Wenn die FTD davon spricht das Arcandor sich im freien Fall befinde, dann ist das eine der letzten Beschreibungen, bevor es zum Aufschlag kommt. Nachdem in der letzten Woche bereits die Kreditversicherer kein Vertrauen mehr hatten, haben auch die Banken keinem neuen Kredit zugestimmt. Das bedeutet im Klartext das Thomas Middelhoff vollständig gescheitert ist.
Es ist schon eher traurig wenn er jetzt darüber herumnölt, dass ihn die Karstadt Gebäude Miete kosten, die er noch vor einiger Zeit so freudestrahlend verkauft hat. Es gibt eben Manager die nicht einmal die Kausalität ihres eigenen Handelns erkennen. Wenn ich Gebäude verkaufe, die ich weiterhin nutzen will, muss ich Miete bezahlen. Miete ist normalerweise teurer als eigener Besitz, da ja der Besitzer auch noch verdienen möchte. Das mag für Middelhoff zu hoch gewesen sein.
Angesichts der Konsumflaute die aufgrund der Finanzmarktkrise und der durch die Übernahme der faulen Papiere zu erwartenden Inflationsschübe, zu erwartenden sinkenden Kaufkraft und Kaufmöglichkeit der Menschen weltweit, ist davon auszugehen das Karstadt auch weiterhin nicht in die Gewinnzone kommt. Im Grunde genommen rechnet der gesamte Einzelhandel zumindest in Deutschland mit einem miesen Weihnachtsgeschäft, das sich auch in 2009 nicht mehr bessern soll.
Dies ist eine logische Annahme. Da Arcandor aber nicht nur eine Bestätigung der bisherigen Kredite braucht, sondern auch eine Erweiterung von ca. 250 Millionen, ist wohl das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Banken würden es am liebsten sehen wenn sich Arcandor von Thomas Cook trennt und damit die Touristiksparte die als einzige Geld verdient, verkauft.
Dann allerdings ist Arcandor wertlos. Sal Oppenheim und Madeleine Schickedanz werden jetzt wohl schnelle Entscheidungen treffen müssen, um zu retten was noch zu retten ist. Allerdings ist Arcandor nur ein Symptom. Die Münchner Rück hat zweistellige Preiserhöhungen für ihre Rückversicherungen angekündigt. Sie vergleicht die aktuelle Situation mit der Situation nach 9/11.
Bemerkenswert ist übrigens dass sich die Münchner Rück ausdrücklich nicht für den Rückversicherungsbereich von AIG interessiert. Es heißt man habe dort zu viele sich überschneidende Geschäftsfelder, was bei anderen Lesart natürlich auch bedeuten kann, dass man die selben Leichen im Keller hat.
Die Ankündigung der Münchner Rück läutet nur die Preissteigerungswelle für die gesamte Branche weltweit ein. Zweitstellig ist im übrigen ein dehnbarer Begriff. Einige Nochkunden der Münchner Rück und anderer Rückversicherer werden wohl den Versicherungsschutz verlieren oder einfach nicht mehr bezahlen können. Die Erhöhung der Rückversicherungspreise schlägt sich auf die gesamte Versicherungsbranche und dann auch auf die sonstige Wirtschaft durch.
In einer sowieso schon inflationären Entwicklung, bedeutet dies, das eine Schockwelle nach der anderen die Wirtschaft durchlaufen wird. Die Notenbanken haben allerdings keine Wahl. Sie müssen die Geldmenge weiterhin erhöhen und nur die Inflation kann die neue Schuldenwelle, die durch die Übernahme der faulen Papiere entsteht, wenigstens geringfügig aufhalten.
Inflation aber schafft Kaufkraftverlust. Geld kann eben nicht zweimal ausgegeben werden, wenn man nicht sie Verluste sozialisiert und die Gewinne behält. Es ist absehbar, dass der Abschwung verstärkt wird und damit zusätzlich weitere Probleme auf die Wirtschaft zukommen. Die Arbeitslosigkeit dürfte deutlich ansteigen, die Reallöhne weiter fallen.
Den Regierungen wird nur einfallen, weiterhin die Risiken der Bürger aus den gesetzlichen Versicherungen herauszunehmen und zu privatisieren, während gleichzeitig die Risiken des Kapitals sozialisiert werden. Ob eine solche Politik wirklich auf Dauer durchzuhalten ist, muss bezweifelt werden. Revolutionen und Aufstände wären eine logische Konsequenz.
Zumindest in Frankreich und Italien, aber auch in Polen, Spanien und Griechenland stehen die Zeichen auf Sturm. Der deutsche Michel wird wohl wieder einmal Zuschauer bleiben.
http://www.elementarteile.de/?p=1901
erst wenn der letzte Kredit platzt,
die letzte öffentliche Einrichtung privatisiert ist,
der letzte Cent in die Bank gesteckt wird,
die INSM den letzten Flyer verteilt hat,
werdet ihr merken, dass man Banker essen kann…
Auf eine einfache Frage die lautete:
Do you think the worst of the financial crisis is now over?
(Denken sie, dass das schlimmste der Finanzkrise schon vorbei ist?)
Antworten – Stand 22:30 Uhr (ME Zeit)
Yes – 20% = 2124 Personen
No – 80% = 8390 Personen
Eigentlich ein erschreckendes Resultat.
Es bezeugt einen bemerkenswerten Pessimismus, zumal die Frage klar ist und sich nicht auf die Finanzkrise bezieht, sondern auf "das Schlimmste der Finanzkrise".
Dieser Mangel an Vertrauen, in diesem Fall in die internationalen Finanzinstitutionen, in die Wirksamkeit der Aktionen und der Macht der US-Regierung, ist zweifellos ein starkes Zeichen dafür wie stark die US Bevölkerung Psychologisch schon angeschlagen ist.
Diese Krise ist weit mehr als eine Finanzkrise, wir haben es hier mit einer Systemkrise des Westlichen Systems zu tun, oder genauer gesagt des Anglo-Amerikanischen Wirtschaftsystems.
Was wir jetzt erleben ist das Ende vom Anfang und das dicke Ende wird erst noch kommen!
Nein, eigentlich ein sehr gutes. Schön zu sehen, daß sich - für mich ehrlich überraschend - ein nennenswerter Teil von Leuten - erneut überraschend: in den USA! wo ich immer dachte, die wären dort in Mehrheit noch merkbefreiter als bei uns hier - doch noch nicht komplett von den Mainstream-Leitmedien einlullen lässt und noch selber denken kann.
> "Es bezeugt einen bemerkenswerten Pessimismus ..."
Das ist nicht Pessimismus, sondern Realismus. Purer Realismus und daraus abgeleitete Erkenntnis.
> "... wie stark die US Bevölkerung Psychologisch schon angeschlagen ist."
Realistische Erkenntnis als psyochologische Angeschlagenheit werten? Also bitte!
> "Diese Krise ist weit mehr als eine Finanzkrise, wir haben es hier mit einer Systemkrise des Westlichen Systems zu tun ..."
Genau so ist es, und je mehr Leute dies endlich erkennen, desto besser.
Mehr Wissen, mehr Erkenntnis, mehr Aufklärung!
Vielleicht läßt dann irgendwann der dumme Kinderglaube an die vermeintlich rettende Kraft der Neocon-Weltverschönerungsapologeten endlich nach.
Schön wärs ja, wenn es denn so wäre.
Nein, der deutsche Michel darf auf andere Weise "voll dabei sein" und über irgendwelche Euro-internen Ausgleichszahlungsströme die Krise letztendlich bezahlen.
Das ist doch das Schöne an dem Euro: mitgefangen - mitgehangen.
Früher hätten die Spanier halt die Peseten abgewertet. das geht ja nun so nicht mehr im vereinigten Euro-Land.
Wäre das nicht denkbar und einen Versuch wert, zumal man rechtlich ja eh nicht belangt werden kann? Ich werde jedenfalls das Gefühl nicht los, das es genau so gewesen sein kann.
http://www.weltwirtschaftskrise.net
de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise