Wie dpa meldet, ist die einst führende amerikanische Sparkasse Washington Mutual unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen und wird nun unter massiver Unterstützung von FED und Regierung, in wesentlichen Teilen vom Finanzkonzern J.P. Morgan Chase übernommen.
Das die Washington Mutual pleite ist, war ja seit langem bekannt. Wichtiger ist, dass laut Aussagen von US-Offiziellen, die Mittel für die Realisierung des Verkaufs nicht aus dem neu geschaffenen Fond für den Ankauf der faulen Wertpapiere genommen werden soll, sondern direkt finanziert wird.
Das garantiert, dass die anderen Nutznießer still halten und es lässt den Fond nicht schon vor seiner Gründung pleite gehen. Er darf ein paar Tage leben. Viel mehr wird es aber wohl nicht sein, da zur Zeit nur noch von einem Umfang von 250 Milliarden Dollar die Rede ist. Das reicht nicht einmal für die Sanierung der Portokasse von Washington Mutual.
Das einzig Gute an der nicht erfolgten Einigung ist, dass sich McCain das TV-Duell mit Obama sparen könnte, hat er doch klugerweise den Wahlkampf "ausgesetzt" um sich staatsmännisch geben zu können und in "Anbetracht des Ernstes der Lage" keine Auskunft geben zu müssen. Das sollte sich das Merkel merkeln. Für den nächsten Wahlkampf.
Natürlich ist die aktuelle politische Lage in den USA für Außenstehende sehr schwer zu beurteilen. Sowohl Senatoren, als auch die Mitglieder des Repräsentantenhauses sind anders als deutsche Abgeordnete sehr stark von ihren Wahlkreisen abhängig. Dadurch ergibt sich über Parteigrenzen hinweg immer wieder eine neue Konstellation an Mehrheiten.
Gerade bei dem Notfallplan zur Bankenrettung gibt es aber ganze Landstriche die nichts zu gewinnen haben und auch keine Kompensation erhalten. Diese Volksvertreter müssten ihren Wählern also erklären, warum sie andere, die offensichtlich Mist gebaut und betrogen haben, unterstützen sollen. Das wird nur schwer machbar sein.
Deshalb haben die FED und die US-Administration den Moment der Verkündigung des Todes von Washington Mutual, auch auf einen so günstigen Termin gelegt. Er soll als Glockenschlag dienen, der US-Amerika aufweckt und eint. Nach der Methode erkennt den Schrecken und unterwerft euch. Es ist allerdings zweifelhaft ob dies funktioniert.
Natürlich wird irgendein Notfallplan am Ende genehmigt werden. Um als politischer Sieg dienen zu können. In Wirklichkeit geht es aber jetzt nur noch um eines. John McCain muss die Iden des November erreichen, den Wahltag überleben. Da ist er durchaus ein moderner John Maynard, wenn auch sicher nicht so verantwortungsbewusst. Deshalb haben sie ihn vorsichtshalber am Steuer angekettet.
John Maynard
John Maynard!
"Wer ist John Maynard?"
"John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."
Die "Schwalbe" fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund."
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich´s dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -
Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"
"Ja,Herr. Ich bin."
"Auf den Strand! In die Brandung!"
"Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. - -
"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.
Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."
Theodor Fontane
So schön und heldenhaft das Gedicht von Fontane auch ist, für McCain, wird es wohl eher die
Geschichte des Luther Fuller geben und sein Ende könnte im übertragenen Sinne schnell ein ähnliches sein.
Fullers Name steht unter vielen anderen in der zweiten Verlustliste der Lokalpresse. Vor der Kommission, die in den folgenden Tagen das Unglück untersuchte, erklärte Kapitän Titus, selbst er wäre als letzter von Bord gegangen, und fuhr dann fort: 'Meines Wissens hat Fuller das Steuerrad nicht verlassen, sondern ist dageblieben, bis er zu Tode verbrannte. Er war schon immer ein entschlossener Mann, wenn er Befehle auszuführen hatte
McCain hat zusammen mit vielen anderen den Finanzhaien den unbegrenzten Spekulationsmarkt eröffnet. Er ist eindeutig ein Täter. Während alle anderen aber jetzt weg können und Bush lachend in die Pension und an das große Geld zieht, muss McCain als Präsidentschaftskandidat der Republikaner das Steuer fest in der Hand halten. Weil ihm die Republikaner auch nicht trauen haben sie ihn dort angekettet.
Nun fährt der Dampfer USA mit immer größerer Geschwindigkeit dem Abgrund entgegen und John McCain steht auf verlorenem Posten. Die einen wollen und die anderen können ihm nicht helfen. Er kann keine Geschenke verteilen, weil Bernanke und Paulson schon alles Geld für Glasperlen und Arbeitsplätze verbrannt haben.
Es würde nicht verwundern, wenn er mitten in einer Fernsehsendung sagt, dann werden sie doch Präsident und den Dreck hinschmeißt. Wie John Maynard schaut er auf das rettende Ufer, den Wahltermin am 4. November 2008. Man kann ihn förmlich rufen hören: "Noch 40 Tage bis Buffalo!". Aber 40 Tage mit brennendem Hintern auf einem sinkenden Kahn, dass kann ganz schön hart werden.
40 Tage war Moses auf dem Berg Sinai um mit ein paar schweren Steintafeln zurückzukommen, die die Menschheit bis heute eher belasten, als befördern und durfte sich für die Schlepperei noch anschauen, das sein Volk ums goldene Kalb tanzte.
McCains Teil des amerikanischen Volkes hat schon immer ums goldene Kalb getanzt. Insofern ist die jetzige Bestrafung auch folgerichtig und McCain ist nicht Moses, aber seine Steine sind schwerer. Entweder reißt er das Ruder herum und lässt die Menschen in die Rettungsboote gehen, oder er hält stur durch. Dann kann es sein, dass sein Schiff diese 40 Tage nicht mehr aushält.
Wahrscheinlich hat er schon einen Asbestanzug an, um sich vor den Flammen zu schützen und vermutlich braucht er die Tage von seinem Zentimeterband nicht abzuschneiden, die brennen ihm von selbst weg. Aber so richtig Mitleid erzeugt er nicht. Was übrigens bis zum 4. November nicht getan ist, wird in diesem Jahr nicht mehr getan.
Nach der Wahl ist eine Regierung McCain handelsunfähig weil sie das Steuer nicht einfach herumreißen kann, ohne andere zu verletzen. Wenn die USA Veränderung wollen, dann werden sie Obama wählen müssen, egal wie klein die Veränderungen mit ihm auch sein werden.
Die Finanzkrise werden die Personen die jetzt auf der Bühne sind allerdings nicht beenden können. Die wird sich bestenfalls über die nächsten Jahre langsam auflösen, oder es kommt aufgrund des totalen Vertrauensverlustes in einem schnellen Zusammenbruch. Ein Ende mit Schrecken wäre diesem Tod auf Raten wohl sicherlich vorzuziehen. Wer möchte schon stückchenweise sterben?
Die Nachricht war kaum geschrieben heute Nacht, da kehrten sich die Lage und die Stimmung im US-Kongress und es kam zu einem Eklat. Statt der Einigung auf das Rettungsprogramm in der Höhe von 700 Milliarden Euro. Zwischen Demokraten und konservativen ... ...