Viel ist seither passiert, was die Erinnerung hieran zu Überdecken geeignet ist: der G8-Gipfel vor 7 Jahren in Genua, während dem ein Italienischer Student, Carlo Giuliani, von einem Italienischen Polizisten per Kopfschuß gezielt getötet wurde. Wer jetzt als BRD- oder ehemalige DDR-BürgerIn weit zurück denkt, wird sich womöglich an eine in den 80er Jahren auch medial hitzig geführte Debatte erinnern, deren Stichwort der Finale Rettungsschuß war. Womöglich auch daran, daß Günter Sare 1985 im Frankfurter Arbeiterviertel Gallus aus Versehen von einem Wasserwerfer überrollt wurde, und daran verschied.
Wer noch nie eine Demonstration besucht und noch nie eine im Fernsehen gesehen hat, Wasserwerfer sind diese Dinger, die aussehen, wie übergroße, grüne Kaninchen, die nicht weglaufen, sondern machen dass man vor ihnen wegläuft, wobei sie oft nicht nur mit
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kaltem, klarem Wasser ‚werfen’, sondern solchem, das auch Reizstoffe für die Atemwege besonders aufmüpfiger DemonstrantInnen enthält.
Wer noch weiter zurück denkt, so an die Sechziger, erinnert sich wahrscheinlich an den Studenten Benno Ohnesorg, an den sich im Web leider hauptsächlich die Konzernmedien erinnern. Der war im Rahmen so eines Schusses, als die noch nicht so hießen, von einem Polizisten auch gezielt erschossen worden, auf das dieser sich durch seinen Schußwaffengebrauch vor dem nicht bewaffneten Studenten schützen könne.
In der wikipedia wird Benno Ohnesorg gar als Pazifist und Mitglied der Studentengemeinde gelistet. Nichts desto Trotz fühlte sich anscheinend der Polizist Karl-Heinz Kurras elementar von Benno O. bedroht. In der bei wikipedia beschriebenen, grundsätzlichen Haltung des Benno Ohnesorg liegt sicher auch der Grund, warum die autonomen EnkelInnen sich nicht gern mit ihm schmücken. Lieber wird sich an Rudi Dutschke erinnert, der an Bennos Grab gesagt haben soll: „du bist nicht umsonst gestorben, der Kampf geht weiter!“
Jetzt ist mir, als sei ich ganz schön abgeschweift, doch erkennt man Parallelen zwischen gestern, vorgestern und Vorvorgestern, oder? Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht u.v.a. wurden von der Noske-Polizei „auf der Flucht erschossen“ und in den Landwehrkanal geworfen, nachdem man ihnen gesagt hatte, sie dürften gehen.
Auf diese Art erhält man wenigstens die richtigen Ein- und Austrittsöffnungen, falls jemand die offizielle Version anzweifelt.
Wie nun vor sieben Jahren Carlo umgekommen ist? Genügend kontroverse Berichte und Darstellungen gibt es im Web, so dass man sich eine eigene Meinung bilden kann. Übrigens, die Tagesschau vom Freitag Abend hat den Mord bzw. Rettungsschuß, Carlo selbst, gar nicht erst erwähnt. Genau wie bei Karlchen und Rosa, auch bei Benno O, so auch bei Carlo wurden die Ermittlungen nachlässig und nachgerade unmotiviert geführt, kaum ein Beteiligter zu einer ernsthaften Strafe verurteilt, die in einem Zusammenhang mit dem Geschehenen steht. Wie muß es angesichts solcher Tradition nur den Eltern gehen?
Aus einer anderen Gegend, in der seit Jahren das Elend bald jeden Tag von neuem beginnt, dem Irak, weiß ich es von einem Betroffenen Freund. Wegsehen, weghören und nichts drüber sagen.
Nicht jeder hat die Kraft, sich mit dem Elend auseinanderzusetzen, wenn es so nahe ist. Doch sollten wir sie nicht im Stich lassen.
Vielleicht war ja jemand unter euch Anfang der Neunziger DemonstrantIn beim so genannten Münchener Polizeikessel? In dessen Nachlese gab es 2 Bewährungsstrafen. (sic!)
Abschließend ein guter Rat für die nächste Demo: Gewalt oder auch Vorformen derselben nutzen vor allem denen, die mit Kameras auf den Balkonen stehen, denen, die in ihrer Uniform schwitzen, und den Schäubeles dieser Welt.