Mittlerweile gibt es auch einen deutschen "Karikaturenstreit". Es geht um dieses Plakat:
(
via Politisch Korrekt)
Nun, mir gefällt dieses Plakat auch nicht. "Menschenverachtend" will ich es - im Gegensatz zu PK nicht nennen, eher pubertär und dumm. Und ich denke nicht, dass es dem "antimilitaristischen" Anliegen gerecht wird, da es transportieren will. Was es mit den Angehörigen der in Afghanistan Gefallenen macht, möchte ich mir nicht vorstellen.
Damit hat man die Chance vertan, gegen die Brutalität und Würdelosigkeit des deutschen Militarismus zu punkten.
Wie die
"Junge Welt" berichtete, sagte das eine "anonym bleiben wollende (sic!) Sprecherin" des Berliner Landesverbandes der DFG-VK - für mich wäre das eher der geeignete Kommentar für das Plakat.
Wie
diese Pressemitteilung des "Büros für antimilitaristische Maßnahmen" als Anwort auf die offenbar mittlerweile diskursüblichen Morddrohungen zeigt, wird mit einer aus meiner Sicht vollkommen unangemessenen "Anti-Bundeswehrmacht"-Rhetorik versucht, seine Positionen zu transportieren:
Wer sich als Soldatin oder Soldat dazu bereit findet, in den Krieg zu ziehen und Menschen
umzubringen, soll sich nicht darüber beschweren, dass wir ihr/ihm keine Ehre erweisen. Ehrlos
sind Politiker, die Krieg befehlen, aber auch Soldaten, die ihn ohne Not führen.
Unser Plakat soll die notwendige Empörung über den Krieg befördern. Es soll einer
Gesellschaft, die den permanenten Krieg nach außen als Normalität hinnimmt, den Spiegel
vorhalten. Es soll die moralische Unterstützung der Heimatfront für die Truppe erschüttern.
Das hat man schon mal
differenzierter gelesen. Wer sein Anliegen jedoch so, wie die Plakatmacher vorträgt, schließt sich vom notwendigen Diskurs aus.
Was ich allerdings genauso widerwärtig finde:
Im Gegensatz zu seinem belgischen Pendant ist es nicht neu, sondern fünf Jahre alt. Wie die "Junge Welt" ebenfalls berichtet, wird es jetzt - nach einer am vergangenen Wochenende von der "Jungen Freiheit" angeschobenen und gestern von der BILD weitergeführten Kampagne als Munition im hessischen Wahlkampf verwandt, da ein Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten
Ulla Jelpke als Verantwortlicher ausgemacht wird, die dazu in einer eigenen Pressemitteilung schreibt:
Die Behauptung von Herrn Pofalla, mein Abgeordnetenbüro stände hinter diesem Plakat, ist falsch. Für den Inhalt der Internetseite www.bamm.de sind alleine die DFG-VK Berlin-Brandenburg und das Büro für Antimilitaristische Maßnahmen (BamM) verantwortlich.
Nach meinen Informationen ist das abgebildete Plakat bereits fünf Jahre alt.
Und weiter:
Dass die CDU dieses alte Plakat jetzt mit meinem Büro und der Partei DIE LINKE in Verbindung bringt, beweist nur, wie verzweifelt die Unionsparteien angesichts der wachsenden Zustimmung zur LINKEN auch in den westlichen Bundesländern nach jedem Haar in der Suppe suchen.
So ist es wohl, und das zeigt aus meiner Sicht, daß die, die sich über die Plakatmacher aufregen, ihnen näher sind, als ihnen selbst klar sein dürfte.
Was haben wir denn alle beim dänischen Karikaturenstreit, bei Idomeneo und dergleichengelernt?
Aufklärung! Meinungsfreiheit! Voltaire! Undsoweiter!
Ich stehe weder hinter der belgischen Karikatur noch hinter dem deutschen Plakat. Doch ich verteidige sie. Jeder, der die Meinungsfreiheit ernst nimmt, sollte das auch tun.
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Disclaimer: Durch die - übrigens vom System vorgenommene - Linksetzung auf ähnliche Artikel dokumentiere ich diese nur und mache sie mir nicht "zu eigen". "Ähnlich" ist ein weiter Begriff...
Disclaimer 2: Ich äussere hier ausschließlich meine Meinung als Privatperson - und das darf ich.
Ich habe selbst Berufssoldaten in meiner Verwandtschaft, das sind keine Monster oder Kriegstreiber - die Gründe warum man denn dort hinging waren und sind diverser Natur und selbst wenn es sich naiv anhören mag, aber in Deutschland war in den Krieg ziehen nie der eigentlich Anlaß Aber das gilt auch meist nur noch für jene Älteren, Langgedienten. Jüngere heute sollten wissen auf was sie sich da einlassen, der Zweckoptimismus existiert dort natürlich ebenso.
Ich diskutiere auch nicht über die Notwendigkeit von Kriegen oder einer Armee, das ist in meinen Augen absurd - aber da dreht es sich um das menschenverachtende, abstrakte Gebilde. Der Soldat per se wiederum ist ein Mensch und es wäre wiederum absurd diesen Menschen zu dämonisieren um "Menschlichkeit" zu demonstrieren. Da muß man eben differenzieren, auch wenn es schwer fällt - aber keiner hat je behauptet das Mensch sein leicht ist.
Wer sich die olivgrüne Uniform anzieht hat sein Todesurteil schon unterschrieben, deshalb ist auch jede Form von Verhöhnung einer solchen Wahl legitim.
Eine Ausnahme würde ich z.B. bei Hugo Chavez machen. Da hat sich die Armee nach ca. 3000 Toten geweigert, weiter auf die eigenen Landsleute zu schiessen und das neoliberale Regime war weg.
Angesichts der historischen Verbrechen der deutschen Armeen und der gegenwärtigen der Amerikaner ist mein Vertrauen in diese aber gleich null, deshalb volle Unterstützung für das schöne Plakat.
Und es ist schon so, wenn man bereit ist Andere mit der Waffe zu töten, muss man auch selbst bereit sein dabei zu sterben. Das habe ich damals sogar bei der schriftlichen Begründung für meinem Zivildienst gelernt.
Insofern ist das Plakat sicher auch eine positive Gelegenheit für die Angehörigen von Soldaten, zu verstehen was da eigentlich passiert. Vielleicht kann ja das eine oder andere Leben doch noch gerettet werden.
Definitiv nicht. Das "schöne Plakat" verhindert geneu dies und ich habe bei Leuten, die sowas verzapfen, immer den Eindruck, daß die auch garnichts mehr "erreichen" wollen, sondern sich nur selber bestätigen wollen, wie richtig sie sind. Sieht man, mit Verlaub ja auch an Dir: jemand, der an(t)onym postet, will ja garniemand erreichen. - Falls es Dich interessiert: es gibt in der Bundeswehr mehr Platz für kritisches Gedankengut, als man gemeinhin wahrhaben will oder die Phantasie von der "Bundeswehrmacht" zulässt. Deswegen geht auch seit ca. 15 Jahren jeder Antrag durch - nur, falls Du jetzt für Deine "Tapferkeit" ein Lob willst. Begründungen gibt es ja bekanntlich zum Copypaste.
So eine Macht, daß sie putschen könnte, hat - aus guten Gründen - hier in Deutschland die Armee nicht mehr. Wie Du ja weisst - s. Chile, und eine hoffnungsvolles sozialistisches Regime "war weg" - können solche Putschs auch anders ausgehen, und ich bin doch sehr verwundert, daß Du solche Vehältnisse gutheisst, in der Armeen eine Regierung stürzen können.
Die Bundeswehr kann - da demokratisch legitimiert - sehr viel mehr Kritik zulassen als z.B. die US-Armee (der man diese Legitimation allerdings erstmal auch nicht absprechen kann. Lektüreempfehlung nur für Dich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Innere_F%C3%BChrung
http://www.innerefuehrung.bundeswehr.de/portal/a/zinfue
und besonders dies, die Zentrale Dienstvorschrift 10/1, Selbstverständnis und Führungskultur in der Bundeswehr:
http://www.innerefuehrung.bundeswehr.de/portal/PA_1_0_P3/PortalFiles/02DB040000000001/W27C9KEB135INFODE/ZDv_10_1_Internet_72dpi.pdf?yw_repository=youatweb
So ein "schönes Plakat" bringt in seiner Menschenverachtung jeden zum Wegsehen und schließt seine Macher vom gesellschaftlichen Diskurs aus. Die Bundeswehr benötigt gesellschaftliche Kontrolle - wie jede Parlamentsarmee. Ausserdem kann Kritik nie zeitunabhängig sein. Wer heute die Sicherheitsinstitutionen der Staaten delegitimiert, delegitimiert die Staaten selbst - ich halte es da mit der Definition von Max Weber (s. hier, Folie 19)http://www.nilsbandelow.de/weber-gross.pdf . Wer heute die Sicherheitseinrichtungen von Staaten delegitimiert, öffnet Blackwater,
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/634/133386/
MPRI
http://de.wikipedia.org/wiki/Military_Professional_Resources
und "Schwarzen Sheriffs" die Türe (nicht umsonst sind solche Institutionen bei Neocons so beliebt).
Was die Offiziere angeht, so muss man meiner Meinung nach besser drauf schauen, was die so an denen an der Militärhochschule beigebracht wird, nicht fachliches Wissen, sondern Werte.
Wie groß ist eigentlich der Anteil bei den Offizieren, die ein ziviles Studium absolviert haben?
http://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_der_Bundeswehr
Ein Teil der militärischen Ausbildung (Taktik, Militätgeschichte etc.) findet an den Offizierschulen statt. Z.B,:
http://de.wikipedia.org/wiki/Offizierschule_des_Heeres ,
der praktische Truppendienst seit neuestem in den "OA-Bataillonen":
http://de.wikipedia.org/wiki/Offizieranw%C3%A4rter-Bataillon
Das Spitzenpersonal [Generalstabsoffiziere) wird ausgebildet an der Führungsakademie in Hamburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChrungsakademie_der_Bundeswehr
Ich habe bewusst die Wikipedia-Einträge gewählt, um mich nicht dem Verdacht auszusetzen, hier Werbung zu betreiben.Wer will, kann runterscrollen und weitere Links anklicken.
Ich denke, das dieser kurze Überblick zeigt, daß hier keine hirnlosen Automaten herangezogen werden.
Im Übrigen ist die Bundeswehr ein Spiegel der Gesellschaft und beherbergt intelligente, nachdenkliche Leute genauso wie Vollidioten und Schweine. Im gleichen Verhältnis.
Meine Erfahrungen mit den Unteroffizieren o.P. habe ich nun mal gemacht. Allerdings sind da immer noch die Felswedel... ich meine Feldwebel und Offiziere (auch da gibt es leider traurige Ausnahmen, was aber wieder zum Spiegel passt).
Ich bin der Meinung, gerade wo anscheinend Krieg wieder zum alltäglichen Handwerk der BW wird, sollte man genau hinsehen was der militärischen Führung so an Werten und Vorbildern gelehrt wird. Zum Beispiel dieses Überidol Stauffenberg, ein erzkonservativer Nationalist... ich finde das schon ein wenig bedenklich.
In diesem Sinne mit Gruß ein meine ehemaligen Mitgrundwehrdienstleidenen:
Siehst du den Spieß im Moore winken,
wink zurück und lass ihn sinken.
Ich bin der Meinung, gerade wo anscheinend Krieg wieder zum alltäglichen Handwerk der BW wird, sollte man genau hinsehen was der militärischen Führung so an Werten und Vorbildern gelehrt wird.
Meine Antwort:
Da kann man hinschauen. Bittesehr:
http://tinyurl.com/6oxrlg
Das sollte man auch und das steht dem Selbstverständnis der Bundeswehr auch nicht entgegen.
Ich denke aber, dass es nur eine Minderheit bedarf, um eine "andere" Denkweise latent zu verbreiten. Da macht mir die Kontrolle sorgen.
Aber ansonsten denke ich schon, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und das Militär entsprechend anders strukturiert hat.
http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005245.html
dokumentiert ist. Zitat aus der Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag:
Der Friedensbewegung wurde mit der Herausgabe des umstrittenen Plakats ein Bärendienst erwiesen: Sie muss sich jetzt mit Angriffen, Verdächtigungen und Verleumdungen auseinandersetzen, die sie weder will noch verdient hat.
Das Plakat ist zynisch, dumm und schädlich. Sich über den Tod von Soldaten zu freuen, ist zynisch und menschenverachtend, weil übersehen wird, dass es sich dabei um Menschen handelt, die wie alle anderen Menschen auch ein Recht auf Leben haben. Der Einsatz von Soldaten in einem Krieg, den man ablehnt und sogar für ein Völkerrechts-Verbrechen hält, rechtfertigt unter keinen Umständen, dem einzelnen Soldaten den Tod zu wünschen.
Das Plakat ist dumm. Wer die Bundeswehr reduzieren oder gar ganz abschaffen will (wozu es gute Gründe gibt), kann das nur auf politischem Weg durchsetzen.
und:
Das Plakat ist schädlich. Die Friedensbewegung argumentiert in der Öffentlichkeit gegen den Krieg in Afghanistan und für den Abzug der deutschen Truppen. Eine große Mehrheit der Bevölkerung steht dem Afghanistaneinsatz ebenfalls ablehnend gegenüber. Zur Zeit bereitet die Friedensbewegung eine bundesweite Demonstration am 20. September in Berlin und Stuttgart vor. In einer solchen Situation kommt dieses Plakat gerade jenen recht, die vom Krieg ablenken wollen, damit er möglichst ungestört weiter geführt werden kann. Statt sich mit den Argumenten der Kriegsgegner auseinanderzusetzen, verlagern sie die Auseinandersetzung auf einen "Nebenkriegsschauplatz", eben das Plakat.
Und das ist ja interessant, Du befürwortest also am Beispiel Chavez den Einsatz der Armee im Inland, gegen die eigene Bevölkerung und auch wenn Tausende dabei draufgehen. Das war ja dort kein "Putsch" sondern es gab immer wieder Wahlen, gell.
Das finde ich zum Beispiel äusserst menschenverachtend...
Hängt vielleicht auch davon ab, auf welcher Seite man bei den vorigen Heldentaten deutscher Soldaten stand. Mein Opa hat im WK2 Nazi-Besatzer erschossen und ich fand das immer gut.
und ich bin doch sehr verwundert, daß Du solche Vehältnisse gutheisst, in der Armeen eine Regierung stürzen können.
Wie Du daraus eine "Befürwortung" herauslesen kannst, ist mir schleierhaft. Und ich denke, wir sind beide nicht alt genung, dass wir im 2. Weltkrieg auf irgendeiner "Seite" gestanden haben könnten, nicht wahr?
Als Letztes: wer hinter dem Nick "bigberta" steht, ist im Netz hinreichend bekannt und hier:
http://bigberta.twoday.net/stories/3382489/
seit drei Jahren nachlesbar.
Kann ich sonst noch was für Dich tun?
Denn wenn die "Stossrichtung" stimmt, dann schaut man schnell über das eigentliche Gedankengut der "Freunde" hinweg. Es sind denn auch immer wieder diese "Haare in der Suppe" die der politische Gegner ausnutzt.
Gemessen an der Geschichte der Linken und der Friedensbewegung in der Bundesrepublik ist es schon erstaunlich, dass sich aber nie diese Erkenntnis durchsetzen konnte. So passieren dann auch Dinge wie dieses Plakat.
Ich persönlich halte die Bundeswehr für überflüssig. Denn ich fühle mich nicht militärisch von außen bedroht. Ergo brauche ich auch keine Armee zu meinem Schutz. Meinetwegen könnte man die Bundeswehr also getrost abschaffen.
Anders verhält es sich mit Organisationen wie BamM. Diese Leute sind mir höchst suspekt. Sie benutzen das Mäntelchen der Friedensbewegung um ihre faschistoiden Neigungen, ausleben zu können. Solche Leute sind deßhalb so gefährlich, weil ihnen Inhalte eigentlich egal sind. Da kann es schon einmal vorkommen, (was ja auch schon passiert ist) dass sich plötzlich die "Stossrichtung" ändert.
Noch etwas zum Plakat:
Satire darf nur dann alles, wenn sie den trifft, den es auch betrifft. Wer also dieses Mittel einsetzen will, um die Herrschenden zu treffen, der sollte sich auch mit diesen befassen. Von mir aus bis weit unter die Gürtelliene.
Diese Plakat aber, ist einfach erbärmlich. Ein Toter kann sich nicht wehren, und auf dem Leid seiner Angehörigen herumzutrampeln ist niedrigstes Niveau.
Diese Plakat aber, ist einfach erbärmlich. Ein Toter kann sich nicht wehren, und auf dem Leid seiner Angehörigen herumzutrampeln ist niedrigstes Niveau.
Siehst Du, genau diese Unterscheidung ist für die meisten wohl zu schwierig...
Da braucht es schon eher einen Oberst von Sanftleben, der einem erklärt, warum der Hindukusch unsere Ostflanke ist.
Dann darf darüber auch gelacht werden, nur bleibt der tiefere Sinn dahinter leider auf der Strecke.
Wie viele fragen sich denn nach so einem Auftritt, was haben deutsche Soldaten und Soldatinnen in Afghanistan zu suchen... traurig ist das :-(