Siemens - Der Dreck muss weg
Nein. Keine Sorge, es geht nicht um neue Bestechungsskandale bei Siemens und auch nicht darum sich von den Verantwortlichen für die Bestechungen zu trennen. Es geht um die "Lehmschicht" die Peter Löscher jetzt bei Siemens abtragen will. Der Dreck wird einfach weggebaggert, aufgeladen und irgendwo auf Halde geworfen. Manchmal kommt nach Jahren ein LKW und holt ein wenig Material zum verfüllen von Löchern.
Meist jedoch bleibt Halde, Halde. Mutterboden kann man verwerten. Lehmschichten bleiben Halde. Peter Löscher hat ein großes und hartes Wort völlig unnötig eingeführt:
Und nun kommt Siemens-Chef Peter Löscher daher und redet von einer "Lehmschicht", die es abzutragen gelte. Die Lehmschicht: Das sind jene Menschen bei Siemens (und auch in anderen Unternehmen), die man gemeinhin nicht sieht, die normalen Angestellten in der Verwaltung, die Referenten und Sachbearbeiter, die untere und vielleicht auch noch die mittlere Führungsebene.
Sie sitzen in klimatisierten Büros, nicht in stickigen Fabriken; sie wickeln den Papierkram ab, der inzwischen zum Computerkram geworden ist; sie buchen Reisen und Rechnungen; sie sitzen im Herzen von Siemens, recht nahe an der Macht, aber oftmals weit weg von der Produktion, von den Fabriken, von den Märkten.
Die Lehmschicht: Es gibt sie in vielen deutschen Unternehmen. Bei der Allianz. Bei der Deutschen Bank. Bei Volkswagen. Bei der Telekom. Bei der Post. Bei der Bahn. Man könnte sie auch als Mittelschicht bezeichnen. Denn ihre Mitglieder sind - neben den Facharbeitern und den Handwerkern - ein bedeutender Teil jener Schicht, die das Herz der deutschen Gesellschaft bildet. Wenn Löscher diese Schicht abtragen will, hat dies Bedeutung weit über Siemens hinaus.
Peter Löscher "Lehmschicht" sind Menschen und der Oeffinger Freidenker merkt zu Recht an:
Es zeigt sich wieder einmal der menschenverachtende Umgang der Wirtschaftseliten mit den Menschen, die ihren Reichtum erst ermöglichen. Was wurde gegen Münteferings Heuschrecken-Vergleich gewettert! Ob wohl die gleiche Empörung sich auch hier zeigen wird?
Natürlich wird es diesen Aufschrei nicht geben. Die Hedgefonds gehören doch zur Elite, die "Lehmschicht" auf die Halde. Da muss sich Peter Löscher nicht fürchten. Über Jahrzehnte wurde die innere Verwaltung immer mehr ausgeweitet, weil es darum ging die Produktion, den Vertrieb und alle die an der Erschaffung von Produkten mitzuarbeiten, möglichst weitgehend zu kontrollieren.
Die heute als "Lehmschicht" abqualifizierten Menschen waren ein Schutzschild und die Spionageabteilung für unfähige Manager. Sie lieferten alles. Bis zum Klopapierverbrauch. Gerade weil es diese ausgeprägten Kontrollinstrumente gab, ist von Pierers Behauptung von allem nichts gewusst zu haben, schon so fürchterlich lächerlich.
Diese "Mittelschicht" sah sich lange Zeit als Teil der Führungsebene und fühlte sich weit über allen anderen stehend. Schon deshalb ist das Mitleid mit ihr vielfach begrenzt. Das ist natürlich falsch, aber die vom Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Heckmann nun plötzlich eingeforderte Solidarität wird es nicht geben. Dazu kommt, das genau diese Leute häufig schlecht gewerkschaftlich organisiert sind, weil sie sich immer auf der Seite des Managements glaubten und sich nicht als Teil der Arbeiterschaft sahen.
Selbstverständlich werden diese Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Das ist bedauerlich. Noch bedauerlicher aber ist es, das sie auch keine neue Arbeit finden werden. Ihre Aufgabenkreise waren in ihren Firmen zu sehr beschränkt, um sie leicht ersetzbar zu halten. Qualifizierungen oder Stellenbeschreibungen haben bestenfalls einen hausinternen Wert.
Ähnlich wie die alten, von den Firmen "ernannten" Industriemeister und Techniker, sind sie plötzlich nur noch Hilfsarbeiter, da meist auch ihre ursprüngliche Berufsqualitfikation durch die ständige Umbenennung von Berufen keinen Bezug zur heutigen Realität mehr hat. Genau deshalb werden die Berufe ja ständig umgebaut und es gibt keine Möglichkeit zur Nachqualifikation, damit eben gelernte Hilfsarbeiter entstehen.
Hilfsarbeiter gehören aber nun einmal in den Niedriglohnsektor und nach der bekannten neoliberalen und wirtschaftsfaschististschen Lehrmeinung sind sie auch selber schuld. Das ist praktisch weil die Betrogenen dann nicht aufbegehren können und dürfen. Sie sind eben "Lehmschicht". Jetzt muss der Mohr nur eben ohne Dank einfach abtreten.
Es ist alles dafür vorbereitet. Kurze Zeit Arbeitslosengeld dann Hartz IV dessen Respressionsmöglichkeiten von Frau Merkel ja noch ausgeweitet werden sollen. Zwangsarbeit zu Minilöhnen anstatt Mittelschicht. Überall in Deutschland. Auch wenn man mit den Opfern keine Sympathie hat, muss sich natürlich jeder fragen, welche Schicht als nächstes weggebaggert wird.
Sicherlich die vielen Berater, Versicherungs- und sonstige Vertreter. Onlineberatung und Verkauf sind die Schlagwörter. Dann geht es an die Funktionäre in Verbänden. Vereinigungen und Parteien. Wahrscheinlich werden Zwangszusammenschlüsse in diesem Bereich mehr als die Hälfte der Funktionäre überflüssig machen.
Der Fall des größten deutschen Industriekonzerns zeigt, dass die Globalisierung in den Fabrikhallen nicht halt macht, dass also nicht nur am Fließband die Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, sondern auch an den Schreibtischen. Die Amerikaner haben für diese Beschäftigten den Begriff des "white-collar-worker" geprägt, des Angestellten mit dem weißen Hemdkragen, dem gegenüber steht der "blue-collar-worker", der Arbeiter im Blaumann, der seit dreißig oder vierzig Jahren damit leben muss, dass sein Job ständig in Gefahr ist.
Viele Leute hatten diese Erkenntnis und haben schon immer gewarnt, das die Entsolidarisierung zum Schluss allen zum Nachteil gereichen wird. Wer geglaubt hat, durch buckeln nach oben und treten nach unten, die eigene Klasse erhalten zu können, sieht sich jetzt grausam getäuscht. Der Neoliberalismus kennt keine Freunde oder gar Treue. Sein Markenzeichen ist Verantwortungslosigkeit und so geht er auch mit denen um, die ihn gestützt haben.
Schadenfreude ist aber völlig unangebracht. Es wird im Endeffekt jeden treffen. Deshalb macht es Sinn auch heute noch zu einer Solidarisierung aufzurufen. Einer Solidarisierung der Stärke. Die lässt sich nur von unten und sicher nicht mit den meisten der existierenden Gewerkschaften erreichen. Die Gewerkschaften sind längst Handlanger des Systems.
Es kommt darauf an, das sie Menschen umdenken. Es gibt keine Sicherheit mehr in einer Welt die den wirtschaftsfaschistischen Neoliberalismus nicht durch strenge Regeln im Zaum hält. Entweder wir verärgen jene zehn Prozent der Menschen die praktisch 90 Prozent aller Dinge besitzen, oder wir geben unsere Kinder einer Sklavengesellschaft preis, aus der es kein Entrinnen mehr geben wird.
Wer den Neoliberalismus und seine Menschenverachtung heute nicht bekämpft, hat morgen schon keine Chance mehr dazu.
Tags für diesen Artikel: betrug, faschismus, gewerkschaft, hunger, krieg, neoliberal, siemens, solidarität, wirtschaftsfaschist
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Jawoll der Dreck muss endlich weg! Jedoch man sucht, wie leider viel zu oft, an der falschen Stelle. Der eigentliche Dreck sitzt ganz woanders. Und dort hat er sich so festgebacken, das normales Reinigungsmittel nicht mehr hilft.
Die "Lehmschicht" hat vor Hartz IV noch viel Zeit, sich darauf vorzubereiten. Vermögen haben kann so grausam sein...
Ich wette das die ersten Briefe schon geschrieben werden. Aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Situation, sehen wir uns leider nicht mehr in der Lage ...
Nein, ich habe Respekt vor Menschen wie Mahatma Ghandi oder Martin Luther King. Ein gewaltloser Stern-Marsch aus allen Städten der BRD gen Berlin, mit 10 Mio Teilnehmern, das wäre die Lösung.
Aber leider fehlt uns die charismatische Führungsgestalt. Außerdem geht es der Mehrzahl der Bürger noch zu gut - bei allen berechtigten Klagen über Auswüchse. Man darf auch nicht vergessen, das in Deutschland der Begriff "Solidarität" eher klein geschrieben wird.
Nein ich bin eher dafür ein paar Gefängnisse mehr zu bauen. Ordentliche Gerichte einzusetzen und ordentliche Urteile zu erzielen.
Ich fürchte allerdings das wir den Führer eher bekommen werden.
Interessant sind auch die Kommentare bezüglich Revolution. Kennt Ihr denn nicht das alte Zitat von wegen Revolutionen in Deutschland im Zusammenhang mit Bahnsteigkarten? Da es solche Karten seit langem nicht mehr gibt, muss die Revolution leider ausfallen.
Wacht auf, Leute, wir sind in Deutschland, da gibt es nun mal keine Revolutionen.
Und die Geschichte hat gezeigt, dass es mit Klassensolidarität leider noch nie weit her war.
Die Neoliberalen sind einfach zu weit gegangen.