Volltilgerdarlehen, Pfandbriefe für die USA und Innenwelten der Neoliberalen
Es ist schon wirklich witzig, mit welchen Krampfaktionen sich einige Anbieter am Finanzmarkt, noch ein Kuchenstück zu sichern versuchen, wenn selbst die Krümel schon weg sind. Nun sind die sogenannten Volltilger an der Reihe. Nein, das hat nichts mit Voltigieren zu tun und man lernt anders als beim Voltigieren vorher auch nicht, wie man vom Pferd fällt. Dafür ist dann der Aufprall um so härter.
Natürlich muss man jedes Darlehen vollständig tilgen. Hypothekendarlehen oder sauberer definiert Annuitätendarlehen haben einen zu Anfang festgelegten monatlichen, quartalsweisen oder jährlichen Rückzahlungsbetrag, der sich während der Laufzeit nicht ändert. Normalerweise werden die Zinsen zum Darlehensbeginn für 10, 12,15 und 20 Jahre festgeschrieben. Die Tilgungsrate am Anfang beträgt gewöhnlich ein Prozent und beträgt annäherungsweise bei der letzten Zahlung hundert Prozent.
Üblicherweise reicht die Dauer dieser Zinsbindung nicht, um das Dahrlehen voll zu tilgen, so dass eine, oder mehrere Verlängerungen entstehen, bei denen die jeweilige Restschuld, in ein neues Annuitätendarlehen zu neuen Konditionen eingeht. Genau das aber ist das Problem. Denn welche Zinskonditionen einem die Bank bei der Verlängerung anbietet, lässt sich nicht absehen. Im schlimmsten Fall gibt es gar kein neues Angebot oder nur zu Konditionen, die nicht bezahlbar sind.
Nachdem die Banken durch Josef Ackermann von der Deutschen Bank und andere Spekulanten zu Hochrenditen um die 25 Prozent gezwungen sind, lässt sich erahnen was ein einzelner Darlehens- oder Kontokunde an Gewinn bringen muss, um für die Bank interessant zu sein. Uninteressante Kunden bekommen weder Konto noch Kredit. So ist zum Beispiel der Zusammenschluss von Deutscher Bank und Postbank schon deshalb fraglich, weil die "armen" Kunden der Postbank für Herrn Ackermann nicht genügend Rendite bringen und schon deshalb, keinen Anspruch mehr auf Teilnahme am Geldverkehr habe.
Niedriges Einkommen bedeutet also auch bei Beschäftigung schon mittelfristig den Ausschluss aus den Geldgeschäften. Wobei auch mittlere Einkommen schon lange zu den niedrigen Einkommen zählen. Wer sich also gerade ein Haus oder eine Wohnung und Urlaub alle zwei Jahre leisten kann ist für die Banken Prekariat. Uninteressant und kein gerngesehener Kunde. Ob unter diesen Aspekten eine Hypothek verlängert wird, ist mehr als fraglich, zumal die Hauspreise überall sinken.
Das macht den Menschen Angst und deshalb versuchen sie sie ein solches Darlehen für einen möglichst langen Zeitraum zu festen Zinsen abzuschließen und möglichst in dieser Zeit vollständig zu tilgen, um nicht erneut verhandeln zu müssen und unter widrigen Umständen nicht nur das bereits gezahlte Geld und das Haus zu verlieren, sondern auch noch auf einem Schuldenberg zu sitzen.
Dabei ergibt sich das Problem, dass um einen Kredit in 20 Jahren vollständig zu tilgen, bei einem Zinssatz von 5 Prozent eine Tilgung von rund 3 Prozent notwendig ist. Beträgt die Zinsbindung aber nur 12 Jahre sind 7 Prozent Tilgung erforderlich. Die genauen Werte können der folgenden Tabelle auf advocat24.de entnommen werden. Dabei sollte übrigens für alle Diskussionen über Annuitäten die Zinsanomalie nicht vergessen werden, weil sie bares Geld kostet und ein gutes Verhandlungsargument ist.
Bei einem normalen Hypothekendarlehen ergibt sich die monatliche Belastung und die Laufzeit, aus dem Zinssatz und der einprozentigen Tilgungsrate, sowie dem Kapitalbedarf. Beim Volltilgerdarlehen ergibt sich die monatliche Belastung und die Tilgungsrate aus dem Zinsatz, dem Kaptialbedarf und der gewünschten Laufzeit. Je kürzer die Laufzeit, desto höher die Tilgungsrate und damit die monatliche Belastung. Aber es gibt Angebote die zum Staunen Anlass geben:
Erstmals Volltilgerdarlehen mit geringen Monatsraten - Darlehen bietet Zinssicherheit bis Schuldenfreiheit zu Konditionen eines Kurzkredites
Immobilienkäufer mit einem geringeren Einkommen können von der aktuellen Situation an den Finanzmärkten profitieren. Erstmals gibt es einen Volltilgerkredit, der mit einer einprozentigen Anfangstilgung startet und für eine Gesamtlaufzeit von über 30 Jahren ausgelegt ist. Nach Angaben des Baugeldvermittlers HypothekenDiscount kann dieser Volltilgerkredit zum Zinssatz eines zehnjährigen Darlehens aufgenommen werden. Bisher musste für besonders langlaufende Kredite ein Zinsaufschlag gezahlt werden.
"Bei herkömmlichen Volltilgerkrediten müssen Kreditnehmer meist eine hohe Monatsrate in Kauf nehmen, da der Tilgungssatz bei vier bis fünf Prozent liegt und das Darlehen in rund 15 bis 20 Jahren abbezahlt sein muss", sagt Kai Oppel vom Baugeldvermittler HypothekenDiscount. Dank der einprozentigen Anfangstilgung bei dem neuen Kredit fallen die Monatsraten deutlich geringer aus, wovon beispielsweise junge Familien profitieren. "Mit Hilfe des Kredits lassen sich Immobilienfinanzierungen vornehmen, die keine Anschlussfinanzierung nach sich ziehen." Auf diese Weise können sich Kreditnehmer das aktuelle Zinsniveau von rund fünf Prozent bis zur absoluten Schuldenfreiheit sichern. Es ist aber trotzdem möglich, sich im Falle sinkender Zinsen nach zehn Jahren für eine günstige Anschlussfinanzierung zu entscheiden.
Auf der eigenen Website finden sich dann diese starken Aussagen nicht mehr, sondern es wird das wiederholt, was eben dem Standardwissen entspricht. Aber vielleicht ist die Website ja nur noch nicht geändert.
Bedenklich stimmt es vielleicht, dass hier augenscheinlich besonders Menschen mit geringem Einkommen angesprochen werden sollen. Da klingt im Nachhall irgendwie das Wort Suprime und Krise mit durch. In der aktuellen Situation der Finanzmärkte und bei den aktuell gültigen Renditeerwartungen, sind die Bezieher niedriger Einkommen gut damit beraten, sich nicht zu verschulden. Die Inflation wird sich vermutlich nicht schnell genug, auf ihre Schulden auswirken und somit ist ein Totalverlust im Rahmen des Wahrscheinlichen.
Auch in den USA versucht man jetzt mit neuen Namen für alte Wertlosigkeiten wenigstens noch ein paar Geschäfte zu machen, bis auch diese Blase platzt.
Banken wollen Pfandbrief für Häusermarkt
Mit einer Art Pfandbrief wollen Großbanken zur Sanierung des amerikanischen Hauskreditmarktes beitragen. Bei den so genannten Covered Bonds werden sie von der Regierung unterstützt. Das Modell orientiert sich an einem beliebten deutschen Vorbild.
"Gib dem Kind einen Namen und lass es laufen." könnte die Devise lauten. Natürlich sind Covered Bonds sicher, so sicher wie die Bank von England. Nein, das war jetzt nicht ganz das richtige Beispiel. Aber sie sind sicher. Weil sie sich ja an den sicheren deutschen Pfandbrief anlehnen. Der deutsche Pfandbrief ist eben so sicher, weil nicht nur die dahinter liegenden Grundschuldbriefe sondern auch die solventen ausgebenden Banken voll dahinter stehen.
Da gibt es z.B. die Hypo Pfandbrief Bank International oder die DEPFA Deutsche Pfandbriefbank die beide ins Umfeld der sicheren und sehr seriösen Hypo Real Estate Bank International AG gehören und damit natürlich aus jeder Gefahr sind. Nein, die deutschen Pfandbriefe sind sicher. Zumindest solange bis irgendjemand beginnt nachzufragen.
All die vielen Bürotürme in den Metropolen dieser Welt, Teile der Leerstände in Berlin, Hamburg und auch schon Frankfurt und viele gebündelte andere Unsicherheiten sind da schön verpackt. Man sieht wie bei der Suprimekrise die Verpackung. Solange niemand die schöne Verpackung öffnet ist alles gut. Aber wehe wenn das erste Mal die Verpackung geöffnet werden muss. Das wird bitter.
Bei den neuen amerikanischen Pfandbriefen wird es nicht anders aussehen. Covered Bonds wären sicherlich eine elegante Methode für einen ehrlichen Neuanfang.
Covered Bonds werden von Banken oder ihren Tochtergesellschaften ausgegeben, welche die primären Schuldner dafür sind. Gleichzeitig werden sie aber durch einen Pool von Aktiva unterlegt, im Wesentlichen mit Hypotheken, die aber im Eigentum der Banken bleiben und nicht wie bei «mortgage-backed securities» verselbständigt werden. Geht eine Bank Konkurs, so werden die Besitzer in erster Linie durch die Aktiven im Pool befriedigt.
Das Finanzministerium hat nun Best-Practice-Bestimmungen veröffentlicht, welche bei der Ausgabe solcher Papiere eingehalten werden müssen. Unter anderem ist festgehalten, dass die Laufzeit der Bonds zwischen einem und dreissig Jahren betragen muss, und es werden die Anforderungen an die Aktiva formuliert, welche in einen solchen Pool eingebracht werden können. Der Wert der Sicherheiten muss jederzeit 5% höher sein als der Betrag der ausstehenden Bonds. Verlieren gewisse Hypotheken wegen Zahlungsausfällen an Wert, so müssen sie im Pool durch andere Aktiva ersetzt werden. Die Bank muss monatlich überprüfen, ob Qualität und Umfang der Sicherheiten genügen. Ebenfalls im monatlichen Rhythmus müssen die Eigentümer der Covered Bonds über die Zusammensetzung des Pools informiert werden. Im Weiteren ist die volumenmässige Ausgabe von Covered Bonds beschränkt; sie darf 4% der Gesamtverbindlichkeiten einer Bank nicht überschreiten.
Das klingt einfach himmlisch. Es klingt zu schön um wahr zu sein. Der Tod dieser Covered Bonds ist schon vorprogrammiert. Es ist die Frage nach dem Wert der Aktiva. Die Suprimekrise hat ja gezeigt, was für Scheinwerte aufgebaut wurden. Jetzt sollen die Aktiva fünf Prozent höher sein, als die ausgegebenen Bonds. Das ist eine gute Idee. Das reicht nicht einmal für den Preisverfall von Immobilien in einem Quartal, aber die US Banken bekommen mindestens 4 Prozent ihrer Schulden an dumme und gutgläubige Anleger los.
Wertermittlung erfordert Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Integrität. Wenn man weiß, dass Connecticut die drei grossen Ratingfirmen Moody's, Standard & Poors und Fitch verklagt, weil sie zu tiefe Ratings an Städte und Gemeinden vergeben hätten, der weiß wie es mit der Bewertungsehrlichkeit aussieht.
Das Grundübel aber ist, der bereits angesprochene Renditewahn, den Josef Ackermann bis auf 25 Prozent hochpeitschte, ohne das ihm eine Stimme der Vernunft entgegen getreten wäre. Aber die allgemeine Finanzmarktkrise hat auch die neoliberale Welt kräftig durchgeschüttelt. Klügere Köpfe als Josef Ackermann und vor allem seriösere Banker, sehen das Ergebnis des Neoliberalismus und bekommen Angst. So auch Matthias Graf von Krockow Sprecher der Privatbanken Sal. Oppenheim und BHF Bank, die, die größte unabhängige Privatbankengruppe Europas sind.
"Die im Zuge der Globalisierung enorm gestiegenen Renditeansprüche waren ja immer nur mit einer höheren Verschuldung zu erfüllen. Die Gier muss gestoppt werden. Man kann nicht mit fremder Leute Geld große Spielkasinos betreiben. 15 Prozent nachhaltige Eigenkapitalrendite sind mit einem normalen, soliden Geschäft einfach nicht machbar."
Gut. Diese Erkenntnis gibt der gute Graf ein wenig spät zu Protokoll, aber immer noch besser späte Reue, als gar keine Reue. Von Krockow hält 15 Prozent Eigenkapitalrendite nicht für nachhaltig machbar. Normale Leute sehen Sätze zwischen 3 und 7 Prozent als nachhaltig machbar für das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft. Damit steht die Obergrenze fest. Natürlich kann es immer wieder einmal Sondereinflüsse geben.
Wer wie Ackermann auf 25 Prozent aus ist, der schadet den Unternehmen, den Menschen die in ihnen arbeiten und der Volkswirtschaft in der er lebt. Dieser Schaden dürfte sich heute in Deutschland auf mehre hundert Milliarden Euro beziffern lassen und es ist an der Zeit, dass die Bankenaufsicht aus solchen Erkenntnissen ihre Schlüsse zieht und Ackermann die Berufsausübung untersagt.
Gleichzeitig ist die Justiz gefragt, um zu ermitteln, ob es sich nicht um eine bewusste Angriffshandlung gegen Deutschland als Wirtschaftsstandort handelt, bzw. welche vielleicht kriminellen Handlungen zu den bekannten Ergebnissen geführt haben. Vermutlich wird sich in Deutschland niemand für zuständig halten, aber zumindest hat von Krockow klar gestellt, das Leute wie Ackermann mit fremdem Geld große Spielcasions betrieben haben und am Ende alle in die Pleite schicken.
Unabhängig von Ackermann ist es aber auch ein Problem der von ihm beeinflussten und verführten Manager. Um dort eine Änderung zu erreichen, muss klar gemacht werden, dass Aktionäre Eigentümer sind, die, die Pflicht haben, ihre Manager zu überwachen. Wenn sie dazu nicht bereit sind, müssen sie notfalls auch über den Wert der Aktie hinaus in die Haftung genommen werden.
Der Staat braucht Strafmittel gegen gierige Manager und gierige Spekulanten. Sobald eine Rendite den Wert von 7 Prozent übersteigt, würde es Sinn machen, die gesamte Rendite als Glücksspielerlös zu betrachten und mit einem Steuersatz von 60 Prozent zu belegen. Das brächte Geld in die Staatskasse, welches zur Schuldentilgung gut gebraucht werden könnte, würde aber vor allem zu mehr Investitionen führen.
Es spricht auch nichts dagegen, Investitionen im Ausland, genauer zu kontrollieren als dies bei inländischen Investitionen der Fall ist. Wer für Investitionen im Ausland, inländische Steuererleichterungen will, muss die Sinnhaftigkeit beweisen oder auf die Subvention verzichten.
Gier ist eine der starken menschlichen Triebfedern. Sie lässt sich nicht ausschalten und es wäre auch falsch sie auszuschalten, weil sie Fortschritt bringt. Aber wie fast alles im Leben, braucht auch die Gier feste Regelen und bei Regelverletzungen aus Gier, muss die Strafe besonders hoch sein, um Nachahmer abzuschrecken.
Die härteste Strafe für die Gierigen ist, wenn sie nicht nur das eingesetzte Kapital und den Gewinn verlieren sondern zusätzlich noch in gleicher oder doppelter Höhe in ihrem sonstigen Vermögen bestraft werden. Dem Tankstellenräuber nimmt man zu recht seinen Wagen als Tatwaffe, dann muss man mit dem gleichen Recht auch den Spekulanten ihr Geld und ihre Firmen nehmen.
Das Ende des wirtschaftsfaschistischen Neoliberalismus ist in Sicht. Jetzt muss ans Aufräumen gegangen werden. Hoffentlich hat Deutschland die Richter und Staatsanwälte die gebraucht werden.
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