Guten Morgen Herr Heckmann, willkommen in der Realität. Da sitzen Sie nun schon seit 1988 im Aufsichtsrat dieser Bank mit angeschlossenem Elektroladen und haben doch erst heute mitbekommen wohin der Zug fährt. Respekt. Sie selbst haben doch 1992 Herrn Dr. jur. Dr.-Ing. E.h. Heinrich v. Pierer mit zum Vorstandsvorsitzenden gemacht. Jenen weisen Unternehmenslenker, den die Bundesregierung sogar vor dem Un-Sicherheitsrat reden ließ.
Sie haben doch einen Mann zugelassen, der außer einer kurzen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Erlangen niemals in der freien Wirtschaft gearbeitet hat und als Siemens-Indianer tief durchdrungen ist vom bürokratischen Ungeist Ihres Ladens. Und nun plötzlich finden Sie heraus, dass der Standort Deutschland aus reiner Profitgier komplett in Frage gestellt wird. Einen schönen guten Morgen aber auch.
Lieber Herr Heckmann, Sie sitzen in Ihrem sicherlich recht gut bezahlten Aufsichtsrat neben Ihrem Vorsitzenden Dr. rer. oec. Karl-Hermann Baumann, der pikanterweise als Aufsichtsratmitglied der Deutschen Bank auch Ihr Aufsichtsratsmitglied Dr. oec. Josef Ackermann kontrolliert, der dort den Vorturner mimt und die Deutsche Bank am liebsten schon lange nach London verlegt hätte, damit seine Geschäftsgeflogenheiten nicht vor deutschen Gerichten überprüft werden können. Da haben Sie also die ganzen Jahre gesessen und nichts mitbekommen. Sie Armer. Ich bedauere Sie zutiefst. Keiner hat Ihnen etwas gesagt. Wie gemein.
Das, mein lieber Herr Heckmann, können Sie Ihrer Großmutter erzählen, oder jemandem, der die Hose mit der Kneifzange zumacht. Nein, ein paar tausend Arbeitnehmer hier entlassen, ein paar Millionen dort verbraten, das darf doch der Kumpanei nicht schaden. Seien Sie sicher, Herr Heckmann, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, für Ihren Lebensabend ist bestens gesorgt. Nur bitte keine Krokodilstränen wegen der Arbeiter jetzt. Da hätten Sie schon ein bisschen früher agieren müssen. Ihren Kumpeln mal mit dem Kantholz drohen. Aber heute sind Sie nichts anderes als ein klassischer Gewerkschaftsfunktionär, der längst nicht mehr weiß, auf welcher Seite er steht, oder der sich vielmehr an der Seite der Esser, Ackermann und Pierer sehr wohl fühlt.
Sie fühlen sich nicht mehr wohl, und das haben Sie auch nicht gewollt. Nun gut. Da wäre ja noch Zeit für Abhilfe. Auch wenn Herr Ackermann zu Lasten der einfachen Aktionäre schon die Übernahmeszenarios vorbereitet hat, lässt sich noch etwas tun. Sie könnten dem Kapital und den Arbeitern gleichzeitig dienen.
Werfen Sie die Herrschaften Ackermann und Pierer raus. Sie meinen, das geht nicht? O doch, die Zeiten haben sich gewandelt. Siemens ist recht gut gewerkschaftlich organisiert. Fordern Sie ihre Mitarbeiter auf, nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. Stellen Sie fest, ob die Deutsche Bank aus Interna des Hauses Siemens Vorteile hatte. Der Versuch einer Prüfung, wird die Herrschaften schon verjagen und wenn nicht, warten Sie einfach auf die Ergebnisse. Nichts an die Presse, aber alles an die Staatsanwaltschaft.
Die Staatsanwälte in Deutschland sind heute anders als früher. Ein Ackermann und ein Pierer sind nicht mehr unantastbar. Fordern Sie die Aktionäre auf, ihr Stimmrecht nicht den Banken zu erteilen, sondern Schutzgemeinschaften zu beauftragen. Sie glauben, dass sie nichts finden werden. Keine Sorge. Verlassen Sie sich auf die Bibel: "Suchet, so werdet ihr finden." Die Herrschaften halten sich für unangreifbar, das fördert Fehler.
Sie müssen sich natürlich ein wenig anstrengen. Frau Engelen-Kefer wird nicht begeistert sein, dass Sie das Kapital angreifen. Auch den Genossen in Berlin wird das nicht gefallen. Sie können sich aber jederzeit damit trösten, dass dies Ihre eigentliche Aufgabe als Arbeitnehmervertreter wäre, wenn Sie ein solcher sein wollten.
Ansonsten wird sich die deutsche Bevölkerung schon zu wehren wissen. Wenn keiner mehr bei Siemens kauft, sind die Arbeitsplätze zwar auch dahin. Dafür können dann andere Firmen, die am Standort Deutschland bleiben wollen, die Aufträge abwickeln. Siemens hat kein Produkt, das wir unbedingt von Siemens kaufen müssten. Siemens kostet uns nur Geld und hindert kleinere Firmen am Aufstieg.
Ob die Aktionäre von einem Boykott allerdings begeistert sein werden, wage ich zu bezweifeln. Denen ist das sichere Geld in Deutschland lieber als Herr Pierer und seine Sonderwirtschaftszonen in China. Fragen Sie Ihren Vorstandsvorsitzenden doch mal, ob er mitgeht, wenn er die Arbeitsplätze verlagert. Die Antwort lautet nein. Der will deutsche Sicherheit und kostenlose Bewachung durch unsere Polizei, der will Kindergärten, Schulen, Universitäten, nur geben will er dafür nichts.
Ein Abzocker, voll reiner Profigier, wie Sie schon sagten Herr Heckmann. Wie weit sind ihr Vorstand und Aufsichtsrat eigentlich von Florida-Rolf und anderen Sozialhilfeabzockern entfernt, oder ist es das Gleiche, nur auf höherem Niveau? Addieren Sie mal in einer ruhigen Stunde, wie viel Geld Deutschlands Arbeiter für Siemens ausgegeben haben, seitdem Sie im Aufsichtsrat sind. Herr Heckmann, damit hätte der Mittelstand rund eine Million Arbeitsplätze geschaffen.
Nein, Herr Heckmann, keine Krokodilstränen, Sie haben es genau so gewollt, wie es jetzt kommt. Sie brauchen sich auch nicht zu schämen. Es wurde ja gut bezahlt.
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