Saisonende
Mein Freund Stefan und ich, wir standen auf der Promenade und sahen zu, wie die Strandkörbe zusammengefahren, auf Transporter verladen und ins Winterlager gebracht wurden. Es nieselte schon den ganzen Tag und die Männer, die da unten auf dem Strand arbeiteten, sahen schlechtgelaunt aus. Sie trugen bunte Plastikregenjacken und Gummistiefel, in denen sie einen watschelnden Gang auf dem weichen Grund hatten. Sie gingen mit hochgezogenen Schultern hin und her, schoben Körbe durcheinander, gaben sich wedelnd Zeichen mit den Armen und brüllten sich hin und wieder an. Der nasse Sand war überall von Spuren übersät, die wild durcheinandergingen, Fußspuren der Männer, Reifenspuren der Transporter, tiefe Schleifspuren der Körbe, eine breit angelegte Wirrnis von Zeichen.
Der verrottende Tang an der Küstenlinie war schon seit Tagen nicht mehr abgefahren worden und türmte sich auf einem schmalen Streifen vor den letzten Ausläufern der Wellen faulig braun und grün auf. Der Tang sah aus, als hätte man da, wo Travemünde zu Ende ist, einen dicken, farbigen Strich gezogen, wie die Markierungen auf den Landkarten im Schulatlas, hier Grenze, hier Schluß. Möwen flatterten hektisch über dieser hingekrakelten Grenzlinie und beschwerten sich lauthals über die schwache Muschelausbeute.
An der richtigen Grenze, drüben auf der anderen Seite der Trave-Mündung, stieg Rauch aus vielen kleinen Feuern auf. Die Brände lagen schon auf der DDR-Seite, hinter dem häßlichen Wachturm. Kleine Herbstfeuer vielleicht, landwirtschaftlich womöglich, wir hatten keine Ahnung von so etwas, aber immerhin gab es einmal Lebenszeichen von drüben, das kam nicht allzu oft vor, meist lag das Land dort nur öde, schweigend und menschenleer.
Neben uns standen ältere Touristen, die ebenfalls den Arbeiten auf dem Strand zusahen. “Jetzt hat man wieder die Weite”, sagte einer von ihnen, zeigte ausholend auf den leergeräumten Strand und der Rest der Gruppe nickte zustimmend. Das war typisch für Touristen, daß sie sehr seltsame Meinungen hatten. Weiterlesen bei
Merlix.
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Volksfest und Flaggenlied
Vor einiger Zeit bestätigte eine Untersuchung, was ohnehin längst bekannt gewesen sein durfte, zumindest denen, die schon einmal etwas von Völkerwanderung, von den römischen Eroberungen gehört hatten und beim Beharren der Bayern oder Preußen oder Holsteiner et cetera auf Rassereinheit mehr als nur schmunzelten. Unlängst hat es die Wissenschaft mit Zahlen belegt: Gerademal dreißig Prozent derer in diesem unserem Lande dürfen sich germanischer Abstammung erfreuen — wenn sie das denn überhaupt erfreut. Weiterlesen bei
Stubenzweig.
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'Ende der neoliberalen Ära'
In seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York dekretierte der brasilianische Präsident ‚Lula‘ da Silva „das Ende der neoliberalen Ära“. Er sagte, nicht nur der normale Bürger müsse sich ethisch und ernsthaft verhalten, auch das Finanzsystem. Für jemand, der selbst ausführlich Neoliberalismus betrieben hat, ist das immerhin bemerkenswert.
Lula sparte auch sonst nicht mit Kritik, sowohl in Richtung der US-Regierung als auch gegenüber der Weltbank, dem Welt-Währungs-Fonds und den G8. „Wenn ein kleines Land in eine Krise kommt,“ so sagte er, “dann sind diese Institutionen immer schnell mit `Ratschlägen` bei der Hand, doch nun, da es die Vereinigten Staaten trifft, hört man von dort gar nichts.“
Er forderte auch – und das ging eindeutig in Richtung der USA: “Die Folgen der ungebremsten Habgier können nicht einfach straflos von allen getragen werden.“
Das „Wall Street Journal“ charakterisierte daraufhin die Politik Lulas als einen „Balanceakt zwischen orthodoxen ökonomischer Maßnahmen und Finanzierung populistischer Sozialprogramme.“ Weiterlesen bei
Lula sparte auch sonst nicht mit Kritik, sowohl in Richtung
Karl Weiss.
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Familiäre Wochenendbeschäftigungen
Wer seine schicke Designerwohnung in eine Messibude verwandeln möchte, beherbergt entweder trinkfreudige Studenten oder schafft sich ein Paar Kinder an.
Allein schon die Anzahl der Dinge, auf die man täglich tritt und die man sich anschließend aus den Zehenzwischenräumen pult, ist enorm. Es ist daher dringend notwendig 30% des Haushaltes in Halbjahreszyklen zu versteigern oder an Flohmärkten feil zu bieten.
Im Irrglauben ein Flohmarkt würde Arbeit ersparen, nahmen wir gestern an einem solchen teil.
In vorangegangenen Feldstudien hatte ich alle Parameter bestimmen können der Verkaufsschlagerstand am Platz zu werden. Alle meine Sachen waren gebügelt, nach Größen und Themen sortiert und ansprechend auf Ständern, Bügeln und in kleinen Stapeln auf einer gemangelten Tischdecke platziert. Ich hatte Preisschilder befestigt und über meinem Kopf hing ein Schild, welches meine Verhandlungsbereitschaft signalisierte.
Ich selbst hatte geduscht, meine Haare waren gekämmt und ich verzog sogar die Mundwinkel nach oben.
Alles war perfekt. Weiterlesen bei
Das Nuf Advanced.
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Aussicht auf heute
Bayern: Grossen Hauen, Stechen und Morden bei der CSU in München. Haderthauer und Huber gehen über die Wupper - minimal.
Deutschland: Man kann nur hoffen, dass keiner auf die Idee kommt, eine von ausländischem Giftmüll ruinierte Firma wie Hypo Real Estate mit Staatsgeld zu retten. Schliesslich gehört mindestens ein Viertel der Firma reichen amerikanischen und, wenn ich richtig informiert bin italienischen Investoren. Sieht nicht gut aus für den DAX. Hoffentlich hat die bayerische Landsbank seit dem Verkauf von einer Million HRE-Stammaktien 2004 nicht wieder zugekauft, oder zwischenfinanziert.
Belgien: Flüssige 11 Milliarden geben die Niederlande, Belgien und Luxemburg für 49% der bislang unverkäuflichen Fortis-Bank aus. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir da keinen Bank Run auf die am Freitag noch von Politik und Wirtschaft als sicher und krisenfreien beschriebene Firma sehen. Wie lang dauert es, bis 11 Milliarden abgehoben sind? Pleite dann Mittwoch, würde ich erwarten. Weiterlesen beim
Rebellmarkt.
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