Nich am Bär packen
Diese Urberliner Zoowärterweisheit, hätte irgendjemand auch dem Zauberlehrling und georgischem Staatspräsidenten Michail Saakaschwili beibringen sollen, aber in Wirklichkeit war er wohl der richtige Mann für einen dummen Test der Reizbarkeit des russischen Bären. Das Ergebnis seines Übermutes, dürfte neben dem unsäglichem Leid der Bevölkerung in Südossetien und in Georgien, wohl auch sein politisches Ende sein, aber er galt wohl von Anfang an als ersetzbar.
Es sah doch eigentlich alles so gut aus. Im Dezember sollten die Verhandlungen Georgiens mit der Nato beginnen, eine Aufnahme war praktisch schon beschlossene Sache. Als Natomitglied wäre Georgien nicht angreifbar gewesen, hätte aber auch auf eine Rückeroberung von Abchasien und Südossetien verzichten müssen.
Der Konflikt war zwar immer irgendwie auf der Tagesordnung, aber die Flüchtlinge vom letzten "Befreiungsversuch" vor 16 Jahren sind bis heute noch nicht in eigenen Wohnungen untergekommen, während die nächste Welle bereits rollt.
Zwei enge Kordons Polizisten wollen die aufgebrachten Menschen mit aller Macht von der Strasse drängen. Der Verkehr auf dem Rustaweli, der Prachtboulevard in Tiflis, soll wieder rollen. Doch die Frauen haben Angst und wollen, dass alle ihr Schicksal sehen - und nichts trifft die Herrschenden im Kaukasus-Staat stärker als Staus auf dem Rustaweli.
"Vor Euch haben wir keine Angst", schreien die Frauen die Polizisten an. "Wir sind gerade der Hölle entkommen, da macht Ihr uns auch nichts mehr aus!" Am Ende ist aber die Staatsmacht erst Mal stärker und die Frauen stehen vor dem Parlamentsgebäude des Landes tratschend und traurig zusammen.
Das Schicksal der Frauen und Kinder wird wie immer niemanden interessieren, wozu auch. Sie sind ja nur Volk, das als Verfügungsmasse der Herrschenden, schon immer deren höheren Zielen zu dienen hat. Es ging in erster Linie um einen Test, den die US-Amerikaner wollten. Sie wollten wissen, ob der russische Bär sich bei einem Angriff brummend zurück zieht und seine Ruhe haben will, oder ob er zurück schlägt. Das war natürlich auch ein Test des neuen russischen Präsidenten Dmitri Medwedjew.
Der Test brachte das Ergebnis mit dem zu rechnen war. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin ist am Samstag "überraschend" nach Nordossetien in die Stadt Wladikawkas geflogen, um sich ein Bild von der Lage der Flüchtlinge zu machen. Danach begannen die russischen Bomben auf Georgien und die Schwarzmeerflotte lief aus um die Küste Georgiens zu blockieren. Dabei ist es müßig darüber zu diskutieren ob Medwedjew und Putin ein so starkes Team sind, oder ob Putin, wie von vielen vermutet, in Wahrheit der starke Mann ist, der Medwedjew als Marionette vor sich her schiebt. Es ändert nichts an der Lage.
Nachdem Putin bereits vor ein paar Tagen die Kuba-Karte gespielt hatte, hätten vernünftige Menschen, den Versuch eine Krieg am Kaukasus zu inszenieren abgebrochen.
Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat sich für eine stärkere Präsenz auf Kuba ausgesprochen. Russland müsse seine Position auf Kuba «sowie in anderen Ländern» wieder herstellen, sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax.
Zuvor hatten bereits Militärexperten und Diplomaten eine stärkere russische Präsenz auf der Karibikinsel vor der amerikanischen Küste gefordert. So verlangte der Präsident der Moskauer Akademie für geopolitische Forschungen, Leonid Iwaschow, offen die Verlegung von Truppen nach Kuba.
Allerdings sind Bush und die israelischen Falken wohl nicht sehr vernünftig.
Zur israelischen Unterstützung des Angriffs auf Südossetien
$1b of Israeli investment at risk in Georgia. There is concern
that Israeli arms sales to Georgia may upset the Russians. Globes,
Israel
Jewish Georgian official: Our army has IDF training to thank. Ha'aretz, Israel
War in Georgia:
The Israeli connection.For past seven years, Israeli companies have been helping Gerogian army to prepare for war against Russia through arms deals, training of infantry units and security advice. ynet, Israel
Kommentar
Die drei israelischen Mainstream-Medien sowie der israelische Informationsdienst DEBKAfiles betonen auffällig stark, daß israelische Militärs und israelische Waffen gute Wirkung gezeigt hätten. In medialer Geschlossenheit könnte die israelische Herrschaftselite der US-amerikanischen signalisieren wollen: Wir erwarten eine Gegenleistung.
Im Grunde genommen bestätigen die israelischen Meldungen, dass es nur um Öl und Gas geht und das sozusagen im Vorbeigehen mal eben Russland geschlagen werden sollte. Das hat nun sichtbar nicht geklappt. Spätestens das auslaufen der Schwarzmeerflotte hat deutlich gemacht, wer im Schwarzen Meer das sagen hat. Daran ändert auch nichts, dass die Ukraine auf amerikanische Anweisung die Klappe aufmachte, um mitzuteilen, dass die Flotte nicht in ihre Stützpunkt auf der Krim zurückkehren dürfe. Da scheint jemand die Geschichtsbücher über den Krimkrieg nicht gründlich gelesen zu haben.
Selbst mit starker finanzieller Hilfe der USA würde die Ukraine Jahrzehnte brauchen um nur auf den heutigen Stand der russischen Bewaffnung zu kommen. Der willkürlich von interessierter Seite heruntergebrochene Krieg um Abchasien und Südossetien hat zwei Dinge ganz deutlich gemacht. Russland sieht sich selbst als Weltmacht und ist bereit für diesen Anspruch auch wieder zu kämpfen.
Seit Sonntag Abend, als Georgien seinen einseitigen Waffenstillstand verkündete und Russland dies überhaupt nicht zur Kenntnis nahm, ist klar wie die Sache ausgehen wird. Beide Provinzen werden selbstständig bleiben oder komplett als Gebietskörperschaften in Russland aufgehen. Russland wird keine weiteren Aggression durch die USA mehr dulden und sicherlich seinerseits weit aggressiver reagieren.
Dumm ist dies natürlich für Georgien und die USA, aber wirklich schlimm ist das ganze für Israel. Russland kann derartige Einmischungen nicht ungestraft geschehen lassen. Es steht also zu befürchten, dass durch israelische Großmannssucht und eine falsche Lageeinschätzung, Israel wieder in einer klaren Feindposition zu Russland steht und Russland zumindest finanziell wieder deutlich die Gegner Israels fördern und auch politisch unterstützen wird.
Dadurch ist die so schon schwierige Lage Israels noch schwieriger geworden. Die israelische Politik wird einen schnellen Kurswechsel vornehmen müssen, um zumindest den Schaden zu begrenzen. Besonders gefährlich könnte es werden, wenn unter den toten Angreifern Südossetien Israelis identifiziert würden. Russia Today berichtet über Söldnertruppen.
Kokoity says that: “After the fighting in the city we found several bodies of citizens of the Baltic states and Ukraine. Later on I was informed that the bodies of several black men were found at the scene of a battle near school number 12. Kokoity said.
..
“In yesterday’s attack, the advancing tanks were supposedly crewed by Ukrainians. Two unidentified bodies found today are said to have black skin. Possibly they are Americans but we can’t say for sure yet. We will be able to publish the official conclusions after carrying out special tests,” Medoyev said.
Identifiziert wurden demnach Söldner aus den baltischen Staaten und der Ukraine, wobei die Ukrainer wohl die Besatzungen der führenden Panzer stellten. Das auch tote Schwarze gefunden wurden könnte in die USA weisen, aber die würden in solchen Gebieten wahrscheinlich nie Farbige einsetzen, da sie einfach zu auffällig wären.
Kaum jemand denkt aber daran, dass Israel rund 100.000 schwarze äthiopische Juden beherbergt, die in Israel nicht sehr angesehen sind und bei denen die Versuchung naheliegt, sich und ihr Volk durch besondere kriegerische Leistungen für Israel als wichtig zu erweisen. Dazu kommen noch die Cochin-Juden von der südindischen Malabarküste. Tote Israelis die an einem Angriff auf russisches Einflussgebiet teilgenommen haben, wären ein sehr dummes Signal.
Aber auch die Ukrainie wird sicherlich am Gaspreis merken, das Russland sich nicht gerne angreifen lässt. Vermutlich war es aber von der US-amerikanischen Seite her durchaus beabsichtigt Israel und die Ukraine in Schwierigkeiten zu bringen. Wenn die Ukraine kein Gas mehr bekommt, ist auch Europa betroffen, zumal die Pipeline in der Ostsee die nach Deutschland führen sollte, ja bewusst hintertrieben wird. So muss Deutschland mit ins Boot. Das gleiche gilt bei einem verstärkten Druck auf Israel, der Deutschland auch näher an die USA treibt.
Daniel Neun, auf Radio Utopie hat also gar nicht so unrecht, wenn er von einer "Schweinebucht im Kaukasus" im Kaukasus spricht. Zumindest die Folgen könnten ähnlich sein.
Die Paralellen der gescheiterten Eroberung Südossetiens zum Debakel des US-Invasionsversuchs in Kuba im April 1961 sind unverkennbar.
Die Schweinebucht markierte nicht nur die desaströse militärische Niederlage der Supermacht im eigenen Vorgarten.
Sie war auch eine verheerende politische Niederlage, welche die Welt 1962 anschliessend in der sogenannten Kubakrise an den Rand des Atomkrieges führte.
Natürlich nimmt Russland die gebotene Gelegenheit auch gerne wahr. Allerdings waren die Angriffssignale aus den USA auch noch nie so stark wie jetzt zum Ende der Bush Administration. Es sieht fast so aus, als wollte sie die Welt ins Chaos stürzen, nur um davon abzulenken, dass sie kein einziges Problem gelöst, aber dafür eine Unmenge neuer geschaffen hat.
Ob Afghanistan, Irak, Iran, Uigurien, Georgien oder die Finanzkrise. Es ist die imperiale Gier zusammen mit der neoliberalen Gier. Verantwortungslosigkeit, die immer wieder in Weltkriegen geendet hat. Wenn Deutschland schlau wäre, würde es sich aus diesem Theater heraushalten. Aber bei Merkel, Jung, Struck, Steinmeier und Co. wagt es sicher niemand von schlauem Handel, von Verstand und Verantwortung auch nur zu träumen. So wird es bald wieder heißen:
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Duckhome am
08/19/08 um 04:11
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Duckhome am
08/29/08 um 05:42
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Derweil haben die USA bereits ihre Solidarität mit Saakaschwili bekundet. Offenbar wollen sie Konflikt um jeden Preis.
Interessant auch dieser Beitrag bei Schall und Rauch:
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2008/08/usa-und-georgien-sind-fr-den-genozid-in.html
Dort hat, in Kommentar 3, jemand einen Youtube-Link gepostet. Ich kann das Video nur empfehlen. Es zeigt offenbar die georgische Polizei "in Aktion". Erinnert eher an einen Aufmarsch der entmenschlichten Combine-Truppen aus Half-Life 2 denn einer regulären Polizei.
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