< Der König von Conti gegen die eiserne Gräfin der Wälzlager | Der Wulff im Schafspelz - Christian mach du den Hannemann >
Euro und Dollar die ungleichen Schwestern
Es erinnert ein wenig an das alte Problem mit dem Wetterhäuschen. Immer wenn die alte Frau mit dem Schirm rauskommt, ist das hübsche Bikinimädchen im Schatten und umgekehrt. Die kleinsten Bewegungen der beiden Währungen zueinander werden endlos kommentiert und aus jedem Kaffeesatz wird gelesen:
"Die Hilfsmaßnahmen der US-Regierung für die in Schwierigkeiten geratenenHyothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sind vom Devisenmarkt als Beruhigungspillen angenommen worden", sagteFolker Hellmeyer Chefanalyst der Bremer Landesbank. Zudem sei angesichts derweiteren Abschwächung der Konjunktur in der Eurozone eine Euro-Euphorie nichtangemessen. "Die aktuelle Krise an den Finanzmärkten ist nicht nur einUS-Phänomen." Dies zeige die Schwäche des spanischen Immobilienmarktes und derZusammenbruch eines führenden spanischen Bauunternehmens.
Ja. Ja. ja. Und im Himmel ist Jahrmarkt und morgen gehen wir auf den Hermanplatz Butter kaufen. Es ist manchmal schon tragisch wie angeblich gestandene Fachleute sich jeder auch noch so kleinen Hoffnung hingeben. Gäbe es in dieser Finanzhölle einen gütigen Gott, so hätte er sicherlich schon längst ein Einsehen gehabt und alles wieder gut werden lassen.
Aber in der Hölle gibt es keinen Gott. Sie haben alle Regeln gebrochen, jede Sperre beseitigt, die Rettungsringe über Bord geworfen und alle Leinen gekappt. Nun haben sie den Salat und wissen nichts mit ihm anzufangen.
Natürlich hat Hellmeyer recht. Die Aussichten für den Euroraum sind ebenfalls mies. Die Konjunktur weicht einer Stagnation, wird vielleicht zur Rezession. Aber was bedeutet das, wenn wir uns überlegen das die Stützung von Fanny Mae und Freddy Mac im Prinzip die Staatsverschuldung der USA mal eben um ein Drittel also um 5.000. Milliarden Dollar erhöht hat.
Es bedeutet gar nichts. Wenn der Euro Schnupfen hat, macht das den toten Dollar nicht wieder lebendig. Zum Glück ist es ja heute kaum nötig, all die vielen Dollar die da neu herausgegeben werden auch noch zu drucken. Das funktioniert zum Glück kostenlos per Elektronik. Ansonsten wäre es fraglich ob der Dollar den Aufwand noch wert ist.
Dazu kommt noch eines. Die Indexe unserer Wahrsager sind übelst gefärbt, weil sie das Geschäft mit den USA überbewerten und die Binnenkonjunktur total vernachlässigen. Dazu kommt das wir eine neue Situation haben. Es liefen noch nie so viele Krisen und Kollapswelllen nebeneinander.
Manchmal treffen sich die Wellengipfel aber nie alle zusammen. Deshalb ist es so schwer die Lage wirklich zu beurteilen. Die USA sind eigentlich pleite. Nur wissen wir gar nicht mehr wie ein Staat pleite geht. Sie brauchten eine Währungsreform. Allerdings möchte keiner bei den Chinesen und anderen anrufen und sagen, das die ihre Dollarpapiere zum Anzünden von Lagerfeuern verwenden sollen.
Tatsächlich aber ist es schon so. Don Alphonso zeichnet mit seinem Erdrutsch ein sehr schönes und treffendes Bild:
Eine Krise, die durch eine Blase ausgelöst wird, ist wie ein Berghang nach einem heftigen Unwetter über einem Fluss. Der Fluss unterspült den Hang, und damit beginnt für den Berg ein ungleicher Kampf gegen die Schwerkraft. Obendrein ist das Erdreich voller Wasser und damit sehr viel schwerer. Es gibt natürlich auch Haltekräfte - die Wurzeln der Bäume etwa, die in der Lage sind, die oberen Schichten zu halten. Von oben sieht so ein unterspülter Hang wie ein ganz normaler Wald aus, grün, saftig, lebendig - bis er zusammenstürzt.
Das ist schlecht für den Hang - in unserem Fall die USA. Nicht nur, dass er stürzt, sein Material wird auch noch auf Nimmerwiedersehen abgespült. Noch schlimmer aber ist es für diejenigen, die sich darunter befanden. China zum Beispiel. Denn der unterspülte Hang der Kredite war genau das Naturwunder, das alle asiatischen Firmen anzog. Alles, was davon abhängig ist und keine Alternativen hat, kann man getrost falten. Genauso, wie in der New Economy irgendwann bei den am fallenden Nemax gelisteten Firmen kein Geld mehr da war, um konkurrierende Startups aufzukaufen, gibt es jetzt kein Geld, keine Kredite mehr für Zeug aus Asien.
Und natürlich bricht so ein Hang auch nicht exakt an der unterspülten Stelle senkrecht ab. Er rutscht weg und nimmt vieles mit, was nicht über, sondern auch neben ihm iist. Aktuell: Die amerikanische Autoindustrie, die Sparkassen, das Bruttoinlandsprodukt und alle Länder und Wirtschaftsräume, die ähnlich gepfuscht haben. Nicht sofort, denn weil alles verwurzelt ist, kann sich vieles erst mal an der Abbruchkante halten. Aber die Wurzeln hängen in der Luft, und der nächste schwere Regenschauer kann darunter die nächste Lawine auslösen. Unten liegen schon Indymac und Bear Stearns, an der kante sehen wir aktuell schräg oder kippend: Lehman Brothers, Washington Mutual, Freddie Mac, Fannie Mae. Noch nicht klinisch tot, aber offensichtlich am Ende.
Allerdings hat ein Berg immer ganz viele Hänge und Abhänge. Die wenigsten davon haben so engen Kontakt miteinander, das sie sich gegenseitig mit hinunterreißen können. Bergrutsche sind lokale Ereignisse. Häufig ausgelöst, weil die Besitzer zu viel Holz gefällt, Straßen oder Pisten angelegt haben. Aus der Gier heraus.
Natürlich ist die Weltwirtschaft miteinander verwoben aber eigentlich haben wir die Krise der USA die stets über ihre Verhältnisse gelebt hat und die Krise der Spekulation. Schon die Krise der Autobauer hat kaum etwas mit den anderen Krisen zu tun. Sie war unausweichlich am Ende der Ölzeit. Diese Krise wäre auch ohne das Platzen der Spekulationsblase gekommen.
Natürlich sind auch deutsche Autobauer betroffen. Selbstverständlich. BMW und Mercedes werden es in ihrem US-Geschäft spüren. Nicht so hart wie die amerikanischen Unternehmen, aber spüren werden sie es. Wollen wir deshalb den Euro schwächen. Wohl eher nicht.
Ben Bernanke hat ja schon keinen Geldhahn mehr, die haben einfach die Staumauer gesprengt und lassen laufen. Das ist nicht mehr zu heilen. Die Pechmarie ist schon voller Pech. Jetzt fehlen nur noch die Federn um sie als geteert und gefedert dort stehen zu lassen. Es gibt einfach kein Mittel mehr um den Dollar zu retten.
So wie die Bank of England sagte, das ihr nichts mehr einfällt was sie gegen die Inflation machen könnte sowenig Handlungsspielraum hat Bernanke. Der Dollar wird weiter fallen und mit ihm die amerikanische Staatsverschuldung. Betroffen sind die Leute die den USA Geld geliehen haben. Die es taten, taten es weil sie auf höheren Ertrag spekulierten. Sie sind ins Casino gegangen, haben gespielt und verloren. Kein Mitleid und schon gar keine Subvention.
Natürlich bringen die Brandreden Bernankes und anderer Helden immer mal wieder eine kurze Erholung des Dollars und alles andere hüpft vor Freude mit, aber das ist nur Show. Wir müssen uns vom Dollar abkoppeln, das bedeutet Zinsen rauf und die Firmen, Banken und Institute die spekuliert haben, notfalls über den Jordan gehen zu lassen.
Man kann eine gesunde Volkswirtschaft nicht mit Spekulanten aufbauen. Dazu braucht man Innovationen und Produzenten. Das was da stirbt ist an sich auch so nicht nützlich. Ein schönes Mittel um die Spreu vom Weizen zu trennen, wäre die Einführung eines Chapter eleven für produzierende Unternehmen. Es würde deutlich machen, welche Art von Wirtschaft erwünscht ist.
Wir sind mit dem Dollar nicht auf einem Hang und wir sind eigentlich schon nicht einmal mehr im gleichen Wetterhäuschen.




















Dieses Gebilde ist der Ursacher des Uebels.
Natuerlich wird dies nicht geschehen da ja der Steuerzahler bluten soll und nicht die Elite.