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Kurzkommentar 2008-09-04
• Dicke Luft bei Alitalia
• Ab in die Mottenkiste: Viral Marketing
• Peter Gérard - Ein Mann für heiße Stühle
• Das unsterbliche Subprime-Monster
• Ende des Investitionsbooms treibt Estland in die Rezession
Dicke Luft bei Alitalia
Italiens Regierung und der Insolvenzverwalter haben mit der Zerschlagung der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia gedroht, sollten die Gewerkschaften dem geplanten Rettungspaket nicht zustimmen. Bei einem Treffen zwischen Gewerkschaften und Regierung habe der Insolvenzverwalter erklärt, dass ein baldiger Verkauf die letzte Überlebenschance für die Airline sei, erklärten anwesende Arbeitnehmervertreter. Andernfalls müsse die Firma angesichts fehlender Liquidität abgewickelt werden.
Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte, die Arbeitnehmervertreter hätten keine andere Möglichkeit, als dem Verkauf zuzustimmen. Dadurch würden laut Medienberichten rund 7000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, das sind 40 Prozent der Belegschaft.
Das ist wieder einmal ein typischer Berlusconi. Als er antrat wollte er die Fluggesellschaft retten. Jetzt wo es Geld kosten würde, ist davon keine Rede mehr. Jetzt passiert genau die Abwicklung, die er vorher kritisiert hattte. Wann werden die Italiener endlich wach? Wieviele Arbeitsplätze darf Berlusconi platt machen? Was bei Allitalia vielleicht unausweichlich ist könnte schnell zur Gewohnheit werden.
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Ab in die Mottenkiste: Viral Marketing
Einst glaubten die Firmen, dass sie so Millionen an Werbeausgaben sparen könnten. Bisher ist der Siegeszug des viralen Marketings aber ausgeblieben. Vielmehr scheint es schwieriger denn je, mit solchen Videoclips Erfolg zu haben. «Die Latte liegt extrem hoch», sagt Dominique von Matt, Inhaber der Zürcher Agentur Jung von Matt/Limmat. Der anfängliche Erfolg von Kampagnen wie der von Mary Woodbridge lasse es zu einfach aussehen: «Man unterschätzt, was es wirklich dazu braucht.»
Das der Erfolg ausbleibt liegt vor allem daran, dass Agenturen wie Jung von Matt eben keine Idee haben. Ein alter gebrauchter Teebeutel bleibt auch mit einem neuen Umkarton, ein alter gebrauchter Teebeutel. In Deutschland markiert Jung von Matt das unterste Ende der nach unten offenen Skala für absolute Ideenlosigkeit und verfehlte Themen. Wenn man nichts zu verbreiten hat, ist es egal welchen Kanal man dafür wählt. Da helfen dann auch keine Klotüren.
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Peter Gérard - Ein Mann für heiße Stühle
Gestern dann die Nachricht: Volk geht. Ab sofort führt Peter Gérard die Geschäfte des mit einem Jahresumsatz von knapp 400 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis von fast 37 Millionen Euro drittgrößten deutschen Software-Unternehmens hinter SAP und der Software AG.
Bereits am vergangenen Freitag tagte der Aufsichtsrat und zurrte die Personalie fest. Gestern wurde sie publik. „Die primäre Aufgabe von Herrn Gérard ist es, die Profitabilität des Unternehmens wieder in den zweistelligen Margenbereich zurückzuführen“, gibt August-Wilhelm Scheer die Richtung vor. Der Gründer, Aufsichtsratschef und mit 41 Prozent Großaktionär deutet an, woran es bislang hakte.
Auch der neue Vorstandschef findet deutliche Worte: „Wir wollen spätestens 2009 wieder eine zweistellige Marge erreichen. Das sollte nicht schwer sein. Man hätte das auch schon in diesem Jahr schaffen können“, sagt der 61-Jährige und beeilt sich zu ergänzen: „Das ist aber keine Kritik an Personen.“ Eine nüchterne, aber beinharte Analyse, „typisch für Gérard“, wie einer seiner Wegbegleiter sagt: „Er ist sehr direkt und nennt das Kind immer gerne beim Namen.“
Andere Wegbegleiter die von Gérard auch sehr schnell in die Mülltonne entsorgt wurden, sehen eher laute Sprüche die praktisch ohne jeden Hintergrund sind und meist nur Heißluft beinhalten. Warum sich Jens Koenen diesen Mann unbedingt schön reden will, der überall nur immer sagte was er tun wollte, aber nie etwas tat, mag sein Geheimnis bleiben. Tatsächlich ist es so, das IDS Scheer mit Aris seine Märkte weitgehend ausgereizt hat und keine echte Innovation zu sehen ist. Genau daran wird aber Gérard mangels Kenntnis nichts ändern können. Dafür aber wird er an der falschen Stelle sparen und damit vor allem eine weitere Entwicklung unmöglich machen.
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Das unsterbliche Subprime-Monster
Bei den letzten Crashs herrschte an den Börsen nach den heftigen Gewittern bald wieder eitel Sonnenschein. Wer nach 1987 oder nach 2002 wieder in Aktien investierte, wurde für seinen Mut fürstlich belohnt, die Börsenindizes legten nach den massiven Einbrüchen rund um dem Globus zweistellig zu. Diesmal hingegen tapsen die Investoren regelmässig in Bärenfallen. Vermeintliche Schnäppchenkäufe erweisen sich als teure Flops. Die Erfolgsformel, bei Kursrückschlägen sofort zuzugreifen, ist offensichtlich nicht mehr gültig.
Weil es eben keine Subprime-Krise ist, sondern eine fundamentale Krise die auf dem völlig falschen Wirtschaftsverständnis der Neoliberalen aufbaut. Renditen wie sie Leute wie Josef Ackermann der Wirtschaft vorgeschrieben haben, können auf realen Märkten nicht erzielt werden. Sie müssen deshalb aus Betrug mit wertlosen Anlagepapieren generiert werden. Diese wertlosen Anlagen sind aber nicht nur Subprime-Hypotheken in den USA sondern auch verkaufte Kredite aus Kreditkarten und Leasinggeschäften ohne Wert. Dazu Rohstoffzertifikate ohne echten Inhalt und Schuldverschreibungen von Unternehmen und Kommunen die nie mehr einzulösen sind. Diese Wirtschaft frisst sich jetzt selbst und die Notenbanken heizen noch zusätzlich den Kannibalismus an, indem sie den falschen Leuten Geld geben.
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Ende des Investitionsbooms treibt Estland in die Rezession
Inflationshöhepunkt erreicht - Konsumflaute bleibt weiter dramatisch
Estland steuert auf eine Rezession zu. Der ehemals gefeierte Superstar der aufstrebenden Staaten Osteuropas hat das Platzen der Immobilienblase wie kein zweiter baltischer Staat zu spüren bekommen. Dies zeigt sich darin, dass der Transaktionswert von Grundstücken im zweiten Quartal 2008 über 40 Prozent einbrach. Dabei machte die Krise selbst vor den teuersten Wohnlagen des Landes nicht halt. Ein Indiz für den sich abschwächenden Boom zeigt sich im Bruttoinlandsprodukt, das gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent schrumpfte. 2007 hatte Estland noch mit sieben Prozent Wirtschaftswachstum abgeschlossen. Da die Bauwirtschaft am Boden liegt, die Inflation bereits über elf Prozent beträgt und der Konsum schwächelt, kritisieren Experten vor allem die Wirtschaftspolitik der 1990er-Jahre.
"Der Boom in Estland ist zumindest vorläufig vorbei, schließlich ist das Land recht stark von der weltweiten Bankenkrise betroffen. Bedenkt man, dass das Wirtschaftswachstum vor einem Jahr noch zweistellige Wachstumsraten aufgewiesen hat, ist dies ein beeindruckendes Wachstumsgefälle", so UniCredit-Analyst Hans Holzhacker im Gespräch mit pressetext. Laut dem Fachmann sei frühestens ab 2010 mit einer Erholung zu rechnen. Trotz der in den 1990er-Jahren gestarteten Aufholjagd gegenüber den übrigen EU-Staaten geraten die von der estnischen Regierung durchgesetzten marktradikalen Methoden nun unter Beschuss. Obwohl Estland in kürzester Zeit nach dem Vorbild Finnlands den Geldverkehr computerisierte sowie die Verwaltung und Wahlen auf das Internet umstellte, befindet sich das Land in einer Krise.
Die Krise wird sich noch verschärfen, da Estland neben all seinen anderen Problemen, oder besser um von diesen abzulenken, noch zusätzlich auf die Konfrontation mit Russland setzt und dies schon in diesem Winter mit extrem höheren Gas- und Strompreisen bezahlen muss. Der ach so gelobte Marktradikalismus sorgt nur dafür, das kurzfristig einmal das Geld von unten nach oben verteilt wird und oben das Geld in sinnloser Spekulation verbrannt werden kann. Danach ist das Geld weg und die Probleme sind da. Probleme die auf lange Sicht unlösbar sein dürften und die Eigenstaatlichkeit Estlands vermutlich in Frage stellen werden.
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Tags für diesen Artikel: baltikum, berlusconi, estland, hypothek, italien, krise, luftfahrt, neoliberal, russland
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Als gebürtiger Osteuropäer hat man aber natürlich immer ein Auge darauf, was dort passiert und wie weit sich die Situation dort politisch und wirtschaftlich entwickelt. Ich mein, ich bin kein Ökonnom, daher argumentiert bei mir eigentlich nur die reine Logik und schon vor über 10 Jahren war es für mich nicht verständlich, dass ein Land fremdes Kapital nach allen erdenklichen Künsten belohnt, aber den eigenen Bürgern durch das Steuersystem praktisch kaum Chancen lässt sich selbstständig zu machen. Das rächt sich aber jetzt, dass man diesen Aspekt völlig ausser Acht gelassen hat, denn inländische Firmen haben es bis heute schwer und Steuererformen zu ihren Gunsten sind weiterhin nicht in Sicht. Dafür aber geht es der westlichen Wirtschaft immer schlechter, dass es abzusehen ist, wann die ersten die Invenstitionsflut grossteils kappen werden und die osteuropäischen Volkswirtschaften sich selbst überlassen. Zu holen gibts da langsam auch nicht mehr viel, da die Lebenshaltungskosten drastisch steigen und die Löhne auch immer höher werden - zu tun haben höchstens nur Unternehmen, die die Infrastruktur bereitstellen, also Telekommunikationsfirmen, Schienen- und Strassenbau, Energiewirtschaft, usw., da gibts es noch in der Tat einen gewissen Nachholbedarf. So kann man nur hoffen, dass diese Länder nicht eines Tages in der bösen Realität aufwachen, wo doch jetzt schon manche in einer Armut leben, die man eigentlich nur aus den Entwicklungsländern kennt.