43. Benno von der Lohe oder der Zofentrick
Das Böse hat den Vorteil, das es auf den ersten
Blick aufregender erscheint als das Gute.
Ernst Ferstl
27. April 2006 Anderten 11 Uhr 10
Der Schiffer und seine Frau machten normalerweise die Arbeit, während Hank sich mit seinen Spielzeugen beschäftigte oder in den Tag hinein träumte. Da mehr als drei Mann Besatzung aufgefallen wäre, wurden alle harten Arbeiten von Leuten im Osten während längerer Liegezeiten gemacht.
Dem Schiffer war alles recht, denn eigentlich wäre keine Versicherung mehr bereit, ihn zu versichern, weil er betrunken in Holland einen Brückenpfeiler gerammt hatte. So war die Versicherung zwar so windig wie das ganze Schiff. Aber das störte niemanden wirklich.
Es störte auch nicht die Piloten der Bundeswehr, die mit Infrarotkameras tief in das Schiff hineinsahen. Sie zählten drei Leute und mindestens einen versteckten Hohlraum, in dem die Luft wärmer war als im sonstigen Schiff.
Zum letzten Mal überprüften sie die Position der Besatzungsmitglieder nach dem Einlaufen in die Schleuse. Hank hatte sich nicht aus seiner Kammer im Bug bewegt. Als der Kapitän die Leinen festgemacht hatte, sah er einen Haufen getarnter Gestalten, die sein Schiff enterten. Einer zeigt ihm, ein anderer seiner Frau die Mündung einer Waffe und legte die Finger auf die Lippen. Beide schwiegen wie erstarrt.
Hank hatte keine Chance. Die Kopfhörer im Ohr hätten auch die Laute übertönt, die normale Schritte erzeugt hätten; das Sondereinsatzkommando kam auf Socken und völlig lautlos. Er schaffte zwar den Griff in Richtung des Funkauslösers noch, aber die Einsatzkräfte waren wegen des Sprengstoffs gewarnt.
Es war ausgerechnet der Sprengstoffhund, der den Beamten die geheime Kabine zeigte, weil diese mit Sprengmitteln versehen war, um schnell vernichtet werden zu können. Die Einrichtung entsprach genau der Beschreibung, die die Frau des Justizangestellten und ihre Kinder der französischen Küstenwache gegeben hatte. Selbst die Stelle, an der sie versucht hatten, sich durch die Wand zu kratzen, war zu sehen.
Das reichte, um alle zu verhaften und nach Hamburg zu bringen. Damit nicht wieder ein Überfall auf einen Gefangenentransport versucht werden konnte, wurden die Gefangenen mit dem Hubschrauber der Bundespolizei geflogen.
27.04.2006 Hamburg 11 Uhr 20
Benno von der Lohe lächelte. „Kommen Sie doch ruhig herein. Selbstverständlich können Sie die Gasleitungen im Keller kontrollieren. Allerdings müssten die seit Jahren ohne Druck sein. Damals wurde der Anschluss an der Straße abgeklemmt.“ Er ließ den Mann mit seinem Messgerät alleine durch den Keller wandern. Da könnte er messen, solange er wollte. Er würde keinen Hohlraum finden. Schon gar nicht in der Art, in der der suchte. Das war schon der dritte öffentliche Bedienstete, der ihn heute langweilte. Seine Gegner waren Tölpel.
Der Mann von den Gaswerken war verärgert. Er verstand nicht, weshalb er in einem Haus ohne Gasanschluss nach Gas suchen sollte. Mürrisch und gelangweilt ging er alle Räume ab und war froh, als er das Haus wieder verlassen konnte. Niemand interessierte sich für sein Ergebnis. Nur das neue Messgerät musste er abgeben. Natürlich konnte er nicht wissen, dass er nur ein Ablenkungsmanöver war. Das Messgerät war eine Kamera, die die Räume aufnahm und elektrische Felder maß. So entstand über den Schornsteinfeger, den Mann von den Wasserwerken, einen Elektriker und zwei Funkmesswagen der Post ein sehr genaues Bild von dem Haus und seiner Elektronik.
Helga und Tatijana warteten darauf, dass Benno seinen Bau verließ. Aber er tat ihnen den Gefallen lange nicht. Er sagte sogar Termine ab. Schien dann aber umzuschalten und machte neue mit viel Öffentlichkeit.
Nach wenigen Minuten wussten sie auch, warum. Das Geistprogramm hatte die letzten Mails und sonstige Änderungen aus Bennos Computer übertragen.
Darin fand sich auch eine, in der er von einem leitenden Oberstaatsanwalt aufgefordert wurde, sich mutig zu zeigen. Es seien ja schließlich nur ein paar Privatermittler, die versuchten an seinem guten Ruf zu sägen. Ohne etwas in den Händen zu haben.
Zwar war der Staatsanwalt nicht in die Ermittlungen involviert, aber Frau Weißbach machte sich fleißig Notizen. Das würde wohl sehr bald das Ende einer Karriere sein.
Benno hatte für den Nachmittag den Besuch einer Vernissage zugesagt. Tatijana wollte vor seinem Eintreffen schon dort sein, aber Helga bremste: „Er soll doch wissen, dass wir die Köder sind, also folgen wir ihm deutlich. Sonst müsste er sich doch fragen, woher wir seine Plänen kennen.“
Da Helga recht hatte, fügte sich Tatijana.
Diesmal fand die Jahrestagung der Blues Brothers in Hamburg statt. Vier schwarze Fahrzeuge, mit jeweils vier schwarzgekleideten Herren, die mit Knopf im Ohr und Sonnenbrille sogar die Aufmerksamkeit eines Betrunkenen erregten, der vor dem Ausstellungsgebäude unbedingt wissen wollte, ob da ein Film gedreht würde.
Benno verstand zwar die Idee hinter dem Auftrieb, sah es aber als Verzweifelungstat. Im Haus hatten sie nichts gefunden, jetzt wollten sie ihn aus der Reserve locken. Er würde ihnen etwas husten.
Als die beiden Frauen hinter ihm auftauchten, war die Sache klar für ihn. Er hatte Bilder des gesamten Ermittlerteams von seinem Staatsanwalt bekommen. Mein Gott, waren die dämlich. Typisch für Versicherungen, sich solche Schwachköpfe andrehen zu lassen.
Tatijana mimte die naive Blondine und Helga die abgeklärte Grande Dame. Dabei amüsierten die beiden sich wirklich königlich, zumal die Ausstellung sich im wesentlichen mit dem besten Stück des Mannes beschäftigte, das die Künstlerin aus unterschiedlichen Materialen in unterschiedlichen Darstellungsformen zum Mittelpunkt ihrer Ausstellung und wohl auch ihres Lebens gemacht hatte.
Tatijana hatte ihre Freude an einem grellbunten Exponat, das eher in die siebziger Jahre gepasst hätte und sich durch ein zusätzliches Bällchen auszeichnete, ansonsten, abgesehen von der Größe, der Natur sehr entsprach.
Helga hatte auch eine Erklärung für das dritte Bällchen: „Das braucht er, damit er nicht umfällt, wenn du ihn auf den Stuhl stellst.“ Daraufhin brachen beide in Gelächter aus.
Beim nächsten Exponat bemängelte Helga, dass das dargestellte Pferd eben kein Springpferd sein könne, weil der fünfte Fuß jedes Hindernis erledigen würde. So alberten sie sich durch die Ausstellung und hatten damit das Interesse einiger Herren und vor allem Bennos erweckt. Er hatte seinen Spaß an dieser recht freien Form der Kunstbegutachtung und Kunstkritik, wollte aber nicht auf den erstbesten Haken beißen, sondern das Spiel ein Weilchen laufen lassen. Der Gegner sollte ja nicht misstrauisch werden. Nach der Vernissage ging es in ein Restaurant, von da in eine Bar.
Helga und Tatijana tauchten überall da auf, wo Benno war. Ebenso die Blues Brothers in Black. Die Situation bekam kafkaeske Züge und machte allen Beteiligten sichtlichen Spaß.
Irgendwann war es dann soweit. Tatijana pirschte sich an Benno von der Lohe heran, der an der Theke stand und auf seinen Daiquiri wartet. Sie schlenderte mit einem dieser ekelig süßen Cocktails in Pink an ihm vorüber, stolperte und übergoss seinen blütenweißen Anzug damit.
„Oh mein Gott, das ist ja grässlich! So eine Schweinerei. Sie sehen mich zutiefst bestürzt“, rief sie verzweifelt und fiel auf die Knie, rieb mit einem Taschentuch an den rosa Flecken herum, rang dazwischen die Hände.
Benno ärgerte sich insgeheim über diese Tussi von Detektivin oder was sie war, aber er sagte: „Ich bitte Sie, so schlimm ist das auch nicht. Obwohl die Farbe Ihres Getränkes tatsächlich schauerlich ist. Schmeckt das denn?“ Er bot ihr seine Hände, aber Tatijana blieb auf den Knien und schüttelte den Kopf. „Ich bin ja so dumm“, sagte sie mit ihrem schönsten Augenaufschlag und beugte den Oberkörper in seine Richtung, damit er in ihr Dekollete glotzen könne.
Helga fand, es wäre an der Zeit einzuschreiten und startete los. Schon von Ferne rief sie durch den Raum: „Tati, wie kannst du nur! Der arme Mann! Das geht doch nie wieder aus dem Anzug raus!“ Dann war sie schon neben ihr und riss Tatijana an ihrem Zopf. „Schäm dich“, schimpfte sie, „dafür gibt es eine Strafe!“
Benno von Lohe staunte nicht schlecht, als Helga der kleinen Blonden eine knallte.
„Vergib, Herrin“, flüsterte Tatijana.
Also spielten die zwei Weiber Zofinnenspiele, dachte Benno. Ob das die anderen Ermittler wussten?
Herrin und Dienerin, das konnte er sich nicht entgehen lassen. „Halb so schlimm, meine Dame“, sprach er Helga an, die immer noch außer sich war. Wieder streckte er die Hand aus, um Tatijana hoch zu helfen, und diesmal nahm sie an. Mit gesenktem Kopf stand sie neben Helga, die sich überschwänglich bei Benno entschuldigte.
Er winkte ab: „Es ist ohne Bedeutung. Ich würde mich allerdings gern umziehen fahren. Wollen Sie mich nicht begleiten?“
Die Aussicht, die zwei Agentinnen in seine Höhle zu locken, ließ seine Augen fiebrig glänzen. Er musste nur darauf achten, dass Zeugen sie das Haus auch wieder verlassen sahen.
Er hatte da ein paar nette Drogen, die die Sache spaßig machen würden. Während Tatijana die Pose der Zofe beibehielt, antwortete Helga: „Aber sehr gern! Wir fühlen uns geehrt.“
Die Bluesbrothers folgten diskret und die anderen Ermittler hatten sich längst um die Neidmühle postiert, um der Dinge zu harren, die da folgen sollten. Erleichtert konstatierte das Team, dass die Mädels es geschafft hatten, als sie mit Benno das Gebäude betraten.
27. April 2006 Hamburg 21 Uhr 30
Mittlerweile liefen die ersten Verhöre der Besatzung des Binnenschiffes. Natürlich hatte niemand irgendetwas gewusst. Der geheime Raum war genauso unbekannt wie die beiden abwerfbaren Schmuggelbehälter am Schiffsboden, und niemand wusste etwas über Sprengstoff.
Es würde noch dauern, bis die DNA-Spuren aus dem Raum ausgewertet waren, aber Hank war von den Zeugen im Beisein eines deutschen Konsularbeamten nach einem Foto erkannt und eindeutig identifiziert worden. Eine Gegenüberstellung würde erst in einigen Wochen erfolgen können, um wenigsten etwas Genesungszeit für die Opfer zu bekommen.
Noch waren sich Staatsanwaltschaft und Ermittler nicht einig, ob diese Vorwürfe schon jetzt in die Verhöre einfließen sollten, oder erst nach einer Gegenüberstellung. Vorläufig reichten der Sprengstoff und die Schmuggelvorrichtung als Haftgrund aus.
Johann und Mücke drängten darauf, einen Gang hochzuschalten, aber hier hatten sie nur beratende Funktion. Dann schlug plötzlich die Stimmung um. Die Gutachten der französischen Militärärzte waren endlich übersetzt worden. Gerade Hanks Vorgehen, bei dem die Ware nicht allzu sehr zu beschädigt wurde, kam ihnen sofort bekannt vor.
Sie hatten einige Berichte gefunden, in denen ein ähnlich grausames Vorgehen beschrieben worden war und sie hatten auch einen Namen. Hank war Gustav oder Gustavo ten Djeipen. Südafrikaner, Bure, gesucht in halb Afrika. Sprengstoff- und Vernehmungsexperte.
Cecil Whiteness rief ungefähr zur gleichen Zeit an: „Homer und ich haben gerade das System weitergefüttert. Hanks Handy und das von Benno von der Lohe haben sich am Abend des Brandes und zur Zeit der Explosion im Brandhaus oder zumindest doch in der Nähe befunden. Es sieht aus, als ob Hank Benno von einem Parkplatz abgeholt hat und auch wieder dort abgesetzte.“
„Stammt das aus verwertbaren Ergebnissen oder ist das geheim?“, fragte Johann, „Ich brauche etwas, um hier Druck zu machen.“
„Leider nicht, Johann, CIA Quelle. Aber wenn du bei einem Richter die Abfrage der Mobilfunknetze beantragst, wirst du das Ergebnis auch gerichtsfest bekommen. Kann dauern.“
Johann wandte sich an den Staatsanwalt und teilte ihm die Erkenntnisse mit.
„So schön solche Quellen sind. Aber erzählen Sie mir mal, wie beantrage ich etwas, von dem ich nicht wissen darf, das es passiert ist, ja, wo ich das nicht einmal vermuten kann?“
„Nichts einfacher als das“, antwortete Mücke, „Die Bilder bei Schillke sind nachträglich aufgehängt worden. Der Besitzer muss sie Hank übergeben haben. Hank kann überprüft werden, weil ein Teil des Sprengstoffes der gleiche war, wie auf dem Schiff. Bei mir in Berlin fressen die Richter diese Kette immer. Allerdings sage ich ihnen auch, wenn ich schon vorher Bescheid weiß. Es macht keinen Sinn, sie zu belügen.“
Der Staatsanwalt antwortete: „Ich werde auch nicht lügen, aber doch wohl lieber auslassen. Wie kommt so ein armer kleiner Staatsanwalt an CIA-Erkenntnisse, der Richter wird jedes Mal argwöhnisch sein, wenn ich in Zukunft einen Antrag stelle. Gut, wenn ich weg bin, können Sie ja eine Weile die Vernehmung fortsetzen. Sofern die Hamburger Kollegen nichts dagegen haben. Steter Tropfen höhlt den Stein.“
Da Hank immer noch nicht nach einem Anwalt gefragt hatte, überließen sie Mücke und Johann das Feld. Mücke griff sich eine typische Verhörmappe, die nur dazu diente, den Verdächtigen unruhig zu machen. Während der überlegt, was um Himmels willen alles in der Mappe über ihn stehen mag, passt er an anderen Punkten meist nicht auf. Natürlich sortierte Johann auch ein paar aktuelle Bilder und Schriftstücke ein.
MM stellte sich vor: „Mein Name ist Michael Mücke, ich bin von der Kripo. Das ist Johann Laurenzio Reichsgraf zu Wernicke-Biesendorf. Er interessiert sich für die psychologische Komponente Ihres Falles.“
Johann zog eine runde Drahtbrille mit purem Fensterglas aus dem Jackett und setzte sie auf: „Wollen Sie nicht lieber zuerst Ihren Anwalt verständigen? Das macht einiges einfacher, wir können Ihnen auch einen besorgen.“
Hank grinste in sich hinein, also hatten sie schon einen Gehirnklempner geholt. Alles lief nach Plan. Der Sprengstoff würde kaum ins Gewicht fallen und die Geheimkammer war eben schon immer da gewesen. „Ich habe nichts getan, ich brauche keinen Anwalt. Fragen Sie nur, was immer sie wissen wollen. Ich helfe Ihnen gerne“, gab Hank zur Antwort.
„Gestatten Sie, dass ich auf meinem eigenen Gerät einen Mitschnitt unserer Unterhaltung fertige, falls das für eine spätere Begutachtung gebraucht wird?“, fragte Johann und stellte sein Handy auf den Tisch. In dem großen Display lief ein buntes Lichtsignal nach zufälligen Regeln.
„Selbstverständlich!“, antwortete Hank, der sich ein leises Grinsen nicht verkneifen konnte.
MM legte ihm die Fotos der drei Vergewaltigungsopfer vor, die sie von den französischen Kollegen hatten. Es waren zwei Serien von Nacktaufnahmen in der Totalen mit Vor- und Rückansicht.
„Hank, was empfinden Sie, wenn sie diese Bilder sehen?“ Johann sah ihn interessiert an.
Hank wusste nicht, wie sie an die Bilder gekommen waren, aber die Leute lebten und würden aussagen. In dem Punkt war er im Arsch. Er verfluchte sich selbst. Warum hatte er die nur nicht alle gemacht. Nun musste er umdenken. Zum Glück hatte er den Psychoonkel. Dem würde er schon das Blaue vom Himmel herunterlügen. Deswegen sagte er: „Ich ... ich empfinde Abscheu. Ich mag so etwas eigentlich nicht. Aber sie haben mich immer wieder gereizt. Vor allem die Tochter. die konnte gar nicht mehr aufhören.“
„Also war das nur am Anfang eine Vergewaltigung und am Ende einvernehmlich? Wissen Sie, wie oft Sie es mit jedem getan haben?“
Der Psychodoktor war echt doof.
„Eigentlich wollten sie es von Anfang an. Sie konnten es nur nicht so richtig zugeben, weil sie doch alle in dem einem Raum bleiben mussten. Sie wissen doch, wie sich das dann entwickelt. Sie senden dauernd Signale aus und ich bin schwach geworden.“
„Gut, lassen wir das.“ MM legte das Tatortfoto von dem getöteten Justizbeamten vor Hank auf den Tisch. „Was können Sie uns dazu sagen?“
„Das ist der Mann von denen. Ich wusste gar nicht, dass er tot ist. Dem sollte ich mit meiner Stimme Angst einjagen, damit er meinem Auftraggeber etwas verrät über Gefangenentransporte. Ich weiß aber nicht, worum es dabei genau ging.“
„Wer war Ihr Auftraggeber?“
Hank triumphierte innerlich. Mensch, was waren die naiv! „Ach, so ein polnischer Söldner, den habe ich mal in Serbien kennen gelernt. Der hatte den Job für mich. Ich weiß aber nur, dass er Sammy heißt. Er rief mich an, am Display wurde keine Nummer angezeigt.“
MM machte in seiner dicken Akte einen imaginären Haken: „Schön, vielleicht kommen wir ja da mit unseren polnischen Kollegen weiter. Kennen Sie diese Person?“ Er zeigte Hank ein großes Foto von Benno von der Lohe.
Hank erschrak, zum Glück war Benno vermummt gewesen. Niemand konnte sie zusammen erkannt haben. Ob es doch eine Kamera irgendwo gegeben hatte? Er zögerte: „Nein... nein, ich glaube nicht, dass ich den schon mal gesehen habe. Zumindest nicht bewusst.“
Das Aufzeichnungsgerät von dem Idiotendoktor gab immer wildere Lichtimpulse von sich. Sah fast aus wie ein Ufo.
„Seltsam, seltsam.“ Mücke blätterte in der Akte, „Sie kennen den Mann nicht, haben ihn, vier Bilder aus seinem Auto und sein Telefon aber am Parkplatz an der Schröderstifterstraße aufgenommen und sind mit ihm zum Nicolaifleet gefahren. Kennen Sie diesen Mann denn wenigstens? Er war in dem Haus, das Sie in die Luft gejagt haben, inklusive ein paar Jungen.“ Er blätterte Hank weitere Fotos vor. „Ach ja und nachdem Sie die Sprengung ausgelöst haben, sind Sie gemeinsam mit von der Lohe zum Parkplatz zurückgefahren. Dort haben Sie sich voneinander getrennt.“
Hank griff sich an Kopf, als würde ihm nun eine vage Erinnerung anfliegen, dann sagte er: „Ach, den meinen Sie! Ja. Stimmt. Ich hab ihn gefahren. Ich konnte ihn wirklich nicht aufhalten. Er war bewaffnet. Eigentlich sollte ich ihm nur helfen, da rein zu kommen. Dann hat er die Knaben und den Mann erschossen. Ich musste die Bilder aufhängen und andere mitnehmen. Ich konnte doch nicht wissen ...“
„Nein, natürlich konnten Sie nicht wissen. Aber können Sie bestätigen, dass es dieser Mann war?“ Johann spielte die Stimme Bennos von seinem Handy ab.
„Ja, ja, das war der Irre, ich erkenne ihn genau. Der hat auch das Haus gesprengt. Seien Sie nur vorsichtig.“ Hank rieb sich die Augen. „Herr Doktor, ich fühle mich so müde, könnten Sie mir etwas verschreiben?“
„Wir werden jetzt noch einiges überprüfen müssen, aber wenn Sie uns die Wahrheit gesagt haben und jetzt Ihre Aussagen noch einmal präzise bei den Kollegen hier machen, dann werden wir sehen, was wir für Sie tun können.“
Sie verließen den Raum und Mücke meinte grinsend: „Lebenslänglich und anschließende Sicherungsverwahrung dürfte das Mindeste sein. Mit etwas Glück traut der keinem Seelenklempner mehr und versucht gar nicht, auf unzurechnungsfähig rauszukommen.“
27. April 2006 23 Uhr 50
Benno hatte schon während der ganzen Fahrt eine seltsame Erregung in sich gespürt. Wie die Herrin ihrer Zofe eine geknallt hatte. Das mit anzusehen war ja fast noch schöner als selbst mit der Peitsche zuzuschlagen. Natürlich wollten die in erster Linie seine Höhle überprüfen, aber vielleicht konnte ja trotzdem noch reichlich Spaß für ihn dabei rausschauen.
Im Eingang schaltete er vorsichtshalber die Kameraüberwachung für das gesamte Gebäude ab. Er wollte sich ja nicht selbst dabei filmen, wie er dieses blonde Miststück nahm. Auf dem Weg an der Zofe vorbei presste er die Hand auf ihren Hintern und quetschte richtig zu.
„Ohh“, stöhnte Tatijana und streckte ihre Brüste raus. Der Schmerz war ihr egal. Er sollte sie ruhig ein wenig kratzen.
Helga lachte glockenhell und sagte: „Wollen Sie sie wirklich schon hier bestrafen? Ziehen Sie sich doch erst einmal den Anzug aus.“
Bennos Erregung stieg. Die wollte sogar, dass er die kleine Nutte bestrafte. Das hatte er ja noch nie erlebt. Schade, dass sie für die Versicherung arbeiteten. Davon hätte mancher Mann träumen können, dachte er und antwortete: „Ich hab es nicht eilig. Aber ich mag es, wenn die Regeln immer wieder mal wiederholt werden. Schmerz ist ein Instrument, das auch zur Übung dauernd gespielt werden muss.“ Diesmal griff er unter Tatijanas Kleid und krallte sich in ihrer Pobacke fest.
Die Russin war sich nicht sicher, ob er wirklich ihre DNA unter seinen Fingernägeln hatte. Lieber noch etwas abwarten. Er wollte seine Marken an ihr setzen. Das war klar. Also noch ein wenig Schmerz, und die Sache war sicher. Sie stöhnte ihre Qual heraus und presste sich gleichzeitig an Benno.
Er bugsierte die beiden in sein Schlafzimmer. Dort schob er einen Hocker in die Mitte des Raumes und befahl Tatijana, sich auf den Hocker zu knien. Dann riss er ihr die Brüste aus dem Kleid, drückte ihren Leib nach vorne und legte ihren Hintern frei. Den Slip fetzte er einfach aus dem Weg.
Die ‚Herrin’ Helga tat so, als ob sie die Sache nichts anging und lächelte Benno aufmunternd an. Er war inzwischen aus dem pinkgefleckten Anzug gestiegen und hatte sich einen Bademantel gegriffen.
Er wusste, dass er ihr nicht ernsthaft weh tun durfte, aber er würde sein Zeichen setzen, sozusagen seine Markierung, bevor er den Damen im Wohnzimmer Champagner anböte. Vielleicht der blonden Zofe auch seinen eigenen.
Benno griff noch einmal voll in Tatijanas Pobacke, krallte seine Nägel tief in ihr Fleisch und drehte dabei die Hand. Nun brauchte sie keinen Schmerz zu spielen, sie jaulte auf, fuhr herum und schlug Benno sehr schnell und sehr systematisch zusammen. Dann grinste sie Helga an. „Herrin, Sie können jetzt telefonieren. Herr von der Lohe ist angerichtet.“
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