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Der Geist von Pim Fortuyn wurde zurückgedrängt: Marokkanischer Muslim wird Bürgermeister von Rotterdam
Rotterdam galt einst als "die Stadt von Pim Fortuyn", in der es antimuslimische Krawalle gab, doch jetzt wurde dort der gebürtige Marokkaner Ahmed Aboutaleb, zur Zeit noch Sozialstaatssekretär, zum Bürgermeister gewählt. Das Echo hierauf ist in den Niederlanden weit überwiegend positiv.
als Jugendlicher kam er in die Niederlande, wo er schnell begriffen habe, daß Bildung der Schlüssel zur Integration sei. Schon ein Portrait aus dem Jahr 2001, unmittelbar nach Nine-Eleven beschreibt ihn als Vorbild für eine gelungene Integration und schon nach der übereinstimmenden Meinung der seinerzeit Befragten, habe er seine damals schon beeindruckende persönliche Bilanz hauptsächlich Fleiss und Selbstdiszipin zu verdanken.
Der gelernte Journalist hat hat ansonsten einen überzeugenden Tätigkeitsnachweis: er war Pressesprecher im Gesundheitsministerium, Direktor eines Integrationsforums in Utrecht, Saatssekretär im Sozialministerium. Sein wichtigstes Amt, das in allen Berichten besonders herausgestellt wird: er war zu Zeiten des Mordes an Theo van Gogh zuständiger Beigeordneter in Amsterdam und habe seine Aufgabe besonders in diesen Krisentagen gut gemeistert, wie laut Volkskrant der Stadtrat finde, der ihn mit übergroßer Mehrheit gewählt habe. Ausserdem habe er große Erfolge in der Bekämpfung besonders der Jugendarbeitslosigkeit vorzuweisen. Daß er aus Amsterdam kommt, ist übrigens für geschworene Rotterdamer - unabhängig von allen anderen Merkmalen so ähnlich, als bekäme, sagen wir, ein Kölner in Düsseldorf (oder umgekehrt) ein hohes Amt.
Er sei der beste Garant dafür, daß die Sicherheitspolitik seines Vorgängers Ivo Opstelten von der rechtsliberalen VVD (entspricht in etwa der FDP hier) fortgesetzt werde. Die TAZ beschreibt ihn als Vorzeigemigrant mit harter Linie, und schätzt ein, daß dies zum Teil parteipolitisch motiviert sei:
So wollte er 2006 allen Frauen die Sozialhilfe streichen, die eine Burka tragen. Es sei doch kein Wunder, dass sie keine Stelle fänden. Mit ihrem Gewand würden sie die Arbeitgeber verschrecken. Also forderte Aboutaleb: "Burka weg und sich bewerben."
Aboutaleb gibt offen zu, dass er mit seiner Strategie der harten Worte den Rechtspopulisten Stimmen abjagen will. Diese Politik soll er jetzt in Rotterdam fortsetzen. Die Stadt verfolgt eine umstrittene Nulltoleranzpolitik gegenüber jeglichen Regelverstößen. Die ist aber bei der Bevölkerung sehr beliebt. Aboutaleb schien dafür der geeignete Kandidat.
Damit werden drei von vier (bzw. nach einer anderen Zählung der Trouw sieben von zehn) großen Städten in den Niederlanden von PvdA-Bürgermeistern regiert: Rotterdam, Utrecht, Amsterdam. In Den Haag wird der Bürgermeister von der VVD gestellt.
In den wichtigsten Medien des Landes sind die Kommentare überwiegend positiv. So schreibt ein Kommentator in der Trouw: Die Wahl von Aboutaleb sei gut für Rotterdam und gut für das ganze Land. Auch ein Migrant sei in erster Linie nach seiner Arbeit zu beurteilen und da habe er sich besonders in der Zeit der Krise um Theo van Gogh bewährt, als er naturgemäß zwischen zwei Stühlen gesessen habe. Seine Karriere sei durchaus der von Barack Obama zu vergleichen. NRC-Handelsblad nennt in seinem Leitartikel die Entscheidung "historisch".
Die üblichen Verdächtigen haben natürlich was dagegen. So bemüht Sylvain Ephimenco, ein französischer Journalist, der mittlerweile in die Niederlande übersiedelt ist und für Trouw schreibt, auch einst links abgesprungen und rechts gelandet, profiliert als "islamkritisch": Der Vergleich zwischen Obama und Aboutaleb sei unpassend. Während Obama, um so weit zu kommen, wie er jetzt gekommen sei,
wohl zehn Paar Schuhe verschlissenhabe, habe Aboutaleb in Den Haag
die Füße stillgehalten,bis er, genau zum Termin aus dem PvdA-Hut gezaubert worden sei. Nun, hier vergleicht Ephimenco sicherlich Äpfel mit Birnen, da der Wahlmodus in beiden Fällen etwas unterschiedlich sein dürfte. Ansonsten hält er ihn für einen Wendehals, der sich von "soft Multikulti" zum Besitzer einer eisernen Faust gewandelt habe, mit der er in Amsterdam zu Zeiten der Krise um den Mord an Theo van Gogh auf den Tisch gehauen habe. Ansonsten beklagt er, dass ein Vorschlag zur Direktwahl von Bügermeistern in großen Städten keinen Erfolg hatte.
Der Kommentator von Elsevier, der Hausplattform von Afshin Ellian und Leon de Winter vermag zwar absolut nichts zu finden, was gegen Aboutaleb spricht, aber es werde von einigen kritisch gesehen, daß er noch einen marokkanischen Pass habe. Diese Kritik sei zwar eigentlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen, doch solle er - um nun wirklich alle zufrieden zu stelle - am besten
dem Königzurückgeben.
Marokkanischer Bürgermeister in Rotterdam: islamische Machtübernahme ist Tatsache!... Es ist soweit...Zeichen an der Wand!...Durch die Ernennung eines marokkanischen Bürgermeisters wird überall in Europa die Arroganz der marokkanischen Migranten zunehmen...um jedoch dann entschlossen auszurufen:
Mehr als je gilt der Slogan: "Das eigene Volk kommt zuerst!" und "Chef im eigenen Land!"
Was er ja heute in Klagenfurt besprechen kann.
Natürlich hat die Fraktion von Geert Wilders, die schon erfolglos versuchte, ihn aus dem Kabinett herauszudrängen, jetzt auch wieder ein Problem mit der Wahl von Aboutaleb. Wie das Internetportal nieuws.marokko.nl berichtet, wünscht man dort wieder eine Debatte über die - in den Niederlanden mögliche - doppelte Staatsbügerschaft. Nun, Herr Wilders macht nicht nur lustige Filmchen, sondern hat auch öfters lustige Einfälle und lustige Debattenthemen. Es wird diese Debatte geben und Wilders wird das Parlament wieder nerven und das wars dann.
Natürlich ist Leefbaar Rotterdam, seinerzeit von Pim Fortuyn gegründet auch unglücklich und hat einer
Reaktionangekündigt.
In der niederländischen Debatte spielt höchstens die doppelte Nationalität von Aboutaleb eine Rolle. Die Religion heranzuziehen bleibt dem Ausland vorbehalten: für Filip Dewinter ist Marokko und Islam sowieso dasselbe. In Deutschland pimpt das ehemalige Nachrichtenmagazin die Überschrift mit der Religion und das Internetportal von t-online befördert ihn sogar zum
bekennenden Muslim. Weitere Medien, für die Aboutaleb bereits in der Überschrift Muslim ist: faz.net:
Ein Muslim für Rotterdam,oe24: Muslim wird Bürgermeister von Rotterdam, Die Presse:
Marokkanischer Muslim wird Bürgermeister.
Und somit wird selbst ein Bericht über einen marokkanischstämmigen Bürgermeister zum Bericht über die deutsche Berichterstattung - und österreichische - Berichterstattung darüber...
Bildnachweis:(1)Trouw, (2)vedeze.be
Tags für diesen Artikel: antiislam, ausländerfeind, belgien, demagogen, demographie, desinformation, deutschland, diskriminierung, feindbild, integration, islam, islamkritiker, islamophobie, journalisten, klischees, medien, muslim, niederlande, obama, vlaamsbelang
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Und bei Marokkanern ist es nunmal so: sie bleiben immer Marokkaner. Ob sie wollen oder nicht.....Da kann aber Herr Aboutaleb nichts dafür.