Öl, Luftfahrt, Kredite, Banken, Aktien und die Bahn AG
Firmenchef Joachim Hunold von "Air Berlin", wehrt sich geradezu verzweifelt gegen die Analystenstudie der Investmentbank Dresdner Kleinwort die den Wert seiner Aktien mit dem Kursziel Null eingestuft hat: "Weder steht Air Berlin vor der Pleite, noch ist unsere Lage brenzlig. Diese Gerüchte gehen auf einen einzigen merkwürdigen Analystenbericht zurück, der auch noch von einer Nachrichtenagentur missverstanden wurde."
Ach ja, wie schön wenn es doch so einfach wäre. Dresdner Kleinwort hat aber nur das in eine Analystenempfehlung gepackt was die Spatzen längst von allen Dächern pfeifen:
Laut letztem Quartalsbericht hat die Air Berlin ein Eigenkapital von 511Mio Euro, das meiste davon in den Rücklagen. Das klingt zunächst mal nicht übel, aber andererseits: bei Nettoverlusten von 40-60Mio pro Quartal, die das Unternehmen in jüngerer Vergangenheit einfährt, wird schnell klar, dass dem Management bald was einfallen wird müssen. Jahresverluste von 100-200Mio sind für dieses Jahr vielleicht noch verkraftbar, aber danach wird’s wohl eher schwierig. Zumal die Finanzierungslinien des Konzerns ziemlich sicher an Covenants gebunden sind, die eine noch stärkere Kapitalaufzehr nicht erlauben, womit sich spätestens dann aber auch Schwierigkeiten in der Zahlungsfähigkeit einstellen könnten. Die Eigenkapitalquote beträgt heute schon nur noch rund 20%, würde dann auf etwa 13-15% schrumpfen, das mögen die Banker nicht so gerne, zumal in Zeiten des Credit Crunch.
Zumal die Kapitalflußrechnung des Unternehmens keinen schönen Anblick bietet: der operative Cash Flow ist in gleicher Höhe wie der Nettoverlust negativ, im 1. Quartal 2008 etwa mit minus 49 Mio Euro. Im Vorjahresquartal stand da noch ein Plus von über 50Mio, d.h. man hat sich von 2007 auf 2008 um rund 100Mio Euro verschlechtert. Zudem mußten rund 70Mio Euro Finanzschulden getilgt werden und weitere 63Mio. Euro wurden langfristig investiert. Der gesamte Cash-Abfluß alleine in Q1 2008 betrug damit satte 181Mio Euro bzw. fast 40%(!) der bestehenden Barmittel. Letztere betrugen anfang des Geschäftsjahres noch 468Mio Euro, sind aber bereits nach dem ersten Quartal auf 283Mio zusammengeschmolzen.
So wie der Autor des hier zietierten Berichtes mag Hunold davon ausgehen, das die Banken sein Unternehmen nicht zerschlagen werden, weil sie niemanden finden der es haben will. Das ist aber ein Irrtum. Ab einer bestimmten Entwicklung geht es nämlich nicht mehr darum ein Investment und die damit verbundenen Kredite zu retten, sondern sie möglichst billig aus den Büchern zu bekommen.
Wer sich das Geschäftsmodell der Billigfluglinien genauer betrachtet, wird schnell feststellen, das es zur Zeit allen Firmen dieses Genres schlecht geht. Ryanair meldet:
Das Nettoergebnis fiel im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni um 85 Prozent auf 21 Millionen Euro, während sich die Kerosinkosten nahezu verdoppelten, wie die Fluggesellschaft am Montag mitteilte. Sollte sich der Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau halten, werde das Ergebnis im Gesamtjahr zwischen der Gewinnschwelle und einem Minus von 60 Millionen Euro liegen.
Die Börsen strafen solche Meldungen sofort mit teilweise weit überzogenen Kursverlusten ab. Michael O'Leary der Chef von Ryanair ist zwar ein frecher Hund und will anders als Easyjet und Air Berlin, seine Aktivitäten sogar noch ausweiten, aber das ist gut zwar gut gebrüllt, dürfte allerdings unheimlich teuer werden.
Denn während auf der einen Seite die Kerosinpreise am Gewinn fressen, knabbern auf der anderen Seite die sich ständig verschlechternden Konjunkturaussichten in der gesamten Welt, an den Passagierzahlen. Da mag zwar die eine oder andere Firma bei den Reiskosten noch vom Lufthansaticket auf einen Billigflieger umsteigen, aber viele werden Dienstreisen systematisch zusammenstreichen.
Grundsätzlich steckt die gesamte internationale Luftfahrt in der Krise. Viele Flughäfen werden sich schon mittelfristig nicht mehr lohnen und Fluglinien wie die österreichische AUA die in den letzten acht Jahren 500 Millionen Euro verbrannt hat, sind einfach nicht mehr lebensfähig. Das sich British Airways und Iberia noch in einer Notehe umklammern, hilft auch nicht wirklich. Gab es da nicht noch eine Gesellschaft aus Italien?
Das gleiche gilt übrigens auch für die Frachtfliegerei. Für alles und jedes Luftfracht zu benutzen, rechnet sich schon heute nicht mehr, und die Kostenrechner fangen bereits an mit spitzerem Bleistift zu kalkulieren. Flugobst aus allen Teilen der Welt und Ersatzzahnräder werden sich bald andere, preiswertere Wege suchen müssen, oder es droht der Verzicht.
Die Situation beim Öl wird sich vielleicht immer mal wieder kurzfristig bessern, aber langfristig ist nicht mit einer Preissenkung zu rechnen, egal was Opec-Präsident Chakib Chelil auch immer von einem 80 Dollar Preis je Barrel erzählen mag. Auf die Frage ob bei er nächsten Opec-Sitzung die Fördermengen zurückgenommen würden, mochte er sich nicht äußern.
Dabei geht es gar nicht mehr um eine Preiskontrolle per Fördermenge sondern eher darum wer überhaupt noch liefern kann. Aber selbst wenn sich die Fördermenge noch erweitern ließ, wäre das nicht die Lösung, da geopolitische Fragen, wie der drohende Angriff auf den Iran und damit einhergehende vollständige Destabilisierung dieses Raums, den Ölpreis treibt.
Wenn schon der angebliche Ausfall einer Pipeline in Nigeria den Preis zum steigen bringt, dann wird klar wie es um die Liefersicherheit bestellt ist. Es sieht mau aus und das wird auch für immer so bleiben, da die noch neu zu erschließenden Felder entweder nicht die Förderpotzenz der alten Felder haben oder die Förderkosten exorbitant sind. Da wird jetzt das Öl gefördert, das früher viel zu teuer für eine Förderung war.
Natürlich wird die Konjunktur noch weiter gebremst werden. Die Konsumenten sehen das Szenario und sind erschreckt da steigende Kosten die minimalen Lohnerhöhungen nicht nur auffressen, sondern auch weiter herzhaft von der alten knappen Substanz abbeißen. Die Firmen die durchaus investieren wollen und auch gerne einstellen würden, sehen, dass ihnen heute die Mittel an Krediten fehlen, die früher so leicht in der Spekulation verprasst wurden.
Wer bedenkt, dass die HBOS Halifax Bank Of Scotland gerade mit einer Kapitalerhöhung vollständig auf die Nase gefallen ist, weil sich keine Interessenten fanden, der weiß, was es bedeutet wenn Merrill Lynch mal eben 5,7 Milliarden Dollar abschreiben muss und einen neuen Kapitalbedarf von 8,5 Milliarden sammelt. Wer soll dieses Kapital zeichnen, wenn man bedenkt, dass Vorstandschef John Thain noch Mitte Juli einen weiteren Kapitalbedarf abgestritten hatte.
Wer einmal lügt dem glaubt man nicht und die jetzt an eine Tochter von Lonestar für 6,9 Milliarden verkauften komplexen Anleihen (CDOs) die mal einen Ursprungswert von gut 30 Milliarden Dollar gehabt haben sollen, dürften in der Realität auch nur noch einen Erinnerungswert von einem Dollar haben. In der Krise schmelzen die werte schneller als Eis in der Sonne. Mit Lehmann Brothers kommt schon der nächste Kandidat nach vorne gekrochen. Die Credit Suisse, wird auch wieder antreten wie City Group und UBS.
Auch die ständigen Behauptungen, dass die deutschen Banken nicht betroffen seien, ist so einfach Quatsch. Natürlich konnten viele Institute ihre faulen Papiere auf Kunden und Tochterfonds umsteuern, aber durch den ständigen Verfall der Aktienkurse wird es auch da eng. Mal ganz davon abgesehen, das es die Ermittlungen gegen die Deutsche Bank in den USA gibt und wohl auch wegen einiger Geschäfte mit der ÖBB in Zukunft solche Klagen anstehen könnten, ist Entwarnung das falsche Signal.
In diesem Börsenszenario muss der deutschen Bundesregierung auf jeden Fall der Verkauf der Bahn untersagt werden. Zum einen sind die erzielbaren Erträge einfach lächerlich und nur damit Tiefensee und Mehdorn ihre Freunde beschenken können, darf ein solches Geschäft nicht forciert werden. Die Bahn ist bei steigendem Ölpreis, sinkender Konjunktur, Abbau von Luftlinien und vermutlich zurückgehendem Individualverkehr, die einzige Chance, kostengünstig die Wirtschaft am laufen und die Menschen in Bewegung zu halten.
Wer in diesen Zeiten die Bahn verkauft, mag ja irgendwelchen russischen Staatsfonds einen Gefallen tun, handelt aber im Interesse der deutschen Bevölkerung nicht nur fahrlässig, sondern kriminell. Zumindest sollte die Privatisierung der Bahn um mindestens 36 Monate zurückgestellt werden. Wichtig ist es auch den Bahnvorstand inklusive Herrn Mehdorns zu entlassen um weiteren Schaden vom wichtigsten Transportmittel der nächsten Zeit abzuwenden.
Tags für diesen Artikel: bahn, banken, deutsche bank, finanzmarkt, mehdorn, öl, tiefensee, umwelt, verkehr
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