Heute bin ich selbst alt. Und so allmählich verstehe ich, warum meine Oma damals regelmäßig zum Fest weinte. Ja, es ist schön zu Weihnachten. Aber das ist nicht der Grund.
Es ist ein ganz anderer.
Es ist das Gefühl, welches einen umgibt, festzustellen, dass ausgerechnet und meist "nur" zu Weihnachten die Menschen, die Familien beisammensitzen und so tun, als ob sie sich alle ganz dolle lieb hätten. Während der Heilige Abend sich zum Ende neigt, leben in der Gesellschaft Menschen, die nicht zusammensein können. Sei es, weil der Papa evtl. im Krieg ist, oder weil es die finanziellen Mittel einfach nicht zulassen. Was aber, frage ich mich regelmäßig, hat Weihnachten eigentlich mit Finanzen zu tun? Wenn wir in uns hinein horchen ... eigentlich nichts. Es geht also auch nicht um die finanzielle Not, Weihnachten nicht feiern zu können. Der Geist der Weihnacht - wo ist er hin? Und warum soll es ihn nur zu Weihnachten geben?
"Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", lautet es immer wieder - wäre demnach nicht Weihnachten die beste Möglichkeit, gleich damit anzufangen und es somit nicht bei den hohlen Phrasen zu belassen?
Wir Menschen sollten uns auf unsere Werte besinnen - nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern ganz generell. Frieden ist möglich, wenn wir es denn nur wollen - wenn wir auf die Worte aller Religionen hören und Nächstenliebe wieder zu unserem Ersten Gebot machen.
Menschen helfen, die in Not geraten; da zu sein für die Probleme Anderer - ihnen zuhören, sie festhalten, sie stützen, sie akzeptieren, tolerieren und sie respektieren - alle, ausnahmslos. Eine gute Tat zu Weihnachten? Nein - jeden Tag eine gute Tat!
Das hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun. Das ist der Geist der Weihnacht, der zu jeder Zeit im Jahr möglich ist!
Denn, wenn es an Weihnachten fast nichts zu beissen gibt, dann ist das sehr wohl ein Problem. Ausser trocken Brot, einige Kekse die jemand gebracht hatte, 6 Kartoffeln und etwas Margarine, war letztes Weihnachten bei uns nichts mehr im Haus.
Auch das haben wir überstanden.
Ich weine nicht an Weihnachten, denn ich weiss um die Verlogenheiten, die zu allen Zeiten unter den Menschen existieren. Von der Nächstenliebe lasse ich mich auch nicht abbringen, weil es das Einzige ist, das gegen den ganzen Schwachsinn in der Welt ein Gegengewicht herstellt.
Ich wünsche den Menschen, die sich das noch bewahren konnten, dass sie sich nicht beirren lassen.