Wer denkt bei einem Igel schon an etwas böses. Der gemeine Igel ist ein sehr nützliches Tier, was man von dem gemeinen Igelarzt mit Sicherheit nicht behaupten kann. Der Igelarzt beschäftigt sich nämlich nicht, wie der Name vermuten ließ mit Igeln, sondern mit IGeLn, sogenannten "Individuellen Gesundheitsleistungen".
Diese sind laut AOK in erster Linie um eine Marketing-Maßnahme der Ärzteschaft zur allgemeinen Gewinnoptimierung.
Der Begriff IGeL wurde 1998 von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eingeführt. Marketing-Gesichtspunkte standen dabei im Vordergrund. Mit der so genannten IGeL-Liste hat die KBV einen bis dahin bestehenden Grundkonsens mit den gesetzlichen Krankenkassen aufgekündigt: Ärzte und Krankenkassen definieren einvernehmlich den Umfang einer wirtschaftlichen, ausreichenden und zweckmäßigen ärztlichen Versorgung.
Lukrative zusätzliche Einnahmequelle
Der IGeL-Katalog umfasst inzwischen fast 250 Zusatzangebote. Sie werden in der ärztlichen Fachpresse und auf Kongressen massiv beworben. IGel gelten als willkommene Möglichkeit, lukrative zusätzliche Einnahmequellen für Ärzte und Zahnärzte zu erschließen oder Umsatzverluste auszugleichen. Ärzten wird geraten, ihrer jeweiligen Patientenklientel gezielt Zusatzleistungen anzubieten. Das reicht von zusätzlichen Vorsorgemaßnahmen über Reisemedizin und Naturheilverfahren bin zu Anti-Aging-Maßnahmen.
Wenig Sinnvolles, viel Überflüssiges
Einige der ärztlichen Zusatzleistungen sind durchaus nützlich, zum Beispiel eine reisemedizinische Beratung. Viele sind jedoch schlicht überflüssig. Einzelne Angebote sind dagegen medizinisch umstritten und können sogar gesundheitsschädlich sein. Im Bereich der Vorsorge können etwa unzuverlässige Diagnose- und Behandlungsmethoden Patienten in falscher Sicherheit wiegen oder sie unnötig in Sorge versetzen.
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, wäre da nicht das besondere Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Ausgehend vom Schamanen, über die Druiden und Medizinmänner bis in die heutige Apparatemedizin war ein wesentlicher Teil des Behandlungserfolges der Glaube an den Arzt, zumindest soweit es die Heilung betrifft. Der Patient wird von unserem Gesundheitssystem sogar dazu gezwungen sich einem Hausarzt anzuvertrauen, der genau zu einem Facharzt überweist. Vergleichsbesuche bei mehreren Ärzten sind aus Kostengründen ausdrücklich nicht erwünscht.
In dieser Abhängigkeitssituation kommt also der Arzt, umgeben mit dem mythischen Schleier des Heilers und verordnet. Der Arzt muss sich dabei beeilen, weil Beratung ja nicht bezahlt wird, der Patient versteht im Normalfall von der ganzen Sache überhaupt nichts, was auch nicht unbedingt verkehrt ist, weil neunmalkluge Eigendiagnostiker per Internet, auch eine ziemliche Seuche sind und mehr Schaden anrichten, als Nutzen. Aber wenn der Arzt aus dieser Vertrauenssituation dem Kunden ein Geschäft anbietet und nichts anderes sind IGeL-Verkäufe, dann hat er einen mächtigen Hebel in der Hand.
Wollen wir von einem Patienten wirklich verlangen, das er dem Arzt, dessen Behandlungskünsten er sein volles Vertrauen schenkt und auch schenken soll, an dieser Stelle widerspricht. Geht doch gar nicht. Wenn er den Arzt hinterfragen soll, dann muss er das immer tun. Bei jeder Rezeptur, bei jeder Untersuchung. Er muss den Arzt als gerissenen Verkäufer von wertlosen Dienstleistungen sehen und unterscheiden zwischen faulem Zauber und echter Notwendigkeit. Der Patient müsste selbst Arzt sein. Aber wir wissen gleichzeitig das der Anwalt der sich selbst verteidigt den schlechtesten Verteidiger hat.
Abschlüsse über IGeL-Leistungen kommen also aus einem Umfeld das für solche Geschäfte ausdrücklich nicht geeignet ist. Sie sind in den meisten Fällen, in denen sie vom Arzt angeboten werden, Betrug.
Dabei soll ausdrücklich erwähnt werden, das es natürlich umstrittene Leistungen, Behandlungen und Medikamente gibt, deren Einsatz sich in einem genau ausgeloteten Umfeld und nach sehr ausführlicher Beratung als sinnvoll erweisen kann.
Auch wenn ich für mich z.B. Homöopathie oder gar Bachblüten, als Schwachsinn abtue, komme ich nicht um hin, zu resümieren, das die Homöopathie zumindest bei einem Pferd scheinbar genutzt hat und die Bachblüten einen Hund wieder hochbrachten. Aber da gleichzeitig andere Behandlungen liefen, sind das eben keine Beweise, sondern Bauchgefühle.
























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