Ralph Peters hat eine große Anzahl Bücher verfasst und mit dem Artikel ein Buch beworben, das damals gerade erschienen war:
Never Quit The Fight.
2003 hat er - als Reaktion auf die deutschen Vorbehalte eine Aufsatz unter dem Titel
"Ihr Deutschen widert uns an" verfasst.
Dieser Artikel setzt sich kritisch mit ihm auseinander,
hier ist der englische Wikipedia-Eintrag über ihn.
Obwohl Ralph Peters die Armee nicht mal mit einem einzigen Generalsstern verlassen hat, zeigt die Tatsache, daß er nicht nur in wichtigen US-Medien schreibt, sondern auch in einer an alle Soldaten kostenfrei verteilten Miltärzeitschrift, daß man von seinem Artikel wohl einige Rückschlüsse auf die US-Politik ziehen kann.
Blutgrenzen
Internationale Grenzen sind niemals vollkommen gerecht. Aber der Grad der Ungerechtigkeit, den sie jenen zufügen, die sie zusammenzwingen oder teilen, macht einen wesentlichen Unterschied - oft denjenigen zwischen Freiheit und Unterdrückung, Toleranz und Grausamkeit, die Herrschaft von Recht und Gesetz oder die Herrschaft von Krieg und Frieden.
Die willkürlichsten und verfälschtesten Grenzen der Welt finden sich in Afrika und dem Nahen Osten.Gezogen von den selbstbezogenen Europäern (die immerhin selber erhebliche Schwierigkeiten hatten, ihre eigenen Grenzen festzulegen), fahren Afrikas Grenzen fort, den Tod von Millionen Einheimischen zu provozieren. Und die ungerechten Grenzen des Nahen Ostens - um Churchill zu zitieren - rufen mehr Schwierigkeiten hervor, als man lokal abfangen könnte.
Während der Nahe Osten schon weit mehr Schwierigkeiten hat, als durch seine dysfunktionalen Grenzen alleine - von kultureller Stagnation über skandalöse Ungleichheit bis hin zu tödlichem religiösem Extremismus - liegt jedoch das größte Tabu im Kampf um das Verständnis des umfassenden Scheiterns in der Region, nicht im Islam, sondern in den schrecklich hochheilig-unantastbaren Grenzen, die unsere eigenen Diplomaten so vergöttern.
Natürlich könnte keine Grenzkorrektur, wie drakonisch auch immer, jede einzelne Minderheit im nahen Osten glücklich machen. In einigen Fällen leben ethnische und religöse Gruppen in gemischten Gemeinschaften und haben auch untereinander geheiratet.
Andernorts haben sich auf Blut oder Glauben begründete Verbindungen als nicht so erfreulich herausgestellt, wie es ihre gegenwärtigen Befürworter erwartet hatten. Die Grenzen, die ich für die Karte zu diesem Artikel entworfen habe, beseitigen zwar das Falsche, das den wichtigsten "betrogenen" Volksgruppen, wie den Kurden, Belutschen und arabischen Shi'iten zugefügt wurde, werden jjedoch ihrer Verantwortung gegenüber den nahöstlichen Christen, Bahais, Ismailis, Naqshbandis und anderen, zahlenmäßig noch geringeren Minoritäten nicht gerecht. Und ein unvergessliches Unrecht kann niemals durch die Vergabe von Staatsgebiet ausgelöscht werden: der unvergessliche Völkermord, den das sterbende Osmanische Reich an den Armeniern verübte.
Und dennoch: auch wenn die Grenzrevisionen für das meiste Unrecht hier unausgesprochen bleiben muß - ohne die Revision der wichtigsten Grenzen wird es keinen friedlicheren Nahen Osten geben.
Sogar jene, die das Thema der Änderung von Grenzen verabscheuen, wären gut beraten, wenn sie sich einmal – nur zur Übung – gedanklich damit auseinander setzten, wie die Staatsgrenzen zwischen Bosporus und Indus zu ändern wären, so unvollkommen ein solcher Versuch auch sein mag. Akzeptiert man, dass internationale Staatskunst, abgesehen vom Krieg, kein effektives Mittel kennt, mangelhafte Grenzziehungen zu korrigieren, wird uns eine geistige Anstrengung weiterhelfen, die „organischen“ Grenzen des Nahen Ostens zu erfassen und die Schwierigkeiten zu verstehen, denen wir gegenüberstehen und noch gegenüberstehen werden. Wir beschäftigen uns mit den kolossalen, menschengemachten Verunstaltungen, die so lange nicht aufhören werden, Haß und Gewalt hervorzubringen, bis sie korrigiert wurden.
Und für jene, die sich weigern, „das Undenkbare zu denken“, und erklären, dass Grenzen sich nicht ändern dürfen, lohnt es sich, sich daran zu erinnern, dass Grenzen im Lauf der Jahrhunderte niemals aufgehört haben, sich zu ändern. Grenzen waren niemals statisch und viele Grenzen, vom Kongo bis zum Kosovo, ändern sich gerade jetzt noch (während Botschafter und Special Representatives sich lieber abwenden und den Glanz ihrer Fingernägel untersuchen).
Ach ja: und noch ein kleines, schmutziges Geheimnis aus den letzten fünftausend Jahren Geschichte: Ethnische Säuberungen funktionieren.
Wir beginnen mit der für amerikanische Leser heikelsten Grenze: will Israel auch nur die geringste Hoffnung haben, mit seinen Nachbarn zu einem vernünftigen Frieden zu finden, wird es zu den Grenzen von vor 1967 zurückkehren müssen - mit grundlegenden, dem Sicherheitsbedürfnis geschuldeten, lokalen Grenzkorrekturen.
Doch das Thema der Gebiete, die Jerusalem einschließen, einer mit dem Blut von Jahrtausenden befleckten Stadt, mag sich als zu unseren Lebzeiten unlösbar erweisen. Wo alle drei Religionen ihren Gott in einen Latifundienbesitzer verwandelt haben, haben buchstäbliche Revierkämpfe eine Zähigkeit, die gegenüber der bloßen Gier nach Öl oder ethnischem Gezänk gegenüber konkurrenzlos ist.
Deswegen lassen wir dieses singuläre, übererforschte Thema einmal beiseite und wenden uns denen zu, die geflissentlich ignoriert werden.
Die krasseste Ungerechtigkeit in jenen Landen zwischen Balkan und Himalaya ist die Abwesenheit eines unabhängigen Kurdenstaates. Zwischen 27 und 36 Millionen Kurden leben im Nahen Osten in zusammenhängenden Siedlungsgebiete (die Zahlen sind ungenau, denn kein Staat hat jemals eine ehrliche Volkszählung zugelassen. Es sind auf jeden Fall mehr als die Bevölkerung des Irak, und so zeigt schon die niedrigere Zahl, dass die Kurden die weltgrößte ethnische Gruppe ohne eigenen Staat sind. Schlimmer noch: seit den Tagen von Xenophon wurden die Kurden noch von jeder Regierung unterdrückt die die Berge und Hügel kontrollierte, in denen sie leben.
Die USA und die Koalition haben eine glanzvolle Chance zur Korrektur unmittelbar nach dem Fall von Bagdad verpasst. Ein Frankenstein-Monster von Staat, zusammengestoppelt aus drei schlecht passenden Teilen, hätte sofort in drei kleinere Teile geteilt werden müssen. Wir haben versagt, aus Feigheit und Mangel an Visionen, und die Kurden gezwungen, die neue irakische Regierung zu unterstützen. Das tun sie jetzt, wehmütig und als Gegenleistung für unseren guten Willen. Doch hielte man heute eine freie Volksabstimmung ab – die Kurden würden zu fast 100 Prozent für die Unabhängigkeit stimmen.
Das würden auch die türkischen Kurden, die Jahrzehnte der gewalttätigen militärischen Unterdrückung und die Degradierung zu „Bergtürken“ im Bestreben ihre Identität auszulöschen, ertragen mussten. Während sich die drückende Hand Ankaras auf die Kurden im letzten Jahrzehnt zunächst gelockert hatte, nimmt sie seit neuestem wieder zu. Wir sollten das östliche Fünftel der Türkei als besetztes Land ansehen. Die syrischen und iranischen Kurden würden sich ebenfalls eilends einem unabhängigen Kurdistan anschließen, wenn sie denn könnten. Die Weigerung der rechtmäßigen Demokratien weltweit, einen unabhängigen Kurdenstaat zu verfechten, ist eine Todsünde wider die Menschenrechte durch Unterlassung, die weit schlimmer ist als die Tollpatschigkeiten und lässlichen Sünden, über die sich unsere Medien regelmäßig aufregen.
Ach übrigens: ein freies Kurdistan von Diyabakir bis Täbris wäre der pro-westlichste Staat zwischen Bulgarien und Japan.
ine gerechte Anordnung in der Region würde die drei sunnitischen Provinzen des Irak als verkürzten Staat übriglassen, der sich möglicherweise mit Syrien vereinigt, das seine Strandzone an ein Mittelmeerorientiertes Groß-Libanon verliert.
Der schiitische Süden des alten Irak würde die Basis eines arabisch-schiitischen Staates bilden, der den größten Teil des Persischen Golfs umschlösse. Jordanien würde sein Territorium behalten und sich auf Kosten Saudi-Arabiens nach Süden ausdehnen. Der unnatürliche Staat Saudi-Arabien würde eine größere Demontage erfahren als Pakistan.
Ein Grundübel der weitverbreiteten Stagnation der islamischen Welt ist die Tatsache, dass die saudische Königsfamilie Mekka und Medina als ihr Lehen betrachtet.
Mit den heiligsten Schreinen des Islam unter der polizeistaatlichen Kontrolle eines der bigottesten und unterdrückerischsten Regimes der Welt – das große, unverdiente Ströme von Öl beherrscht - , waren die Saudis in der Lage, ihre Wahhabitische Vision eines formalistischen, intoleranten Glaubens weit über ihre Grenzen hinaus zu tragen. Der Aufstieg der Saudis zu Reichtum und – als Konsequenz davon – Einfluss, ist das Schlimmste, das der islamischen Welt als Ganzes seit den Zeiten des Propheten, und das Schlimmste, das der arabischen Welt seit den Osmanen (wenn nicht gar Mongolen) passiert ist.
Nicht-Muslime könnten keinen Wechsel in der Kontrolle der heiligsten Stätten bewerkstelligen, doch man stelle sich vor, um wie vieles gesünder die muslimische Welt wäre, wenn Mekka und Medina von einem rotierenden Rat von Repräsentanten der wichtigsten islamischen Schulen und Bewegungen eines Heiligen Islamstaates regiert würde– eine Art muslimischem Supervatikan – in dem die Zukunft eines großen Glaubens mehr diskutiert als dekretiert würde. Wirkliche Gerechtigkeit – die wir nicht mögen würden – würde auch Saudi-Arabiens küstennahe Ölfelder den Schiitischen Arabern geben, die in dieser Subregion leben, während ein südöstlicher Quadrant an den Jemen fiele. Beschränkt auf ein Rumpf-Territorium würde das Haus al-Saud wesentlich weniger Unheil über den Islam und die Welt bringen können.
Iran, ein Staat mit wirren Grenzen, würde einen großen Teil seines Territoriums an ein Vereinigtes Aserbaidschan, ein Freies Kurdistan und ein Freies Belutschistan verlieren, aber die Provinzen um Herat im heutigen Afghanistan dazugewinnen – eine Region mit historischer und sprachlicher Affinität zu Persien.
Iran würde im Endergebnis wieder zu einem ethnisch reinen Persischen Staat, und die schwierigste Frage wäre, ob es den Hafen Bandar Abbas behalten oder ihn dem Arabisch-Schiitischen Staat überlassen sollte.
Das, was Afghanistan im Westen an Persien verlieren würde, würde es im Osten gewinnen, da die Stämme des Nord-West-Territoriums sich mit ihren afghanischen Brüdern vereinigen würden (die Übung ist hier nicht, Landekarten zu zeichnen, wie sie uns gefallen würden, sondern so, wie die einheimische Bevölkerung sie bevorzugen würde. Pakistan, ein anderer unnatürlicher Staat, würde seine Belutschengebiete an ein Freies Belutschistan verlieren. Das verbleibende „natürliche“ Pakistan würde vollständig östlich des Indus liegen, abgesehen von einem kleinen Sporn in der Nähe von Karatschi.
Die Stadtstaaten der Vereinigten Arabischen Emirate hätten ein gemischtes Schicksal – genau wie in der Wirklichkeit. Einige würden im Arabisch-Schiitischen Staat aufgehen, der den Persischen Golf umschließt (ein Staat, der wahrscheinlich eher ein Gegengewicht als ein Alliierter des persischen Iran wäre). Und da alle puritanischen Kulturen heuchlerisch sind, würde Dubai notwendigerweise seinen Status als Spielwiese für reiche Lüstlinge behalten. Kuwait würde genau wie Oman in seinen gegenwärtigen Grenzen bleiben.
n jedem Fall würde das hypothetische Neu-Zeichnen von Grenzen die ethnischen Verwandtschaften und das religiöse Zusammengehörigkeitsgefühl wiederspiegeln. Sicher, könnten wir einen Zauberstab schwingen und unter fortlaufender Diskussion die Grenzen ändern, würden wir vorziehen, dies selektiv zu tun. Studieren wir dann die so revidierte, die heutigen Grenzen zeigende Landkarte, so zeigt das schon, die Sinnhaftigkeit des Schlimmen, das die Franzosen und Engländer im 20. Jahrhundert einer Region angetan hatten, die sich von den Demütigungen und Niederlagen des 19. Jahrhunderts erholen wollte.
Grenzen im Sinne des Volkes zu verändern, mag unmöglich sein – bis jetzt. Doch zu gegebener Zeit – und unter dem begleitenden Blutvergießen – wird es zu neuen und natürlichen Grenzen kommen. Babylon ist mehr als einmal gefallen.
In der Zwischenzeit werden unsere Männer und Frauen in Uniform den Kampf für die Sicherheit vor dem Terrorismus fortsetzen – für die Zukunftserwartung auf Demokratie und den Zugang zum Öl in einer Region die dazu bestimmt ist, sich selber zu bekämpfen. Die gegenwärtigen menschlichen Teilungen und erzwungenen Zusammenschlüsse zwischen Ankara und Karatschi, zusammen mit dem selbst-zugefügten Leid, bilden einen perfekteren Nährboden für religiösen Extremismus, eine Kultur von Scham und Schande und die Rekrutierung von Terroristen, ale irgendjemand das erfinden könnte. Dort, wo Männer und Frauen reumütig auf ihre Grenzen schauen, schauen sie begeistert auf unsere Feinde.
Die Überversorgung der Welt mit Terroristen, der Energiemangel und die gegenwärtige Deformierung des Nahen Ostens verheißen eine Situation, die sich verschlimmert, nicht verbessert. Dies ist eine Region, in der nur die schlimmsten Nationalismen Fuß fassten und in der die deklassiertesten Elemente von „Religion“ drohen, einen enttäuschten Glauben zu dominieren. Somit können die USA, ihre Alliierten und ihre Streitkräfte sich auf endlose Krisen einrichten. Während der Irak ein Gegenbeispiel der Hoffnung bieten mag – sollten wir ihn nicht frühzeitig verlassen, werden sich in der übrigen Region die Probleme an fast jeder Front verschlimmern.
Wenn wir die Grenzen des Nahen und Mittleren Ostens nicht so ändern können, dass sie den natürlichen Grenzen von Blut und Glauben entsprechen, dürfen wir es als Glaubensgrundsatz betrachten, dass ein Teil des in der Region vergossenen Blutes unser eigenes sein wird.
Gewinner und Verlierer:
- Gewinner: Afghanistan, Arabischer Schiitenstaat, Armenien, Aserbaidschan, Freies Belutschistan, Freies Kurdistan, Iran, Islamischer Heiliger Staat, Jordanien, Libanon, Jemen.
- Verlierer: Afghanistan, Iran, Irak, Israel, Kuwait, Pakistan, Qatar, Saudi-Arabien, Syrien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, West Bank.
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Disclaimer: Durch die - übrigens vom System vorgenommene - Linksetzung auf ähnliche Artikel dokumentiere ich diese nur und mache sie mir nicht "zu eigen". "Ähnlich" ist ein weiter Begriff...
(sept. 2006)
http://www.elementarteile.de/?p=526
Was die Familie an Erziehungsleistung zu bringen vermag, zeigt der Sohn Christoph der ein Totalversager ist.
Der Familie Mohn muss ihr Einfluss auf Deutschland vollständig genommen werden.