Keltenkreuze, Verbote, Rechte Esoterik, Rechtsrock und meine angebliche Strafanzeige gegen Jochen Hoff
Vor einiger Zeit schlugen die Wogen im Netz hoch: "Das Keltenkreuz" wurde verboten, oder so ...
Aus meiner Sicht wird in Deutschland manchmal wahrlich zu reflexartig draufgeschlagen: Ich erinnere mich daran, dass es zunächst auch ein Zeichen mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz traf - erst, als der eindeutig antifaschistische Kontext nachgewiesen war, war dieses Zeichen wieder erlaubt.
Wir sollten alle sehr wachsam sein, wenn es um den Versuch geht, die Religionsfreiheit einzuschränken - was einige Leute befürchten. Es gibt Leute, die wünschen (sich) das - und sind bislang damit auf die Nase gefallen.
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Weitere Vorstöße zum Thema:
Das "Wertheimer Manifest" von PI & Co., das wegen Namensgleichheit mit einem Wertheimer Manifest der NPD in "Wertheimer Appell" umbenannt wurde:
Eine Zusammenfassung bezüglich aktueller Verbotsanstrengungen - auch der Bibel (!) - gab es seinerzeit im Watchblog Islamophobie. Was das Ausland betrifft, beschränke ich mich mal auf Geert Wilders, um hier nicht auszufransen. Und wenn dann eine künstlerische Darstellung einer Kritik an evangelikaler Ausprägung der evangelischen Kirche nach Protesten binnen drei Tagen abgeändert wird (während die notorischen Mohammed- und sonstige den Islam beleidigenden Karikaturen als Ausdruck der Freiheit verteidigt werden), macht das schon nachdenklich.
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Jetzt vermuten einige, dass die Unschuldsvermutung für die, die diese Symbole in einem nicht-nazistischen Zusammenhang benutzen, umgedreht wird.
Zunächst einmal scheint es geboten, mal ein paar Sachen zu klären: Niemand will Keltenkreuze als religiöse Symbole verbieten oder Keltenkreuze als Grabsteine! Und so mancher, der meint, sich von einem linken Standpunkt dagegen zu verwahren, merkt nicht, wie sehr er auf rechte Diskurse und Diskursangebote hereinfällt.
Dazu wäre es gut, sich einmal die §§ 86, 86a und 130 genauer anzuschauen - ich habe mir das mittlerweile von einem Juristen erläutern lassen:
Im § 86 geht es um die Verwendung von Propagandamitteln
... einer vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärten Partei oder einer Partei oder Vereinigung, von der unanfechtbar festgestellt ist, dass sie Ersatzorganisation einer solchen Partei ist,
Was genau der Bundesgerichtshof verboten hat, findet sich hier. Es geht nicht um germanische Religionssymbole, es geht nicht um irische Hochkreuze, es geht um
... das von der verbotenen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) als Symbol benutzte stilisierte Keltenkreuz oder diesem zum Verwechseln ähnliche Kennzeichen (§ 86 a Abs. 2 Satz 2 StGB) ...Ein gerichtsbekannter Angehöriger der Neonazi-Szene hatte sich dumm gestellt:
Der Angeklagte, der einen Versandhandel mit Devotionalien der rechten Szene betreibt, hielt sich am Vormittag des 19. April 2006 zunächst auf einem öffentlichen Platz in Straubing auf, um die Aufmerksamkeit der Passanten auf das von ihm getragene grüne T-Shirt zu lenken, auf dessen Brustseite ein in gelber Farbe gehaltenes, etwa kopfgroßes stilisiertes so genanntes Keltenkreuz - ein gleichschenkliges Balkenkreuz um dessen Schnittpunkt ein Ring gelegt ist - abgebildet war. Nach einiger Zeit begab er sich zu einer Polizeidienststelle und erstattete Selbstanzeige zur Klärung, ob er sich durch das öffentliche Tragen dieses T-Shirts strafbar gemacht hat.Nochmal: es wurde nicht "das Keltenkreuz" verboten, sondern eine ganz bestimmte "stilisierte Form".
Nach den weiteren Feststellungen des Landgerichts wurde das Keltenkreuz ausschließlich in stilisierter Form ...
Dass eine Verfolgungsbehörde in der Praxis sehr wohl zu differenzieren weiß, ohne dass der Betroffene, selbst, wenn er schon ein Beschuldigter war, sich rechtfertigen muss, zeigt das, was Jochen und ich erlebt haben:
Unsere PI- und Idioten-Süd-Fankurve dachte sich was ganz Dolles aus, und ein ganz "Mutiger" stellte unter meinem Namen
Strafanzeige gegen Jochen. Es ging um folgenden Eintrag: angeblich hätte Duckhome verbotene Symbole benutzt. Mal ganz abgesehen davon, dass es sich um einen mehr als durchsichtigen Versuch der Anonymen Islamophoben handelte, einen Keil zwischen Jochen und mich zu treiben, ist daran für unser Thema interessant, dass es eben keine Beweislastumkehr gab, wie zunächst befürchtet, sondern man hat geprüft, hat festgestellt, dass hier schon differenziert der Kontext gewürdigt wurde:
Das Grundrecht der Meinungsfreiheit verlangt eine am konkreten Artikel Einzelauslegung, wie der objektive Betrachter den Artikel insgesamt verstehen würde.
Zur Verfolgung gehört auch zwingend der bereits festgestellte Zusammenhang zu einer verbotenen neonazistischen Organisation. Was man an eben genau dem Keltenkreuz sehr schön erläutern kann.
Die erste Erkenntnis: Keltenkreuz und Radkreuz sind nicht dasselbe!
Das Radkreuz ist eigentlich ein germanisches Sonnensymbol, wurde vom Nationalsozialismus "umgewidmet", der schon ganz allgemein die "Runenkunde" für sich umgewidmet hatte:

In diesem Buch findet sich zum Radkreuz folgendes:
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Das Radkreuz wurde später als germanisches Erlösungs- und Befreiungssinnbild in die Fahnen derer gesetzt, die die Erlösung deutschen Wesens von römischer Unterdrückung erstrebten. Man nannte sie daher "Rädelsführer".
Und der dargestellte Antagonismus, "Rom" vs. "Germanien", kam erst nach der "Reichsgründung" auf: Zum ersten beschreibt er den sog. Kulturkampf, in dem sich nicht nur Preußen vom Einfluss der katholischen Kirche emanzipierte und der praktisch erst mit der Ernennung des katholischen Kölners Konrad Adenauer ausgestanden war, sondern er bedeutet auch: Deutschland gegen das als katholisch und somit "römisch" wahrgenommene Frankreich. Schreibt man diesen Kampf bis in die germanische Vorzeit zurück, gibt man ihm eine quasi esoterische Weihe.
Das Sonnenrad in Zusammenhang mit dem "Rädelsführer" zu bringen, ist nicht nur eine Umdeutung, sondern eine bewusste Fälschung: Schon im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm wurde das Wort erklärt und eine Reihe von Quellen und Benutzern wie Kant, Goethe, Schiller angegeben: Es wurde benutzt, um den Führer eines "aufrührerischen Haufens" zu bezeichnen, oder - "der prinicpal radlführer" - einen Landsknechtshaufen, herren-, d.h., auftragslose Kriegsform, wobei das Rad eine Formation der sogenannten Rundumverteidigung ist - eine andere wäre die Wagenburg. Wenn Wikipedia schreibt, dass dieser Begriff in "ausschließlich negativem Zusammenhang" gebraucht werde - nun, der Begriff wurde erst negativ, als die Landsknechte negativ wurden.
Solche Urteile wie das beanstandete sind in weiten Teilen ein Reflex auf die Machenschaften von rechts. Wie Kommentatorin Erchen in einem früheren, von He-Ka-Te- verfassten Artikel richtig schreibt:
Durch diese ganzen Symbolverbote wird den Nazis doch die Deutungshoheit überlassen, das ist in meinen Augen absolut kontraproduktiv. Man sollte eher versuchen, diesen Leuten die Symbole wieder zu entreißen, vielleicht durch Verwendung der Zeichen in rein ästhetischen Zusammenhängen wieder wertfrei zu machen, oder auf die ursprünglichen Deutungen hinzuweisen, oder zu entpolitisieren. Ich stelle mir das wahrscheinlich zu einfach vor, aber bald bestimmen Nazis den Symbolgehalt zu vieler Zeichen. Könnten sich ja mal `n paar Künstler was einfallen lassen. Ich sehe da noch ein Problem, in anderen Ländern ohne solche Verbote wissen die Bürger meistens, ah Nazis, aber wer schaut sich denn die Verbotslisten in Deutschland mal an. Könnte Öffentlichkeit nicht das Problem eher bewußt machen als Verbote?Wozu nochmals zu sagen wäre, dass das Verbot ja ein ganz bestimmtes Zeichen betraf. "Die Symbole wieder entreißen" kann man "den Leuten" nur, indem man sie des rechten Brimboriums entkleidet und - indem man nicht auf rechte Züge aufspringt, denn das ist hier ganz klar passiert: in bester Absicht haben sich viele vor den rechten Karren und das rechte Agenda-Setting spannen lassen, bzw. selber gespannt. Auch diese Bloggerin hätte googeln und sich sonstwie belesen können, bevor sie schreibt, dass "stilisiert" ein weiter Begriff sei - wie ich oben gezeigt habe, ist in diesem Fall stilisiert sogar sehr eng gefasst. Nicht umsonst tauchen in den ersten zehn Hits zum Thema gleich zwei der berüchtigtsten Rassistenblogs auf: Kewil und die Grüne Pest. Googelt man sich weiter durch, so findet man unter denen, die sich über das Verbot aufregen, fast überwiegend Seiten brauner Provenienz - und einige linke Seiten, die, nachdem sie festgestellt hatten, dass sie "dagegen" sind und dies zu Pixel brachten, es dabei bewenden ließen.
Jochen bringt es auf den Punkt:
Wir müssen nicht die Symbole bestrafen sondern die Leute, die sie umdeuten.
Richtig!
Zur Umdeutung erstmal einige weitere Beispiele:
Wie soll man wissen, dass die Metal-Szene wirklich nur Musik machen will, wenn man das liest?
Versucht man, die Umdeutungen klarzustellen, hält die Rechte dagegen:
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oder:
"La faccetta nera" war das Marschlied des faschistischen Abessinienfeldzuges.
Das Netz gegen Nazis hat unter der Rubrik "Seziertisch" ebenfalls angefangen, solche besetzten Begriffe zu beleuchten. Da sich auch die angebliche Anzeige auf "Thor Steinar" bezog, hier und hier die Direktlinks, mit denen die Besetzung und Verharmlosung aufgezeigt wird.
Es ist ein Katz- und Maus-Spiel, das zum Ziel hat, die Diskurse so zu besetzen, dass man die rechte Deutung zwangsläufig übernimmt.
"Der Löwe von Flandern" wird auch "das Tier"="de Beest" genannt: der Yelloman sagt richtig, dass man, wenn man sich das Logo richtig anschaut (klicken), den "SS-Blitz" in genau der Form sieht, in der er früher seine eigene Schreibmaschinentaste hatte. Zunächst hatte der Wirt, der das Lokal übernahm, sich - auch - dumm gestellt (in dem Posting kann man an den Fotos sehen, dass der "Blitz" aus der üblichen Topographie der Frakturschrift herausfällt), um dann, nachdem die einflussreiche jüdische Zeitung Joods Actueel sich der Sache annahm, die SS-Rune zu entfernen.
Doch dann:
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Für weitere "flämische" Versionen des stilisierten, na, Sie wissen schon: klick und klick.
Das letzte Mal wurde das Café in der Presse erwähnt, als sich unser Lieblings-Ex-Top-Ermittler hier nach seiner Verurteilung die Kante gab:
De laatste keer dat café De Leeuw van Vlaanderen de kranten haalde, was toen bleek dat Bart Debie er zijn verdriet was gaan verdrinken nadat hij onder andere wegens racisme en overmatig geweldgebruik definitief veroordeeld werd tot een jaar gevangenisstraf en ontzetting uit zijn burgerrechten (zie: http://aff.skynetblogs.be/post/5932875/dit-feest-kan-niet-meer-stuk-veroordeling-fuc).
Bei dieser Fete plapperte er übrigens folgendes aus, aber das sei nur am Rande erwähnt:We hebben leuke tijden beleefd in de coulissen, waar het cordon sanitaire al lang niet meer bestaat.
Deutsch:
Hinter den Kulissen hatten wir schöne Zeiten; dort besteht der Cordon sanitaire schon lange nicht mehr.Das glaubt man ihm unbesehen und das sollte man sich gut merken. Cordon sanitaire = Quarantänezone der demokratischen Parteien zum Ausschluss des VB von der Macht. Ja, und dann saufen sie alle im Löwen von Flandern: Hard-Core-Nazis, der Vlaams Belang und die Politiker der etablierten Parteien. Das wundert uns nicht. Daran werden wir uns gewöhnen müssen.
Und mit der Unklarheit über Begriffe werden Diskurse gekapert. Das neueste, worüber auch noch zu berichten sein wird - in Belgien wurde für eine alte, rechte Forderung, die auch von Teilen des VB vertreten wird, demonstriert: Die nach dem Krieg bestraften belgischen NS-Kollaborateure sollen rechtlich den Widerstandskämpfern und sonstigen, jüdischen und nichtjüdischen NS-Opfern gleichgestellt werden.
wird fortgesetzt
Tags für diesen Artikel: agenda setting, begriffe, desinformation, fest der völker, gransci von rechts, keltenkreuz, nazis, neonazis, neue rechte, neuheidnisch, neurechte, neusprech, newspeak, rechtsrock, umwortung
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und man kann sie teilweise sehr gut unterscheiden. das zusammenspiel von print produkten verrät meist als erstes den hintergründigen idealismus: schriftbild +aufmacher +titel +bandnamen. beispiele:
return to glory findet übrigens jedes jahr in belgien statt!! warum tun ihre majestäten dagegen nichts? nein, sie nehmen es scheinbar in kauf, das dieses pack alles ffür sich in anspruch nehmen und überfahren darf. keine trennung erwünscht?
more info: http://fightfascism.wordpress.com/2008/04/
Von mir schon, deswegen habe ich diese Serie jetzt angefangen - es wird eine Serie. Von rechts? Ganz klar: nein! Warum das so schwer ist? Lies mal einfach, wer da alles in diesem Café zusammen säuft, das ist nämlich bereits die Antwort. Genau deswegen ist das auch hier so schwer, was Wirksames hinzukriegen - ich sage nur: NPD-Verbot!
Was ich übrigens auch mit den beiden von Dir bemängelten Sachen ausdrücken wollte: für mich ist die zentrale Aussage: Nazi sein ist pop - im Video. Und mit dieser Aussage werden die Jungen eingafangen. Und das Konzertposter mit dem Grabkreuz: Ihr versucht zu trennen, wir gehen dazwischen.
Übrigens noch danke für den nützlichen Link!
BB
Wie soll man wissen, dass die Metal-Szene wirklich nur Musik machen will, wenn man das liest?
Versucht man, die Umdeutungen klarzustellen, hält die Szene dagegen
danach folgt das poster, dann das video. besser wäre gewesen, wenn sie geschrieben hätten
Wie soll man wissen, dass die Metal-Szene wirklich nur Musik machen will, wenn man das hintergründig und nachweisbar rechtsorientierte hier liest?
Versucht man, die Umdeutungen klarzustellen, hält die nazi Szene dagegen
sie unterstellen mir ich würde nicht dazwischen gehen wollen. irrtum, das mach ich sogar sehr nachdrücklich. aber bevor man dazwischen hauen kann muß man erst eindeutig trennen können sonst erwischt man nämlich auch die die man nicht treffen wollte.
was die majestäten angeht habe ich mich dumm ausgedrückt. ich hätte auch majoritäten schreiben könne und mein damit nur die lleute die verantwortlich sind
sie unterstellen mir ich würde nicht dazwischen gehen wollen.
Anscheinend habe ich wieder den Fehler gemacht, nicht dran zu denken, daß auch mal jemand neu auf dieses Blog kommt, sorry for that. "Die", die da nicht nur in Belgien, sondern auch hier "zusammen saufen", sind die Nazis, die Parteien und Gruppierungen á la Vlaams Belang und halt eben auch Politiker aus etablierten Parteien. Das hat derjenige ausgeplaudert, den ich hier zitiert habe, ein wegen Gewalttaten verurteilter ex-Polizist und rechsextremer(ex?)-Politiker.
Das Problem ist, daß es nicht um Zähl-Mehrheiten geht, sondern daß diese Leute es schaffen, durch das "saufen gehen" (wobei ich das als Metapher sehen möchte) die Etablierten für ihre Politik einzunehmen. In Österreich ist die SPÖ dafür besonders empfänglich.
Gestern wurde das BKA Gesetz verabschiedet.
http://hahn.blogkade.de/
Tja, jetzt wird nichtmal mehr geschützt, was sonst nur dein Artzt weß, undundund...
Ansonsten bleibt es aber dabei, Juden nach Israel und Freiheit für Groß-Tibet?
[Quote]Juden nach Israel und Freiheit für Groß-Tibet?[/url]?
Und hier auf Duckhome liest Du das auch nirgends. Also, was soll das?