Es ist noch nicht ganz ein Jahr her, dass in den Medien darüber berichtet wurde, dass die Aleviten in Deutschland protestiert hatten. Es ging um einen "Tatort" (Wem Ehre gebührt), in dem ein Inzestfall thematisiert wurde.
Demonstrationen
folgten, am Ende
entschuldigte sich die Regisseurin Angelina Maccarone, die mit solchen Reaktionen nicht gerechnet hatte. Die Aleviten hatten Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt.
Und jetzt gibt es erneut Proteste gegen die Ausstrahlung der "Tatort"-Folge "Brandmal", diesmal von Seiten der
Sinti und Roma. In der Folge würden
die Stigmata und negativen Klischees über die Roma- und Sinti-Minderheit bestätigt werden, für die es nach dem Holocaust und der Nazipropaganda - ähnlich wie gegenüber den Juden - immer noch einen besonders fruchtbaren Boden in unserer Gesellschaft gibt
Bisher hätten die Proteste, die bereits 2007 begonnen hatten, keine Wirkung gezeigt.
Über den Inhalt:
In der Folge «Brandmal» stirbt bei einem Brand in einem Mietshaus in Köln eine junge Frau an den Folgen einer Rauchvergiftung. Nach ersten Erkenntnissen war es Brandstiftung mit Todesfolge. Der Vermieter ist sich schnell sicher, wer es gewesen ist: Seitdem im Viertel ein Heim für Sinti und Roma aufgemacht hat, sei es immer wieder zu Konflikten zwischen den Flüchtlingen aus dem früheren Jugoslawien und den Einheimischen gekommen. Eine Anwohnerinitiative verlangt, das Heim zu schließen. Die Indizien scheinen zunächst gegen ein Roma-Mädchen zu sprechen. Doch der Fall entpuppt sich nach Angaben des Senders komplexer als es zunächst den Anschein hat.
Quelle
Wieder ein sensibles Thema. Wir dürfen auf den Verlauf bzw. den Ausgang gespannt sein.....Die Ausstrahlung soll am 19. Oktober erfolgen.
Update, 01.10.08, 20:45h:
Ich bin soeben auf die Seite Tatort-Fundus gestoßen, eine "private Internetseite zum Krimi-Klassiker".
Dort heisst es:
Vor knapp vier Jahren waren der Schauspieler Klaus J. Behrendt und der ARD-TATORT-Koordinator Gebhard Henke zu Gast in Wien bei der Verleihung des Civis-Preises. Ein TATORT war nominiert für den Europäischen Medienpreis, der Beiträge zur Integration würdigt. Damals trafen beide auf Professor Rudolf Sarközi, den Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma. Er gab die Anregung, das Thema der Roma einmal in einem TATORT aufzunehmen. Es folgten umfangreiche Recherchen des Drehbuchautors Karl-Heinz Käfer, und nun ist "Brandmal" im Programm.
und
Der Film mache deutlich, sagt Dietmar Bär, "wie sehr unser Leben von Vorurteilen geprägt ist". Tatsächlich geht es vor allem um die Haltung der Deutschen, wenn es um Sinti und Roma geht.
Quelle
Es bleibt wohl nur abzuwarten, ob die Folge ausgestrahlt wird und wenn ja, ob es wirklich nur darum geht, zu zeigen, wie schnell Sinti und Roma (oder eben andere Minderheiten) Vorurteilen ausgesetzt sind (dann wäre der Protest vielleicht übertrieben) oder ob bestehende Vorurteile tatsächlich noch bekräftigt werden.
Wir bleiben dran.....
P.S.: mal so nebenbei bemerkt: die NZZ ist (soweit ich weiß) die einzige, die zu dem Thema im Titel das Wort "Zigeuner" gebraucht.....