In der Sache Udo Ulfkotte und Pax Europa gegen Jochen Hoff steht die mündliche Verhandlung in der Berufung an.
Termin: Donnerstag, der 4.12.2008
Zeit: 11:00 Uhr
Ort: Oberlandesgericht Frankfurt am Rhein
Straße: Zeil 42
Saal 107
Natürlich würde ich mich über zahlreiches Erscheinen von Bloggern freuen, möchte aber zugleich vor zu hohen Erwartungen warnen. Vermutlich wird auch dieser Prozess verloren gehen und ein glückliches Ende erst bei einem europäischen Gericht erreicht werden können. Der Vorsitzende Richter Jürgen Maruhn hat zwar in der Sache
Henryk M. Broder ./. Abraham Melzer und Hajo Meyer ein Urteil mit einer ungewöhnlichen Sicht der Dinge gefällt, aber niemand weiß, ob er auch in diesem Fall die Dinge einmal anders betrachten will.
Natürlich hat die Zeit einige meiner Aussagen über Pax Europa und Dr. Udo Ulfkotte bestätigt. Bei Pax Europa ist die Entwicklung am deutlichsten, wie der
angebliche Karikaturenstreit beweist. Ob das und die vielen anderen Vorkommnisse um Udo Ulfkotte allerdings reichen und ob ich in der Lage bin, sie dem Gericht zu erläutern, bleibt abzuwarten. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht.
Eine Reihe von Leuten hat mich gefragt, warum ich mir das überhaupt antue und diese Leute haben eine Antwort verdient. Ich will nicht feige wegsehen. Natürlich bin ich genauso feige wie alle anderen Menschen, vielleicht eher noch feiger. Aber ich habe ein Beispiel vor Augen, das ich einfach mal erzählen muss.
Ich hatte mir nach einem Kommentarwechsel mit der
"Deutschland Debatte" den Namen Ulfkotte auf einen der vielen elektronischen Notizzettel geschrieben, mit denen ich mein Schreiben vorbereite. Aufgrund dieses Zettels betrat ich die Seite Akte Islam von Dr. Ulfkotte und seinem Pax Europa.
Ich war zu dem Zeitpunkt noch ziemlich uninformiert, was bei den Islamophoben so getrieben wurde, und ich war entsetzt. Das Bild, das da über Muslime gezeichnet wurde, war so abschätzig, bösartig und ehrverletzend, wie ich es bis dahin nur in Nachdrucken und auf Fotos des Stürmer zum Thema Juden gesehen hatte oder aus den Wandermärchen über die Untaten der Zigeuner, Juden, Katharer, Waldenser und Hussiten kannte. Alle schlechten Eigenschaften dieser Welt wurden den Muslimen zugeschrieben. Und zwar allen Muslimen, ohne jede Differenzierung. Innerlich kochte ich vor Wut.
Denn ich kannte zu diesem Zeitpunkt schon viele Muslime, und die meisten davon waren vollständig in Ordnung und nette Leute, die auch nur ihr Leben leben wollten. Ich bereitete mich also darauf vor, einen Text gegen diese gemeine Seite zu schreiben, ging aber der Sache noch genauer nach. Dabei stieß ich auf folgende
Aufforderung zur Denunziation. Das schlug dem Fass den Boden aus. Denn so etwas kannte ich schon, oder besser, ich hatte davon gehört.
Es war die gleiche Geschichte, nur dass es nicht gegen Muslime, sondern gegen Juden und Kommunisten sowie andere angebliche "Volksverräter" ging. Da hing auch nicht ein Marienbild wie bei Ulfkotte, sondern ein Bild des Führers. Aber Machart und Beweggrund waren für mich gleichartig. Aus einer Familie kommend, die mehr als belastet war, aber eisern schwieg, habe ich schon früh angefangen, nach persönlichen Erfahrungen zu bohren. Erfahrungen von Tätern und Opfern. Beide waren eher zugeknöpft, aber ich habe viele geknackt. Stoff für mehr als ein Buch, das ich dann doch nie geschrieben habe, weil es in dieser Form niemandem genützt hätte.
Eine dieser Geschichten spielte im Ruhrgebiet, in einer Krupp-Siedlung, nach dem Reichstagsbrand und als die Hatz auf Kommunisten und Sozialisten schon in voller Breite ablief. Diese Krupp-Siedlungen waren alle gleich erbaut. Steiger- oder Vorarbeiterhäuser waren so gelegt, dass man aus ihnen den Verkehr in der Straße beobachten konnte.
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Das Ziel dieser
Siedlungen (Bild 37) war, die Totalkontrolle über die Arbeitnehmer in Beruf und Freizeit zu haben. Da konnte niemand ohne aufzufallen betrunken über die Straße taumeln oder spät aus Parteiversammlungen kommen oder zu ihnen gehen. Aber die Margarethenhöhe ist nur ein Beispiel, ich weiß nicht mehr, um welche dieser Siedlungen es ging. Aber sie waren alle praktisch gleich.
Der Mann, der mir diese Geschichte erzählte, war damals noch jung, 25 oder 26 Jahre alt, und er war Kommunist. Ein echtes Mitglied der kommunistischen Partei. Auf seiner Arbeitsstelle waren die meisten bei den Kommunisten. Er verstand die meisten Anliegen nicht, er war dumm, aber er wollte dabeisein, also wurde er Kommunist mit Parteibuch. Er war glücklich.
Nach dem Verbot der KPD hatte er sein Parteibuch und die wenigen Papiere, die er hatte, erst versteckt und später dann verbrannt. Er wusste, dass die Partei die Mitgliederlisten auch vernichtet hatte. Er war froh und versuchte unauffällig zu sein. Menschenansammlungen ging er aus dem Wege, denn er hatte Angst. Angst geschlagen zu werden. Er war, wie er mir mehrfach versicherte, feige.
In das ehemalige Steiger- oder Vorarbeiterhaus, das seine Straße kontrollierte, zogen Nazis ein, und vorne am Platz wohnte in einer ehemaligen Wohnung eines Leitenden Mitarbeiters ein Parteibonze, der als erstes vor seinem Haus einen Kasten aufstellen ließ, wie er bis heute für Ankündigungen gebraucht wird. Massives Holz mit einer Front aus Glastüren. Darunter hing ein Briefkasten.
In dem Kasten hing ganz oben ein Band mit der Aufschrift "Der Führer braucht dich", dann ein Führerbild und darunter "Melde Voksschädlinge" - mit einem Pfeil, der auf den Briefkasten zeigte. Nicht sehr professionell, aber doch zielführend. Es gingen Meldungen ein. So wurde sein Arbeitskollege verhaftet. Auch ein Kommunist wie er, nur ein viel überzeugterer. Aber der schwieg eisern, wie die anderen. Allerdings hatten die Freunde des Sohnes vom Parteiführer mit dem Führerbild im Vorgarten, und auch dessen Sohn, ein Fähnleinführer, die Gelegenheit genutzt, Keller und Wohnung des Mitgenommen zu durchsuchen, und waren fündig geworden.
Neben etwas Geld, hatten sie auch Listen und die Eintrittserklärung in die KPD des Mannes gefunden, der mir seine Geschichte erzählt hat und der nur seine Ruhe haben wollte. Mit der Ruhe war nun nichts mehr. Zuerst schlugen sie ihn mit vereinten Kräften zusammen. Wie gesagt, er war kein Krieger, aber dann zeigten sie ihm den Zettel, und er wusste, dass er verloren hatte. Er musste ihnen Teile seines Lohnes geben, und immer wenn er an der Stelle mit dem Führerbild und dem Briefkasten vorbeikam, was er zwangsläufig mindestens zweimal täglich tun musste, und die Jungs gerade da waren, tat einer so, als würde er den Zettel hineinwerfen, was sein Ende bedeutet hätte.
Sein Leben war nur noch eine dunkle Wolke, aber er wollte ja nicht kämpfen, und wegziehen ging schon gar nicht. Er war ausgeliefert. An einem Abend kam er spät von einer Versammlung im Betrieb. Er hat mir nicht erzählt, worum es ging, aber er wollte schnell nach Hause und ging durch einen kleinen Park. Dort hatte die Horde ein Mädchen in der Mache und war gerade beim schönsten Vergewaltigen.
In dem Feigling platzten alle Sicherungen. Er warf sich auf die Jungs, und seine Angst und Wut verliehen ihm Riesenkräfte. Er konnte das Mädchen befreien, eine Halbjüdin. Aber er hörte sie hinter ihm her gröhlen, dass er nun dran sei. Um fünf Uhr in der Frühe am übernächsten Tag kamen sie ihn holen. Er war in drei KZs, bevor er befreit wurde. Als ich mit ihm sprach, war er nicht mehr feige. Aber er war ein trauriger Mann. Hätte er früher gekämpft, hätte er das Leben und die Freiheit gewinnen können. Aber weil er nur seine Ruhe wollte, hat er nicht gekämpft und Freiheit sowie große Teile seines Lebens verloren.
Nein. Wir haben in Wirklichkeit keine Wahl. Immer dann, wenn die Freiheit, Würde oder das Menschenrecht anderer angegriffen wird, müssen wir kämpfen. Möglichst früh. Möglichst hart zuschlagen. Was man vielleicht noch im Keim ersticken kann, könnte sich zu einem Großbrand entwickeln. Man darf nicht wegsehen. Wer einmal wegsieht, hat verloren. Dem bleibt dann nur noch die Scham über sich selbst.
Ob ich heute noch genauso schreiben würde? Schwer zu sagen. Ich bin gewitzter geworden. Ich würde weniger deutlich schreiben, ein paar "vielleicht", "vermutlich" und ähnliches einwerfen. Aber in der Sache? - In der Sache hat sich nichts geändert. Ich schreibe auch heute noch über Ulfkotte. Weniger oft als früher, er ist ja auch längst von anderen Göttern und Führern abgelöst worden. Aber ich habe immer ein Auge auf ihn. Wehret den Anfängen!
"Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin . . . dann kommt der Krieg zu Euch!
Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und lässt andere kämpfen für seine Sache, der muss sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."
Wie wahr, wie wahr!
Offtopic:
Ich finde die Google-Anzeigen klasse:
Prozessoptimierung
Wir analysieren und optimieren Ihre Prozesse
:-D
In diesem Sinne wünsche ich Dir eine gute Reise und eine sichere Heimkehr. Wie ich lese segelst Du unter richtiger Flagge. Darum hoffe ich auch für Dich.
Viele Grüße
Jörg Fuhrmann
Ja ich glaube das die ich die richtige, vor allem aber die ehrlichere Flagge gesetzt habe. Nun braucht es nur noch eine frische Brise und das wird schon.
Spätestens vor dem europäischen Gerichtshof.
Süss fand ich aber deinen Trollbrief an den Bundestagstypen.. vielleicht verkörperst Du ja wirklich den "gerechteren Volkszorn" oder was auch immer Du glaubst.
Aber mal nebenbei. Tut gut mal wieder als Rechter bezeichnet zu werden.
Kein israelischer Rechtsextremismus - kein Irakkrieg - keine Wirtschaftkrise, wäre möglich gewesen. Auf diese Weise seid ihr Jubelperser eben tragisch mit schuldig an eurer Marginalisierung.
Was im mittleren Osten an staatlichen Verbrechen abgeht ist etwas ganz anderes deine kindische Prozesshanselei um zulässige Formulierungen im Internet.
Aber als Jubelperser hat mich noch keiner gesehen. Vielleicht solltest du mal zum Optiker gehen. Der könnte dir die Weltsicht gerade rücken.
Hättest Du ein paar Zitate? Wenn Dir Jochens Prozess am Arsch vorbeigeht- in Ordnung, aber was Du hier ablässt, spottet jeder Beschreibung. Ich glaube, Du bist verwirrt. Das passiert schon mal: wisch Dir den Schaum vom Mund und geh joggen! Und wechsle den Dealer. Soll manchmal auch helfen.
LG
Joergl.
Nach Lage der Dinge hab' ich da keine Termine.
Na denn, bis Donnerstag.
mfg
Ich wünsche dir die "richtigen" Worte.
Alles Gute, Jochen!
Ich wünsche allen Beteiligten viel Weisheit am Donnerstag.
R.H. aus W.
Die erste von ihm gegründete Truppe verteilt nun Zeichnungen im Stürmerstil, noch nur über Muslime, aber sicher bald auch wieder über Juden, Schwule und Kommunisten.
Wehret den Anfängen. Darum geht es.
Jeden Beweisantrag einzeln stellen. Dann muss das Gericht jedesmal die Verhandlung unterbrechen. Spätestens nach 3 Tagen ist es aufgeschlossener.
Das Verlesen längerer Schriftstücke durch den Vorsitzenden wirkt auch. Er war nach einigen Stunden völlig heiser. Einer der Beisitzer musste weiterlesen.
So weit ich über Einzelheiten der Ulfkotte-Prozesse informiert worden bin, haben Frankfurter Richter es bislang immer wieder abgelehnt, wichtige und eindeutige rechtsfindungerelevante Fakten als verfahrensrelevant überhaupt zu akzeptieren und deren Zeugnisse anzuhören. Vielleicht wollen sie ja in der Berufungsverhandlung diesem rechtsbeugenden Versäumnis nun abhelfen, bevor es vor dem Europäischen Gerichtshof dazu dann zu spät sein würde. - Du hast, Jochen, jedenfalls eine super Position, de iure, de facto und auch, was die Moralität betrifft. Im Grunde führst du einen Kampf für die Muslime, die von Herrn Ulfkotte ja in einer Weise angegangen worden sind, die den nüchternen Betrachter - abgesehen von Zeugnissen peinlicher Sensationslust - ja nur als übel herabsetzend empfunden werden kann.
Als Muslim wünsche ich dir für die Verhandlung den Segen des Herrn der Welten, Allâhs, subhanahû wa taâlas, die Unterstützung der Engel und der heiligen Propheten und den Segen der Auliya und der Sheikhs des ehrenwerten Ordens der Naqshbandiyya. - wa min allâh at-taufîq, fatiha.
Kämpfe!
Für ein lebenswertes Deutschland.
Viel Glück!
Morgen mittag sind wir in Gedanken bei dir, drücken ganz fest die Daumen und wünschen Dir alles Gute.