Also, ich muß es ja endlich mal gestehen: beinahe wäre ich Reza Pahlevi's vierte Frau geworden - wenn ich nur gewollt hätte!
Meine iranischen Erinnerungen oder: beinahe wäre ich die vierte Frau des Schahs geworden
So beschloss ich, Kaiserin von Persien zu werden.
Nun gut, 1959 heiratete er dann Farah Diba, aber ich war zunächst noch optimistisch: schließlich hatte es mit Fawzia (deutsch: Faffzia...) und Soraya auch nicht geklappt. Jetzt hieß es für mich, die Nerven zu behalten und zunächst gelassen abzuwarten - mal sehen, ob Farah das schaffte, das mit dem Kronprinzen. Ein Jahr später mußte ich dann meine Ambitionen auf den Pfauenthron begraben: der Kronprinz war da! Persien wurde zunächst einmal ad acta gelegt.
Da die drei Gattinnen in Deutschland immer auf besonderes Interesse stiessen und seinerzeit in der Regenbogenpresse gut vertreten waren, kann man besonders an ihnen die "Seelenlandschaft Persien" verdeutlichen. Natürlich ging es mehr um die Klamotten der Damen und um Herzschmerz als um Politik. Hier zunächst
Her Sultanic Highness, Fawzia bint Fuad of Egypt and Sudan:
Nun, es gab auch im System der orientalischen Monarchien eine Hierarchie: die vornehmste war die des Scherifen von Mekka. Er wurde von den Briten vertrieben, seine Nachfahren als Könige in Großsyrien/Irak bzw (Trans-)Jordanien angesiedelt, aber adelstechnisch sind sie im Orient das, was die Habsburger in Europa sind. Nun war die Dynastie Pahlewi in diesem System so ungefähr auf dere Höhe angesiedelt, die bei uns "Grimaldi" hat - nicht wirklich vornehm, denn der Gründer war ein ehemaliger Schafhirte, der es über die Unteroffizierslaufbahn auf den Thron geschafft hatte. "Grimaldi" war auch das Königshaus von Ägypten, das sich auch von einem Aufsteiger herleitete: ein osmanischer General mazedonisch-albanischer Herkunft. Fawzia die "asiatische Venus" schaffte es hauptsächlich wegen ihrer Schönheit in die Medien. Das Königshaus von Ägypten schaffte es überhaupt nur mit einer "Hofberichterstattung" über Prasserei, Parties und Klamotten in die Medien, was Fawzias Bruder, Faruk 1952 vom Thron fegte, allerdings vorher schon zur Gründung der Muslimbruderschaft geführt hatte, die sich zunächst als soziale Bewegung verstand. Die Wahl der Prinzessin hatte drei Gründe: erstens passte die protokollarische Ebene ("Grimaldi"), zweitens ging es im Iran um Öl, die Dynastiewar "das Öl", die Ägypter waren "der Transportweg", der Suez-Kanal Somit wurde das Öl mit dem Transportweg verheiratet und die, die dem iranischen Volk das Öl stehlen wollten, zufrieden - erstmal. Der dritte Grund war, daß der Thronfolger und spätere Schah nicht mal seinem Vater für den Job geeignet erschien. Sein Vater war aus ärmsten Verhältnissen auf den Thron gekommen, nachdem die Qajjaren-Dynastie definitiv abgewirtschaftet hatte:
Dieser Mann hat eine beeindruckende Biographie - aus armen Verhältnissen schaffte er es bis auf den Kaiserthron. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden, zum Beispiel die, daß er vom Unteroffiziers- in den Offiziersstand aufgestiegen sei, weil er - der Spieß - ein Gefecht gegen die Russen geführt habe, als alle Offiziere die Hosen voll gehabt hätten. Das habe ihn in den Offiziersstand aufrücken lassen. Solche Geschichten sind natürlich nicht belastbar. Eine weitere, für die man keine sichere Quelle findet, ist die, daß er habe prüfen lassen, ob - anstelle seines ältesten Sohnes, von dem er nachweisbar nicht viel gehalten hat - nicht dessen Zwillingsschwester, Prinzessin Ashraf, ihm auf den Thron nachfolgen könne:
Das sei jedoch verworfen worden. Wenn man hier liest, was über sie geschrieben wurde, hält man es allerdings für möglich.:
Princess Ashraf was no ordinary woman. At a time when Iranian women were expected to be submissive, quiet breeding machines, she was negotiating political agreements with Stalin! It was the mid 1940s, and Princess Ashraf was only a very young woman, but her tough negotiating style forced Stalin to turn a 10 minute meeting into one lasting over two and a half hours. If that wasn’t incredible enough, she garnered his deep, unqualified and lasting respect. The brutal dictator later said that, if the Shah “had ten like [her], he would have no worries at all.” Stalin might have admired her ruthlessness and steely character, but others were not so complimentary.
Fawzia wurde rausgemobbt, was in den europäischen Medien damit erklärt wurde, daß sie nur eine Tochter zustandegebracht hätte. Nun ja, wenn frau die Vorarbeiten verweigert...
The Bakhtiari captured Teheran under the Haft Lang khan Sardar Assad and played a significant role in constitutional reform and the abdication of Mohammad Ali Shah Qajar (r. 1907-1909) in 1909, after which he was exiled to Russia. Reza Shah Pahlevi (r. 1925-1941) attempted to destroy the Bakhtiari and they have never fully recovered since that time
Die Bakhtiari waren nach diesem Ereignis, ah, etwas verstimmt. Die Heirat mit einer Vornehmen ihres Stammes sollte sie versöhnen. Tja, und von Soraya weiss man nur, dass sie angeblich "verstossen" worden sei. Dieser Film über ihr Leben stellt allerdings - unbeanstandet - eine völlig andere Spekulation an: sie habe aktiv für Mohammed Mossaddeqh eingesetzt: Mossaddeq war der, der die Briten daran hindern wollte, den Iranern weiter alles Öl zu stehlen:
"Our long years of negotiations with foreign countries… have yielded no results this far. With the oil revenues we could meet our entire budget and combat poverty, disease, and backwardness among our people. Another important consideration is that by the elimination of the power of the British company, we would also eliminate corruption and intrigue, by means of which the internal affairs of our country have been influenced. Once this tutelage has ceased, Iran will have achieved its economic and political independence. The Iranian state prefers to take over the production of petroleum itself. The company should do nothing else but return its property to the rightful owners. The nationalization law provide that 25% of the net profits on oil be set aside to meet all the legitimate claims of the company for compensation… It has been asserted abroad that Iran intends to expel the foreign oil experts from the country and then shut down oil installations. Not only is this allegation absurd; it is utter invention…
An dem Coup, der Mossaddeq zu Fall brachte, der "Operation Ajax", war die Prinzessin richtunggebend beteiligt:
In 1953, Ashraf Pahlavi played an important role in Operation Ajax as she was the one who changed Mohammad Reza Shah's mind in giving the consent to CIA and SIS to start the operation. The Shah had originally opposed the operation and for a while resisted accepting it. In early 1953, she met with CIA agents who asked her to talk to her brother since she was the only one who was able to change his mind. Some Iranians view her as a traitor to Iran due to her involvement in the 1953 coup. Others regard her as a patriot for the same reason.
Dann kam Farah, die Azeri-Türkin. Süd- oder Iranisch-Aserbaidschan ist eine Unruheprovinz; 20-25% der iranischen Bevölkerung sind Aserbaidschaner und sagen von sich mehrheitlich, sie seien ethnische Türken.
Wie man sieht, kommt der Film reichlich "Arisch" daher...
Farah war, wie sie in ihrer Autobiographie selbst schreibt, qua Biographie prädestiniert, nicht nur mit der damaligen Sowjetrepublik Aserbaidschan Verbindung zu halten, sondern mit gleich der ganzen Sowjetunion. Es war ja damals bekanntlich Kalter Krieg.
Über das heutige Verhältnis Aserbaidschan und Iran kann man sich hier informieren und hier über die aktuelle Frage nach einem möglichen Krieg.
Ich hatte mich auf Bahman Nirumand berufen und mußte mich, "ex cathedra" belehren lassen, das sei keine akzeptable Quelle. Nun, die Tatsache als solche, hier nachzulesen unter der Jahreszahl 1941 stimmt, aber 1967 war diese Information ganz offensichtlich politisch unkorrekt. Hier gibt es einen weiteren Hinweis darauf, was ihn bewegt hat: Im Norden wollten die Sowjets Land stehlen, im Süden die Briten das Öl. Ach ja, eines noch: ganz abgesehen davon, daß Reza Khan sich ganz offenbar wirklich gegen die Ausplünderung durch Sowjets und Briten zur Wehr setzten wollte, hatte er wirklich eine starke Sympathie für "arische" Ideologien, die Mit Hilfe der Deutschen gegen den Islam und die Briten in Stellung gebracht wurden.
Der Schah wurde mir zunehmend unsympathisch. Endlich in der Linken jener Jahre angekommen, waren wir natürlich alle auf Seiten der Opposition. Der Schah galt uns allen als brutaler Tyrann. Wir lasen den "Clan der Kannibalen," und irgendwie fand es jeder degoutant, daß der Iran bzw. in persona der Schah sich beteiligen wollte an - ich glaube es war - Krupp, schließlich einem deutschen Traditionsunternehmen. Nach meiner Erinnerung hat das damals sogar Alfred Tetzlaff thematisiert.
Der Schah wurde vertrieben und wir alle wünschten jenen, die ihn vom Thron gestürzt hatten Glück. Alles, was fortschrittlich war, schien sich jetzt um Khomeini zu sammeln.
Genz offensichtlich war das auch im Iran der Fall. So schreibt Shirin Ebadi ja in ihrer Autobiographie sinngemäß, daß sie sich zunächst für die Revolution eingesetzt hatte, und garnicht verstanden hatte, warum ihr ein Richterkollege dann sagte (sinngemäß):
Sie setzen sich für diejenigen ein, die Sie aus dem Richteramt entfernen werden...
Im Mai 1980 habe ich nach bestandenem Examen angefangen zu arbeiten. In dem Krankenhaus gab es einige iranische Fachärzte. Mein Oberarzt war ein iranischer Azerbaidschaner - wie Farah Diba auch - also Azeri-Türke, weswegen wir in der Gynäkologie und Geburtshilfe auch nach meiner Erinnerung 80% türkische Patientinnen hatten. Ein - iranischer - Landsmann war Oberarzt in der Chirurgie, in die ich später gewechselt bin. Im Sommer 1980 fuhren beide mit ihren Familien das erste Mal nach der Revolution in den Iran. Als sie zurückkamen, war für uns deutlich spürbar, wie besonders die Ehefrauen versuchten, sich die veränderte Situation schönzureden.
Wenn du dir einen Tschador überziehst, kannst Du auch mal das Haus verlassen, ohne daß du dich vorher stylen musst...Die Odyssee der ehemaligen Kaiserfamilie betrachteten wir als gerechte Strafe.
Dann kam der Krieg Iran-Irak und da der Iran unter Embargo stand, während die ganze "freie Welt" den Irak unterstützte, standen wir natürlich auf der Seite des Iran und kolportierten das Khomeini-Wort, daß die USA eines Tages noch merken würden, welchen Frankenstein sie da unterstützten.

Im nächsten Krankenhaus hatte ich dann wieder einen iranischen Oberarzt, frisch aus dem Iran zurückgekommen. Er hatte nach der Facharztausbildung auf eine weitere Universitätskarriere verzichtet und sich zunächst - 1978 - mit deutscher Ehefrau und drei Kindern wieder im Iran niedergelassen und sein ganzes in Deutschland gespartes Geld in den Aufbau einer Gemeinschaftspraxis gesteckt.
(Damals gab es sehr viele iranische Chirurgen in Deutschland, die alle den Ruf hatten, exzellente Operateure zu sein, ich weiß nicht, ob das heute auch noch so ist)
Im Iran habe die medizinische Versorgung mit einem Belegarztsystem wie in den USA. Nach der Revolution hätten er und seine Familie dann die ersten Schwierigkeiten bekommen: eines Morgens sei ein Bulldozer durch die Gartenmauer gebrochen und dann habe man seinen Swimmingpool durch Reinkippen von Beton unbrauchbar gemacht. Zunächst habe man Ehefrau und Kinder, die naoch deutsche Staatsbürger gewesen seien, in Ruhe gelassen. Dann hätten sich die Schikanen gehäuft, und eines Tages hatte seine Frau die Nase voll: sie war auf dem Basar gewesen, dort sei sie von weiblichen Revolutionswächtern gestellt worden; ihre - echt blonden - Haare hätten unter dem Tuch hervorgelugt, nachdem man ihr lautstark habe klar gemacht hatte, daß sie mit ihrem "Aufzug" die Märtyrer von Krieg und Revolution beleidige, war sie verprügelt worden. Danach ist sie dann mit ihren Kindern nach Deutschland zurückgekehrt. Ihr Mann war zunächst dageblieben, nicht zuletzt, weil er das Land nicht verlassen durfte, denn es war ja Krieg. Wenig später wurde er dann als Chirurg an die Front eingezogen. Er hat uns später erzählt, seine Erfahrungen dort hätten für ihn den endgültigen Bruch mit dem Regime bedeutet: als er Kinder habe zusammenflicken müssen, die man in die feindlichen Minenfelder geschickt habe, den berühmten Schlüssel um den Hals. Das einzige, was er noch habe tun können, sei, zerfetzte Gliedmaßen amputieren. Er ist dann über die Türkei geflohen.
In meinem vorherigen Krankenhaus war mittlerweile ein Professor Nosrat Firusian Chefarzt geworden, der sich in seinem Vertrag die Möglichkeit ausbedungen hatte, in einem ehemaligen Infektionstrakt des Krankenhauses gasverwundete Soldaten des Iakisch-Iranischen Krieges zu behandeln. Meines Wissens gab es seinerzeit nur noch ein weiteres Krankenhaus: die Universitätsklinik Wien.
Tags für diesen Artikel: aserbaidschan, atom, atomprogramm, chemische kampfstoffe, desinformation, farah, fawzia, gas, giftgas, information, iran, islam, islamophobie, israel, kaukasus, krieg, kriegsverbrechen, usa, völkermord
Artikel mit ähnlichen Themen:






















Hier hatte ich angefangen und jetzt komme ich aus gegebenem Anlass noch mal auf den Iran-Irak-Krieg zurück: Ich erinnere mich noch zu gut an die damalige Zeit und daran, daß man damals - sinngemäß - Saddam Hussein deswegen für einen Guten hielt bzw. das z ...
BigBerta 18. Nov. Hier hatte ich angefangen und jetzt komme ich aus gegebenem Anlass noch mal auf den Iran-Irak-Krieg zurück: Ich erinnere mich noch zu gut an die damalige Zeit und daran, daß man damals - sinngemäß - Saddam Hussein ...
Das folgende hatte ich schon mal auf meinem persönlichen Blog gepostet: ich möchte ihn jetzt als Ergänzung zu Jochens geplanter Serie verstanden wissen. Anlaß war damals eine Besprechung des seinerzeit gehypten Buches "Texte des Terrors", das man seinerze ...
Am 25. Mai machte uns Herr Von Kirchbach auf folgenden Artikel aufmerksam: Neue Staatslegende über den Tod von Benno Ohnesorg - Geschichtsumdeutung mit Kopfschuß Von Hans-Detlev v. Kirchbach Ja, kam nicht Rudi Dutschke auch aus der Zone?! - Anges ...
Vielleicht ist es untergegangen, vielleicht aber auch bewusst nicht ausgeweitet worden. Das Thema "Rekrutierungen der CIA im Iran". Um es genauer zu beschreiben: von der CIA bezahlte Dissidenten. Seymour Hersh berichtete als Journalist ausführlich darübe ...