Das rote Blog das sich selbst den Untertitel SOZIALISMUS 2.0 (beta) gibt, zitiert zu seinem ersten Geburtstag die Faschismusbeschreibung aus dem Programm der Kommunistischen Internationale (1928).
Im Grunde genommen kann der gesamte Auszug so wie er da steht, auf unsere heutige Situation und den neoliberalen Wirtschaftsfaschismus angewandt werden. Das bedeutet im Klartext, das wir seit 1928 nicht sehr weit in unserer Entwicklung gediehen sind.
Gleichzeit stellt der
Besitzstandswahrer betrübt fest, das die Menschen keine Lösungen wollen, sondern Versprechungen und Hoffnungen.
Karl Marx starb am 14. März 1883 in London und Ernesto Che Guevara wurde am 9. Oktober 1967 in La Higuera, Bolivien im Auftrag der USA ermordet.
Das sind die unbestreitbaren Fakten. Wir haben einen seit 127 Jahre toten Philosophen und einen 50 Jahre toten Revolutionär. Auch wenn Karl Marx viele wichtige Dinge gesagt hat, so kommt er doch aus der Gründerzeit der Eisenbahn und das was der PC neben meinem Schreibtisch leistet, war während der Lebenszeit Che Guevaras überhaupt nicht vorstellbar. Die Messehallen in ganz Deutschland hätten zusammen nicht ausgereicht um solch einen Rechner aufzubauen, vom Stromverbrauch und der Störungsanfälligkeit gar nicht zu sprechen.
Auch wenn vieles was Karl und Ernesto gesagt haben, bis heute gültig ist, so stammt es in seiner geistigen Verankerung aus einer völlig anderen Zeit. Ein Begriff wie
Bourgeoisie ist genauso tot wie Karl Marx und der Begriff Arbeiterklasse. Das sind Worte und Definitionen aus der Vergangenheit, an denen wir in falsch verstandener Treue festhalten.
Kein Mensch käme auf die Idee mit der Pferdekutsche zu Terminen zu fahren oder sich auf die Informationstechnologie aus den Zeiten von Che zu beschränken. Weshalb dann also diese ständigen geistigen Grenzen. Wir müssen die Mauern der Begriffe einreißen, die auf unsere Zeit einfach nicht mehr anwendbar sind.
Es gibt das Bürgertum des Karl Marx nicht mehr oder bestenfalls noch in aussterbenden Resten. Das Kapital wird mit zunehmender Geschwindigkeit auf immer weniger Menschen zusammengefasst, die nur noch wenige Handlanger brauchen und bezahlen.
Es gibt den Arbeitgeber des Karl Marx nicht mehr, weil die kleinen privaten Unternehmer auch nur noch Lohnsklaven oder wie man so schön sagt verlängerte Werkbank der Großen sind. Die Großunternehmen, deren Konzentration der Staat auch noch fördert, gehören niemandem mehr und lassen sich auch nicht mehr kontrollieren. Auch wenn es formal Aktionäre gibt, so sind diese doch machtlos. Die Macht gehört den Banken und anderen Kapitalsammlern und wird durch Vorstände wahrgenommen, die sich gegenüber niemandem verantwortlich fühlen und auch von niemandem verantwortlich gemacht werden.
Die Arbeiterklasse des Karl Marx mit ihren vielen Unterteilungen und Schichten gibt es schon lange nicht mehr. Es gibt zeitweilig Beschäftigte, bei denen die Art der Beschäftigung und die Entlohnung kaum noch etwas mit Qualifikation und Können zu tun hat, sondern von Faktoren wie gewerkschaftlicher Vertretung im Betrieb, momentaner wirtschaftlicher Situation und Glück bestimmt wird. Aber diese Gruppe der Beschäftigten hat keine Sicherheit und wird ständig durchmischt.
Die Welt hat sich geändert und anstatt den Rohstoff den uns die Arbeiterführer, Karl und Ernesto gegeben haben, weiterzuentwicklen, lamentieren wir lieber darüber, das der Mensch sich angeblich nicht nach dem Plan entwickelt. Dabei ist doch klar, wenn etwas nicht nach Plan läuft, dann ist der Plan falsch. Der Plan ist aber keine Hostie, kein Heiligtum sondern ein Werkzeug, nur Mittel zum Zweck.
Man macht einen Plan um ein Ziel zu erreichen. Ein Plan beschreibt den Weg von einem Zustand in einen anderen und nicht mehr. Die Planungsstrategen des real existierenden Sozialismus haben uns doch gezeigt, wohin der Glaube an den Plan und dessen unbedingte Durchsetzung führt. In die Unfreiheit, Armut und das Chaos.
Ernst Bloch hat uns mit seinen Prinzip Hoffnung und der konkreten Utopie ein Stück weitergeführt und vielleicht waren seine Schüler wie Braun, Holz, Zehm und Zwerenz nicht stark genug um weitere echte Wegmarken zu setzen. Es kann aber auch sein, das wir die Wegmarken nur gelangweit übersehen haben, weil wir ein Ziel am Horizont suchen und nicht vor unseren Füßen.
Meinen Kindern bringe ich bei auf den Weg zu achten, damit sie nicht auf die Nase fallen. Vielleicht sollten wir uns genau das in philosophischem Sinne erst einmal selbst beibringen. Anstatt nach dem Licht zu suchen, sollten wir Licht sein. Anstatt die Hoffnungen und Sehnsüchte der anderen zu verachten, sollten wir uns fragen, was wir zu deren Erfüllung tun können.
Jedes kleine Mädchen will Prinzessin werden und viele kleine Jungs Astronaut oder Lokomotivführer. Das sind gesunde Träume und Hoffnungen auch wenn sie sich nicht erfüllen. Menschen ohne Hoffnung sind tot, auch wenn sie noch atmen.
Das ist doch der Grund warum die neoliberalen Menschenverächter, den Leuten die Hoffnung nehmen und eine Hiobsbotschaft nach der anderen servieren. Sie haben Angst vor der Hoffnung. Denn Träume und Hoffnungen geben Kraft aus der mit ein wenig Wut und Entschlossenheit auch wieder Freiheit wird.
Wenn wir den neoliberalen Wirtschaftsfaschismus und seine Handlanger besiegen wollen, müssen wir den Menschen die Hoffnung und das Vertrauen zurückgeben. Das der planwirtschaftliche Sozialismus gescheitert ist, bedeutet doch nicht, das die gesamte Idee tot ist. Es ist nur ein Plan gestorben, der schon tot war, als er geplant wurde.
Nichtsdestotrotz habe ich mich des Artikels hier mal angenommen: http://www.woschod.de/?p=1564
Einen schönen Sonntag noch.
Daniel
Ach, hab ichs schwer. Grinz
nun gut – Marx ist tot, Che ist tot – und mir geht es heute auch nicht besonders.
Sicher könnte man streiten ob Marx’ens Erfindungen ins Reich der düsteren Legenden gehören.
Gehen wir mal davon aus.
Proletarier gibt es nicht mehr, Bourgeoisie gibt es auch nicht mehr – dann gibt es auch keinen Profit mehr und keinen Klassenkampf und Arm und Reich ist zu reduzieren auf fleißig und faul oder dumm und schlau.
Dann hätten alle Politiker recht und vielleicht wäre die Erde immer noch eine Scheibe und die Sonne dreht sich um die Erde – war ja ne wilde Zeit damals, als Kopernikus und Galilei so lebten.
Na klar – ist ja auch was ganz Anderes – kann man sehen und anfassen und hinfahren – und Gott wohnt ja seit Gagarin auch nicht mehr im Himmel. Hat sich alles geändert, wo auch Einstein nicht mehr so aktuell ist.
Schon Marx sagte selbst: „An allem zweifeln!“
Und dann hat er noch die „Dialektik“ bei der Entwicklung der Gesellschaft eingeführt oder erfunden oder so. Also, auch die Gesellschaft, ihre Zusammenhänge und Entwicklungen entwickeln sich oder auch nicht.
Nur die Kommunisten sind so stupide – die entwickeln sich nicht mit. Die sprechen noch vom „Proletariat“ und behaupten, daß es „Ausbeutung“ gibt. Dabei wurden „Proletariat“ und „Ausbeutung“ doch abgeschafft! Ich glaube am 07.09.1949? Nur wo, daß weiß ich nicht.
Da ja heute jeder Prinzessin werden will oder Astronaut oder Lokomotivführer – halt! Sind das nicht Berufe aus einer längst vergangenen Zeit?
Heute will man doch Paris Hilton oder Mediendesigner oder Deutsche Bank Chef werden. Kann ja auch jeder. So steht es zumindest in der „Bild“.
Also – hoffen wir mal.
Stark bleiben!
Diese Antworten und Begriffe lassen sich nicht eins zu eins für die breite Masse unserer heutigen Zeit übernehmen.
Es geht dabei nicht um Wahrheit oder Recht haben. Es geht darum ob ich mit diesen Inhalten in dieser Sprache etwas erreichen kann. Dazu sage ich nein. Die Begriffe sind tot.
Wir brauchen nue Begriffe die es für jeden klarer fassen. Auch für Lieschen Müller und den leitenden Angestellten der erst am Tage seiner Entlassung merkt, das ein Arbeitnehmer oder Arbeit eben nur ein Arbeitsloser ist.
Ich bin der Meinung wir müssen angefangen vom Begriff Kapitalist über Proletariat neue, der Zeit angemessene Bilder und Worte finden.
Wenn wir das nicht tun, und keine neuen Ansätze liefern, dann gewinnen die Nazis mit ihren platten aber leicht verständlichen Sprüchen.
Ein guter Gedanke und ein tolles Produkt sind Mist, wenn man sie nicht verkaufen kann.
Deshalb finde ich ja den Begriff Sozialismus 2.0 (Beta) so gut. Genau das brauchen wir. Eine neue Fassung bei der wir das gute alte bewahren und das notwendige neue hinzufügen.