Natürlich kann man mit Studien alle beweisen. Es kommt nur auf die richtige Fragestellung, die Zielgruppe und eine Zukunftsprojektion an. Dazu ein wenig Statistik.
Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken.
(Benjamin Disraeli)
Mit Statistik kann man alles beweisen, auch das Gegenteil. Dadurch ist es auch für seriöse Wissenschaftler oft leicht möglich mit sehr fragwürdigen Studien Geld zu verdienen, da es dem Auftraggeber nur um die Veröffentlichung der Studie in einem anerkannten Wissenschaftsmagazin geht, aus dem er seine Studie dann immer und immer wieder zitieren kann.
Natürlich darf ein Wissenschaftler eine solche Studie veröffentlichen. Sie ist ja meist völlig schadlos und wird normalerweise erst in Zusammenhang mit der eigens dafür geschaffenen Werbung gefährlich. Der Inhalt der wissenschaftlichen Studie und die Werbung verschmelzen zu einer Einheit. Dies kann gerade bei frei verfügbaren Arzneimitteln schnell gefährlich werden oder durch unnötige Medikamente und Untersuchungen gefährlich und teuer zugleich sein.
Ein solches Beispiel ist die
Mammographie bei Hochbetagten:
Laut einer aktuellen US-Studie unterzieht sich in den USA nur jede fünfte Frau im Alter zwischen 80 und 90 Jahren noch regelmäßigen Brustkrebsuntersuchen. Das ist laut dem National Institute on Aging http://www.nia.nih.gov in Anbetracht des demographischen Wandels eine erschreckend niedrige Zahl. Im Jahr 2050 werde sich die Zahl der über 80-Jährigen in den USA vervierfacht haben. Zwei Drittel der über 85-Jährigen werden dann Frauen sein.
Umso wichtiger stuft das National Institute on Aging die vorgelegte Studie ein. Demnach konnten bei 68 Prozent der Frauen, die sich jährlich oder alle zwei Jahre einer Vorsorgeuntersuchung unterzogen haben, der Brustkrebs in einer frühen, noch heilbaren Phase entdeckt werden. Bei jenen, die auf regelmäßige Untersuchungen verzichteten, lag die Quote bei nur 33 Prozent. Für die aktuelle Untersuchung wurden 12.000 Patientinnen herangezogen, die 80 oder älter sind und die zwischen 1996 und 2002 die Diagnose Brustkrebs erhielten. Fünf Jahre nach der Brustkrebsdiagnose lebten noch drei von vier Frauen, die regelmäßig zur Untersuchung gingen, nicht einmal die Hälfte war es bei jenen, die auf diese Untersuchungen verzichteten.
Klingt doch erst einmalig logisch. Wunderschön. Ein sauberes mathematisches Gebilde und eigentlich kaum anfechtbar. Zwischen 80 und 90 endet bei Frauen das Leben relativ häufig. Wenn 75 Prozent der Untersuchten die nächsten fünf Jahre überlebten und nur 50 Prozent der nicht Untersuchten. Immerhin ein Unterschied von 25. Dumm nur wenn viele der Nichtuntersuchten schon näher bei der 90 lagen und die Untersuchten eher bei 80.
Die beiden Gruppen unterscheidet nämlich schon der unterschiedliche Umgang mit Ärzten. Frauen die sich nicht auf Brustkrebs untersuchen lassen, dürften vermutlich auch sonst weniger häufig einen Arzt aufsuchen. Das kann in dem Alter aber eine Menge anderer Todesursachen zur Folge haben, die sich bei besserer ärztlichen Kontrolle vielleicht vermeiden ließen.
Wenn wir das Risiko an fehlerhaften Medikamenten, falscher Dosierung unerkannten sonstigen Krankheit mal beiseite legen, bleibt immer noch eine erstaunliche Erkenntnis:
Mara A. Schonberg, Mammographieexpertin an der Uni Harvard, vertritt hingegen die These, dass auf derartige Untersuchungen im hohen Alter verzichtet werden sollte. "Gerade einmal zwei Prozent der Frauen über 80 sterben an Brustkrebs. Man beginnt nicht bei der Geburt mit Mammographien und man sollte damit auch nicht erst beim Tod aufhören." Viel wichtiger sei ihrer Meinung nach, die Risiken derartiger Untersuchungen zu bedenken. Bluthochdruck, die Angst einer Fehldiagnose oder ein falsche Behandlung würden Patientinnen viel mehr belasten und öfter zum Tod führen als der Krebs.
Das ist zwar vernünftig und sicher auch richtig. Aber wenn sich bis 2050 die Zahl der über achtzigjährigen Frauen vervierfacht, dann wäre es doch ein schönes und gutes Geschäft, möglichst viele von denen zu mammographieren. Natürlich schaden die Röntgenstrahlen, aber nicht dem Geschäft. Natürlich werden sich auch deutsche Ärzte auf diese Studie berufen und dringend mehr Zwang zur Mammographie bei Hochbetagten fordern.
Wenn sie schon sterben, dann sollen sie wenigstens gesund sterben. Diese Untersuchungen sind keinesfalls nur Abzocke. Sie dienen einem höheren Zweck. Der finanziellen Gesundheit der Ärzte, ihrer Verbändeund der Medizinindustrie.
Aber sie brauchen Futter für ihre Mission. Es geht nicht um den Menschen, es geht um abrechenbare Arbeit und ums Geschäft!
Das ist meine Überzeugung.