< Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht | Die Dänen waren nicht immer so rassistisch wie heute >
42. Schiff Ahoi
Für jedes Schwein kommt sein Schlachttag.
Aus Spanien
27. April 2006 Hamburg 8 Uhr 20
Pünktlich zum Frühstück lagen die vorläufigen Berichte der Brandermittler vor. Um sie zu erläutern und für Rückfragen, war extra ein Beamter erschienen, der sich nun das Frühstück schmecken ließ und dabei vortrug: „Brandursache ist die Sprengung eines Rapsöltanks. Allerdings wurde der Tank mit zwei völlig unterschiedlichen Sprengsystemen bestückt, von denen nur die Funkvariante ausgelöst wurde. Sie zündete alle vier Sprengsätze, während die Handyvariante nur zwei gezündet hätte. Wir gehen deshalb davon aus, dass jemand zwei Ladungen zusätzlich angebracht hat und diese mit den vorhandenen verbunden hat.“
„Wie können Sie sicher sein, dass nur der Funkzünder benutzt wurde?“, wollte Homer wissen.
„Der Handyzünder wurde praktisch weggesprengt, also muss die Zündung an einer anderen Stelle in diesem Sprengpaket erfolgt sein. Es waren übrigens auch unterschiedliche Sprengstoffe. Die zweite und wie wir meinen, spätere Ladung war eindeutig militärisch. NVA oder auch französische Marine.“
„Warum ist eigentlich nicht das ganze Haus abgebrannt?“, war Homers nächste Frage.
„Weil der Tank auseinander geblasen und das Rapsöl zunächst im Inneren verdichtet wurde und dann schlagartig nach unten entweichen konnte. Es gab nur wenig Verteilung von dem Öl und noch dazu ist es kein Brandbeschleuniger.“
Johann sah ihn fragend an: „Ich hab schon ganze Rapsfelder brennen sehen, weil nur ein Häcksler ein wenig heiß gelaufen ist. Da hätte doch brennen müssen wie die Hölle?“
„Das hat der Besitzer auch gehofft. Aber sie kennen doch Schmiede, die glühendes Eisen in Dieselöl abkühlen. Öl ist schwer entflammbar. Auf dem Acker führte die Sonneneinstrahlung bei wenig Wind zu einem Öl-Luftgemisch das leicht entzündlich ist. Aber dazu war es im Haus zu kalt.“
„Wie meinen Sie? Der Besitzer hat den Tank nur für eine Sprengung einbauen lassen. Um warm abzubrechen?“, fragte Mücke, „Ist dass nicht ein bisschen viel Aufwand, um Spuren zu verwischen?“
„Die Heizung, für die der Tank angeblich gedacht war, wurde nie gebaut, bestellt oder auch nur angefragt. Der Besitzer wollte den Tank wahrscheinlich wirklich nur, um das Gebäude im Notfall schnell abfackeln zu können. Wir haben sechs Zellen gefunden, die Gefangenen wären alle mit verbrannt, hätte es sich um Benzin gehandelt anstatt um Öl.“
Der Kollege von der Mordkommission fuhr fort: „Die Zellen waren leer, aber wir haben drei tote Jungen gefunden. Sie müssen vor ihm gekniet haben, bevor er sie in den Kopf schoss. Zwei müssen noch gelebt haben, die haben jeweils einen weiteren Einschuss. Die Fingerabdrücke Schillkes sind auf der Waffe, Schmauchspuren an seiner rechten Hand. Kein direktes Anzeichen für Fremdverschulden.“
„Moment mal.“ Mücke war plötzlich hellwach: „Kein direktes Anzeichen für Fremdverschulden, heißt doch, dass ihr einen ganzen Arsch voll indirekter Anzeichen habt oder einfach das meiste nicht zusammenreimen könnt. Die Sprache kenne ich von meinen Leuten in Berlin. Was also ist los?“
Der Brandermittler grinste. „Wir sagen Fremdverschulden. Es gab nichts, was die Zündung hätte auslösen können in der Wohnung. Die Fenster waren geschlossen, also kann er auch nichts rausgeworfen haben. Wie bitte schön, hat er dann die Ladung gezündet und sich erschossen? Außerdem sind Bilder umgehängt worden. Das sieht man an den Spuren an der Wand. Das muss kurzfristig passiert sein.“
Irgendetwas daran störte Tatijana. Sie stand auf und ging im Raum umher.
Der Kripomann redete weiter: „Wir haben den Obduktionsbericht noch nicht, aber da wird klar Selbstmord rauskommen. Vielleicht hat ein anderer die Sprengladung gezündet oder irgendeine Automatik, die wir nicht erkannt haben. Vielleicht musste man alle sechs Stunden anrufen, damit es nicht bumms macht.“
Tatijana wanderte immer noch auf und ab, was Johann ein Stirnrunzeln entlockte, aber der Brandermittler ließ sich so leicht nicht irritieren: „Es war ein reiner Funkzünder, ohne jede weitere Elektronik und ohne jeden Krimskrams. Reichweite vielleicht zwei Kilometer, digital im militärischen Frequenzbereich. Wir haben bei der Marine angefragt, aber noch keine Antwort. Die müssten das Signal archiviert haben.“
Cecil beobachtete Tatijana, sah aber jetzt ihre Chance den Dingen eine Wendung zu geben: „Können Sie mir die Frequenz nennen? Vielleicht kann ich helfen.“ Sie notierte die Angabe und griff zum Handy.
Plötzlich brüllte die Russin: „Der Arsch war Linkshänder, der trug die Uhr rechts und bei der Aufnahme mit dem Tontaubenschießen schoss er auch links. Wieso sollte der sich in die rechte Schläfe schießen?“
Der Mann von der Mordkommission rief sofort die Kollegen an, die sich im Haus des Toten befanden. Die Ehefrau bestätigte, dass ihr Mann Linkshänder gewesen sei. Dass er auch sonst alles falsch gemacht habe, gab der Mann nicht weiter. Die Liebe und Wärme, die hier herrschte, hatte er bei sich zu Hause noch nicht einmal in der Tiefkühltruhe. Frau, Tochter und Sohn berührte der Tod des Ehemannes und Vaters überhaupt nicht. Hier gab es Motive für mehrere Morde, aber er würde das lediglich in seinen Bericht schreiben. Häuser an der Elbchausee gehörten normalerweise nicht zu seinem Tätigkeitsbereich.
Fast gleichzeitig mit diesen Meldungen gingen auch die Berichte aus der Gerichtsmedizin ein. Der Einschusswinkel stimmte nicht für einen selbst durchgeführten Schuss. Die Haltung wäre viel zu verdreht gewesen. Die Schmauchspuren an der rechten Hand hatten zudem fehlende Bereiche, wie sie entstehen, wenn eine Hand von einer anderen umfasst wird. Außerdem hatte der Tote seit längerer Zeit nicht mehr gebadet und dadurch Entzündungen an diversen kritischen Stellen zwischen den Beinen und unter den Armen, die nicht versorgt worden waren. Es handelte sich um Mord. Wahrscheinlich Mord an einem schlecht gehaltenen Gefangenen.
Johann übernahm jetzt wieder die Führung: „Wir können davon ausgehen, dass Schillke von demjenigen erledigt wurde, in dessen Auftrag er arbeitete, oder vielmehr, ein Killer ist gebucht worden. Bisher haben wir da nur einen möglichen Namen. Benno von der Lohe. Wie gestern schon abgesprochen, werden sich Tatijana und Helga heute an alle die Orte begeben, an denen er auch auftaucht. Ich habe dafür bereits einen Wagen organisiert. Übertreibt es nicht, aber wir müssen an den Kameraden ran.“
Tatijana verabschiedete sich mit einer militärischen Ehrenbezeugung und einem tiefen Diener vor der Versammlung, während Helga nur einen Knicks machte.
Johann lächelte gequält: „Frau Weißbach, wenn die Hamburger Behörden einverstanden sind, würde ich Herrn Nixon bitten, die Bilder in die USA in das Laboratorium bringen zu lassen, das wir schon einmal eingesetzt haben, um festzustellen, ob es die Originale sind oder auch nur Kopien. Das sollten wir mit allen Bildern aus der Wohnung machen, die in Frage kommen.“
Frau Weißbach nickte: „Wir haben dafür keine Laborkompetenz, das Angebot nehmen wir gerne an, Sie müssten allerdings für den Transport und die Versicherung sorgen, da wir auch dafür keine Mittel haben.“
„Wenn die Bilder nicht zu groß sind, könnten die Piloten die mich gebracht haben, sie mit der Super Hornet rüberfliegen“, bot Cecil an.
Johann überlegte kurz: „Nein, die passen da schon rein, wenn nicht das neue Radar eingebaut wurde. Aber die Maschinen damit sind ja noch nicht in Europa. Der Versicherungsschutz ist auch gegeben. Also weg mit den Dingern. Frau Weißbach, ich wäre dafür, das wir der Presse sagen, Schillke wurde ermordet und wir haben bereits einen Täter im Visier.“
„Ich werde den Namen von der Lohe nicht nennen, ohne klare Beweise zu haben.“
„Sie sollen den Namen gar nicht erwähnen. Es reicht, wenn von der Lohe weiß, dass wir hinter ihm her sind. Ich will ihm ein Spielchen anbieten und hoffe, dass er arrogant genug ist, darauf einzugehen.“
Was Frau Weißbach nicht wissen konnte, war, dass MM bereits über ein E-Mail-Konto, das ins Nichts führte, Kopien des Vernehmungsprotokolls von Olav Geiger an die Presse geschickt hatte.
Dummerweise wollte Frau Weißbach allein die Lorbeeren ernten und führte die Pressekonferenz selber. Als sie den Mord bekanntgab und davon sprach, es gäbe bereits einen Tatverdächtigen, prasselte der Name Benno von der Lohe von allen Seiten auf sie ein. Sie versuchte, einen eleganten Eiertanz hinzulegen, scheiterte aber komplett. Selbst dem Dümmsten war nun klar, dass Benno verdächtigt wurde, es aber anscheinend nicht für einen Haftbefehl oder ähnliches reichte.
27. April 2006 Hamburg 10 Uhr 30
Benno hatte aus seinen Pressekontakten schon früh von der Berliner Vernehmung gehört. Da er nun wirklich keinen Olav Geiger kannte oder jemals getroffen hatte, ließ ihn dessen Aussage kalt. Er war sich sicher, das war ein Schuss ins Blaue, um der Polizei die Möglichkeit zu Ermittlungen zu geben. Aber es wurde Zeit, eine weitere Versicherung abzuschließen.
Er fuhr zu einem Zahnarzt, der eigentlich nur ein Problem hatte, das darin bestand, dass er viel Geld für Koks brauchte und er eigentlich keinen Doktortitel hatte und auch sein Name nicht stimmte. Aber er tauschte kommentarlos einen von Bennos Stiftzähnen gegen einen anderen aus. Das machte er sehr vorsichtig. Ein toter Benno von der Lohe auf seinem Zahnarztstuhl hätte ihn endgültig erledigt.
Benno prüfte den neuen Zahn im Spiegel. Da war kein Unterschied zu erkennen. Aber das Gefühl im Mund und im Kopf war ungewohnt. Immer wieder prüfte er mit der Zunge seine letzte Versicherung.
Er dachte auch kurz darüber nach, die Zigeunerinnen zu entsorgen. Aber er entschied sich dagegen. Die Neidmühle war seine Burg. Die würden sie so schnell nicht stürmen können. Wahrscheinlich würden sie versuchen, mit einem Trick hereinzukommen. Darauf war er gut vorbereitet.
Selbst jemand, der wusste, wonach er suchte, würde kaum etwas finden können. Dazu waren seine Vorkehrungen zu gut und zu sicher. Es würde ein nettes Spiel werden. Hoffentlich gab sich die Gegenseite Mühe, obwohl er als Sieger schon jetzt feststand.
27 April 2006 Hamburg 10 Uhr 45
Die 'Anna Maria Kornmann' war ein älterer und für die heutigen Zeiten viel zu kleiner Containerfrachter. So war sie in der Schiffshierarchie immer weiter nach unten gerutscht und lief nun mit zwei anderen Schiffen für eine kleine Reederei, die mehr tot als lebendig war.
Nur die deutsche Flagge hatte sie immer beibehalten, weil das in vielen Häfen weniger Kontrollen bedeutete, da die Deutschen selber für ihre Kontrollwut bekannt waren.
Mit den guten Geschäften waren auch die guten Manieren und die Moral verloren gegangen. Es gab keine Fracht mehr, die sie nicht genommen hätte und keinen Hafen, den sie nicht anlief. Aber selbst der Waffen- und Menschenhandel brachte nicht genug, um das Schiff in Ordnung halten zu können, vielleicht wollte das auch niemand mehr. Vielleicht wartete man nur noch auf die richtige Fracht, um als Versicherungsschaden zu den Fischen gehen zu können. Die Mannschaft war auf alles gefasst.
Nachdem der Hafenlotse in Teufelsbrück vom Elblotsen abgelöst worden war, kam das Schiff am Schulauer Fährhaus vorbei, wo an der Willkomm Höft die Schiffe, die nach Hamburg kommen begrüßt und die ausfahrenden Schiffe auch wieder verabschiedet werden.
Vor der Höft lagen zwei Schnellboote der Bundesmarine und was den Lotsen noch mehr verwunderte war, dass es von der Höft keinen Gruß für die ausfahrende 'Anna Maria Kornmann' gab. Das war in seinen fünfzehn Dienstjahren noch nie vorgekommen. Noch verwirrter war er, als bei Pagensand zwei weitere Schnellboote, die wohl von Glücksstadt gekommen waren und zwei Kutter der Küstenwache, sowie diverse Zollboote den Weg versperrten. Ein Blick auf den Radarschirm zeigte ihm, dass beim Bieshorster Sand die Tür nach hinten von den zwei Schnellbooten dicht gemacht wurde, die sie vorhin noch beim Schulauer Fährhaus gesehen hatten.
Der Kapitän wurde bleich. Die Küstenwache fragte zwar höflich per Funk, ob sie längsseits kommen dürfte. Die Frage war allerdings rhetorisch, da die mit hoher Geschwindigkeit heranbrausenden Schiffe schon längsseits anlegten.
Die vier Zentimeter Schnellfeuerkanonen der Schnellboote waren bemannt und sichtbar auf die 'Anna Maria Kornmann' ausgerichtet. Drei Mannschaftsmitglieder sprangen über Bord und versuchten schwimmend nach Bützfleht zu flüchten.
Sie wurden von Booten des Zolls eingesammelt. Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Küstenwache und der Zoll nahmen die komplette Mannschaft zunächst einmal fest und brachten sie von Bord.
Dann wurde das Schiff an den Südkai des Hafens Glücksstadt gelegt weil, der Tiefgang durch die geringe Beladung des kleinen Containerschiffes gerade ausreichte. Vor allem aber, weil im dortigen Hafen die kommenden Aktionen kaum Aufsehen erregen dürften.
Schon während der Fahrt nach Glückstadt hatten Mitarbeiter der Küstenwache und des Zolls in mehreren Sprachen auf dem Schiff laut ihre Hilfe angeboten. Aber die Antworten kamen aus Containern, die so leicht nicht zu erreichen waren.
In Glückstadt wurde das komplette Schiff entladen. Insgesamt konnten über dreißig Frauen und sechzehn Kinder befreit werden. In zwei Containern, die angeblich Düngemittel enthielten, befanden sich Maschinen zum Export nach Nordkorea, die dort zum Bau von Raketensteuerungen benutzt werden sollten. In anderen befanden sich Waffen mit dem Ziel Niger. Der Zoll, die Küstenwache und die Polizei würden Monate brauchen, um den Fang auszuwerten. Die Gefangenen wurden in ein Bundeswehrlazarett verlegt.
27. April 2006 Hamburg 10 Uhr 50
Das Programm, das in der Nacht von außen auf Bennos Computern installiert worden war, nur als illegal zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung gewesen. Im Grunde waren es drei Programme.
Zuerst kam ein Trojaner mit der normalen Email. In diesem Fall war es eine Einladung zu einem Empfang nach einem Tennisturnier. Der Absender war bekannt und natürlich wurde die Mail geöffnet. Kein Virenprogramm schlug an, weil die wenigen Virenprogramme, die diesen Trojaner gesehen hatten, ihn auch nicht bemerkt hatten und es deshalb keine Erkennungssoftware dafür gab.
Der Trojaner hatte nur die Aufgabe, einen Geist zu laden. Der kam von irgendeinem Rechner, auf dem eigentlich Fotos gespeichert werden konnten, um sie anderen zu zeigen. Meist waren es Fotos, die man nicht auf dem eigenen Rechner haben wollte. Aber er hatte auch schon von einer normalen Photoseite den Geist geladen.
Der Geist überprüfte sich selbst, fand sich in Ordnung und löschte den Trojaner. Dann begann er im Systembereich des Windows ein paar winzige Änderungen vorzunehmen und parkte sich zum Schluss selbst dort.
Von da aus versandte er in kleinen Portionen den gesamten Inhalt aller Festplatten dieses Rechners und der mit ihm verbundenen Rechner. Das dauert ein Weilchen. Aber der Geist hatte ja Zeit. War erst einmal alles übertragen, beschränkte er sich darauf, nur noch stündlich nachzusehen, was sich verändert hatte und versandte diese Veränderungen.
Selbst wenn ein aufmerksamer Netzwerksadministrator vorhanden gewesen wäre, die Adressen der einzelnen Datenpakete waren unterschiedlich. Es gab nichts Verdächtiges.
Benno von der Lohe hatte seine Systeme von Fachleuten einrichten lassen. Die hatten an die Methoden der Konkurrenz und an die Polizei gedacht. Wie hätten sie einen ernsthaften Hackereinsatz erwarten können? Die Verschlüsselung alleine hätte im Normalfall erst in Jahren geknackt werden können. Als der Supercomputer anlief, brauchte er genau sechzehn Sekunden, um den Code zu finden, der die Verschlüsselung aufbrach. Davon war der größte Teil Ladezeit. Die Daten eines oder mehrerer anderer Rechner zu stehlen, ist die eine Sache, sie auszuwerten, eine völlig andere. Oft benötigen bestimmte Programme bestimmte Hardware oder haben Hardwareschutzeinrichtungen die Raubkopien verhindern sollen. Häufig ist aber der Datenaufbau schon so chaotisch, das es sehr viele Mühe macht, Relevantes zu finden.
Der Terminkalender war schnell lokalisiert, genau wie das versteckte Mailprogramm, das wichtige Korrespondenz, Adressen und Telefonnummern enthielt. Die geheime Buchhaltung und das ebenso geheime Archiv wehrten sich kräftig.
Nun lagen zwar Beweise in Mengen vor, die jederzeit einen Haftbefehl gerechtfertigt hätten. Aber sie konnten nicht benutzt werden, da sie illegal erlangt worden waren. Der Abgleich mit den Daten und Abhörprotokollen der CIA bestätigte die Vermutungen, war aber gesetzlich nicht für den Einsatz vor Gericht tauglich.
Johann und Huber überlegten kurz, ob es nicht sinnvoll sei, den ganzen Kram an die Presse zu lancieren, um dann einfach abzuwarten. Doch dafür war alles zu kompliziert. Ein paar gute Anwälte, ein jahrelanger Prozess und dann ein billiger Vergleich mit ein paar hunderttausend Euro.
Der Plan lautete, dass Helga und Tatijana von Benno in seine Neidmühle gebracht werden mussten. Sie sollten von dort um Hilfe rufen, damit etwas unternommen werden durfte. Dann und nur dann konnten die Computer zu Beweismitteln werden. Die einzige Chance, die versteckten Bilder zu finden.
Franz Huber und Homer Nixon waren für ein ruhiges Vorgehen. Die beiden Köder sollten immer wieder an Benno vorbeizuziehen, bis er anbeiße.
Tatijana wäre am liebsten auf seiner Türschwelle zusammengebrochen oder hätte sich von ihm anfahren lassen. Helga wollte einfach klingeln und Goldminenanteile in Kanada verkaufen. Johann und Mücke waren dafür, Benno in Form einer Treibjagd mit Pinkerton-Leuten zu umstellen und kräftig Lärm zu machen.
Die Störchin schlug einen Kompromiss vor: „Machen wir doch die Treibjagd. Tatijana und Helga lassen wir erst einmal als Angelköder laufen und gleichzeitig sollte Frau Weißbach alles an staatlichen Bediensteten in die Neidmühle jagen, was sie lostreten kann. Brandschutz, Stromableser, Schornsteinfeger, Wasserwerke. Dazu noch eine Kanalüberprüfung mit Kamera.“
„Das kann ich alles auslösen, aber wir haben keine geschulten Leute dafür“, wandte Frau Weißbach ein.
„Nicht nötig“, antwortete die Störchin, „nehmen Sie ruhig die Originalleute. Benno von der Lohe wird uns dann erst recht für völlig bescheuert halten und glauben, dass er durchkommt. Die ganze Treibjagd soll ihm doch nur unsere Hilflosigkeit demonstrieren.“
„Ich komme mir auch so ziemlich hilflos vor“, meinte Homer, „Wir haben keinen einzigen legalen Beweis, obwohl wir genau wissen, was gelaufen ist.“
„Vielleicht doch. Zumindest könnten wir einen solchen Beweis finden.“ Cecil Whiteness sah von ihrem Notebook auf. „Ich habe es gerade als Zusammenfassung an alle geschickt. Die Frau des Justizbeamten hat ausgesagt, dass sie mehrfach mit ihrem Mann telefonieren durfte und er sie angerufen hat. Die Telefonate gingen über Relaisstationen, damit sie nicht verfolgbar sind. Allerdings ist die Technik auch den Geheimdiensten bekannt. Sie funktioniert nämlich nur, wenn ein unhörbares Trägersignal mitgeschliffen wird. Das können wir verfolgen.“
„Du meinst, ihr wisst, wohin der Anruf ging? Die waren doch wahrscheinlich auf einem Schiff oder so. Aber da werden noch ein paar hundert andere Schiffe gewesen sein.“ Mücke war skeptisch.
„Kein Problem, MM. Das Schiff hat sich bewegt. Damit ist es einzeln lokalisierbar geworden. Das Handy ist Prepaid und gestohlen oder angeblich gestohlen. Aber es ist noch eingeschaltet und fährt ganz brav auf einem Binnenschiff. Derzeit ist es gerade auf dem Elbe Seitenkanal kurz vor dem weißen Moor und fährt auf die Abzweigung in den Mittellandkanal bei Edelsbüttel zu.“
Johann fragte: „Irgendwelche Schleusen, an denen wir sie stoppen könnten?“
Cecil Whiteness grinste erfreut. „Ja, Graf. Sülfeld, falls sie nach Osten wollen, aber ich tippe auf westliche Richtung und die Doppelschleuse Anderten, sonst hätten sie besser auf der Elbe bleiben können.“
Da keiner widersprach, griff MM zum Telefon und alarmierte die Bundespolizei und die Polizei von Hannover. Cecil sorgte dafür, dass ihre Leute das Handy im Auge behielten. Anderten bestätigte sich schnell.
Worum es geht
Vorheriges Kapitel
Nächstes Kapitel am 17.06.2008
Trackbacks
Trackback-URL für diesen Eintrag
Keine Trackbacks



















