Helga hatte Tatijanas Mienenspiel und Blicke verfolgt. Sie konnte sich ungefähr vorstellen, worüber sie nachdachte. Die graue Maus vom Hotelfahrstuhl in St. Petersburg hatte sich zwar noch nicht zu einem Schwan entwickelt, aber sie war auf dem Wege dorthin. War Tati eifersüchtig? Nein, entschied Helga. Sie wollte mit allen nur ihren Spaß und selbst bei dem einen war sich Helga nicht sicher, ob sie dort wirklich mehr wollte. Was brachte Tati jetzt nur zum Grinsen? Helga würde ihre Neugierde noch ein Weilchen bezähmen müssen.
Johann hob die Tafel auf. „Leute, es ist Zeit, schlafen zu gehen. Wir sehen uns, falls nicht irgendwas passiert, um acht Uhr wieder hier zum Frühstück. Das ist sinnvoller als im Frühstücksraum. Hier sind wir ungestörter. Ich hab noch eine Frage, Tatijana, hast du ein Zimmer für Cecil Whiteness organisiert oder muss ich das noch erledigen?“
„Nicht nötig“, flötete Cecil, „es war kein Zimmer mehr frei, da hab ich mein Gepäck in deine Suite bringen lassen, Homer. Wir arbeiten ja schließlich für die gleiche Regierung, da dürfte das kein Problem sein.“
Während Homer resignierend mit den Achseln zuckte, grinste Cecil die Russin kampflüstern an, die aber nur breit zurückgrinste. „Fein, dann ist das ja auch geklärt, aber bitte singt nicht alle Stunde die Nationalhymne ab. Das ist in Deutschland nachts nicht so üblich und könnte für Irritationen sorgen.“
Johann wollte zwar erst fragen, worum es eigentlich hing, schüttelte dann aber nur den Kopf. Er würde diese Weiber nie verstehen und wenn er jetzt fragte, würde er nur blöd dastehen und Tatijana ihn mit wissendem Blick wie ein kleines Kind behandeln. Dann lieber dumm sterben.
Er griff zum Telefon und bat die letzten Gäste des Abends nach oben. „Tatijana, Helga, ich habe die Leute von Pinkerton auf Benno von der Lohe angesetzt, mal eben hören, was die haben.“ Es klopfte an der Tür und zwei hünenhafte Schwarze betraten den Raum.
Tatijana sprang von ihrem Stuhl auf und lief den beiden entgegen: „Tom, Dick, ihr seid bei Pinkerton! Mensch, ich freue mich dämlich. Das ist aber ein Zufall. Ich hatte mir die Adresse von Saras und Gretchens Blumenladen schon zurechtgelegt, aber bisher noch keine Zeit, mich zu melden. Es war übrigens eine wunderbare Nacht im Suspekt.“ Beide erhielten einen dicken Kuss, dann huschte Tatijana wieder an ihren Platz.
„Ja, da fahren wir gerne immer wieder hin, ins Suspekt“, antwortete Tom. „Unsere Frauen auch. Es ist ungezwungener als Hamburg und wir mögen Wien. Ich war ja mal eine Zeitlang an unserer Botschaft dort. Aber jetzt zur Sache.“
Johann überlegte, was die beiden Riesen und ihre Frauen mit Tatijana wohl im Suspekt angestellt haben konnten. Wenn das, was sich in ihren Hosen abzeichnete war, für was er es hielt und kein Ofenrohr, dann konnte die kleine Russin das unmöglich unterbringen. Er hüstelte und zwang sich dazu, auf den Bericht zu achten, den Dick ablieferte. „In der kriminellen Szene gilt Schillke als Handlanger von Benno von der Lohe. Es scheint, dass er ziemlich mies behandelt wurde und sich immer dadurch revanchierte, seinen Boss zu bescheißen. Ein paar Ältere sagen, dass ihn Benno deshalb so kurz gehalten hat, damit er betrügt und er ihn immer in der Hand hat.“
„Welche Älteren?“, wollte Johann wissen.
„Nutten, die heute nur noch als Toilettenfrauen arbeiten, alte Einbrecher auf Rente, alte Zuhälter, die jetzt Zeitungen austragen. Die bekommen alles mit und gelten immer noch als vertrauenswürdig. Ein paar haben schon für Bennos Vater gearbeitet. Die haben zwar nicht alle einen Kalender im Kopf, aber was in welcher Reihenfolge passiert ist und wer wann die Macht hatte, wissen die genau.“
„Akzeptiert“, sagte Johann, froh über die klare Ansage. „Solche Informationen dürfen ruhig ein paar Spesengelder kosten.“
„Die meisten von denen sind froh, wenn ihnen jemand zuhört und einen Kaffee ausgibt. Es ist nicht schön, in dem Gewerbe alt zu werden.“ Tom schauderte sichtlich bei dem Gedanken, als alter Mann so leben zu müssen.
„Stimmt, können wir aber nicht ändern. Fest steht, dass der Tod Schillkes in der Unterwelt keine Wellen schlägt. Selbst sein Nachfolger scheint wohl schon festzustehen. Ein junger Anwalt aus der gleichen Kanzlei, dessen Großvater und Vater mal kriminelle Größen im Ruhrgebiet waren. Die Botschaft lautet Business wie üblich. Selbst die Geschäfte mit den Mädchen gehen weiter. Morgen Abend soll da ein neuer Transport nach Südamerika abfahren. Den Schiffsnamen bekommen wir noch rein.“
„In Ordnung. Haben wir sonst alle Daten in unserem System?“
„Ja, Herr Graf, wir setzen ja seit sieben Jahren auch Ihr System ein. Auch die Pläne von der Neidmühle sind da, die aber ziemlich unsicher scheinen. Wir wollen versuchen, einen Mitarbeiter der Bauaufsicht da rein zu bringen, aber das wird schwierig. Alles weitere morgen.“
„Das Schiff mit den Mädchen verlässt die Elbe nicht. Benno von der Lohe kriegen wir auch, ohne dass die dafür bluten müssen. Nett wäre nur, wenn Sie das mit dem Zoll und der Küstenwache direkt regeln könnten. Die sollen auch die Lorbeeren bekommen, aber die Nachricht so lange wie irgend möglich zurückhalten.“
„Machen wir, Herr Graf, also bis morgen. Dann haben wir auch den Terminplan von Benno. Sein Rechner ist zwar offen wie ein Scheunentor, aber leider sind die Daten verschlüsselt. Das dauert ein wenig.“
Nachdem die beiden gegangen waren, wandte sich Johann an Tatijana und Helga: „Wir müssen unter allen Umständen mit irgendeinem Vorwand in die Neidmühle. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der alte Biber seine Schätze alle in diesem Bau hat. Wir kriegen allerdings so schnell keinen Durchsuchungsbefehl. Die Belastung durch die Aussage von Olav Geiger nützt nur bedingt etwas, weil sie Staub aufwirbelt und meinen eigentlichen Plan vielleicht verdeckt.“
„Du willst also, dass wir beide dem guten Benno um den Bart gehen, uns in seine Höhle schleppen lassen, dann laut um Hilfe schreien und hoffen, dass du schnell genug mit der Kavallerie da bist, um unsere Unschuld zu retten?“, kombinierte Tatijana. Ihr Grinsen war provokant.
„Na, wenn ich mir die beiden Schränke ansehe und mir vorstelle, was du mit denen im Suspekt getrieben hast, dürfte das mit der Unschuld nicht mehr so weit her sein.“
„Mein liebster gräflicher Johann, was glaubst du denn, was die Jungs mit ihren großen Dingern mit mir gemacht haben?“, biss sie mit blitzenden Augen zurück.
„Wahrscheinlich Kampftrinken oder Murmelspielen. Mir ist wichtiger, dass ihr irgendwie an den Benno herankommt.“
Sie zog eine Schnute, aber Helga sagte: „Machen wir doch mit links. Mal sehen, wen von uns er haben will.“
Die beiden Frauen zogen grinsend ab.
„Was er sich wohl schon denken mag?“ Helga kicherte auf dem Flur, „Der hat sich dich bildlich zwischen den beiden vorgestellt. Fast klang da sowas wie Eifersucht raus.“
„Ach, Helgalieb. Wenn es doch nur so wäre. Aber der ereifert sich nur, wenn ein Mandant unsere Rechnungen nicht sofort bezahlt und wonach der süchtig ist, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.“
Mittlerweile waren sie in ihrer Suite angekommen. Helga platzte bald vor Neugierde: „Was ist denn eigentlich mit Cecil und Homer? Das Mäuschen hat ja ganz schön Fahrt aufgenommen und spielt jetzt mit deinem Spielzeug.“
„Homer ist ein nettes Spielzeug. Aber ich fürchte, nicht mehr meins. Die gute Cecil hat ihn oder wird ihn zumindest haben, wenn sie die Wahrheit rauslässt.“
„Welche Wahrheit, Tati?“
„Was macht uns Frauen so sicher, einen Kerl erst einmal fest an der Leine zu haben?“
Helga machte große Augen. „Du meinst, sie ist schwanger? Oh Gott. Was werden ihre Eltern und ihre Gemeinde sagen. Ein schwarzes Baby in ihrem weißen Bauch. Das ist da doch ein echtes Sakrileg.“
„Ja. Aber ich glaube, sie hat sich davon freigeschwommen. Jahrzehntelang hat sie ihre Lust immer nur geträumt und sich bestenfalls mit ein paar Milchbubis eingelassen. Gegenüber diesen Erfahrungen war jede Stuhlkante erotischer. Nun hat sie einen Kerl gefunden, der ihr Spaß macht und dem das, was ihr Spaß macht, wohl auch Spaß macht. Das lässt die nicht wieder los. Um keinen Preis der Welt.“
„Weiß Homer schon Bescheid?“
„Nein. Sie hat Angst, er könnte nein sagen. Aber wenn sie es nicht versauen will, muss sie es schnell tun. Wenn er es selber herausfindet, ist er enttäuscht und fühlt sich hintergangen. Dann ist sie ihn los. Vielleicht kann ich ihr das die Tage irgendwie klarmachen. Du könntest dann mal Homer ablenken.“
Huber hatte tatsächlich vorgehabt, auf der Couch zu schlafen, sich dann aber doch überreden lassen, ins Bett zu kommen. Unter der Decke zog er seine Shorts aus, weil er immer nackt schlief. Erst hatte er sich nur schlafend gestellt, um jeder Peinlichkeit zu entgehen, dann war er einfach eingeschlafen.
Die Störchin dachte lächelnd über ihn nach, als er sich im Schlaf plötzlich herumwälzte und sich in Löffelstellung an ihren Rücken drückte.
Oha, dachte seine Bettgefährtin, aber Huber schlief wirklich. Seine Hand ruhte nun auf ihrem Bauch knapp über der Scham, der warme Atem strich über ihren Nacken. Das war eine süße Folter. Sie drängte sich noch näher an ihn.
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