Bringt Geert Wilders in Israel seine Botschaften an den Mann?
Das wirklich schönste und charakteristischste Video über Geert Wilders stellen wir Huibs aktuellem Beitrag voran, mit dem wir die aktuelle Betrachtung des - und später der niederländischen Rechten einleiten wollen:
Wir können Wilders natürlich nicht verbieten, in Israel zu sprechen. Er kann in den Niederlanden schließlich überall frei heraus sprechen. Und das gehört sich auch so. Der Mann wurde, zusammen mit einem Grüppchen schweigender Extremisten, ins Parlament gewählt. Auch wenn Wilders es so weit als möglich vermeidet, sich mit Antirassisten unmittelbar auseinanderzusetzen, haben wir freie Hand, ihn immer – wann und wo es auch möglich ist, zu widerlegen und für eine humanere Behandlung der Fremden zu plädieren.
Doch was machen wir hiermit?
De Pers meldete am 3. September folgendes:
Der niederländische Parlamentarier Geert Wilders, Leiter der Partei VVD, soll im Dezember in Jerusalem auf einer Konferenz europäischer Parlamentarier sprechen, die sich gegen den miliatanten Islam vereinigen wollen. Dies sagte das israelische Parlamentsmitglied Arie Eldad.
Eldad, der für die Moledet-Partei in der Knesset sitzt, gilt als Ultranationalist mit stark zionistischen Anschauungen. Er sagte, daß an der Konferenz trotzdem auch europäische Parlamentarier teilnähmen, die die politischen Mitte verträten.
Gegen Wilders’ Film Fitna gingen in diesem Jahr in islamischen Ländern viele auf die Straße. Jordanien hat wegen Beleidigung des Islam einen internationalen Haftbefehl erlassen. Im Film wird ein Zusammenhang hergestellt zwischen der Gewalt radikaler Muslime und dem Koran.
Wer sind denn diese europäischen Parlamentsmitglieder? Vlaams Belang und Lega Nord? Oder auch CDU, CDA etc. ? Wilders hat bis jetzt vermieden, mit Rechtsextremisten wie dem Vlaams Belang und anderen aufzutreten. Wird sich da jetzt was ändern? Aufpassen!
In jedem Fall ist Aufpassen angesagt für Israel. Die Anti-Islam-Agitatoren wanzen sich mehr und mehr an Israel heran. Sollte Wilders in der Knesset keine jüdische Gegenrede bekommen, wäre ich sehr enttäuscht.
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Soweit Huib.
Nur nebenbei bemerkt: in der flämischen Separatistenszene wurde natürlich auf von einigen über einen „Anschluss“ an die Niederlande nachgedacht, und da fiel Wilders’ Name auch, aber das nur am Rande. Die Einheit von Islamophobie und antisemitischen Topoi, die gegen Muslime in Stellung gebracht werden, lässt sich auch bei Herrn Wilders wunderbar nachweisen. Sie glauben es nicht? Was fällt Ihnen zu „Zahnbürste“ ein? Was glauben Sie denn, was im jüdischen, kollektiven Gedächtnis dazu abrufbar ist? Ja, genau: Wien 1938. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurden die Juden drangsaliert, und eines derjenigen Bilder, die besonders im Gedächtnis haften blieben, ist das Motiv der Juden, die unter den Augen ihrer Peiniger die Straße mit Zahnbürsten reinigen mussten:

Dazu auch hier.
Im Gedächtnis der Niederländer sollen, wie es sich auch Herr Wilders mehrfach ausdrücklich gewünscht hat, 100 Geschichtstatsachen, der "Niederländische Kanon" verankert werden, zu dessen Punkt 21 - Judenverfolgung - auch eine andere Geschichte mit Zahnbürsten, Juden, Deportierung und Mord gehört, die sich in den Niederlanden zutrug.
Davon berichtet Huibs Artikel, der im vergangenen Jahr veröffentlicht und für das watchblog übersetzt worden war. Er eignet sich wunderbar als Kommentar der Wilders’schen Absichten.
Dem Ereignis war seinerzeit ein eigener Beitrag gewidmet.
Zunächst dokumentiert er eine Nachricht aus dem Sportteil des Algemeen Dagblad, die berichtet, worum es (dem Wilders) geht. Es geht ihm jedenfalls nicht um den Eklat in Dänemark, wo ein Spieler ausrastete, ein Fan den Schiri angriff und das Spiel abgebrochen wurde.
Es berichetete die niederländische Nachrichtenagentur ANP am 23. Mai 2007:
DEN HAAG – die (von Wilders geführte) Partij voor de Vrijheid, PVV findet, dass es in den kommenden Jahrenkeine marokkanischen Zuschauer mehr in den Fußballstadien geben darf (Hervorhebungen von Huib. BB), wenn gegen marokkanische Mannschaften gespielt wird.
Nach dem letzten Spiel (zwischen einer niederländischen und einer marokkanischen Jugendmannschaft. BB) kam es zu Prügeleien zwischen Aufsichtskräften und Fans der Marokkaner. Das Stadionverbot soll fünf Jahre dauern.
Die PVV nahm das schlechte Benehmen der Marokkanischen Fans im Duell zwischen Jong Oranje und Jong Marokko zum Anlaß, am Mittwoch diese Forderung zu erheben. Die Fraktion hat von Innenminister Guusje ter Horst und Justizminister Ernst Hirsch Ballin mittlerweile schriftlich Aufklärung gefordert.
Sie will unter anderem auch wissen, wie es sein könne, dass nach vorherigen Tumulten in Utrecht, Arnheim Kerkrade und Amsterdam mit marokkanischen Fans offensichtlich nicht ausreichend Polizei dagewesen sei um die Ausschreitungen in geordnete Bahnen zu lenken. Kommt es zu keinem Stadionverbot für die marokkanischen Fans, so will die PVV zumindest erreichen, dass Spiele gegen marokkanische Fußballvereine für fünf Jahre verboten werden.
Hiub schreibt dazu:
Irgendetwas in Geert Wilders’ Unterbewusstsein muss es eine Erinnerung an mindestens eine der Demütigungen geben, denen Juden vor 1945 ausgesetzt waren. Sie mussten den Boden, auf dem sie gelaufen waren, und der somit als durch sie „verunreinigt“ galt, mit einer Zahnbürste reinigen. Oder, wie in Wien nach dem „Anschluss“, mit der Zunge ablecken. Davon gibt es Bilder.
1941 mußten die 81 Jüdischen Jungs, die in der Gegend um den Waterlooplein in Amsterdam von NSB(=Nationalsozialistische Partei der Niederlande)-Brigaden und nicht etwa von den Deutschen selber aufgegriffen worden waren, hundert Kniebeugen machen und über den Boden kriechen. Mit öffentlicher Erniedrigung beruhigt man die Bürger, denen man erst vor den „Fremden“ Angst eingejagt hat.
Huib schreibt weiter:
Ich glaube, dass Jacques Pressers Buch: Ondergang, de Vervolging en verdelging van het Nederlandse Jodendom 1940-45’, deutsch: ‚Untergang, - die Verfolgung und Ausrottung des Niederländischen Judentums 1940-1945’ längst in den Kanon der niederländischen Nationalgeschichte aufgenommen worden ist. Wenn nicht, sollte das dringend nachgeholt werden.
Huib zitiert aus diesem Buch eine Stelle über die besagten 81 jungen Juden, die zunächst ins Auffanglager „Kamp Schoorl“ , später nach Dachau gebracht wurden, wo sie alle umkamen:
In der jüdischen Geschichte jener Jahre kommt „Kamp Schoorl“ bloß im Jahr 1941 vor, als die bei jenen zwei Razzien aufgegriffenen jungen Männer kurze Zeit dort bleiben mussten, zusammen mit einer Anzahl Jüdischer Kommunisten. Letzteren, die sowohl Jude als auch Kommunist waren, erging es schlecht, auch wenn die Behandlung dort mehr Demütigung als Peinigen bedeutete. So mussten sie „auf den Knien kriechend ein in den Boden eingelassenes steinernes Hakenkreuz mit einer Zahnbürste saubermachen…“
Dann kommt Huib zum Schluss:
Natürlich müssen junge Rowdies und Vandalen eine angepasste Strafe bekommen. „Angepasst“, heißt, angepasst an sie, von erzieherischem Wert, Einsicht eröffnend in den Wert von geregelter Arbeit und dem Wert von anderer Leute Eigentum. Es heißt nicht:Angepasst an Wilders und seinen klammheimlich sadistischen Anhang. Richtigerweise ist ein Grundgedanke des Strafrechts, dass Kollektivstrafen absolut von Übel sind.
Wilders hätte erst selber mal in den nationalen Kanon schauen sollen, auf den er immer so dringt. Als Stammtischparole mag das ja noch durchgehen, doch ein Parlamentsmitglied hat eine ganz andere Verantwortung. Wäre ich Parlamentspräsident, würde ich solche faschistischen Fragen nicht zulassen und den solcherart Fragenden eine Woche den Zugang zum Parlament verwehren.
Tags für diesen Artikel: antisemitismus, eu, europa, holocaust, juden, judenverfolgung, kz, niederlande, vlaamsbelang, wilders
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