Als ob ich es geahnt hätte: habe ich nicht
hier noch mal dokumentiert, wie ein Teil der US-Neoconnerie sich verbissen darin übt, Europa schlecht zu reden - was dann von den einschlägigen Adepten auch hier in Deutschland nachgebetet wird - so blubbert etwas hoch, das dazu zu passen scheint: für die irische Ablehnung des
Vertrages von Lissabon soll Geld der CIA geflossen sein.

Was hatte die letztes Jahr so gehypte Claire Berlinski doch geschrieben?
(Auf das Thumbnail klicken).
Richtig:

For the most part, Europe is regarded byAmerican policymakers as an irrelevant museum at best, a squawking nuisance at worst”.
Und ein Buch namens
Menace in Europe verfasst zu dem ein Rezensent schreibt:
It seems that when Ms. Berlinksi decided to write this book, her goal was to try and equate the mistakes of europes past (recent and not so recent) to the blunders of the Bush administration. This book is a book for republicans, thinly veiled in "facts". It does present a few good points, but on the whole if it were any more biased it might as well have been called "Dubyas guide to the rest of the world". Not worth the money.
Das Buch wird mittlerweile bei Amazon für 80 ct verramscht und es scheint mir, das ganze Mädel gleich mit. Allerdings stehen noch andere wie
Walter Laqeur hoch im Kurs und versuchen die Europa-Idee dadurch zu diskrieditieren, dass sie sie mit Anti-Amerikanismus gleichsetzen.
Zuerst bin ich in einem
schlichten Provinzmedium über die Nachricht gestolpert; wie dort zu lesen ist, wird der Sache in Brüssel bereits nachgegangen:
"In Brüssel wabern Spekulationen nur so durch den Raum", räumte selbst die Sprecherin der EU-Vertretung Irlands in Brüssel ein: Wurden die irischen Gegner des EU-Reformvertrages vom amerikanischen Geheimdienst finanziert? Das Europäische Parlament hat jetzt, zum ersten Mal in seiner Geschichte, einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Hans-Gert Pöttering, Präsident der Straßburger Abgeordnetenkammer, liegt bereits ein Dossier vor, das "nicht nur Indizien" beinhalten soll.
und
Man müsse wohl "verstehen, dass die Amerikaner alles tun, um das Entstehen eines starken Europa zu verhindern".
Zur Koordinierung seiner EU-Aktivitäten hat Ganley den Verein
Libertas gegründet, auf dessen Website er verkündet, der Vertrag von Lissabon sei tot.
Seine Firma
Rivada Networks handelt mit Kommunikationstechnologie und ihr Hauptkunde sind die US-Streitkräfte.
Bislang habe der irische Milliardär
Declan Ganley als spiritus rector dieser Kampagne gegolten, doch soll mittlerweile klar sein, wer hinter Ganley steht:
die CIA. Allerdings:
Was gegen solche Spekulationen spricht, sind nicht nur wütende Dementis von Seiten Ganleys („absolut empörend“) und des CIA („nicht nur falsch, sondern auch grotesk“). Auch spricht dagegen, dass die „Neocons“ in der Abenddämmerung der Bush-Administration einen guten Teil ihres Einflusses verloren haben. Ihre letzte Energie dürften sie eher in die Iran-Frage legen als in die Sabotage des europäischen Einigungsprozesses.
Oder, wie uns eine Sprecherin einer rechten Stiftung besänftigen will:
Diese US-Regierung ist die EU-freundlichste seit langem. Es gibt keine finstere Verschwörung.
Selbst
der Spiegel hört was läuten oder eventuell das Gras wachsen:
Böser Verdacht in Brüssel: Haben US-Militärs und Neocons das irische "No" gegen den Lissabon-Vertrag bezahlt? Die EU forscht den dubiosen Geldquellen eines Milliardärs nach, der maßgeblichen Anteil am Ausgang des Referendums hatte. Der plant bereits die nächste Anti-Europa-Kampagne.
Radio Utopie mahnt jedoch zur Vorsicht und hält das Ganze für ein Über-die-Bande-Spielen von EU-Bürokraten, die so jegliche Kritik an der europäischen Bürokratie diskreditieren wollten.
Ich gebe zu, wenn ich mir das deutsche Personal ansehe, das sich da so aufspult - Cohn-Bendit im Schulterschluss mit Pöttering - so hat das was, und auch, wenn man sich anschaut, wer sonst noch alles gegen einen Vertrag ist: der Österreichische Möchte-Gern-Kanzler hat die Ausstiegsoption ins FPÖ-Parteiprogamm schreiben lassen.
Wie die
Financial Times Deutschland berichtet, soll heute im Europa-Parlament darüber beraten werden.


Es gibt sicherlich berechtigte Kritik an dem, was in Brüssel passiert. Es fällt jedoch auf, daß in Europa gerade
die Rechten versuchen, sich an die Spitze dieses Europa-Unmuts zu setzen, aber gleichzeitig Europa und das europäische Geld für sich zu nutzen. Obwohl es berechtigte Kritik an Europa gibt, wird die Anti-Europa-Stimmung wird rechts besonders ausgebeutet.
"Europakritisch" sind oft gleichzeitig die, die auch "islamkritisch" sind. Da wird gefaselt von einem "Europa am Abgrund", daß sich dem Muslim-Tsunami immer mehr ergibt. Und den Wähler hat das eben nicht
"kalt" gelassen. Es wird versucht, Ängste zu schüren - nun ja,
welche Währung "kollabiert" soeben wirklich? Der Euro nun mal nicht.
Natürlich ist ein bestimmter Teil der Blogosphäre ebenfalls gegen Europa - natürlich auch, weil es angeblich dem Islam Tür und Tor öffne, was sich in allen Vorschriften und Erlässen wiederspiegele: Fäkalblogger Kewil halluziniert einen
Djihad gegen Raucher und ein weiteres
Einfallstor des Islam,
Eurabia halt, was mit lustigen Bildchen garniert wird. Oder lustigen Videos.

Dieser Mehrklang aus "Kollaps Europas" - böses Brüssel - Eurabia wird von einem ganz bestimmten politischen Spektrum in den USA orchestriert:
In vorderster Front
Daniel Pipes. Seine Schlussfolgerung (als zustimmendes Zitieren des Kollegen Prager) 2007:
Es ist schwierig sich ein anderes Szenario für Westeuropa vorzustellen, als dass es islamisiert wird oder ein Bürgerkrieg stattfindet.
Nun ja, erfreulicherweise zeigt sich Westeuropa trotz des Hineingezogen-Werdens in die US-Amerikanische Bankenkrise stabil, während es Anzeichen dafür gibt, daß - wieder mal - in den USA die Armee im Inneren
gegen die Bevölkerung in Stellung gebracht wird, denn:
.
Was einem für die Bevölkerung, die es in den USA treffen wird, einfach leid tun muss, zumal sich Michael Moores Forderung, die Verantwortlichen im weissen Haus, Bush, Cheney, Wolfowitz, Rice und andere, möchten in Ketten abgeführt und dieses Ereignis im Fernsehen live übertragen werden, sicherlich nicht erfüllen wird.
Genau dies alles hat Huib Riethof 2007 in einer Serie über die Pepperdine-Konferenz beschrieben,
aus der ich hier einige - aber nicht alle! - Artikel dokumentiere (und mir keinesfalls in Gänze "zu eigen mache"):
(1),
(2),
(3),
(4).
Im Gegensatz zu einer bestimmten politischen Richtung werden "die USA", zumindest zur Zeit, wohl kaum ein Interesse daran haben, Europa zu schwächen und ich denke, auch die CIA hat ein paar andere Probleme und Schwerpunkte (wobei: sicher sein kann man ja nie...). Diese Richtung verfolgt allerdings
den eingeschlagenen Weg weiter.
Sicherlich gibt es an dem, wie sich die Europäische Union zur Zeit entwickelt/hat, eine Menge zu kritisieren. Ich gebe dem Kommentator von Radio Utopie recht, der da empfiehlt, diese Entwicklung zu beobachten. Wir sollten darüberhinaus auch immer ein Ohr dafür haben, aus welcher Ecke
der Wind die Kritik weht. - Abwarten, was am Donnerstag passiert.
Die Bücher zum Thema:
Disclaimer: Durch meine persönliche Linksetzung und die vom System vorgenommene Linksetzung auf ähnliche Artikel dokumentiere ich diese nur und mache sie mir nicht "zu eigen". "Ähnlich" ist ein weiter Begriff...
Nicht, dass wir uns falsch verstehen, auch ich befürworte den EU-Vertrag nicht, aber aus ganz anderen Gründen, denn jetzt schon mischt sich die EU in zu viele Angelegenheiten ein, die aber regionaler Regulierungen benötigt hätten, aber macht viele ihrer wirklichen Hausaufgaben nicht. Das andere Problem, was ich mit dem EU-Vertrag habe, ist die Frage der Sicherheit und der demokratischen Legitimierung. Mir persönlich macht auch das EU-Parlament Angst, denn niemand von uns hat wirklich einen Einfluss darauf wer in diesem Parlament sitzt, aber ihr Einflussbereich überspannt fast alle wichtigen Bereiche, über die die Bürger mitentscheiden müssen. Ansonsten befürworte ich sogar ausdrücklich die nationale Integration Europas, denn sie erleichert uns viele Dinge und bringt die Nachbarn auch näher, nur die Ausführung ist mangelhaft und an ihr wird sich vermutlich so schnell auch nichts ändern, denn die, die dort sitzen, fühlen sich in ihrer Rolle als nicht legitimierte Entscheidungsträger ja doch sehr wohl. Allerdings hat uns EU eine gute Sache jetzt schon gebracht, dass ein innereuropäischer Krieg heute fast undenkbar und kaum ausführbar ist - ausser natürlich gegen Länder, die uns umrahmen...
Was mir im Vergelich dazu völlig abgeht ist eine ernsthafte Diskussion in der EU darüber ob es nicht ein problematischer Widerspruch sein könnte gleichzeitig in einem Militärbündnis NATO und in der EU Mitglied zu sein - siehe Georgien Krise. Hier wurde sehr rasch vermischt. Oder die Raketensache in Tschechien und Polen! Wie komme ich als EU Bürger dazu, der durchaus hinter dem Gedanken eines auf vielen Ebenen geeinten Europas steht, mich von den polnischen Populisten in die Scheiße reiten zu lassen!? Mir hat man die EU anders erklärt als man meine Stimme für den Beitritt wollte. Die NATO gehört aufgelöst - weg damit und Bahn frei für ein eigenständiges Europa, dass sich selbst aussucht wofür oder wogegen es ist.
Gruß aus Österreich!
mfg bjoern!
Sehr gut! Auch aus meiner Sicht die richtigen Fragen. Eines verstehe ich nicht: wieso gehen solche Alleingänge durch?
Es ist also nicht die CIA selbst, die Geld bereitgestellt hat. Die Affäre scheint mir auch zu gross für Daniel Pipes und sein "Eurabia-Hetzfonds". Vielleicht ist einfach einen Zuschlag auf die Lieferungskosten von Abhörgeräten und verschlüsselten Handy-Verbindungen der Ganley Firma an den luisianer Truppen vereinbart. Die Verwaltung der 'Libertas' Stiftung wird ausschließlich von Kadern der Daclan-Firma versorgt und die Kasse ist eingegliedert in der Firma.
Ganley setzt seine Destruktionsarbeit inzwischen europaweit fort. 21. September war er in Paris, wo er eine Rede hielt bei den französischen "Souverainisten", an den Universités d’Eté du Mouvement Pour la France , eine sehr rechte-, aber nicht populistische-, katholische Bewegung.
Außerhalb der Agitation gegen dem lisbonner Vertag, versucht Libertas die europäische Energie-Politik zu beëinflüssen. Dazu hat Libertas ein European Energy Innovation Fund gestiftet, das "Awards" und "Licenses" verteilt. Es hat viel weg von einer Lobby-Gruppe die unter der Deckmantel der "Innovation" die Interessen der grossen Energiekonzernen fördert.
Der Daclan Ganley ist vielleicht eine Art irische Ulfkotte , aber einer der das Geld für seinen Ambitionen in der Kasse hat. Er kombiniert gezielte Desinformation mit Handel in technischen Sicherheitsgeräten. Wie sein deutscher Zwillingsbruder, versteht er wenig von Politik: In Paris sang er den Lob vom General De Gaulle für ein Publikum, das sich eher mit Vichy versteht...
Es ist also nicht die CIA selbst, die Geld bereitgestellt hat. Die Affäre scheint mir auch zu gross für Daniel Pipes und sein "Eurabia-Hetzfonds". Vielleicht ist einfach einen Zuschlag auf die Lieferungskosten von Abhörgeräten und verschlüsselten Handy-Verbindungen der Ganley Firma an den luisianer Truppen vereinbart. Die Verwaltung der 'Libertas' Stiftung wird ausschließlich von Kadern der Daclan-Firma versorgt und die Kasse ist eingegliedert in der Firma.
Ganley setzt seine Destruktionsarbeit inzwischen europaweit fort. 21. September war er in Paris, wo er eine Rede hielt bei den französischen "Souverainisten", an den Universités d’Eté du Mouvement Pour la France , eine sehr rechte-, aber nicht populistische-, katholische Bewegung.
Außerhalb der Agitation gegen dem lisbonner Vertag, versucht Libertas die europäische Energie-Politik zu beëinflüssen. Dazu hat Libertas ein European Energy Innovation Fund gestiftet, das "Awards" und "Licenses" verteilt. Es hat viel weg von einer Lobby-Gruppe die unter der Deckmantel der "Innovation" die Interessen der großen Energiekonzernen fördert.
Der Daclan Ganley ist vielleicht eine Art irische Ulfkotte , aber einer der das Geld für seinen Ambitionen in der Kasse hat. Er kombiniert gezielte Desinformation mit Handel in technischen Sicherheitsgeräten. Wie sein deutscher Zwillingsbruder, versteht er wenig von Politik: In Paris sang er den Lob vom General De Gaulle für ein Publikum, das sich eher mit Vichy versteht...
Der Ausspruch eines Iren-ICH BIN NICHT GEGEN EIN EUROPA DER MILLIONEN ,ICH BIN GEGEN EIN EUROPA DER MILLIONÄRE ist mir wichtig.
Damit erkläre ich noch einmal , daß mir persönlich Volksentscheide wichtig sind, dazu brauche ich keine CIA und auch keinen Cohn-Bandit oder sonst welche rechten Einflüsterer
mir doch egal, wer dafür gesorgt hat, dass die iren so stimmten wie ich es auch getan hätte (wenn wir hier ne demokratie wären).
und ich werde bestimmt nicht anfangen meine meinung in einer sache zu ändern, nur weil ..äh.. gewisse gestalten, ausnahmsweise mit mir einer meinung sind.
sonst könnt ich mich ja glatt für die csu in den bundestag setzen und gegen die pendlerpauschale stimmen ;-)
Libertas hat geschickt diese Unfriede der europäischen Bürger mit der technokratischen Europabürokratie auszubeuten gewusst. Die 8 "reasons to vote NO" der Libertas Stiftung appellieren nur an basisdemokratischen und an der an sich gerechtfertigten Unfriede.
Aber wenn man den Libertas Präsident zuhört, wenn zu seinen Freunden in der American Heritage Foundation spricht, erfährt man was da in Wirklichkeit los ist: Europa darf nicht einig und autonom sein, denn so etwas gefährdet den "American Century". Nur die US könnten Friede und Demokratie in allen Teilen der Welt gewährleisten. Jeder, der, wäre es nur regional, die Prätention hätte, seinen Interessen selbst zu sichern, ist ein potentieller Feind.
Ich glaube auch nicht, dass die Iren irregeführt seien. An sich ist es wahr, dass die europäische Demokratie mangelhaft ist. Die Lüge der Libertas Leuten war, dass der Vertrag von Lissabon die Europäer machtloser gemacht hätte, während das Umgekehrte wahr ist: Das Parlament wird gestärkt, und Strukturen werden festgelegt, die es Europa besser ermöglichen, seinen Interessen weltweit zu verteidigen. Was, im Lichte der heutigen Finanzkrise, nur allzu nötig ist.
Irlands Bevölkerung horcht auf. Es kommt erneut zur Abstimmung über den EU-Vertrag. Diesmal geht er durch. Wir lassen uns ja nicht verarschen.
Mission accomplished.