Kurze Geschichtsaufklärung:
Am 23. April 1885 erklärte
Leopold II. - natürlich wieder mal mit Hilfe der Amis, welche hier nicht ohne Interessen waren/sind - sich zum Eigentümer des
Kongo, Ruanda, Burundi und erließ eine - auf sich zugeschnittene - völkerrechtswidrige Verfassung für den zentralafrikanischen Speiseteller. Damit gab er sich - und den Industriellen - den Freischein zur Ausbeutung und Versklavung von Millionen Zentral-Afrikaner.
Gold, Kupfer, Kobalt, Coltan, Kassiterit=Zinn, Diamanten, Gummi, Menschen etc. - Alles „Ware“, die Belgien, im frühen 20. Jahrhundert, nach oben in der Skala der reichsten Länder überhaupt katapultierte. Menschen wurden zur Zwangsarbeit gezwungen, und wer sich verweigerte, wurde härtestens bestraft. (Viele, die zu schwach, zu alt, zu jung waren, das geforderte Tempo beizubehalten, wurden - im günstigsten Fall – ausgepeitscht oder schlimmer noch: verbrüht. Gliedmaßen wurden ihnen abgeschlagen, sie wurden sonstwie verstümmelt oder simpel: eliminiert!)
Nun wurde die Ausbeutung des Landes nicht im Tausch für die Unabhängigkeit vollzogen. Es wurde und wird immer weiter fleißig ausgebeutet, und der Konflikt und Interessenkampf, gesteuert durch anglo- und frankophile Interessengruppen, im Namen der Trilateralen Kommission - treibt weiter sein Unwesen in dieses ausgeblutete Land. Sei es Ruanda oder der Kongo ... Die ihrer Fischgründe beraubten „Piraten-“Fischer vor der Küste Somalias, oder der Rest des Afrikanischen Kontinents ... Immer wieder werden ethnische Gruppen (im zentralen Gebiet die Tutsi und Hutu) gegeneinander aufgehetzt und dazu animiert, sich gegenseitig ab-zu-schlachten; während die (weißen) Regisseure dieses grausame Spiels ihre blutverschmierten Finger in Unschuld waschen und fleißig ihre Scheinchen zählen.
Nun zu den Zinn-Sklaven ... Hier gibt es eine „wunderbar“ fotografierte und kommentierte, kurze, aber frappierende Dia-Reportage der N.Y.T.:
A Scramble for Tin in Congo
Hier „arbeiten“ Tausende und Abertausende unter unmenschlichen Bedingungen in den finsteren, Hunderte von Metern im Berg vorgetriebenen Gräbern des Zinn-Abbaus. Hoffnungslose Tagelöhner ...
Träger brechen zusammen unter der Last der zentnerschweren Säcke Zinnerz, welche sie – über unmenschlich lange Strecken - in Tagesmärschen zur nächsten befahrbaren Trasse schleppen, dies, mit jedem Schritt tiefer und tiefer in den schlammigen Boden einsinkend. Immer mehr ein Stückchen krepierend. Warum all dies? Nun ja ... Wir Zivilisierten brauchen ja dringend den Zinn, für unsere Notebooks, unsere Industrie, unser Wohlstands-Empfinden. Ja, lieber „Gott“ ... Wir sind wirklich abhängig, sogar fast süchtig nach Blut und Schweiß dieser armen „Schweine“. Hier schreibt der Autor des Artikels:
Congo's Riches Looted by Renegade Troops passend
„Each man a link in a long global chain ...„
Diese modernen Sklaven werden durch abtrünnige, plündernde und raubende Söldner-Soldaten bewacht, bestohlen, geschlagen und ermordet ... Der Zutritt zum Berg kostet. Das Verlassen des Berges kostet. Das Atmen am und im Berg kostet ... Die Miete für eine Hundehütte im Schlamm beträgt $50/Monat. Essen und Getränke, die Lebenshaltungskosten überhaupt sind bis zu sechsmal so teuer als sonstwo im Land ... Den Arbeitern bleibt am Ende des Monats eigentlich garnichts, oder sogar Schulden, welche dann weiter abgearbeitet werden müssen. Der Anführer dieser Bande, Colonel Matumo, und sein Haufen kassieren, besteuern, erpressen hier jährlich angemessene ca. $80 Millionen. Was die Auftraggeber dieses Herrn, auf welchen westlichen Chefsesseln sie auch immer sitzen mögen, hieran täglich verdienen, dies kann man sich fast ausrechnen. Sie aber, die Erz-Wühlmäuse, sie bekommen fast gar nichts dafür, dass sie sich täglich in den Tod hineingraben ... Hier dürfen auch nicht die Frauen vergessen werden, welche genauso wie auch Kinder – im Schlamm arbeiten, vegetieren, krepieren müssen. Für die Mädchen und Frauen ist das ganze noch eine Nummer härter, den sie müssen sich zusätzlich auch noch verkaufen, an Soldaten, Arbeiter (falls sie nicht sowieso vergewaltigt werden) ... All dies fürs schlichte Überleben ...
Wir mögen uns vielleicht in weltweiten Blog- und sonstigen Debatten über Schäubles, Bushs, Obamas oder Sonstiger Wahn; über den sterbenden Bänker-Schwan, abgedrehte Glatzen, den Mehlanteil in unseren Cornflakes oder den aus humanistischer Sicht wirklich belanglosen Busen-Ausschnitt der Kanzlerin unterhalten, und sicherlich sind manche Themen wirklich brisant und es auch wert, diskutiert und beobachtet/verhindert zu werden ... Aber ... diese Menschen, dort drüben, en Afrique – sie kämpfen jeden Tag erneut ums nackte Überleben. Sie kämpfen tagtäglich darum, nicht vertrieben, nicht beraubt, nicht ausgebeutet, nicht vergewaltigt, nicht verstümmelt, nicht abgeschlachtet zu werden ... Immer noch ... Immer wieder...
Zu oft wird anscheinend vergessen, dass es sich hier um
Menschen anderer Hautfarbe und nicht um - zur Benutzung und für Versuche freigegebene - Tiere (was auch wieder ein grausames Kapitel für sich ist) handelt ... Seit Mitte der Neunziger starben alleine im Kongo-Delta an die
5 000 000 (5 Millionen) Menschen durch Vertreibung, Vergewaltigung, Hunger, Krieg ... Man zähle die im Ruanda-Genozid, innerhalb von ein paar Wochen ca.
1 000 000 Abgeschlachteten dazu ... All dies dafür, dass wir unseren Luxus weiterleben können und sogar wie ich, just in diesem Augenblick, in die Tasten hauen können ... Auch hier sollen wir unsere lieben Statistiker mal wieder hochrechnen, relativieren und erklären lassen, ob sich all dieses Elend mit der menschlichen Moralvorstellung vereinbaren lässt ... Denen fällt hierzu bestimmt etwas sarkastisches ein ...
Die Deutsche Welle schrieb hier mal, aus meiner Sicht
mehr als zynisch
„Kongo: „Ein Land im wirtschaftlichen Aufbruch“ ...
Der Tagesspiegel war hier schon
direkter und klarer: Kongos Bodenschätze. Reichtum und Fluch.
Rechtschreibefehler bitte ich zu entschuldigen, da deutsch nicht meine Mutterssprache ist.
Disclaimer: Durch meine persönliche- und die vom System vorgenommene Linksetzung auf ähnliche Artikel dokumentiere ich diese nur und mache sie mir nicht "zu eigen" oder vertrete direkt deren Meinung. "Ähnlich" ist ein weiter Begriff...
Ethno-Fassade
Ruandas Krieg in Ostkongo wirft die Frage nach den Hintergründen des Völkermords von 1994 auf
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Ruanda/1994.html
Von Gerd Schumann
Textauszug:
"[..]Auch bei der seit August geführten Militäroffensive unter Nkunda handelt es sich um den Versuch Ruandas, seinen Zugriff auf die ungeheuer wertvollen Bodenschätze der Region zu sichern, wenn möglich dauerhaft. Der Tutsi-Rebellenchef nimmt dabei die Rolle eines Statthalters von Ruandas Präsidenten ein. Dieser wiederum konnte sich bei seinem Geschäft als Oberhändler für Coltan, Kobalt, Gold und Diamanten auf der »Drehscheibe Ruanda« auf die Rückendeckung seiner Abnehmer im Norden der Erdkugel verlassen. Insbesondere die USA, wo Kagame militärisch ausgebildet wurde, aber auch die ehemalige Kolonialmacht von »Deutsch-Ostafrika« hofieren den Präsidenten. Bisher.
Am Dienstag (11. Nov.) besuchte Kagame seine Vertraute Kabuye im Frankfurter Knast. Der Präsident weilte gerade in der Finanzmetropole am Main: Die Börse hatte ihn eingeladen – unter anderem zu einem Vortrag vor Geschäftsleuten. Nun steht die Auslieferung seiner Protokollchefin und RPR-Mitkämpferin von Deutschland nach Frankreich unmittelbar bevor. Oder doch nicht? Kagame pocht auf die »diplomatische Immunität« Kabuyes. Sie sei in offizieller Mission nach Deutschland gereist, so der Präsident."
desweiteren:
Ein hilfloser Appell
In Ostkongo droht ein Völkermord, die Drahtzieher sind bekannt – aber der UN-Generalsekretär absolviert einen erbärmlichen Gipfelauftritt
Von Raoul Wilsterer
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Kongo/gipfel.html