In einer Einkaufspassage in der Hamburger Mönkebergstraße gibt es seit ein paar Tagen einen neuen Mieter. In dem zunächst harmlos wirkendem Bekleidungsgeschäft wird Markenkleidung des höheren Preissegments verkauft. Das klingt zunächst ganz gut, denn die Mönkebergstraße hat einiges einbüßen müssen, mehrere Geschäfte wurden abgezogen.
Allerdings gibt es da ein Problem: es handelt sich um Kleidung der Marke "Thor Steinar".
Zur Info:
Die Marke “Thor Steinar” hat sich im Oktober 2002 der 30jährige Axel Kopelke aus Königs Wusterhausen registrieren lassen. Seit 2003 tritt für “Thor Steinar” die Mediatex GmbH von Axel Kopelke und Uwe Meusel auf. Zumindest Kopelke ist in der Region Königs Wusterhausen politisch kein Unbekannter.
und
“Thor Steinar” ist eine Kleidungsmarke, die aus dem Umfeld der Nazi-Szene produziert und vertrieben wird, die sich völkischer Symbolik mit NS-Bezug bedient und vor allem von Neonazis getragen wird!
Noch mehr Infos
hier.
So kann man sich vorstellen, welche Proteste es rund um die Eröffnung gegeben hat.
Keine Frage, die Klamotten sehen alle sehr chic und modisch aus und sehr hochwertig. So ist man für Otto Normalverbraucher nicht mehr so leicht zu identifizieren wie mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln.
Es hat in der Vergangenheit schon des öfteren Ärger um die Marke gegeben, speziell um das alte Logo, das aus zwei Runen zusammengesetzt wurde:
Zur Erinnerung:
Verboten sind nach § 86a StGB folgende Symbole >
1. Hakenkreuz und Swastika–Kreuz – auch leicht verändert verboten
2. Sigrune - (germanisches "S") Zeichen des Deutschen Jungvolkes (doppelte Sigrune war Zeichen der Waffen-SS)
3. Wolfsangel - Zeichen für Wehrhaftigkeit, auch Zeichen der verbotenen Jungen Front
4.Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz
5. Lodernde Flamme - Symbol von "Nationalen Sammlung" (NS), "NS" doppelt umrahmt
In § 86a Abs. 2 StGB, 2. Satz heißt es: "Den in Satz 1 genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.". Gefunden
hier
Die Ironie daran:
In der HSH-Nordbank-Arena ist das Tragen von Thor-Steinar-Kleidung seit September 2007 verboten.
Quelle
Auch wenn das Tragen des alten Logos generell nicht mehr verboten ist (und das Logo geändert wurde), wie man sich auf dem Newsportal freut,
(Zum Vergrößern anklicken)
möchte man in Hamburg alles versuchen, um den Laden bald wieder zu schließen, so wie z.B. in Magdeburg geschehen. Man war an die Bank mit dem Namen der GmbH herangetreten, so dass diese nicht ahnte, wen sie sich da ins Haus geholt hatte.
Allerdings wird es schwierig, dies aus politischen Gründen zu realisieren, da eben nichts Verbotenes verkauft wird.
Aufmerksam gemacht hat uns
Steinberg Recherche.
P.S.: Bevor wieder so oberschlaue Kommentare kommen: ich weiß, dass eine Marke niemanden foppen kann. Es ist halt meine gestalterische (schriftliche) Freiheit!
Update 16.10.08:
Das Landgericht Berlin hat die Räumung der Filiale in Berlin Mitte
beschlossen.
Nach Angaben einer Justizsprecherin folgt das Gericht der «Argumentation der Vermieter», wonach eine «arglistige Täuschung über den Inhalt der Produkte» vorlag. «Der Mieter muss den Vermieter aufklären, welche Produkte er verkaufen will», hieß es im Urteil.
In Leipzig steht die Entscheidung noch aus.
In Hamburg einigte man sich außergerichtlich, zum Ende des Monats ist auch die Filiale in Hamburg wieder dicht.
Danke für den Hinweis unseres Lesers Corax....
Im Zusammenhang mit dem Markennamen vielleicht eher, aber selbst da habe ich meine Zweifel.
Das soll keine Kritik an Deinem Artikel sein, sondern eher ein Bekenntnis meiner eigenen Naivität.
Adolf das Alibi. Wie sagte Roger Willemsen neulich mal (unkonventioneller, selber denkender, eher "linker" Journalist): "Vergangenheitsbewältigung, das kann heute nicht mehr der hundertste Eintrag in Hitlers Poesiealbum sein, - sondern die Beschäftigung mit Abu Ghraib und Guantanamo!"
Daher, ihr Artigen und Guten, über den eigenen Biedersinn Gerührten im tapferen Krampf gegen Rechts, laßt endlich derlei Albernheiten, es gibt (inzwischen) wahrlich wichtigeres...oder geht es tatsächlich darum, sich d e m nicht zu stellen?
http://www.abendblatt.de/
daten/2008/10/10/950791.html
Glück auf!