Wozu überhaupt die Aufregung. Gewinne bleiben privat und die Verluste werden sozialisiert. So sieht wirtschaftsfaschistischer Neoliberalismus doch immer aus. Es ist doch kein großer Unterschied, ob der amerikanische Staat die miesen Papiere nun komplett aufkauft oder ob er Woche für Woche Milliarden in den Finanzmarkt pumpt. Das Geld ist gleichermaßen weg.
Mit der neuen Lösung sind die Kapitaleigentümer von dem Schrott befreit, was diese freut und das so geschenkte Geld wird unbesehen in neue Spekulation gesteckt. Natürlich geht kein Cent in Innovation und Entwicklung sondern alles in Spekulation, weil sich ja nur da so tolle Gewinne machen lassen. Ackermann wird sich zu neuen Höhen aufschwingen.
Das Ganze hat allerdings einen Schönheitsfehler. Weder Bernanke noch Paulson oder gar die Spitzenpolitiker der USA und der ganzen Welt haben nämlich annähernd eine Vorstellung von den Summen um die es gehen wird. Gerne wird Schweden herangezogen das für seinen Versuch 6 Prozent des Bruttoinlandspoduktes investierte oder man spricht von Japan das 20 Prozent des BIP brauchte.
Für die USA sind das Summen von 850 bis 2.833 Milliarden Dollar. Dabei sind die Krisen gar nicht zu vergleichen. Nicht einmal annähernd. Bekannt ist nur, das Fannie Mae und Freddie Mac ein Risiko von rund 3.000 Milliarden darstellen was wohl auch fällig wird. AIG dürfte mit 1.500 Milliarden zu Buche schlagen und der Rest mit weiteren 5.900 Milliarden. Es geht also mal eben um die Kleinigkeit von 10.400 Milliarden.
Das betrifft natürlich nur die bekannten Risiken. Die zweite Runde ist da aber nicht eingerechnet. Bisher geht es ja nur um die Gelder die gegen faule Papiere in den Spielcasinos genannt Börsen verzockt wurden. Daneben gibt es aber noch eine Realwirtschaft. In den USA heißt die Boeing, Coca Cola und General Motors oder Ford. Die sind ja eigentlich auch schon lange am Ende. Denen hilft der ganze faule Zauber von Paulson kein Stück.
Das Ziel der Aktion soll ja sein, dass sich die Banken gegenseitig wieder vertrauen, einander glauben. Genau das wird aber nicht funktionieren. An den entscheidenden Stellen sitzen ja weiterhin die gleichen Leute. Die Leute, die sich gestern fröhlich ins Gesicht gelogen haben und die sich einfach nie wieder trauen können. Das ist endgültig vorbei.
Das Ziel könnte nur mit neuen Marktregeln, neuen Leuten und harten Strafen für die alten Täter geschaffen werden. Natürlich müsste das Kapital seine Verluste auch selbst tragen. Das wäre ein harter, aber ehrlicher und vor allem wirksamer Schritt. Das was jetzt getan wird, vermag die Börse noch ein paar Tage positiv zu beeinflussen, bis immer mehr harte Zahlen auftauchen.
Dann wird die USA einschränkend sagen, das sie nur von bestimmten Banken die Schulden übernimmt und den Rest, vor allem aber das Ausland über die Klinge springen lässt. Das bedeutet für China und Japan das Aus. Die Folgen sind klar. Die Enttäuschung wird umso größer sein. Das ganze wird schneller auf die Realwirtschaft umschlagen.
Es wird aber noch eine weitere Folge geben. Der Handel wird nationaler, ja regionaler werden. Diese Entwicklung ist zwangsläufig weil Bürgschaften für den globalen Handel einfach nicht mehr zu finanzieren sind. Gerade wird am Fall Arcandor klar, das sogar innerhalb Deutschlands kein Vertrauen mehr herrscht. Wenn aber
Madeleine Schickedanz und hinter ihr die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim nicht mehr vertrauenswürdig sind, wer ist es dann noch?
Natürlich kapiert ein
Prof. Dr. Dirk Schiereck genauso wenig wie ein Michael Glos was wirklich passiert. Der eine ist zu gut geschmiert und der andere einfach zu doof. Mögen sie sich aussuchen wer was ist.
Natürlich sind die rund zwei Milliarden mit denen die Landesbanken schon bei Lehmann Brothers hängen nur der Anfang. AIG dürfte den Betrag mal eben locker verdreifachen. Das sich die UBS so schnell für gesund erklärt, lässt auf eine tiefe und vermutlich tödliche Krankheit schließen. Die Frage die sich stellt, ist die Frage nach der Haltbarkeit der Einlagensicherungsfonds. In den USA wird es langsam eng, da mit der Ameribank nun die Welle der kleinen Banken zu kommen scheint. Eine Pleitewelle in diesem Bereich führt unweigerlich zu neuen Irritationen.
Wer also mag, kann zu Anfang dieser Woche noch Aktien kaufen und auf weitere Anstiege hoffen. Der Abstieg kommt sicher.
Lesen und wundern.
Ein neuer Tag eine neue Verstaatlichung. Tolles Zitat aus dem Artikel:
"We believe that Goldman Sachs, under Federal Reserve supervision, will be regarded as an even more secure institution with an exceptionally clean balance sheet and a greater diversity of funding sources," Blankfein said.
alles-schallundrauch.blogspot.com/2008/09/das-versteckte-kleingedruckte-in-der.html