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• In Zukunft werden Schlagzeilen von uns selbst gemacht. Im Internet.
• flugzeugdurchsagen mit niveau…
• Gespiegelte Irrelevanz
• Aus dem Schatten
• Kleine Wirtschaftskunde anhand von Weltkonjunktur und Ölpreisentwicklungen
In Zukunft werden Schlagzeilen von uns selbst gemacht. Im Internet.
Immer wieder wird im Zusammenhang mit neuen Medien die Frage gestellt: Wie sehen die Nachrichten der Zukunft aus? Oder: Wie sieht die Zukunft der Nachrichten aus? Ich denke eine denkbare Antwort auf diese Fragen sieht in etwa so aus:
*** Videos bitte auf der Orignialseite betrachten ****
Diese Bilder, beide anscheinend mit einer Handykamera aufgenommen, zeigen die Explosionen, die sich gestern Nacht anscheinend in einer Fabrik im kanadischen Toronto ereignet haben. Die Filme wurden gleich nach dem Aufnehmen ins Internet hochgeladen, per Twitter und Blogs bekannt gemacht, wodurch sie dann auch bald auf dem Blog einer Tageszeitung landeten. Kein Fernsehsender, kein Radiosender und schon gar keine gedruckte Zeitung kommt an diese authentische Unmittelbarkeit heran. Man meint die Angst und Verunsicherung des mitten in der Nacht aufgeweckten Augenzeugen in dem Wackeln und Zittern der Kamera wiederzufinden. Mittlerweile haben bereits 62,135 Youtube-Nutzer diese Bilder gesehen.
So werden in Zukunft Schlagzeilen gemacht. Das Prinzip heißt “publish, then filter“. Die rohen Eindrücke werden von Augenzeugen ins Netz gestellt und erst viel später wird dann nach der dazu passenden Story (”Was ist der Fall? Was steckt dahinter?”) gesucht (ähnlich hat das vor kurzen auch im Fall des Erdbebens funktioniert).
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flugzeugdurchsagen mit niveau…
Ich habe heute eine E-Mail von meiner kleinen Schwester erhalten, die - sagen wir mal ganz, ganz grob - mit dem Flugzeugbau und der Instandhaltung der Maschinen zu tun hat. Betreff: Flugzeugdurchsagen mit Niveau. Ich habe mir die Liste durchgelesen und mehr als einmal vor Lachen unter dem Schreibtisch gelegen. ;)
Ich hätte gerne mal die Gesichter und die Reaktionen der Fluggäste gesehen und erlebt, wenn der “Busfahrer” zum Mikro greift und aufmunternde Worte an die Passagiere richtet… hehe.
Mein Favorit:
(1) Flug nach Münster, dichter Nebel dort und vor uns nur eine Maschine. Dann die Durchsage des Piloten:
“Wir wissen nicht, ob wir wegen des Nebels landen können, aber vor uns versucht es gerade eine Lufthansa-Maschine. Wir warten mal das Ergebnis ab…”
Hier noch ein paar…
(2) Flug München - London Stansted im Jahre 2004. England wie gewohnt schlechtes Wetter. Kurz nach der Landung folgende Ansage von der
Stewardess:
“Sehr geehrte Fluggäste, ich begrüße Sie hier in London Stansted, wo das
Wetter kalt, scheußlich und ungemütlich ist, genauso wie mein Ex-Mann.”
(3) Durchsage nach der Landung: “Herzlich willkommen in X. Bitte bleiben Sie noch angeschnallt sitzen, bis wir die endgültige Parkposition erreicht haben und die Anschnallzeichen erloschen sind. Dann können Sie wieder drängeln und schubsen wie gewohnt.”
(4) Inlandsflug in den USA, kurz nach der Landung steht der Flieger, hat das Gate noch nicht erreicht, aber man hört die Sicherheitsgurte schon klicken.
“Meine Damen und Herren, in der Geschichte der Luftfahrt ist es noch nie
einem Passagier gelungen, vor seinem Flugzeug das Gate zu erreichen.
BleibenSie deshalb bitte angeschnallt, bis wir unsere endgültige Parkposition erreicht haben. Vielen Dank.”
(5) Flug von München nach Berlin, Ansage der Crew: “Wir weisen darauf hin, das es sich um einen Nichtraucherflug handelt, für die Raucher unter ihnen öffnen wir nachher unsere Terrassen links und rechts und zeigen dort den Film ‘Vom Winde verweht’.”
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Gespiegelte Irrelevanz
Mathias Müller von Blumencron, ehemaliger Chef-Blogger und inzwischen Chefredakteur des Spiegel, hält Spiegelkritik.de für irrelevant und wirkungslos. Das hat er frühzeitig genug gesagt, um in seinem Heft 30/2008 in der kleinen Geschichte über die unpolitischen „Beta-Blogger“ Deutschlands journalistisch korrekt nicht weiter auf die Pimpfe einzugehen. Nicht klar ist allerdings, warum sich sein Blatt überhaupt mit Blogs beschäftigt.
Das Problem wird im Vorspann deutlich: da sprechen die drei Autoren - Markus Brauck, Frank Hornig und Isabell Hülsen - von Online-Schreibern, um dann fortan aber doch nur Blogger zu meinen, also die Nutzer eines stark vereinfachten und stets chronologisch sortierenden Content-Management-Systems (CMS).
Über diese Fokussierung auf eine Technik bin ich wenige Stunden vor Lesegenuss der „Beta-Blogger“ bei einem Telefonat gestoßen. Mal wieder schreibt eine Studentin ihre medienwissenschaftliche Abschlussarbeit über Blogs, und selbst die kleine Spiegelkritik wird dann befragt, - etwa einmal im Monat kommt eine solche Anfrage. Und da war sie dann wieder, diese dubiose Frage: „Wann haben Sie mit dem Bloggen angefangen?“ Mit dem Bloggen? Wen interessiert das, was kann man damit anfangen? Ich arbeite seit 1995 mit dem Internet und publiziere dort seit 1997 – in Dutzenden Projekten. Ich habe sowohl „Online-Tagebücher“ als auch komplette News-Sites in HTML geschrieben und täglich etliche Male mit Dreamweaver aktualisiert. Dann kamen (Web-)CMS. Und irgendwann war auch Wordpress dabei. Aber es war mit Sicherheit kein besonderer Tag, keine Wende, kein Sprung oder Flug in eine neue Dimension.
Als Bildblogger Christoph Schultheis noch bei seinen Vorträgen erklären musste, was Blogs sind und was Bildblog macht, habe ich einmal – es war in Wiesbaden - gefragt, was denn an Bildblog nun der die das Blog sei – und nur Achselzucken im ganzen Raum als Antwort bekommen. Denn natürlich gab es schon längst Medienmagazine im Internet, auch monothematische. Aber die nannten sich nicht Blog, weil sie eine andere Software genutzt haben oder schlicht nicht wussten, dass sie gerade einen Hype verpassen. Es war der damalige Online- und heute Ganz-Spiegel-Chef Mathias Müller von Blumencron, der die Klassifizierung einmal damit karikierte, dass er sprach: „Wir machen ein Blog, das ist Spiegel Online.“
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Aus dem Schatten
Berlin nutzt den Konflikt zwischen Russland und Georgien zur Aufwertung seiner Position im Kaukasus. Deutschland werde zur Erweiterung der OSZE-Mission in Georgien "nach Kräften beitragen", erklärt Außenminister Steinmeier; zudem müsse die EU "eine stärkere Rolle" in den Auseinandersetzungen spielen. Erste Schritte hat die französische Ratspräsidentschaft in Abstimmung mit der Bundesregierung eingeleitet und der EU die Rolle der "Vermittlerin" zwischen Tbilisi und Moskau verschafft. Damit setzt sich Berlin von Washington ab, das Georgien unterstützt und eine Eskalation der amerikanisch-russischen Spannungen voraussagt ("neuer Kalter Krieg"). Die Kursbestimmung, die sich seit Monaten abzeichnet, stößt bei mehreren EU-Mitgliedstaaten auf Protest und ist auch in Deutschland nicht unumstritten. Die kaukasischen Einflusskämpfe finden in einer Region statt, die hohe militärstrategische und geoökonomische Bedeutung besitzt. Berlin zählt sie zu seiner Hegemonialsphäre ("Europa") und drängt dort aus dem Schatten der Vereinigten Staaten.
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Kleine Wirtschaftskunde anhand von Weltkonjunktur und Ölpreisentwicklungen
Eine stark vernachlässigte Rubrik in diesem Onlinejournal ist die “Wirtschaft”. Nicht im Sinne von Speise- und Schankwirtschaft, wie es vielleicht naheliegend erscheint, sondern eher im Sinne von Ökonomie: Unternehmen, Haushalte, Banken, Staat - der ewige Kreislauf halt.
Vorgestern berichtete die Süddeutsche Zeitung in ihrer Printausgabe von einem Phänomen, wie es selbst die Gründerväter des hinlänglich bekannten Schweinezyklusses nicht schöner hätten ersinnen können: “Ölpreis fällt, Kurse steigen - Schwache Konjunktur lässt die Energie-Nachfrage sinken” hieß es dort auf der Titelseite. Zusammengefasst: Die weltweite Konjunktur geht zurück, aufgrund dieser Tatsache sinkt die Nachfrage nach Öl, was einen Rückgang der Ölpreise zur Folge hat, der wiederum die Kurse an den Aktienmärkten beflügelt, weil Produzenten nun die Dinge, die nicht mehr nachgefragt werden, billiger produzieren können.
Das ist großartig, ein bißchen wirtschaftsnobelpreisverdächtig und unterstützt ein weiteres in Industriestaaten bekanntes Paradoxon: So kann ein Automobilhersteller den eigenen Aktienkurs vornehmlich nicht dadurch positiv beeinflussen, dass er bessere Fahrzeuge baut, die sich in höherer Stückzahl verkaufen lassen. Die Kurse der eigenen Wertpapiere lassen sich vielmehr in schwindelerregende Höhen treiben, indem man seine Arbeitnehmer vor die Tür setzt, die somit im Anschluss kein Geld mehr haben, neue Autos zu kaufen.
Am besten wäre es also, wenn alle Menschen von heute auf morgen darauf verzichteten, mit dem Auto zu fahren. Nicht nur aufgrund des dadurch vermiedenen Schadstoffausstoßes entstünden so blühende Landschaften, sondern vor allem in ökonomischer Hinsicht: die Nachfrage nach Öl sänke ins Bodenlose, weil kein Benzin mehr benötigt würde, Autos könnten billiger produziert werden, weil die bei der Herstellung anfallenden Energiekosten sänken, die Aktienkurse der Autobranche würden explodieren. Beflügelnd käme hinzu, dass auch noch sämtliche Mitarbeiter von Automobilfirmen entlassen werden könnten, da ja niemand mehr ein Auto bräuchte, das nicht gefahren würde. Die Kurse stiegen und stiegen und stiegen. Vorher müssten sich nur noch alle mit Anteilsscheinen in ausreichender Menge eindecken und abwarten.
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