44. Jetzt aber!
Eine Gemeinschaft ist wie ein Schiff:
Jeder sollte bereit sein, das Ruder zu übernehmen.
Henrik Ibsen
Kaum hatte Helga den Notruf an die Polizei wegen versuchter Vergewaltigung getätigt, stürmten die Pinkerton Leute zusammen mit Huber, Homer und Cecil Whiteness das Gebäude. Gleichzeitig rollten von allen Seiten Polizeifahrzeuge ohne Einsatzsignal heran und sperrten das Grundstück der Neidmühle wie auch die Zufahrtsstraßen weiträumig ab.
Dann begann für die Polizei das große Warten. Erst mussten sie ein Fahrzeug der Polizeiführung mit zwei Fremden durchlassen. Dann zwei LKWs der amerikanischen Armee. Dann wieder warten.
An einigen Punkten der Abriegelung trafen die Polizisten auf dunkelgekleidete, sehr schweigsame Leute, die nur dafür sorgten, dass niemand vorrückte. Einige der Beamten verdienten normalerweise etwas nebenbei damit, dass sie der Presse ein paar Tipps über Einsätze gaben. Aber was hätten sie hier schon sagen können?
In der Neidmühle war Benno an einen Stuhl gefesselt worden. Beide Hände befanden sich in Spurensicherungstüten und es wurde peinlichst darauf geachtet, dass er sie nicht abstreifte. Zu allem Übel hatte er auch noch eine schwarze Maske auf dem Kopf. Er tobte innerlich. Damit würden die Schweine nie durchkommen. Seine Anwälte würden diese Klage wegen Vergewaltigung in der Luft zerreißen.
Fragen nach seinem Anwalt wurden abgewiesen. Kein Bedarf. Noch sind Sie nicht festgenommen, war die anonyme Antwort.
Während Benno in einem Raum verwahrt wurde, begannen Fachleute des amerikanischen Militärs damit, alle Böden und Wände des Hauses zu untersuchen. Dabei wurden sie von den Radaraufnahmen der Luftüberwachung und den Ergebnissen, die die städtischen Bediensteten, ohne es zu wissen, erzielt hatten, unterstützt.
Die gleiche Technik der Amerikaner war auch schon in Afghanistan und dem Irak zum Aufspüren unterirdischer Anlagen und deren Sicherungen benutzt worden. Bennos kleine Geheimnisse waren dieser Technik nicht gewachsen.
Nachdem die Techniker einfach den Strom für das ganze Haus komplett abgeschaltet hatten, war das Notstromaggregat schnell entdeckt und die radarschluckenden Schichten in den Wänden wirkten ohne Strom eher wie Markierungen.
Bennos System verfügte über eine der dümmsten Sicherheitseinrichtungen, die man sich vorstellen konnte. Um nicht in seinem Verließ eingeschlossen zu werden, öffneten sich bei totalem Stromausfall alle Türen, weil ihre elektromagnetische Schließung nicht mehr funktionierte. Trotzdem dauerte es über zwei Stunden, bis die Militärs sicher waren, dass nichts mehr passieren konnte und den Strom wieder einschalteten.
Die Neidmühle verfügte im wesentlichen über zwei, in Teilbereichen sogar über drei Kellergeschosse. Es gab insgesamt drei Zugänge, wobei das Büro von Benno wohl der Hauptzugang gewesen war. Über eine Treppe ging es auf einen schmalen Gang, an dessen einen Ende ein Museum nun in hellem Glanz erstrahlte.
Das andere Ende des Ganges führte über eine weitere Treppe direkt ins Elend. Dort fanden sich fünf junge Frauen in verschiedenen Stufen der Verelendung. Sie konnten es nicht fassen, dass ihre Qual zu Ende sein sollte. Huber war der richtige Tröster.
Also rückten zuerst die Militärs ab. Dann kam die Hamburger Kripo, während Homer und Cecil verschwanden. Nachdem die Hamburger Kollegen eingeweiht waren, verschwanden auch Mücke und Johann mit den meisten der Pinkertons und endlich durfte die Polizei nachrücken.
Helga und Tatijana übergaben den nun wieder Maskenlosen Benno von der Lohe. Tom und Dick von Pinkerton erklärten, dass sie den Auftrag gehabt hatten, Benno zu überwachen und auf Tatijanas Geschrei zur Hilfe geeilt wären und den Angreifer überwältigt hatten.
Während Benno eine kostenlose Maniküre seiner Fingernägel durch die Spurensicherung bekam und Tatijana eine DNA-Probe abgab, begann Helga mit den Erklärungen. „Wir hatten den Auftrag schon fast abgeschlossen. Es sah lange Zeit nicht so aus, als ob er uns auf dem Leim gehen würde.“
„Kann es sein, dass er über ihre Motivation im Unklaren war, Frau Brenner?“, wollte eine strenge, junge Beamtin wissen.
„Nein“, antwortete Helga, „er wusste, dass wir hinter ihm her waren und keine Beweise hatten. Wir haben den Verdacht, dass er sehr genau über unseren aktuellen Ermittlungsstand informiert war. Sie sollten vielleicht mal seine Mails untersuchen.“
„Ich weiß, dass Sie in Österreich mal Kollegin waren. Aber wir können hier ganz gut unsere Ermittlungen selbst leiten“, knurrte die Strenge.
„Nun gut. Es kam zu einem Stromausfall, weil irgendjemand die Außenbeleuchtung anschalten wollte. In dem Wirrwarr sprangen einige Türen auf.“
„Wieso wollten Sie ...“
„Wir wollten Licht, um eventuell weitere Angreifer oder Flüchtende sehen zu können. Ich war nämlich nicht nur mal Polizistin, sondern ich hänge auch an meinem Arsch. Deshalb sehe ich gerne, was los ist. Stattdessen wurde es dunkel. Dann flackerte eine Notbeleuchtung auf und erlosch auch gleich wieder. Ich schätze, das Notstromaggregat war kaputt. Entschuldigen Sie, wenn ich damit Ihren Ermittlungen vorgreife.“
„Schon gut“, sagte die Polizistin. „Wir stehen ja auf der gleichen Seite, aber das ist alles irgendwie mysteriös.“ Sie war verwirrt.
„Na, dann kommen Sie mal mit. Wo bleiben eigentlich die Rettungswagen?“, sagte Helga.
„Sind angefordert. Aber wir haben doch noch gar keine Verletzten gesehen.“
„Sie nicht, aber wir. Der Mann bei den gefolterten Frauen ist Kommissar Franz Huber aus Wien. Er versteht zumindest ein wenig von ihrer Sprache.“ Helga marschierte energisch vor der Beamtin in den Keller. Was sie dort sah, ließ sie die Hände vor das Gesicht schlagen: „Oh Gott, welches Schwein war das?“
„Benno von der Lohe. Aber auf die Sache mit der Peitsche ist er erst sein ein paar Wochen gekommen. Vorher hat er sie nur komisch angezogen und dann vergewaltigt. Sagen die Mädchen zumindest“, antwortete ein sehr bleicher Franz Huber, der mit etwas Wasser und einem sauberen Taschentuch die schlimmsten Stellen zu reinigen versuchte.
Die Rettungskräfte trafen ein. Das Bild, das sich ihnen bot, nahm sie sichtlich auch mit. Auf jeden Fall brauchten sie erst einmal Zeit, um ihre Patientinnen überhaupt transportbereit zu machen.
Helga führte die junge Beamtin inzwischen in Bennos Museum. Dort trafen sie auf Tatijana und einen leitenden Beamten.
„Hier hängen ungefähr vier Milliarden Euro an echter Kunst. Überall auf der Welt zusammen gestohlen. Das dürfte die teuerste Sammlung der Welt sein.“ Tatijana war sichtlich beeindruckt, „Aber auch er ist damit nicht durchgekommen. Werden wir hier noch gebraucht? Ich nehme an, mein Chef wird die entsprechenden Verfügungen zu den Bildern bereits haben.“
„Sie müssten nur noch das Protokoll ...“
„Kein Problem, aber erst morgen früh. Jetzt brauchen wir erst mal einen Schnaps.“
Tatijana und Helga hatten ausführlich geduscht, der Zimmerservice hatte Wodka, Gläser und Eis gebracht. Helga cremte Tatijanas geschundenes Hinterteil: „Sieht schon ganz schön bunt aus. Ist allerdings genau wie mein Hinterndurchschuss nichts für eine Verdienstmedaille.“
„Ich brauche keine Verdienstmedaille. Wir haben die wichtigsten Arschlöcher gekriegt. Das reicht. Mich wurmen nur die, die wir nicht kriegen werden.“
„Naja, für die letzte Aktion gibt es auch keinen Fairnesspokal. Dazu haben wir den lieben Benno doch zu arg geleimt.“
„Wenn es nicht immer darum ginge, solch einem Mistkerl bis in das kleinste I-Tüpfelchen absolut Recht angedeihen zu lassen, dann wären wir gar nicht in der Situation. Wir hatten genug, um ihn über die Klinge springen zu lassen. Wenigstens da bin ich mir mit meinem Grafen einig. Im Zweifelsfall wie auf Saipan durch andere erledigen lassen. Soll sich der Dreck doch gegenseitig auslöschen.“
„Da bist du richtig rachsüchtig, Tati.“
„Ja. bin ich. Die Arschlöcher, die mein Kind und meinen Mann umgebracht haben, hat die Polizei ja auch nie gekriegt, weil sie ja nur höflich anfragten, ob der Herr Verbrecher denn eventuell bereit und so nett wäre, mal eben ein Geständnis abzulegen. Ich wäre bei diesem Benno mit ner Pumpgun reinmaschiert und hätte ihn mal in den Lauf schauen lassen. Dann wären die Mädchen schon ne Woche frei.“
„Ja. Aber es gibt auch Unschuldige. Um die geht es doch. Die Gauner profitieren halt nur davon.“
„Helgalein. Die Polizei tritt mit einem müden Lächeln um fünf Uhr morgens bei irgendeinem Habenichts die Tür ein und entschuldigt sich nicht einmal, wenn sie sich in der Nummer geirrt hat. Die gleiche Polizei leckt an Benno von der Lohes Hintern und lässt Leute wie Oreste Crispi fröhlich mit Menschen und was weiß ich noch handeln.“
„Ja, wenn du es so siehst“, sagte Helga.
„Man kann es nur so sehen. Recht sollte die Schwachen stützen und nicht die Starken unangreifbar machen. Wenn ich nur an die Abschiebungen in Berlin denke, wird mir ganz anders. Das ist nicht mein Recht. Aber diesmal haben wir wenigstens großflächig aufräumen können. Oreste Crispi kriegen wir auch irgendwann noch. Ich kenne meinen Reichsgrafen. Da ist der wie ein Terrier. Der lässt nie los. Und ich auch nicht. Gibst du mir noch einen Schnaps?“
Als Helga ihr das volle Glas reichte, klopfte es an Tür. Es war Homer mit Cecil. Händchenhaltend mit Wodka und Eis. Nur gut, dass Homer so tief schwarz war. Das heißt, eigentlich war er eher grau.
„Kommt ruhig rein“, brüllte Tatijana, während Helga schnell in einem Bademantel sprang. Sie blieb ruhig und nackt auf ihrem Bett sitzen.
Cecil zerrte ihren Homer in den Raum, platzierte ihn auf Tatijanas Bett und schenkte Wodka aus. Homer versuchte sich in Position zu setzten, um eine Rede zu schwingen, aber die Russin winkte ab: „Cecil, erzähl, bei Männern dauert das Jahre.“
Cecil nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas: „Ich bin schwanger, von diesem schwarzen Jungen da.“ Dann kippte sie erschrocken den Rest ihres Glases hinterher. Tatijana sprang auf und knuddelte sie: „Hab ich es doch geahnt. Mensch, ist das schön. Homer, du darfst ruhig lächeln.“
„Ich hab Cecil erzählt, dass wir ...“
„Ja, Homer, ist mir klar. Aber ich wünsche euch wirklich Glück. Ich hatte gerne meinen Spaß mit dir, aber ein Baby konnte und wollte ich dir nicht bieten. Versaut es nur nicht. Ihr habt jetzt die besten Karten, um in euren Vereinen den großen Sprung nach oben zu machen.“
„Na, eigentlich haben doch Johann und in Wirklichkeit du ...“
„Paperlapapp, Homer. Wir sammeln keine Pokale und Medaillen. Wir sammeln Geld. Die Ehre kann uns mal. Die Versicherung kriegt ein wenig Ehre, Hubsi und die Störchin bekommen den Wiener Anteil an Ehre und der Rest bleibt dem FBI in Form von Homer Milhouse Nixon und seiner netten Geliebten vom CIA. So wird der Bericht aussehen, den ich morgen oder übermorgen rausgebe. Was in unserer Rechnung stehen wird, sage ich dir allerdings nicht.“
Homer wollte noch irgendwelchen Dank loswerden, aber Helga nötigte ihm neuen Wodka auf.
Als jedoch Cecil ein weiteres Glas für sich eingießen wollte, nahm Tatijana es aus ihrer Hand. „Damit ist jetzt Schluss, liebe Mami.“
Cecil nahm es hin. Sie beschäftigte etwas anderes: „Was sollen wir uns nicht versauen, Tatijana?“
„Versucht nicht, die normale amerikanische weiße Vorortfamilie aus Suburbia zu spielen. Das klappt nicht. Du bist nämlich nicht nur verrückt nach deinem Homer, sondern auch auf deinen Job. Und wenn Homer jeden Abend nach Hause kommen soll, um sich anzuhören, was der oder die Kleine gerade gemacht und dass die Nachbarin einen neuen Dildo hat, dann seit ihr in zwei Jahren am Ende. Macht normal in euerem Beruf weiter, versucht nur ein wenig mehr Schreibtisch in USA zu kriegen“, sagte Tatijana schwungvoll.
„Ich wollte eigentlich meinen ...“
„Dachte ich mir. Ist aber Quatsch. Nimm dir ein Jahr und dann ein Kindermädchen oder den Hort beim CIA in Langley, der soll richtig gut sein. Aber gib dich nicht auf. Homer hat sich keine Hausangestellte ausgesucht.“
„Na, ob er sich überhaupt was ausgesucht hat?“ Helga kicherte.
„Du darfst Männern da nicht allzuviel Spielraum lassen“, fiel Tatijana wieder ein: „Die wissen nicht was, gut für sie ist. Da müssen wir Frauen schon entscheiden. Das geht schneller und ist auch besser.“
„Ja, dann.“ Homer zuckte hilflos mit den Achseln, was allgemeines Gelächter hervorrief. Er schüttelte den Kopf über die Frauen, sagte: „Wir wollten uns auch gleichzeitig verabschieden, wir verschwinden morgen vor dem Frühstück. Wäre schön, wenn du uns die Berichte und den Rest noch zukommen lässt, aber wir wollen natürlich keine Presse.“
„Schon klar. Ich informiere den Reichsgrafen. Die Berichte kriegt ihr und wir sehen uns bestimmt demnächst mal wieder. Ich komme sogar zu Hochzeiten, fange aber keine Sträuße.“
Die beiden verabschiedeten sich, ließen den Wodka aber da. Kaum hatte Helga noch einmal ausgeschenkt, klopfte es schon wieder. Diesmal waren es Huber und die Störchin.
Die beiden waren schon im Zimmer, aber Huber wollte gleich wieder abdrehen, als er die nackte Tatijana auf dem Bett sitzen sah.
Die Störchin hielt seinen Arm fest und dirigierte ihn sanft auf die Frauen zu: „Keine Sorge, sie beißt dich nicht und will auch nicht mit dir spielen. Mensch, Leute ihr habt ja sogar kalten Schnaps.“ Sie wedelte mit ihrer halbvollen, aber sichtbar warmen Flasche, bis Helga sie ihr aus der Hand nahm.
„Die armen Mädeln, die armen Mädeln“, sagte Huber immer wieder. „Passt auf, dafür kriegt er wegen gefährlicher Körperverletzung bestensfalls fünf Jahre und die Opfer leiden ihr ganzes Leben. Ich könnte speiben.“
„Aber nicht auf mein Bett, Hubsi.“ Tatijana zauste ihm durchs Haar. „Das wagt kein Gericht. Du kannst ganz sicher sein, dass Johann, mein reichlicher Graf die Tatortfotos an die Presse durchsickern lässt. Die werden sie bringen, um ihre Auflagen zu stärken, aber danach müssen sie auch lebenslänglich fordern. Das wird er auch kriegen. Weg für immer.“
„Glaubst du? Von der Lohe hat doch Beziehungen. Kenn ich doch von uns“, antwortete Huber.
„Er hatte Beziehungen, diese Freunde sind jetzt schon alle auf dem Rückzug. Morgen Mittag hat ihn schon keiner mehr gekannt. Das Pack hat doch noch nicht einmal Gaunerehre. Das sind keine Schränker, das sind Politbetrüger. Die Beziehungen waren tot, als wir im Haus waren. Ich hab jetzt nur keine Lust, durch die Sender zu schalten, sonst könnte ich es dir zeigen“, sagte Tatijana mit einem siegessicheren Lachen.
„Wenn du es sagst. Lasst uns einen trinken.“ Die Störchin füllte die Gläser, „Übrigens, Tschikowski ist voll geständig. Aber die Staatsanwaltschaft glaubt ihm seine Dusseligkeit nicht. Er kriegt mindestens zehn Jahre wegen Beihilfe zum Mord an der Lamm und fünf Jahre extra für seinen Verrat im Amt. Wahrscheinlich werden sie ihn dann nach drei Jahren rauslassen, wegen besonders guter Führung. auf jeden Fall hat der hat ausgesorgt.“
„Wenigstens ist die Sache gut erledigt, Ich konnte ihn nie leiden, aber zurück zur Polizei geh ich trotzdem nicht mehr.“ Helga prostete den anderen zu, „Und jetzt freu ich mich schon wieder auf ein paar ruhige Wochen mit Drago in Wien.“
Mücke und Johann hatten noch ein wenig der Vernehmung des Benno von der Lohe zugesehen, aber seit dessen Anwalt anwesend war, hatte sich ein Geständnis vorerst erledigt. Es machte keinen Sinn sich, die Nacht um die Ohren zu schlagen. Deshalb gingen sie mit den Hamburger Kollegen und Frau Weißbach einen trinken.
Ab morgen würden sie Benno und Hank permanent verhören, wobei Hank im Prinzip schon alles zugegeben hatte, nur nicht, wer sein Auftraggeber war. Das würde vielleicht für immer sein Geheimnis bleiben und dazu führen, dass er nur mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen verlegt werden würde.
Alle waren sich einig, dass der Fall bis auf Kleinigkeiten gelöst sei. Der Rest würde das übliche Geschacher zwischen Staatsanwaltschaft und Anwälten sein und auf Urteile hinauslaufen, die wohl keinen richtig befriedigen würden. Aber daran konnten sie kaum etwas ändern.
Johann persönlich glaubte, dass sowohl Hank als auch Benno den Hamburger Knast nicht lange überleben würden. Immerhin hatten sie einen Justizangestellten getötet, seine Familie entführt und vergewaltigt. Das Gefängnispersonal würden Mittel und Wege finden, die anderen Häftlinge wissen zu lassen, auf wen sie wütend waren. Eine solche Entwicklung war Johann recht. Nach einer Verurteilung. Im Grunde genommen glaubte er immer noch an den erzieherischen Wert von Urteilen. Nicht für den Täter, sondern als Abschreckung für andere. Genauso sah er einen Mord im Knast eher als Abschreckung, nicht wie eine Todesstrafe, die viel zu weit weg vom tatsächlichen Leben war.
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