In den Medien taucht immer häufiger der Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche auf, der gegen irgendwas bei VW oder den VW-Töchtern meckert:
Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche hatte Ende Mai den Vertrieb von Volkswagen als größte Schwachstelle bezeichnet. Da wisse "bisweilen die Linke nicht, was die Rechte tut". Bezogen auf den tobenden Mitbestimmungsstreit hatte Porsche gesagt: "Die Arbeiter könnten einfach an ihre Bänder gehen und arbeiten." VW-Chef Martin Winterkorn hatte sich irritiert über die Kritik gezeigt. Wolfsburger Unternehmenskreisen zufolge hat Winterkorn bereits mehrfach einen Rückzug erwogen, falls Porsche sich ins Tagesgeschäft einmischen sollte.
Sein wirklicher Gegenspieler hat die ganze Zeit mehr oder weniger zugesehen und meldet sich jetzt eher kläglich aus dem Off. Das liegt natürlich daran das Piech nur mit sehr viel Glück aus der VW-Affäre herausgekommen ist und nun als eigentlich schon Totgesagter dort sitzt, wo er nach anderen Planungen schon lange nicht mehr sein sollte:
Im Streit zwischen Volkswagen und dessen Großaktionär Porsche hat VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech sich hinter die Konzernführung gestellt.
"Ich halte den VW-Vorstand, hinter dem ich hundertprozentig stehe, für den derzeit besten Automobilvorstand der Welt", sagte Piech der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Dies gilt übrigens für die meisten unserer Mitarbeiter. Das merkt man an unseren Zahlen und unseren Produkten."
Um zu verstehen was da gerade läuft muss man ein wenig zurück in die Geschichte der Firma Porsche. Ferdinand Karl Piëch glaubte bis zum Sommer 1971, dass er die Macht ihm Hause Porsche zusammen mit Ferdinand Alexander Porsche übernehmen könnte. Wobei dieses zusammen nur bedeutet hätte, dass Ferdinand Alexander ein wenig am Design hätte herumspielen dürfen, während Ferdinand Piëch, alle Macht für sich selbst wollte.
Er konnte sich jedoch im Clan der Porsche-Enkel, vier Porsches und vier Piëchs nicht durchsetzen, deshalb zogen sich alle Miteigentümer als Kompromiss aus dem Geschäft zurück. Der Satz "Familie ist eine Sonderform des Krieges" trifft wohl auf diese Erbengemeinschaft besonders zu. Man spannte sich die Frau aus, tat sich an was sich nur Leute antun können, die sich gut kennen und ließ auch nichts aus.
Ferdinand Piëch sah sich um seine Zukunft gebracht und hat seine Karriere bei Audi und VW vermutlich immer nur als Ersatzkarriere gesehen. Natürlich wollte er der Familie den VW-Konzern auf dem silbernen Tablett überreichen, aber sein Gedanke bestand darin, dass er als Meister aller Klassen über den Dingen thronen könnte. Genaus so bestellte er als Aufsichtsratsvorsitzender von VW auch sein Haus. Er feuerte Bernd Pischetsrieder und zog seinen Vertrauten Winterkorn als Vorstandschef nach und meinte nun alles getan zu haben.
Der verbleibene Clan hatte jedoch ganz andere Pläne. Dort hatte man gehofft, das Piëch über die VW-Affäre stürzen würde und man ihn so elegant ausbooten könne. Das dies mangels ernsthafter Ermittlungen nicht möglich war, hält Porsche allerdings nicht auf. Denn auch wenn nach außen Ferdinand Piëch immer so getan hat, als sei er und sein Familienzweig die Firma Porsche, so ist das Unfug. Nachdem Ernst Piëch seine Anteile an Porsche heimlich an einen Investor verkauft hatte und diese für teures Geld von Porsche als Firma zurückgekauft wurden, hält der Piëch Zweig nur noch 46,8 Prozent der Anteile, während der Porsche Zweig insgesamt die Mehrheit mit 53,7 Prozent der Stammaktien hält. Die Gerüchteküche vermeldet außerdem das selbst Hans Michel Piëch wohl schon seit einiger Zeit nicht mehr an der Seite seines Bruders steht.
Damit steht Ferdinand Piëch einer weiteren Entwicklung von VW und Porsche nur im Wege. Dies insbesondere weil Piëch seine Macht bei VW ja oft auf den Arbeitnehmervertretern aufbaute, die ja wie heute bekannt ist, auf eine nicht immer einwandfreie Art gewonnen und überredet wurden. Man darf natürlich nicht vom System Piëch sprechen, aber es ist schon erstaunlich wie oft er sich auch mit völlig abstrusen Maßnahmen durchsetzen konnte. Er hat den gekauften Gewerkschaften zumindest für seine Interessen viel zu verdanken.
Die Interessen der VW-Mitarbeiter kamen dabei natürlich immer zu kurz, die von VW zumeist auch. Es ging um persönliche Macht. Die Macht des Ferdinand Piëch. Eine Macht die ein Wendelin Wiedeking mit Sicherheit nicht dulden wird. Er weiß zu genau was die Einmischungen von Piëch über die Jahre bei Porschee für Schäden zur Folge hatten. Erst als Wiedeking mit den Porsches klaren Kurs fuhr und Piëch praktisch draußen blieb, wurde Porsche zu dem was es heute ist.
Wiedeking will ein anderes VW. Diese schon fast quälende Vermauschelung mit den Gewerkschaften sind seine Sache nicht. Er mag klare Fronten, wie sie ein Gewerkschaftler auch mögen sollte. Es gehört sich einfach nicht mit dem Gegner die gleiche Hure zu teilen um dann am nächsten Morgen ernsthafte Verhandlungen vorzutäuschen.
Genau darin aber liegt das Problem. Die Gewerkschaft bei VW hat sich ja nicht erneuert. Es ist immer noch der alte Klüngel auch wenn ein paar Namen fehlen. Man hat sich wie oft bei solchen Auseinandersetzungen gegenseitig nicht weh getan. Selbst die Opfer die der Justiz gebracht werden mussten, sind sicherlich alle gut versorgt. Deshalb funktioniert diese jämmerliche Mauschelei auch so gut.
Aber wie soll sich ein Wiedeking vor seine Belegschaft stellen, die VW ja früher oder später wird mit dieser Hypothek von Piech auf seinem Rücken. Das kann er nicht, also muss er mit dem Büttel Wolfgang Porsche auf den Esel Winterkorn einschlagen um den Piëch aus dem Amt zu jagen.
Das ein Bernd Osterloh den Piëch stützt ist klar. Das kann niemand ernsthaft anders erwarten. Viel schlimmer ist aber, das jemand der nun überhaupt nichts versteht sich zum Verteidiger Piëchs macht und damit seine Inkompetenz und Dummheit in voller Breite zeigt:
Vor 50 Jahren sicherte der Bund zu, stets für einen staatlichen Mindesteinfluss bei VW zu sorgen. Auf das Papier will sich Niedersachsen notfalls berufen, falls das VW-Gesetz auch in neuer Form nicht zu halten ist.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) dürfte kurz schlucken: Auf den Bund kämen Kosten in Milliardenhöhe zu, wenn das Szenario eintritt, das Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am Wochenende beschrieben hat. Wulff setzt laut «Financial Times Deutschland» auf eine fast 50 Jahre alte Garantie des Bundes für den Fall, dass die EU-Kommission das neue VW-Gesetz kippt, das Niedersachsen weiterhin ein Vetorecht beim Autokonzern einräumt.
Das ist so typisch Wulff. Genau der Piëch, der den Wulff immer im Regen stehen ließ, soll jetzt gestützt werden. Wulff will den Frieden der Bestechlichen wahren, anstatt einen Neuanfang mit dem Schwung eines Wiedeking zu wagen. Wullf ist neoliberal und CDU. Rückwärtsgewandt schreitet er mutig nach vorne.
Grundsätzlich hat er natürlich recht, es ist ja nicht sein Geld. Er will ja wie alle seiner Zunft nur das Geld der Steuerzahler verbrennen. Geht die Entwicklung bei VW so weiter wie bisher wird es viele Arbeitsplätze kosten, aber auch das interessiert Wulff ja nicht, der hat sich ja schon über niedrigere Löhne, längere Arbeitszeiten und Entlassungen bei VW gefreut. Dem ist nicht zu helfen. Alles überschreitet seine Fähigkeiten.
Die Mitarbeiter bei VW sollten aber einmal darüber nachdenken ob sie nicht eine neue, eine eigene Gewerkschaft brauchen. Eine die ihre Interessen wirklich vertritt und sie nicht für ein paar Sitze im Aufsichtsrat oder sonstigen Gremien, ein paar Huren und etwas Extrageld verrät.



















