Radfahren ist vernünftig und gesund. Solange man ein Fahrrad benutzt und sich an die Regeln hält. Dia anderen Radfahrer, die nach oben buckeln und nach unten treten, sind überflüssig oder Politiker, was ja auch nur ein anderes Wort für überflüssig ist.
Radfahrer und Regeln. Fängt beides mit R an, scheint aber irgendwie nicht zusammen zu passen. Nein, nicht der pubertierende Schnösel auf dem Bild. Der darf auf dem Gehweg fahren. Geistig ist der noch unter sechs und hat auf dem Radweg und der Fahrbahn nichts verloren. Den meine ich nicht.
Aber was ist mit der Mittzwanzigerin, die mit Helm und unter lautem Geklingel sich machtvoll ihren Weg auf dem Bürgersteig zwischen Werbeplakaten Kaffeehaustischen, spielenden Kindern und der Schlange an der Eisdiele bahnt und auf leises Murren der Fußgänger sofort kreischend fordert, das die doch alle zuhause bleiben können, wenn denen das nicht passt. Dabei fährt sie in Fahrtrichtung, keinen Meter von einem breiten Radweg entfernt. Aber der ist rot. Vielleicht gefällt ihr die Farbe nicht, oder sie versucht Kontakt zu ihren Mitmenschen aufzunehmen. Komische Art der Kontaktaufnahme.
Was ist nur mit dem Endvierziger. Ihn sehe ich täglich. Sicher der Bürgersteig ist breit, aber durchbrochen von drei Ausfahrten, davon eine Tankstelle. Er hat es eilig, oder er trainiert für die Tour de France. Ob er vielleicht gedopt ist und deshalb was am Hirn hat. Als er wieder mal auf mich, meine und fremde Kinder, sowie ein paar spielende Kinder zurast, reicht es mir. Ich stelle mich in seinen Weg. Damit hatte er nicht gerechnet.
Wen ich irgendjemand im Weg stehe ist das ein Hindernis. 1,93 Meter groß und aus der Gewichtsklasse der Elefanten. Kleinwagen brauchen Tankstops um mich zu umkurven. Er klingelt und schätzt die Lage ein. Ich grinse ihn an. Meine Kinder, ein paar Nachbarn und die Hunde werden aufmerksam. Er sieht meinen Blick und stoppt lieber. Wahrscheinlich hat er ausgerechnet wie lang meine Arme sind und ich hätte sie benutzt um ihn anzuhalten.
Ich gehe gleich einen Schritt nach vorne, so das ich sein Vorderrad zwischen meinen Beinen habe. Er kann nicht mehr weg, ohne meine Jeans zu beschmutzen. Das wäre der Hose und mir egal, kann er aber nicht wissen. Er fragt mich ob ich völlig bescheuert bin. Ich nicke freundlich und sage: " Ja, bin ich. Aber trotzdem einen schönen guten Tag. Ich wollte sie nur auf eine Modernisierung in unserer Stadt aufmerksam machen."
Er: "Häh. Ich habs eilig."
Ich: "Das heißt nicht Häh, sondern wie bitte, und wenn sie mich nicht unterbrechen geht es viel schneller"
Er schaut mich zweifelnd und ein wenig ängstlich an. Vielleicht bin ich ja wirklich irre.
"Also mein Freund, " dabei grinse ich ihn furchterregend an, wie meine Nachbarn später meinen. "unser Berliner Senat hat weder Kosten noch Mühen gescheut und in Berlin etwas völlig ungewöhnliches eingeführt. Wir haben die Verkehrswege von einander getrennt. U-Bahnen fahren unter der Erde, S- und Straßenbahnen auf eigenen Gleiskörpern und Autos auf der Straße. Fußgänger bewegen sich auf Bürgersteigen oder Gehwegen. Es gibt sogar ganze Fußgängerzonen. Wichtiger für sie ist aber, das es auch eigene Wege für Radfahrer gibt. Das nennt man Radwege ..."
Er ist kurz vor der Explosion. "Hälst du Arsch mich eigentlich für völlig bescheuert ..."
"Bitte keine Fangfragen, ohne Beisein meines Anwaltes, aber in dem Fall will ich einfach mal großzügig sein. Ja. Ich halte dich für völlig bescheuert und für völlig verantwortungslos, sonst würdest du einfach den Radweg benutzen."
Er schnappt nach Luft, überprüft mit den Augen noch mal meine Ausmaßes und tönt dann: "Ich kann fahren wo ich will, das ich mir doch nicht verbieten und wenn du mir jetzt nicht aus dem Weg gehst, rufe ich die Polizei, das ist ja Nötigung."
Ich grinse wieder: "Du hast recht das ist Nötigung, wie du über den Gehweg jagst, möchtest du mein Handy um die Polizei zu rufen, oder hast du ein eigenes?"
Er resigniert, reißt sein Fahrrad zurück, und schiebt es rennend über den Gehweg, den Radweg auf die Fahrbahn, wo er aufspringt und davonjagt. Durch das Hupen der wütenden Autofahrer höre ich noch wie er mich im Wegfahren beschimpft.
Ein Nachbar erklärt mir das der Typ Grundschullehrer ist. Na dann wundert mich gar nichts mehr.
Man muss keinen Kult aus der Radfahrerbeschimpfung machen, wir alle verhalten uns verkehrt im Verkehr, ob aus Unwissen, oder wie ich meist aus stinkender Faulheit. Das wäre kein besonderes Thema. Aber es scheint das immer mehr Radfahrer frei drehen. Wer auf das Bild des dummen Jungen klickt, sieht die ersten Gegenreaktionen, die auch nicht für gut halte.
Ich habe dann mal rumgefragt bei einigen Radfahrern. Meist ist es Faulheit, um abzukürzen, oder weil man in die Auslage eines Geschäftes sehen will. Aber ein Punkt kam mehrfach. Die PIN AG mit ihren Verteilern macht das doch ständig. Das ist leider richtig und meine alte
Aufregung über diesen Verein, hat nur dazu geführt, das sie nicht mehr bei mir klingeln. Auf dem Gehweg sind die nach wie vor lebensgefährlich. Aber damit habe ich mich abgefunden. Nachdem die, die Post für den öffentlichen Dienst transportieren, haben sie scheinbar keine Gesetze mehr zu befolgen.
Übrigens ein Radfahrer der bei uns den Hügel runterrast, kommt auch als ungeübter leicht über 40 km/h, was das bei einem Aufprall mit einem Kind bedeutet, brauche ich wohl nicht näher zu erklären.