
Im ehemaligen Watchblog hatten wir eine lebhafte Beteiligung zum Thema Homosexualität/Homophobie und Islam/Islamophobie, die auch in andernorts nicht unkommentiert blieb. So wurde dem Autor Georg Klauda (lysis) und dem Watchblog unterstellt, daß wir uns an der Debatte beteiligten, diene nur dazu, von Menschenrechtsverletzungen
in der islamischen Welt abzulenken.
[Mittlerweile scheint es Blees und weiteren Bewohnern des linksradikalen und antideutschen Spektrums geraten, sich von den "Veranstaltern der Antiislam-Demo abzugrenzen...]
Im Zusammenhang eines Artikels auf diesem Blog und der (Vize-)Kandidatur von Sarah Palin kam das Thema letzte Woche zweimal vor:
Im Zusammenhang mit der Kandidatur von Sarah Palin berichteten diverse US-Medien darüber, dass sie das - neuerdings wieder in Mode gekommene - "Heilen" von Homosexualität unterstützt: zunächst mit Gebeten, wie auf
dieser Frau Palins Kirche unterstützen Konferenz, aber vielleicht wird ja auch das ganze, gerade mal seit ein paar Jahrzehnten aus der Mode gekommene Arsenal wieder aufgefahren: (Gebete kommen mir in diesem Zusammenhang beinahe schon wie Exorzismus vor) Verhaltenstherapie, Elektroschocks - vielleicht kommt ja auch die
Lobotomie wieder. Zitat aus dem Eintrag:
In den 1950er Jahren wurde die Operation unter anderem durchgeführt, um Homosexualität oder eine kommunistische Einstellung zu "kurieren".
[ Wie das Ergebnis aussieht, kann man in den letzten Szenen von "Einer flog über das Kuckucksnest" an MacMurphy (Jack Nicolson) besichtigen, das berühmteste Beispiel für die Lobotomie von Alkoholmißbrauch , Eigenwilligkeit und kommunistischer Einstellung war die Hollywoodschauspielerin Frances Farmer.]

Hier sind noch drei Beispiele aus dem "Heilungsarsenal", einmal in
katholischer,
"therapeutischer" und
evangelikaler Ausrichtung. Das, was die meisten unter dem islamischen Umgang mit Homosexualität verstehen, ist
hier zu besichtigen; es ist den islamophoben Weltenrettern ein Anliegen, die armen Schwulen vor den mohammedanischen Baukränen zu retten. Und es gibt auch Schwule, die ihren Rassismus damit begründen, daß die Mohammedaner und
Neger ja alle homophob sind.
Darauf gab Georg Klauda schon die erste Antwort:
Mit Islamophobie contra Homophobie?
Die "islamallergische Szene" interessiert Homosexuellenverfolgung auch nur, wenn sie sich gegen Muslime oder islamische Staaten, vorzugsweise den Iran richtet. Im freien Westen übernimmt man die Diskriminierung und Verfolgung lieber selber:
die Ausfälle des
Islamhasser-Flagschiffs PI gegen
Volker Beck sind mittlerweile Legion.
Und auch sonst nimmt die Szene kein Blatt vor den Mund -
Hier warnt die FPÖ vor einer
Ideologisch aufbereiteten Form der Homosexualität.
Legendär ist der
Ausspruch von Filip Dewinter über Bart Debie:
Liever robocops dan mietjes - lieber Prügelbullen als Schwuchteln
..

Wobei sie sich alle natürlich äusserst gerne daran ergötzen, nicht nur den Homosexuellen, sondern auch den Muslimen zumindest verbal an die Wäsche zu gehen. Der in Chile geborene Künster
Claudio Lange hat hierzu ein Werk vorgelegt, das mittlerweile ein Standardwerk zum Thema ist und weist nach, daß die
"Andersgläubigen Erektionen" schon seit der Zeit der Romanik als Propaganda gegen den Feind benutzt wurden. "Feind" waren auch immer die Homosexuellen, und so denke ich, daß das offensive Vertreten einer subjektiven Meinung wie die von Scheich Salim - in einem
title="Artikel" >Artikel der sich gegen eine von ihm wahrgenommene Unterwerfung des Islam unter den Zeitgeist richtet und in dem er mich persönlich anspricht (
alaikum salam, lieber Scheich Salim):
Und um ein mehrfach von Farish Ahmad Noor bemühtes Beispiel aufzugreifen: Homosexualität ist etwas, das im Islam wie schon zur Zeit des Propheten Moses – der Friede sei auf ihm – als absolut schwerwiegender Verstoß gegen Göttliches Recht gilt. Und auch wenn manchem Progressiven die Kinnlade heruntergehen mag, so gilt, daß es nach Islamischem Recht überraschenderweise tatsächlich Dinge gibt, die verboten sind.
zumindest mißverständlich rüberkommt, zumal, wenn dann eine solche Stelle noch hinterherkommt:
Mein Soulbrother Sheikh Fariduddin aus dem Schwarzwald – möge Allah seine Seele heiligen – hat einmal in Sachen abgehackter Hand erklärt: «Was wollt ihr denn, o Leute, die abgehackte Hand ist schon im Paradies, da kommt es dann nur darauf an, daß der zu ihr gehörige Bursche ihr auch noch folgt!»
Es gibt eine Gegenposition dazu, und die stellt Georg Klauda vor - übrigens nicht zum ersten Mal: hier ist eine Leseprobe:
<
Die Vertreibung aus dem Serail
Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt
Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung Homosexueller immer wieder in den Blickpunkt der westlichen Medien, die solche Vorfälle gern als Zeichen kultureller Rückständigkeit interpretieren. Einige Bundesländer schlugen deshalb vor, Muslime im Einbürgerungsverfahren nach ihrer Einstellung zu Homosexuellen zu befragen. Zeigen sich deklassierte Halbstarke aus Migrantenfamilien aggressiv gegenüber Schwulen, werden reflexhaft religiöse Motive unterstellt.
Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des “Orient” noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des “aufgeklärten” Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll. Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.
Anhand zahlreicher historischer und aktueller Quellen belegt der Autor, dass die Schwulenverfolgung in Ländern wie Iran und Ägypten weniger das Relikt einer vormodernen Vergangenheit ist. Vielmehr handelt es sich um das Resultat einer gewaltsamen Angleichung an die Denkformen ihrer ehemaligen Kolonialherren, die Homosexuelle im Prozess der Modernisierung erstmals identifiziert, benannt und zum Objekt staatlichen Handelns gemacht haben. Homophobie ist eine Erfindung des christlichen Westens, die im Zuge der Globalisierung in die entlegensten Winkel dieser Welt exportiert wird.
Männerschwarm-Verlag, September 2008, € 16,00
So produziert man zwei ausgegrenzte Gruppen - die sich doch bitte an die Gurgel gehen oder zumindest gegenseitig die Solidarität verweigern sollen. Wollen wir das?
Disclaimer: Durch meine persönliche Linksetzung und die vom System vorgenommene Linksetzung auf ähnliche Artikel dokumentiere ich diese nur und mache sie mir nicht "zu eigen". "Ähnlich" ist ein weiter Begriff...
In Jordanien ist Homosexualität verboten:
http://www.eda.admin.ch/eda/de/home/travad/hidden/hidde2/jordan.html,
über den Irak habe ich lediglich gefunden, dass die "Gewalt gegen Schwule steigt", wobei ich mich frage, wie glaubhaft ein Bericht ist,
http://www.lesbian.or.at/news/1205390259
der es nötig hat, seine Aussagen mit Bildern iranischer Giftgasopfer zu garnieren:
http://static.twoday.net/bigberta/files/chemical_warfare01.pdf
http://static.twoday.net/bigberta/files/chemical_warfare02.pdf
http://static.twoday.net/bigberta/files/chemical_warfare03.pdf
Aber das hat dann doch nur indirekt was mit dem Islam zu tun, es ist dann eher aus der kulturellen Entwicklung entstanden(?)
Mal ein Tip: wer im Glashaus sitzt, sollte wirklich nicht mit Steinen werfen. Oder schreiben sie doch mal etwas über die traditionelle "Homophobie" im Judentum, ach nein, das war ja die Generation vor ihnen :)
Es ist hier in Europa, wo schon die Kinder durch Erwachsene emotional dermassen traumatisiert sind, dass sie nicht mehr spontan lachen können.
...Oder schreiben sie doch mal etwas über die traditionelle "Homophobie" im Judentum... - mein Freund, ich rieche Antisemitismus...
das berühmteste Beispiel für die Lobotomie von Alkoholmißbrauch , Eigenwilligkeit und kommunistischer Einstellung war die Hollywoodschauspielerin Frances Farmer.
Laut en.wikipedia.org Frances_Farmer#In_publication
ist das definitiv falsch.
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=14021700&top=SPIEGEL und:
http://f6l.com/2377. Aber ich hätte noch - und das passt dann wieder zu "Homophobie:
Francesco von Mendelssohn: Aufenthalte in der Psychiatrie. Dort entschließen sich die Ärzte zu einer Lobotomie, einer neurochirurgische Operation, bei der einige Nervenbahnen im Stirnbereich durchgetrennt werden, um Psychosen und schwere Depressionen zu unterbinden. Die Folgen dieses Eingriffes sind schwerwiegend. Sie verändern die Persönlichkeit.
Seine Freunde erkennen Francesco nicht wieder. "Alles, was den Zauber dieses unerhört begabten, gefährdeten und gefährdenden Menschen ausgemacht hatte, war herausdestilliert", erinnert sich der Diplomat Dieter Sattler nach einem Besuch bei dem alten Bekannten. "Alle kühnen, frechen, schamlosen, aber auch treffenden, blitzartig erleuchteten, genialen Bemerkungen waren weg.
http://f6l.com/2378
Gruß
BB
Man kann im web alles schreiben, aber man darf nicht alles glauben. Die Frage berührt die Glaubwürdigkeit von duckhome. Seriöser Journalismus ist Recherchieren und Quellen prüfen. Das ist hier nicht der Fall.
Da erwarte ich eine andere Reaktion als verstocktes bestreiten.
http://www.cerebromente.org.br/n02/historia/important.htm
sondern um die Lobotomie als Therapie abweichenden Verhaltens. Und da gibt es nicht nur sie als Beispiel. - Worum geht es Dir eigentlich?
Doch. Genau darum geht es. Hier wird etwas behauptet, was nicht der Fall ist. Auf Nachfragen werden dubiose Quellen von Hörensagen gebracht. Auch wenn Lobotomie als Therapie abweichenden Verhaltens zurecht zum dunklen Kapitel der Psychiatriegeschichte zählt und zu verurteilen ist.
Was heisst hier "Glaubwürdigkeit"? Es wird mit dem falschen Beispiel für eine richtige Sache argumentiert. Das macht das gesamte Argument falsch. Ex falso quodlibet. Und wenn das in einem Detail so ist, dann sind Zweifel an allen anderen Details, die ich nicht nachprüfen kann und deshalb glauben muß, letztlich am gesamten Artikel selbst berechtigt.
Was heisst "verstocktes Bestreiten"? Es wird auf dem nachgewiesen Falschem beharrt. Angemessen wäre eine Korrektur, zB ein Update, in dem auf en.wikipedia.org/../Frances_Farmer verwiesen wird.
Worum geht es Dir eigentlich? Nachdem als erstes versucht wird, den Gegenstand der (Detail)Diskussion zu verschieben wird nunmehr die Redlichkeit meiner Motive bezweifelt. Das ist ein argument ad hominem. So nicht.
Es gibt wie bei fast allen Dingen über die heute berichtet werden kann divergierende Quellen. Ja und. Das ist das Problem in einer Welt in der gelogen wird. Wer sagt dir das deine Quelle stimmt, und warum sollte sie ausgerechnet diejenige sein, nach der sich alles zu richten hat.
Es gibt gegen den Artikel keinen Einwand außer deiner Erbsenzählerei. Also bring entweder etwas substanzielles was in der Sache weiterführt, oder lass es sein.
Liebe Dr. Maryam,
as-salamu alaikum,
Habe unter dem Titel "Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann" auf deinen entenhausener «Homophobie»-Artikel geantwortet. Siehe:
Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann
«Da hing doch kürzlich am Schwarzen Brett des Schwulenreferats der ASTA der Universität Hamburg ein Aushang, der über eine private Initiative die Gründung einer Gruppe “Moslems & Schwul” beziehungsweise “Gay-Moslems” vorschlug. Wenn das so weitergeht, dann können wir damit rechnen, daß demnächst ein Stammtisch für Muslime eingerichtet wird, wo man sich regelmäßig zum Verzehr von Schweinshaxen und Bier trifft …»
Mit besten Wünschen
wassalam,
Salim
dass die islamische Rechtswissenschaft Analverkehr erlaube, habe ich nun tatsächlich nie behauptet. Allerdings ging sie, anders als Sie, nicht davon aus, dass gleichgeschlechtliches Begehren deshalb "unnatürlich" sei. Ein vielzitierter Hadith schreibt sogar Mohammed zu, dass er einen Jüngling beim Beten hinter sich platzierte, um nicht von seiner Schönheit in Versuchung geführt zu werden.
Der bekannte Sufi Abd al-Ghani al-Nabalusi berief sich um 1700 zur Rechtfertigung seiner Liebe zu jungen Männern ebenfalls auf den Propheten, "der es zum Teil seiner Tradition machte, die Anmut zu lieben, und es erlaubte, Schönheit zu gewahren, so dass dies zum Bestandteil moralischer Vortrefflichkeit wurde". Mohammed selbst habe mehreren jungen Gefährten, etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu'adh ibn Dschabal, seine Liebe gestanden. Wer aber diejenigen kritisiere, so al-Nabalusi, die dem Leitbild Mohammeds folgten, sei ein Ungläubiger (kuffar).
Imam al-Schafi'i, der Begründer der schafi'itischen Rechtsschule, gehörte zu den vielen frommen Juristen, die gleichgeschlechtliche Liebesgedichte verfassten und öffentlich rezitierten. Eines davon lautet:
"Haltet jene Gazelle (arab. männl.) verantwortlich für den Verlust meines Lebens, / Denn er erschoss mich mit den Pfeilen seiner Augen und mit Absicht. / Aber tötet ihn nicht, denn ich bin sein Sklave, / Und gemäß meiner Schule wird ein freier Mann nicht hingerichtet wegen (Tötung) eines Sklaven!"
Imam al-Schafi'i konnte nicht ahnen, dass ein Konvertit wie Sie die Selbstverständlichkeit, sich in Personen des gleichen Geschlechts zu verlieben und dies auch öffentlich zu bekunden, ein Jahrtausend später unter missbräuchlicher Berufung auf seine Tradition als etwas Schlechtes, Unnatürliches, ja sogar Unislamisches darstellen würde. Er hätte sich dagegen sicher gewehrt.
Ähnlich der ultraorthoxe hanbalitische Jurist Ibn al-Dschauzi, der im 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung schrieb: "Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er schöne junge Männer sieht], ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen."
So argumentierte die klassische islamische Rechtswissenschaft. Es ist offenkundig, dass Sie völlig anders vorgehen, wenn Sie mit den christlichen Begriffen von "natürlich" und "widernatürlich" hantieren, die der islamischen Tradition völlig fremd sind. Sie importieren Ihre moderne, westlich geprägte Homophobie in den Islam, um sie auf diese Weise religiös zu legitimieren. Das ist meine These, mehr nicht.
Dafür, Herr Spohr, hätte al-Schafi'i Sie des Missbrauchs der Schari'a gezeiht, al-Dschauzi hätte Sie öffentlich als Lügner gebrandmarkt, und al-Nabalusi hätte Sie sogar des Unglaubens (kufr) angeklagt.
Wie können Sie, Herr Spohr, sich hinstellen und so tun, als ob Sie mit Ihrer Homophobie aus der "authentischen" Tradition des Islam sprächen und liberale Muslime nicht? Wer sind Sie denn, dass Sie glauben, anderen Muslimen vorschreiben zu können, wie sie den Koran auszulegen hätten? Wir leben hier nicht in Saudiarabien, und jeder Muslim kann seine eigenen Schlüsse aus der Religion ziehen, ohne auf Ihre falschen Ratschläge angewiesen zu sein.
Mit freundlichen Grüßen
Georg K.
Zur Logik der Widerlegung
Da Sie Ihr Pamphletchen, das mich so erschrecken soll, gleich an drei Stellen gepostet haben, reicht es vielleicht, wenn ich Ihnen im Rahmen der beiden Threads auf Duckhome antworte und es so nicht nötig wird, die vorwiegend islamische Leserschaft von Islam Press mit Ihren verstiegenen und beleidigenden Deutungen zu belästigen. Denn da es in der Logik einer Widerlegung liegt, daß das zu Widerlegende wenigstens zuvor einmal genannt werden muß, wird der Dreck einer beleidigenden Behauptung in ihrer ordentlichen Widerlegung zunächst durch bloße Erwähnung leider nurmehr verstärkt. Ich lösche deshalb Ihren noch nicht freigeschalteten Kommentar auf Islam Press und bewahre einige Muslime so vor der Lektüre Ihres Schmutzes und der Herabwürdigung unseres Propheten, auf dem der Friede sei, und seiner Gefährten, Allah sei zufrieden mit ihnen. Damit der Leser aber überhaupt versteht, um was es geht, muß man ihm noch sagen, daß Ihr Kommentar sich auf meinen auf Islam Press erschienenen Artikel Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann bezieht.
Und nun zur Sache:
Bloßes Begehren war nie Thema gewesen
Sie unterstellen mir, daß ich gleichgeschlechtliches Begehren für «unnatürlich» erklärt hätte. Das ist eine Lüge oder ein Irrtum Ihrerseits. Zum einen habe ich mich nie auf ein bloßes Begehren bezogen. Das war nirgends auch nur im Ansatz bei mir ein Thema gewesen. Zum anderen kommt das Wort «unnatürlich» in meinem Beitrag gar nicht vor. Nicht wörtlich, und wo es der Sache nach vorkommt, ist es nicht etwas, das ich behaupt hätte, sondern etwas, das von mir als von einer Mehrheit in Deutschland so empfunden beschrieben wird. Sie sollten schon etwas genauer sein.
Was von Ihren «vielzitierten Hadith» übrigbleibt
Sie sagen: «Ein vielzitierter Hadith schreibt sogar Mohammed zu, dass er einen Jüngling beim Beten hinter sich platzierte, um nicht von seiner Schönheit in Versuchung geführt zu werden.»
Auf den ersten Blick erkennt der Muslim, daß mit diesem angeblichen Hadith etwas nicht stimmen kann. Denn welchen Sinn würde es machen, einen Jüngling «beim Beten» hinter sich zu setzen, wenn der Jüngling doch gar nicht der Vorbeter gewesen wäre, also ohnehin beim Gebet hinter dem Propheten stehen würde, auf dem der Friede sei, der das Gebet leitet. Nichtmuslimen sei erklärt, daß der Vorbeter beim Gebet mehrere Schritte vor der Gemeinde steht und in einer der Gemeinde genau entgegengesetzten Richtung (qibla) steht und blickt, also gar niemanden von denen sieht, die, in derselben Weise ausgerichtet, hinter ihm beten. Weil die Gemeinde zwar den Vorbeter beim Beten sehen kan, dieser aber nicht die Gemeinde, kann es der Sache nach mit Ihrem «vielzitierten Hadith» nicht stimmen.
Tatsächlich gibt es eine Überlieferung, die aber zum einen nicht vielzitiert und zum anderen zweifelhaft ist. In ihr es geht gar nicht um die Situation eines Gebetes, sondern darum, daß, als eine Delegation vom Stamme der Abdul Qais zu Besuch gekommen war, unter der sich ein Junge mit sehr schönem Gesicht befand, der Prophet - Allah sende Frieden auf ihn und seine Leute und Segen - diesen angeblich hinter sich hat setzen lassen. Am Ende soll gemäß dieser zweifelhaften Überlieferung der Prophet mit Blick auf den Jungen gesagt haben: "Denn die Sünde Davids war vom Blick". Dieser Satz aber zeigt, daß das ganze nicht stimmen kann, weil der Prophet Muhammad niemals über einen anderen Propheten hätte sagen können oder gesagt hätte, daß er ein Sünder gewesen war. So etwas findet man nur in der Bibel, aber nicht in islamischer Tradition. Das kann nicht sein, weil die Propheten saubere Menschen waren, die die Menschen den Weg zu Gott geführt haben. Der letzte Satz gilt unter Hadithgelehrten als ein Indiz dafür, daß es sich hier nicht um eine authentische Überlieferungt handelt. Der große Hadithgelehrte Ibn Taimiya hat diese angebliche Überlieferung entsprechend als munkar, nicht haltbar, qualifiziert.
Ein unerquickliches «etwa»
Dann sagen Sie: «Mohammed selbst habe mehreren jungen Gefährten, etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu'adh ibn Dschabal, seine Liebe gestanden.»
Jedem, der Erfahrung mit Texten hat, dreht sich hier der Magen um, wenn er von «mehreren» jungen Gefährten liest und an die Stelle kommt, wo es heißt «etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu'adh ibn Dschabal». Was Sie vor jeder inhaltlichern Auseinandersetzung schon deutlich disqualifiziert, ist dieses eigenartige «etwa ...». Wieso »etwa»? - Dieses, ich möchte fast sagen, schwuchtelige «etwa» verrät den Betrüger. Einen, der eine Anzahl gleichgelagerter Fälle suggeriert, da es doch nur den einen Fall des Mu'adh ibn Dschabal gibt, der durch ein zu einer erlogenen Anzahl anderer durch jenes hinterhältige «etwa» zum Grund für eine Vielzahl werden soll. Doch den Fall des Mu'adh ibn Dschabal gibt es selbst nur in einer pervertierten Phantasie.
Mu'adh ibn Dschabal
Mu'adh ibn Dschabal - möge Allah mit ihm zufrieden sein - war seiner stupenden Kenntnis der Sunnah des Propheten, auf dem der Friede sei, und der Hadithe und seiner wundersamen Weisheit wegen unter allen Mitgliedern der Gemeinde sehr geschätzt und geliebt. Und er wurde vom Gesandten Allahs, auf dem der Friede sei, einst mit dem Richteramt betraut. Und einmal, als er in einer Versammlung alle Fragen des Gesandten Allahs - Frieden und Segen seien auf ihm und seinen Gefährten - zu der Art und Weise, wie er denn unter bestimmten Bedingungen eines Mangels an Wissen sein Richteramt ausüben würde, in so wunderbarer Klarheit und Weisheit beantwortete, daß der Propheten begeistert war, lobte dieser ihn und sprach: «إني أحبك في الله» («Ich liebe dich um Allahs willen»). So war das.
Ein furchtbares gesellschaftzersetzendes Gif
Und da ist überhaupt nichts dabei, was Anlaß zu homophilen Phantasien geben könnte. Es gilt hier vielmehr das berühmte: «honni soit qui mal y pense». Und Sie mit Ihren Gesinnungsgenossen sind hier der Schuft, der Übles denkt. Vielleicht können Sie ja nicht anders, als jede herzlich freundliche Geste zwischen Männern im Sinne Ihrer abgestiegenen Sicht als Ausdruck von Homophilie zu deuten. Damit versprühen Sie ein furchtbares gesellschaftzersetzendes Gift, das geeignet ist, aller unschuldigen Freundlichkeit zwischen Männern, jeder Kameradschaft ihren ehrenwerten Sinn zu nehmen und jede Grundlage gleichgeschlechtlicher Mitmenschlichkeit zu zerstören. Und genau das wäre einer der guten Gründe, Sie und Ihr verfluchtes Gift aus der Gemeinschaft ehrenwerter Leute zu entfernen, zumal wenn Sie Ihr Gift so öffentlich und aggressiv versprühen, wie es in diesen Tagen immer wieder geschieht.
Ihr Verwirrspiel um Imam asch-Schâfi'i
Sie schreiben: «Imam al-Schafi'i, der Begründer der schafi'itischen Rechtsschule, gehörte zu den vielen frommen Juristen, die gleichgeschlechtliche Liebesgedichte verfassten und öffentlich rezitierten. Eines davon lautet: "Haltet jene Gazelle (arab. männl.) verantwortlich für den Verlust meines Lebens, / Denn er erschoss mich mit den Pfeilen seiner Augen und mit Absicht. / Aber tötet ihn nicht, denn ich bin sein Sklave, / Und gemäß meiner Schule wird ein freier Mann nicht hingerichtet wegen (Tötung) eines Sklaven!" »
Das Gedicht stammt gar nicht von Imam asch-Schafi'i
Das Gedicht stammt von jemand anderem. Es findet sich nicht im ديوان الإمام الشافعي dem Diwan des Imam asch-Schafi'i, der im übrigen vom Grundduktus ganz anders geartet ist, da diese Poesie sich nicht Liebschaften, sondern Grundfragen der menschlichen Existenz widmet und eher etwas Philosophisches hat. Die erwähnte Passage kommt in juristischer Diskussion über die Tötung eines Sklaven zur Sprache.
Das Wort غزال (ghazâl) «Gazelle» wird in der arabischen Poesie durchgehend für eine Frau gebraucht
Das arabische Wort غزال (ghazâl) bedeutet Gazelle. Es ist zwar grammatisch männlich, wie Sie richtig schreiben, es wird in der arabischen Poesie durchgehend aber nicht deshalb für einen Mann gebraucht, wie Sie sagen, sondern eine Frau. Wer das grammatische Geschlecht dieses Worte zum Anlaß nimmt, es statt auf Frauen auf Männer zu beziehen, der hat einfach keine Ahnung von den Traditionen des arabischen Sprachgebrauchs bzw. der arabischen Poesie.
Ihr Ibn al-Dschauzi-Betrug oder: die rosorote Brille
Sie scheiben, der hanbalitische Jurist Ibn al-Dschauzi hätte gesagt: «Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er schöne junge Männer sieht], ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen.» Und hier wird deutlich, welche eigenartig rosarot gefärbte Brille es ist, die Sie tragen, und die Sie alles in rosaroten Farben sehen läßt. Ja Mensch, merken Sie nicht, daß in Ihrem Ibn al-Dschauzi-Zitat der entscheidende Teil gerade nicht ursprünglich dort steht, sondern von Ihnen mit einer gewissen rosaroten Penetranz dort einfach eingesetzt wurde? Der Gelehrte spricht in Ihrem Zitat über die Begierde an sich. Sie aber setzen einfach ein [wenn er schöne junge Männer sieht]. Das ist aber nicht gemeint. Da ist es nicht möglich, einfach alles einzusetzen, was auf dieser Welt von irgendwo Abgedehten als Begierde empfunden wird. Sonst könnte ich genau so gut die folgende Klammer einsetzen: «Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er Gelegenheit hat, bei Vollmond eine nackte Frau zu würgen], ist ein Lügner ...» - Verstehen Sie: Ihre in eckigen Klammern stehende Einfügung ist ein Betrug.
Ein Konvertit ist unter Muslimen hochgeachtet
Sie schreiben: «Imam al-Schafi'i konnte nicht ahnen, dass ein Konvertit wie Sie ...» Da möchte ich gleich unterbrechen: Erstens können Sie sich, wie oben gezeigt, nicht auf Imam asch-Schâfii berufen, und zweitens ist es nicht nur keine Schande, Konvertit zu sein, sondern eine große Ehre. Sayyidina Abu Bakr, Sayyidina Umar, Sayyidina Uthman, Sayyidina Ali, sie alle, mit denen Allah zufrieden sei, die vorzüglichen und höchst Geehrten unter den Gefährten unseres Propheten - Allah schicke Frieden auf ihn und seine Leute und Segen - waren Konvertiten. Und im Islam ist der neu Hinzugekommene den schon dort Seienden in keiner Weise nachgeordnet. Im Gegenteil schätzen und lieben geborene Muslime gerade solche, die neu zum Glauben finden oder besser: von im gefunden wurden. Und sie sehen solche Personen als vom Herrn der Welten besonders gesegnet an. Wenn Sie, Herr Klauda, das Wort «Konvertit» indes in pejorativem oder gar lästerndem Gebrauche und mit intriganter Absicht führen, so beweisen Sie doch dadurch nur einmal mehr, daß sie nichts verstehen.
Die umfassende Quelle
Abschließend empfehle ich Ihnen die Lektüre einer Schrift, die grundlegend alle Aspekte der von Ihnen propagierten Sache aus muslimischer Sicht entfaltet, den «kitab thamm al-liwat»,.كتاب ذم اللواط
Schlußwort
Abschließend möchte ich Sie wissen lassen, daß alle Positionen ausreichend zur Sprache kamen und ich denke, daß es damit genug ist. Ich sehe keinen Grund, das Gespräch mit Ihnen noch länger fortzusetzen. Als mir soeben bewußt wurde, welches gesellschaftzerstörende Gift es ist, das Sie durch Ihre homophile Umdeutung eines normalen herzlichen Verhaltens zwischen Männern versprühen, habe ich doch einen kleinen Schreck gekriegt. Und mir ist klargeworden, daß man die Gesellschaft vor Leuten wie Ihnen schützen muß und es nicht ohne Grund war, daß der Gesandte Allahs, auf dem der Friede sei, solche Leute wie sie verflucht hat.
1. Dass "Gazelle" (mask.) im Arabischen eine erotische Anrede für männliche Jugendliche ist, kann man in jedem wissenschaftlichen Standardwerk zur arabischen Literatur nachlesen; es wird aber auch aus dem Gedicht selbst deutlich, in dem wenige Verse später von der Gazelle als einem "freien Mann" die Rede ist.
2. Der Kontext von Ibn al-Dschauzis Äußerung ist eindeutig auf das Betrachten männlicher Jugendlicher bezogen. Es handelt sich nämlich um eine Auseinandersetzung mit dem Tod von Ibn Dawud, der laut Überlieferung an unerfüllter Liebe zu einem jungen Mann starb. Als ein Freund ihn auf dem Sterbebett fragte, warum er sein Begehren denn nicht realisiert habe, sagte Ibn Dawud zu ihm: "Der erlaubte Blick hat mir eingebracht, was du siehst; aber was die verbotene Lust angeht", so sei er durch die Aussicht abgehalten worden, als Liebesmärtyrer ins Paradies einzugehen. Und genau hier setzt der Widerspruch des ultrakonservativen Hanbaliten Ibn al-Dschauzi ein. Es gebe den von Ibn Dawud in Anspruch genommenen "erlaubten Blick" überhaupt nicht. Denn: "Einen jungen Mann zu betrachten ist nur in der Abwesenheit von Begierde zulässig. Aber selbst wenn die Begierde fehlt, kann sie durch das Schauen erregt werden." Wer jedoch leugne, so Ibn al-Dschauzi weiter, dass er durch das Schauen erregt werde, sei entweder ein Lügner oder, wenn man ihm glauben könne, ein Tier und kein menschliches Wesen. Nachzulesen hier: http://books.google.de/books?id=CP6O3wkivMIC&printsec=frontcover&dq=bell+hanbalite&sig=ACfU3U0lo1fUNcdYQZsh-iN4_C7C2MKuww#PPA26,M1
3. Ihr Prophet ist mir schnurzpiepegal, falls es ihn (siehe Kalisch) überhaupt gegeben hat. Dass dieser Hadith wahr oder authentisch wäre, habe ich nie behauptet, lediglich, dass er beliebt und vielzitiert war, was ich gerne mit einem wissenschaftlichen Literaturverweis substanziiere.
4. Dass ich mich bezüglich der Situation irrte (Gebet), gestehe ich gerne zu. Schließlich habe ich den Hadith hier nicht extra nachgeschlagen, sondern für diesen Blogkommentar, der ja nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Abhandlung hatte, aus der Erinnerung abgerufen. Aber das ist im Grunde ein für die Sache auch völlig unerhebliches Detail. Sie können Sich darauf aber gerne einen runterholen, falls das Ihre Religion erlaubt.
5. Noch wenige Kommentare zuvor schrieben Sie, dass es keine schwachen Hadithen gäbe, sondern dass alle Hadithen authentisch seien. Auf einmal soll das aber nicht mehr gelten, nur weil Ihnen eines dieser Hadithen in die Quere gekommen ist. Das zeigt doch recht deutlich, dass Sie die Religion manipulieren, wie es Ihnen gerade beliebt.
6. Ich habe die Liebeserklärung von Mohammed an den 18-jährigen Mu'ad Ibn Dschabal überhaupt nicht kommentiert. Mir ging es darum, wie der Sufi al-Nabalusi diese um 1700 las und wie er sie in seine Argumentation einbaute. Koran- und Hadith-Exegese ist schließlich etwas, das mich als Historiker und Atheist überhaupt nicht interessiert. Wenn Sie daher mich als zu entsorgendes Gift betrachten, sollten Sie das auch mit al-Nabablusi so halten und seine Manuskripte in den Archiven aufsuchen und verbrennen.
7. Ihre Aufforderung, mich und mein "verfluchtes Gift aus der Gemeinschaft ehrenwerter Leute zu entfernen", zeigt nur Ihre extremistische Sprache und Gesinnung an. Farish Ahmad Noor hatte eben doch recht, als er sagte, dass "es gewiss rechte Muslime gibt, die man nur als Faschisten im wirklichen Sinne des Wortes bezeichnen kann".
8. Wenn jemand Gift unter die Leute streut, dann sind das zweifellos solche Hetzer wie Sie und nicht ich.