Der Herr Demant, seines Zeichens eine der "Spitzen" [Tagesschau.de] von Opel, besucht morgen Angela Merkel. Sie wollen sich dabei gemeinsam darüber austauschen, in welcher Krise ihre gemeinsame Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit gipfelt. Für ihn und die anderen "Spitzen" der deutschen Automobilindustrie gibts hier einen winzig kleinen Denkanstoss.
Werter Herr Demant
Sie und der Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz haben letzte Woche an Frau Merkel geschrieben. In Ihrem Brief haben Sie die Bundeskanzlerin um Hilfe, für das von Ihnen geführte Unternehmen, gebeten. Sie betonen zwar, daß es sich bei Ihrem Hilferuf nur um eine vorbeugende Maßnahme für einen "theoretischen Fall" handle. In der Medienwelt rauscht zwar etwas von zwei fehlenden Milliarden. Aber mal abgesehen von diesen theoretischen Fällen haben Sie doch auch ganz praktische Probleme. Ich meine damit nicht die "Finanzströme" an und aus den USA. Nein, Sie und Ihre Kollegen von der Automobilindustrie haben ein ganz reales Problem. Sie verkaufen einfach zu wenig Autos.
Das haben Sie offensichtlich auch erkannt. Nicht, daß Sie diese Tatsache einfach zugeben würden. Man kann es aber deutlich aus Ihren Forderungen an Frau Merkel herauslesen. So wünschen Sie sich beispielsweise eine "Verschrottungsprämie für Altautos". Doch die reicht Ihnen nicht. Sie hätten dann gerne auch noch "zinsgünstige Verbraucherkredite zum Kauf von Neuwagen". Herr Demant, ich bitte Sie. Wer soll denn diese "zinsgünstigen Verbrauerkredite" ausgeben? Die Banken, gar die Opelbank? Selbst wenn sich jemand findet, der solche Kredite ausgeben würde. An wen denn bitteschön?
Ich nehme mal an, Sie kennen den Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Aber sicher kennen Sie den und Herrn Kannegiesser. Schließlich ist Opel dort auch Mitglied. Diese Organisation hat sich in den letzten Jahren sehr unredlich darum bemüht, die deutschen Facharbeiter und den deutschen Mittelstand finanziell zu ruinieren. Das bevorzugte Ausplünderungsziel waren quasi potenzielle Opelfahrer. Zum Wohle der Superreichen war das Wohl der arbeitenden Menschen in Deutschland gleichgültig. Als es schlecht lief wurden die Löhne gedrückt und die Existenzängste der Menschen missbraucht. Der folgende kurze Aufschwung wurde nur ausgenutzt um immer höher Renditen und Erträge in die Taschen Weniger zu schaufeln. Die Mitarbeiter der deutschen Metallbetriebe hat man daran nicht beteiligt.
Im Gegenteil, die Dumpinglohnmentalität wurde gnadenlos weitergetrieben. Immer mehr feste Arbeitsverhältnisse wurden durch Zeitarbeitssklaven ersetzt. Auch bei Ihnen Herr Demant! In ihrer Vormontage schuften Zeitarbeiter von Wico für 7,50 Euro pro Stunde.
Damit sind wir denn auch am springenden Punkt. Was glauben Sie wie lange jemand mit diesem Stundelohn sparen muß, bis er sich Ihr billigstes Modell leisten kann? Der Basispreis des Opel Agila liegt bei 9990 Euro. Selbstverständlich ohne Überführung und Zulassung.
Nach dem Kauf müßen dann auch noch Geld für Versicherung, Wartung und Kraftstoff da sein. Ob da noch eine Steuer fällig ist spielt eigentlich keine Rolle. Denn ein Neuwagen dürfte für die meissten Lohnzurückhaltungsüber und Zeitarbeiter eh völlig illusorisch sein.
Sie Herr Demant haben einfach darauf gesetzt, daß die Deutschen für "ihr liebstes Kind" auch das Letzte geben würden. Was Sie und Ihre Freunde aber nicht bedacht haben, ist die Tatsache, dass wenn man den Menschen vorher schon das Letzte raubt sie es nicht noch einmal hergeben können.
So viel zur gegenwärtigen Situation. Erlauben Sie mir noch einen Blick in die Zukunft. Herr Demant wissen Sie was es kostet in Deutschland, einen Führerschein zu machen? Wieviele Eltern können ihren Kindern diese Ausbildung bezahlen. Welcher Jugendliche, der nach der Ausbildung nur einen schlecht bezahlten Arbeitsplatz bekommt hat das Geld dafür übrig?
Doch ohne Führerschein darf man kein Auto fahren. Das man Deutschland aber davon abhäng ist, dafür haben Ihre Lobbyisten gesorgt. Ohne Auto hat man es in einem autogerechten Land beruflich sehr schwer. Nicht jeder wohnt und arbeitet in einer Großstadt. So setzt sich der verhängnisvolle Kreislauf fort. Ich prophezeie Ihnen, dass Sie in Zukunft noch weniger Autos verkaufen werden.
Mit dieser kleinen Kausalkette wollte ich ihnen aufzeigen, wie Sie und Ihre Wirtschaftskameraden die Wirtschaft und auch das Unternehmen Opel selbst ruiniert haben. Das ganze Bankengesocks kommt dann noch als verdorbenes Sahnehäubchen dazu. Die Merkel wird, kann und will mit ihrem
"Schritt für Schritt mit der Situation vertraut machen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen"
daran auch nichts ändern. Da können Sie sich morgen mit ihr gemeinsam die Taschen volllügen. Davon werden Sie aber nicht mehr Autos verkaufen. Denn an dem Tag als die deutsche "Wirtschaftselite" das Prinzip "Wohlstand für alle" verraten hat, hat sie Säge an dem Ast angesetzt auf dem sie selber sitzt.
In diesem Sinne, möglichts wenig Erfolg
auf Ihrem falschen Weg.
J.F.
P.S.: An alle die bei Opel malochen, schuften und schaffen. Es hat nicht an Euch gelegen. Versaut habe es Andere. Am besten ist Ihr schmeißt die einfach raus.
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Bitte erlauben Sie mir noch einige Anmerkungen zu Diesem. Ich bin mir sehr wohl bewusst, "dass hier Arbeitsplätze dahinter stehen". Genau diese Tatsache ist ja auch der Grund warum ich das Handeln, der in diesem Beitrag angesprochenen Personen, so verwerflich finde.
Denn wie ist es denn? Normalerweise sind für Herrn Demant und Co. diese Arbeitsplätze lediglich "Kostenfaktoren". Erst wenn es darum geht die Politiker zu nötigen, werden daraus kurzfristig gefährdete Arbeitsplätze.
Nach erfolgten Subventionen, Steuergeschenken oder was auch immer werden sie dann wieder "Kostenfaktoren". Diese können dann bei "Konsolidierungen", "Kosteinsparungen", "Neustrukturierungen" usw. kaufmännisch behandelt werden.
Nein, das Geld nicht gut angelegt. Denn in meinem Artikel wollte ich darauf hinweisen, wo das eigentliche Problem liegt. Doch daran ändern Herrn Manager nichts. Sie machen einfach so weiter bis auch dieses Geld verbraten ist. Wenn nicht schon vorher, so kommen dann auch die entspechenden "Kosteneinsparungen".
So verlogen wie diese Leute mit der Krise umgehen, die sie selbst verbockt haben, so gehen sie auch mit ihren Mitarbeitern um.
Wir reden hier schon lange nicht nur von einem wirtschaftlichen Problem. Denn Wirtschaft wird von Menschen gemacht. Gemessen an der Verantwortung, die die Führung eines großen Unternehmens bedeutet, braucht man für diese Führung zuerst einmal ein hohes Maß an sittlicher Reife, Verantwortungsbewustsein und Engagement für das Unternehmen.
Leider sehe ich diese Eigenschaften bei den Allerwenigsten, der selbsternannten Wirtschaftselite.
Mit freundlichen Grüßen
J.Fuhrmann
Klar doch, die Gesinnspanne der Finanzinvestoren muß schließlich mit Steuergeldern gewahrt bleiben.
Das ist das Schlaraffenland der Finanzinvestoren: maximaler Gewinn ohne jede Gegenleistung!
mfg zdago
Dieser Beitrag hier hat aber mir dann doch so in den Fingern geribbelt (weil er mich wirklich innerlich berührt hat), dass ich doch ein paar Worte verlieren möchte:
Wie schon andere vor mir: volle Zustimmung, toller Inhalt.
ABER (und das muss ich als unverbesserlicher Kritikaster einfach loswerden):
Wen hat es im Westen (und damit meine ich auch die arbeitende Masse) in den ersten Jahren nach der Wende wirklich interessiert, dass es das in der jüngeren Geschichte schon mal alles gab: und zwar in Ostdeutschland? Im Gegenteil, jeder "Wessi" war ein Fachmann/Experte in Fragen Ostindustrie im bester Bildzeitungsmanier, selbst die, die nie da waren!
Allein in meiner unmittelbaren Exheimat im Umkreis von ca. 30 km wurden mehr oder weniger in wenigen Jahren aus allein drei großen Industriebetrieben mit ungefähr zusammen ehemals knapp 20.000 Beschäftigten "Klitschen" mit heute je 600-800 Beschäftigten gemacht, oder besser endindustriealisiert! Und es gab keine Kanzlergespräche, keine Hilfsschirme des Staates oder was auch immer.
Deshalb, und die Betroffenen möchten mir moralisch verzeihen, ist es mir scheißegal (aber keine Häme), dass jetzt als "Letzte" die westdeutsche Großindsutrie dran ist!
Vielleicht war Ostdeutschland ein Testfall, wie weit die NWO gehen kann? Wie auch immer, umso eher, hoffentlich schneller, und kraftvoller alles wie ein Kartenhaus zusammenfällt, umso eher ist ein wirklicher Neuanfang möglich.
Im übrigen ist mir aus gut unterrichteten Kreisen bekannt, dass in Kürze die Bayerische Landesbank krachen gehen wird und das dann gleich BMW (geb mal die Milliarden raus, Ehebrecherin Klatten) noch vor allen anderen Autobauern nach den Steuerhilfsschirm schreien wird!
Dazu IGM-Bezirksleiter Jörg Hofmann: "Für die vergangenen Jahre können wir feststellen: Der gesamtwirtschaftlicheVerteilungsspielraum wurde durch unsere Tarifpolitik ausgeschöpft" oder das Gewerkschafts-Institut WSI: "In den vergangenen zehn Jahren (…) habe die IG Metall mit ihrenTarifabschlüssen den neutralen Verteilungsspielraum im Wesentlichen ausgeschöpft,analysiert der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Dr. Reinhard Bispinck".
Das netto wenig übrig bleibt - da sind Ansprechpartner die Bundesminister für Arbeit und Soziales bzw Finanzen.
Und was die "Immer mehr feste Arbeitsverhältnisse angeht"... da ist ausgerechnet die M+E-Industrie die falscheste Adresse. Der jüngste Aufschwung war der beschäftigungs-intensivste seit Jahrzehnten: Vom Beginn der ansteigenden Beschäftigtenzahlen im April 2006 bis Juli 2008, also innerhalb von 27 Monaten, haben die Unternehmen der M+E-Industrie 249.000 zusätzliche Arbeitsplätze, und zwar Stammarbeitsplätze, geschaffen. Das ist ein Plus von über 7 Prozent – und eine historische Höchstleistung.
Und, noch einmal die Hans-Böckler-Stiftung: "Die Zahlen legen auch nahe, dass es bislang keinen weit verbreiteten Trend gibt, vollzeitbeschäftigte Stammarbeitnehmer durch Leiharbeiter zu ersetzen" (Böcklerimpuls, 20/2007).
Und die vielen Zeitarbeitnehmer, die jetzt insbesondere auch bei den Zulieferern "freigesetzt" werden, lassen sich auch nicht von Böckler "wegtrenden".
Hier ein Beitrag aus der Münsterländischen Volkszeitung, den ich im Netz gefunden habe: Nach Schätzungen von Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer stehen 80 000 Zeitarbeitsstellen in der Industrie und abhängigen Zulieferbetrieben auf der Kippe.!!
So so, es gibt also keinen Trend zur Zeitarbeit in der Metall- und Elektroindustrie bzw. hier genauer in der Autmomobilindustrie! Und Sie berufen sich auf die Hans-Böckler-Stiftung. War ein Fehler!
Denn für die Tagung der HBS am 14.11.2007 in Berlin hat Herr Jürgen Ulber einen Vortrag zum Thema Leiharbeit vorbereitet, den ich hier gefunden habe:(www.boeckler.de/pdf/v_2007_11_14_vortrag_ulber.ppt -). Zur Automobilindustrie geht es mit Chart 15 los.
Auf Chart 17 heißt es: Gut ein Drittel der Unternehmen setzen Leiharbeit dauerhaft auf Stammarbeitsplätzen in der Produktion ein.
Und das ist wirklich kein Trend? Stimmt eigentlich, es ist Praxis!
Darüberhinaus sind ZUSÄTZLICH noch Zeitarbeitnehmer eingesetzt worden. Und wenn die Aufträge nicht mehr so hoch sind, dann werden auch weniger Zeitarbeitnehmer benötigt. Genau für solche Spitzen war das auch gedacht.
Statistik fälschen können wir auch. Übrigens um es ganz deutlich zu sagen. Solange Pierer und Kannegießer uns die Brokat Affäre nicht erklärt haben ist Gesamtmetall für Duckhome eine kriminelle Vereinigung die Steuern hinterzieht um über die INSM die Menschen zu belügen.
Entschuldigung, dass ich das wohlige Einrichten in der eigenen Meinungswelt durch lästige Fakten gestört habe.
Dann lasse ich Sie in Zukunft wieder alleine.
Die Arbeitslosenzahlen sind ein Witz, das wissen wir alle. Es ist eine reine Lüge um die Bürger zu manipulieren. Dankenswerter Weise gibt es aber Leute die Monat für Monat diese Lügen berichtigen.
Wie gesagt alles was aus der Gegen Gesamtmetall und Kanngiesser kommt ist verdorben. Ihr schmutziger Verein ist über die INSM einer der Hauptschuldigen an der deutschen Misere und ich freue mich auf den Moment wo Deutschland wieder vom Volk regiert wird, der nicht allzufern sein dürfte. Wir werden viele neue Gefängnisse für die Helden von INSM und Gesamtmetall bauen.
Hier geht es aber um die Automobilindustrie und die hat keine zusätzlichen Stellen geschaffen. An diesem Punkt möchte ich Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) in München zitieren, der am 24.09.2007 bei manager-magazin.de schreibt (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,506429-2,00.html):
... 2006 zählte die deutsche Autoindustrie 780.000 Beschäftigte, zwei Prozent weniger als 2005 und insgesamt bereits 22.000 weniger als 2004. Der Abstieg vom Beschäftigungsgipfel hat also bereits begonnen, nachdem während der scharfen Rezession Anfang der Neunzigerjahre mit 640.000 Beschäftigten schon einmal ein Tiefstand erreicht worden war. ...
Ich war selber in einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt. Ein Jahr wurde ich immer von der selben Firma "entliehen", bis ich selbst gekündigt habe. Noch heute treffe ich Kollegen, bei denen diese "Spitze" nun schon über zwei Jahre andauert.
Leider weiß ich nicht was Sie unter einer "Spitze" verstehen. Ich verstehe darunter ein Niveau, das eher steil ansteigt und kurz danach auch wieder schnell abfällt.
Wenn Sie eine, auf gleichem Niveau, geradlinieg verlaufende Linie meinen, dann verstehe ich natürlich ihre Argumentation. Insofern haben Sie recht. Allerdings sollten Sie dann einmal ihr Verständnis über die Interpretation von Diagrammen überprüfen.
Immer noch freundliche Grüße
J.F.
http://www.blogsgesang.de/2008/11/17/merkel-und-steinmeier-wetteifern-bei-subventionierung-der-klimakatastrophe/