Wenn bei uns eine Brust aus der Bluse rutscht, abgeklebt oder nicht, interessiert sich dafür kein Schwein. Selbst wenn es die Brust von Angela Merkel wäre, die damit dokumentieren will, dass sie nicht nur die Mutter der CDU ist sondern sich auch hervorragend als Kanzlermutter für ganz Deutschland eignet, lässt sich damit kein Hund hinter dem Ofen hervorlocken.
Bestechliche Beamte und Politiker oder Managerbezüge jenseits aller Vorstellungen erwecken nur kleine Wellen des Unmuts. Politische Unfähigkeit und unternehmerisches Versagen regen hier keinen mehr ernstlich auf. Ertönt jedoch irgendwo ganz leise, fast wie gehaucht, das Wort Mindestlöhne, dann recken sich Hälse, röten sich Gesichter und schwellen Kämme. Dann braust ein Ruf des Zorns wie Donnerhall durch unser Land.
Der Oberindustrielle Dr. Michael Rogowski und der Gewerkschaftsboss Michael Sommer kündigen gemeinsam ihren kollektiven Selbstmord an. Der Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt heult zusammen mit der DGB-Vize Dr. Ursula Engelen-Kefer lauthals den Mond an. Friedrich Merz und Wolfgang Clement erklären bierdeckelwerfend den Untergang des Abendlandes.
Edmund Stoiber und Guido Westerwelle versuchen stammelnd und mit vielen Ähs einen Abwehrzauber zu gestalten. Nur Olaf Scholz und Klaus-Uwe Benneter wissen wieder mal nicht so richtig worum es geht, werden dabei aber tatkräftig von Dr. Markus Söder und Cornelia Pieper unterstützt. Sabine Christiansen tanzt vor dem sonntäglichen Abendlandaltar und trägt dazu die erloschene Flamme der Freiheit, fordert aber mutig öffentliche Steinigungen zur besten Sendezeit. Kanzler Schröder und uns Angela plädieren mit einem entschiedenen Vielleicht für irgendwas, was sich nur ihnen selbst erschließt. Bild rückt das Ganze in den Bereich des Terrorismus und fordert den Einsatz der Nationalgarde, welcher allerdings mangels einer Nationalgarde scheitert, womit Bild die Schuld dem Kanzler zuschieben kann.
Solch ein Geschrei um so ein kleines Wort. Andere EU-Länder haben damit ihr Wirtschaftswachstum angekurbelt, aber so was brauchen wir in Deutschland ja nicht. Worüber sollten wir denn dann noch jammern, wenn die Wirtschaft läuft?
England, Holland, Frankreich und andere haben Mindestlöhne zwischen 7 und 9 Euro je Arbeitsstunde eingeführt und fahren hervorragend damit. In Deutschland geht das natürlich nicht. Dass die Friseuse in Mecklenburg-Vorpommern nur 3,30 Euro in der Stunde verdient ist doch in Ordnung so. Wenn die mehr hätte könnte die ja auch mehr ausgeben und würde vielleicht kein Wohngeld mehr brauchen. So weit soll es nicht kommen.
Auf dem Bau, hat man das eingeführt und damit das Preisdumping ganz schön eingeschränkt. Aber da ging es ja auch gegen Spanier und Portugiesen. Gegen irgendjemanden kann man in Deutschland immer was machen. Auch für die Vorstandsmitglieder ist etwas möglich, nur für die Arbeiter nicht.
Da haben wir nur den Knüppel. Nein, Mindestlöhne schaden dem Standort Deutschland nicht, da sie für alle gelten und alle gleichermaßen treffen. Sie nützen Deutschland sogar. Wenn der Arbeitslohn zu einem normalen Leben ohne Stütze reicht, ist allen geholfen. Niedrigstlöhne nutzen nur den Raffkes. Das wird Herr Ackermann, der Hausgnom der deutschen Bank natürlich ganz anders sehen, aber wen interessiert, was Herr Ackermann und seine Bank denken.
< Offener Brief an Rolf Heckmann, Gesamtbetriebsrats- und Aufsichtsratsmitglied der Siemens AG. | Justitia ist doch nicht ganz blind oder schützt die Staatsanwaltschaften und Richter >



















