Kurzkommentar 2008-08-12
• Spaniens Wirtschaft fällt am tiefsten
• Photovoltaik: Ein Bergbauernhof als Kraftwerk
• Siemens-Affäre - Ermittlungen in Argentinien
• Großhandelspreise Juli 2008: + 9,9% zum Juli 2007
• Chinas Überschuss sinkt
Spaniens Wirtschaft fällt am tiefsten
Die Lage ist so brisant, dass die Regierung für Donnerstag eine Krisensitzung angesetzt hat, wenn die Statistiker die Wachstumszahlen für das Frühjahr präsentieren. Mitten in der Sommerpause. So etwas gab es noch nie.
"Die Rezession ist ohne Zweifel da. Und es ist nicht nur irgendeine, sondern eine sehr tiefe", sagte Véronique Riches-Flores, Europa-Chefvolkswirtin der Société Générale. Sie geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im Frühjahrsquartal um 0,1 Prozent schrumpfte.
Im Herbst könnten es dann sogar bis zu minus 0,5 Prozent werden. Womit auch das formale Kriterium für eine Rezession erfüllt wäre, eine Schrumpfung in zwei Quartalen hintereinander. Spaniens Wirtschaft legt derzeit eine Vollbremsung hin, die an Tempo und Heftigkeit alle anderen großen Ökonomien in Europa in den Schatten stellt.
Tatsächlich gab es den Boom in Spanien eben auch nur auf Kredit. Diese Kredite lösen sich jetzt in Luft auf. Die Folge davon ist die Rezession. Die spanische Regierung wird an die Wurzeln des Übels gehen müssen. Die Banken haben sich bereichert, nun sollten sie und ihre Aktionäre auf die Folgen tragen. Konkurse und harte Strafen sind notwendig um eine Wiederholung zu verhindern und wieder Vertrauen in den Markt zu bringen.
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Photovoltaik: Ein Bergbauernhof als Kraftwerk
Die Energiekrise, ausgelöst durch horrende Erdölpreise, ist in aller Munde. Doch sie müsste nicht sein, wie der Kärntner Bergbauer Franz Dorner eindrücklich beweist. Mit großer Schaffenskraft und ungeheurem Mut zum Risiko hat er auf den Dächern seines Hühnerhofes im Kärntner Lavanttal Südösterreichs größte Photovoltaik-Anlage installiert. Er ist nicht nur autark, was die Stromversorgung seines Hofes betrifft, er kann sogar 200.000 kW/h jährlich ins öffentliche Stromnetz einspeisen. Dorner ist ein Vorbild, was die Nutzung erneuerbarer Energie und die Einsparung schädlicher Emissionen betrifft. Trotzdem haben es ihm die Behörden nicht leicht gemacht. Obwohl der „Solarpark“ auf den Dächern seiner Hühnerställe entstanden ist, hat die Genehmigung für den Bau der Solaranlage fast zwei Jahre gedauert. Der Bergbauer hat ganz ohne öffentliche Förderung und auf eigenes Risiko bisher 1,16 Millionen Euro in die Photovoltaik-Anlage investiert. Für 170.000 Euro musste er eine 1,2 Kilometer lange, unterirdische Starkstrom-Leitung verlegen lassen, die seinen Hof mit dem öffentlichen Stromnetz verbindet. Denn Dorner produziert wesentlich mehr Strom, als er selber verbrauchen kann. 300.000 kw/h entstehen jährlich aus Sonnenkraft, rund 100.000 werden am Hof verbraucht.
Es geht eine ganze Menge, wenn man nur bereit ist etwas zu tun und etwas zu investieren. Solange aber die deutschen Politiker und insbesondere das Merkel, lieber den teuren Atomstrom subventionieren, als sich für erneuerbare Energien einzusetzen, ist es schwierig, ja sogar existenzbedrohend etwas richtiges zu tun. Die Subvention des Atomstroms verhindert die Nutzung umweltfreundlicher Energien.
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Siemens-Affäre - Ermittlungen in Argentinien
Die argentinischen Behörden haben Ende vergangener Woche eine Ermittlung eingeleitet, um zu prüfen, ob Siemens auch für jüngere Projekte Bestechungsgelder an Beamte gezahlt hat.
Die Ermittlungen gehen auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zurück, wonach noch Ende des Geschäftsjahres 2003 Zahlungen in Höhe von 4,7 Mio. Euro über den damaligen Siemens-Chef von Südamerika geflossen sein sollen. Seit Längerem hegt die Opposition der Mitte-links-Regierung den Verdacht, dass die Regierung von Néstor Kirchner bestechlich war und von Siemens Millionenbeträge erhalten habe.
Überall auf der Welt wird ernsthaft ermittelt. Nur in Deutschland tut sich die Justiz schwer. Von Pierer hat ja schon praktisch eine Persilschein und jetzt werden eben die Putzfrauen verurteilt. Es ist ein Trauerspiel. Wozu haben wir eigentlich eine Bundesanwaltschaft, wenn die in solchen Fällen, eine weisungsgebundene bayrische Justiz alleine lässt. Es kann in München keinen fairen Prozess gegen Siemens geben. Aber wahrscheinlich gilt das für ganz Deutschland, weil man die Großen hier lieber laufen lässt und mit einem Bundesverdienstkreuz behängt.
Das von Pierer sein 2001 verliehenens "Großes Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" behalten darf, zeigt wie wenig Wert diesem Blech beizumessen ist.
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Großhandelspreise Juli 2008: + 9,9% zum Juli 2007
Der Index der Großhandelsverkaufspreise lag nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Juli 2008 um 9,9% über dem Vorjahresstand. Dies war die höchste Jahresteuerungsrate seit November 1981 (+ 10,0%). Im Juni 2008 und im Mai 2008 hatte die Jahresveränderungsrate + 8,9% beziehungsweise + 8,1% betragen. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Großhandelspreisindex im Juli 2008 um 1,4%.
Preiserhöhungen gegenüber Juli 2007 waren insbesondere im Großhandel mit festen Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen (+ 30,8%) zu beobachten. Gegenüber dem Vormonat verteuerten sich die Waren hier um 6,2% (Juni 2008: + 3,7%). Erze, Eisen, Stahl, Nicht-Eisen-Metalle und deren Halbzeug wurden im Vorjahresvergleich um 15,7% teurer, gegenüber Juni 2008 wurde 2,8% mehr bezahlt.
Aber am Jahresende werden wir auf wundersame Art und Weise insgesamt 2,5 Prozent Inflation haben. Statistik ist doch eine feine Art zu lügen.
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Chinas Überschuss sinkt
Der Außenhandelsüberschuss in China ist amtlichen Medienberichten zufolge in den ersten sieben Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 9,6 Prozent auf umgerechnet 123,7 Mrd US-Dollar zurückgegangen.
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Die Großhandelspreise in der Volksrepublik legten unterdessen im Juli so stark zu wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Der Produzentenpreis-Index (PPI) stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um zehn Prozent - so stark wie seit 1996 nicht mehr. Die Preise für Rohstoffe, Kraftstoffe und Energie hätten sich im Vergleich zum Juli vergangenen Jahres um 15,4 Prozent verteuert, hieß es weiter.
So langsam kommt die weltweite Rezession in China an. Das ist ein übles Zeichen, weil die Chinesen aufgrund des geringen Lohnniveaus und der nicht vorhandenen Arbeits- und Umweltschutzbedingungen, einen schier unerschöpflichen Kostenvorteil haben. Dem scheint aber nicht mehr so zu sein. Durch den schwachen Dollar kann auch weniger Binnensubvention betrieben werden, als nötig wäre. Das Problem dürfte sich also noch verschärfen.
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Tags für diesen Artikel: bestechung, china, inflation, konjunktur, photovoltaik, pierer, rezession, siemens, spanien
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