Nach seinem Austritt aus der SPD hat Wolfgang Clement WELT ONLINE ein Exklusiv-Interview gegeben. Während sein Austritt aus der SPD generell zu begrüßen ist, sind seine Gründe dafür doch ein wenig fragwürdig. Um nun Herrn Clements Wahrnehmungsvermögen etwas zu entstören, erlaube ich mir einige Bemerkungen zu seinem Interview.
Werter Herr Clement
Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie nicht mit "Sehr geehrter Herr" anrede. Aber dazu bin ich in Ihrem Fall einfach nicht in der Lage.
Sie sind nun also aus der SPD ausgetreten. Dazu möchte ich gerne einen Ihrer Ex-Genossen zitieren.
"Und das ist auch gut so."
Als ich, in der letzten Woche, die Nachricht gehört habe, war ich schon einigermaßen erstaunt. Mensch, habe ich gedacht, ist er wohl doch noch zur Besinnung gekommen. Es schien mir eine, wenn auch späte, aber doch richtige Erkenntnis Ihrerseits.
Doch was musste ich da heute bei WELT ONLINE lesen? Der Grund für Ihren Austritt war keineswegs das Ergebnis einer kritischen Selbstbetrachtung. Nein, Sie sind aus verletztem Stolz zurückgetreten. Die ganze Diskussion hat bei Ihnen lediglich zum Schmollen und zu einigen eigenartigen Ansichten geführt. Diese haben Sie in dem oben genannten Interview zum Besten gegeben. Leider kann ich dazu aber nicht schweigen.
Sie sind also der Meinung, dass die Rüge gegen Sie ein medienrechtliches Problem darstellt. Also, Herr Clement, noch ist es in Deutschland so, dass für medienrechtliche Probleme die staatliche Legislative und Judikative zuständig sind. Sie hatten sich lediglich vor einer Schiedskommission der SPD zu verantworten. In diese Partei sind Sie ja wohl 1970 freiwillig eingetreten. Schon damals hätten Sie sich ja über die dort geltenden Regeln informieren können. Mal abgesehen davon, dass Sie selber lange genug dem Vorstand dieser Partei angehörten. Wenn es Sie also bis dato nicht gestört hat, was soll dann jetzt dieser Quatsch?
In diesem Zusammenhang mal eine Frage. Wie steht es denn mit der von Ihnen reklamierten "Meinungsfreiheit", wenn sich ein führender Mitarbeiter von RWE Power oder Adecco kritisch zur Atomkraft oder dem System der Leiharbeit äußern würde?
Also wenn es diesbezüglich "ernsthafte Probleme" gibt, dann eher dort. Dementsprechend sollte auch eine verfassungsrechtliche Debatte folgen. In Ihrem Fall ist die allerdings überflüssig.
Auf die Frage nach ihren Gefühlen zu Ihrem Austritt geben Sie eine interessante Antwort:
"... für mich ist eine Partei nicht mehr und nicht weniger als ein Mittel zur Formulierung und Durchsetzung politischen Wollens."
Sehen Sie, Herr Clement, da liegt Ihr Hauptproblem. Sie haben nämlich bis heute nicht erkannt, wessen politisches Wollen es, in der SPD, durchzusetzen gilt. Wenn Sie das der Großindustrie meinen, war Ihre Wahl der Partei etwas unglücklich. Auch wenn Sie sich immer alle Mühe gegeben haben, die SPD in diese Richtung zu bewegen. Zum größten Teil waren Sie damit doch auch erfolgreich.
Im übrigen, wenn Sie sagen, dass ...
"Ich bin 1970 in eine Partei eingetreten, die ich als sozial und liberal empfand. Das ist sie heute offensichtlich nicht mehr."
... dann haben Sie damit sogar recht. Doch was stört Sie denn daran? Sie waren doch maßgeblich daran beteiligt! Wenn sich jemand das Ende des Sozialen bei den Sozialdemokraten auf die Fahnen schreiben kann, dann doch wohl Sie, Herr Clement.
Was die Zustimmung zu Ihrem Schritt betrifft, so täuschen Sie sich bitte nicht. Selbstverständlich bekommen Sie reichlich davon. Seien Sie sich sicher. Auch von mir würden Sie beim Bahnfahren oder auf der Straße einen zustimmenden Zuruf erhalten. Der wäre absolut ehrlich. Denn dass Sie endlich zurückgetreten sind, dürfte bei vielen Menschen Zustimmung auslösen.
Wenn Sie einmal auf einem Brückengeländer stehen sollten, werden Sie sich wundern, wieviel "zustimmende Zurufe" aus dem Kreise der vorbeigehenden HartzIV-Empfänger und Leiharbeiter kommen. Und wissen Sie warum? Weil das, was Sie als Ihren größten politischen Erfolg bezeichnen, für diese Menschen die Ursache Ihrer täglichen Probleme ist.
Nun noch ein Wort zum Schluss. Dass Sie und "führende Sozialdemokraten" Roland Koch als einen "sach- und fachkundigen demokratischen Politiker" schätzen, ist nicht neu. Schließlich haben ja auch Sie und die "führenden Sozialdemokraten" sich alle Mühe gegeben, Roland Koch zu unterstützen.
Warum sind Sie eigentlich 1970 nicht gleich in die Partei eines Roland Koch eingetreten. Dort könnten Sie "Ihre Meinung" ungerügt daherreden. Alles wäre viel einfacher gewesen. Für Sie, für uns und für die letzten aufrechten Sozialdemokraten.
In diesem Sinn: Schön, dass Sie weg sind - und einen Link nur für Sie.
Mit zustimmendem Zuruf
J. Fuhrmann
P.S.: Lieber Herr Schmid von WELT ONLINE - Ihr Satz ...
"Das hat ja ein bisschen was von chinesischer Kulturrevolution: Clement mit Papierhut."
... ist ein bisschen wie diese leidigen Hitlervergleiche.
Es fehlt noch der Wein zum Abend. Also heute ein 2007er Blaufränkisch Ried Hochäcker vom Paul Kerschbaum. Ein Roter mit großem Namen, von dem ich mir mehr versprochen hätte. Ein Vergleich mit der SPD bietet sich allerdings nicht an. Denn der Wein ist schon ganz gut, und die Hoffnung auf bessere Jahrgänge sind bei ihm nicht unberechtigt.
Gruß
Alex
Aber dein letzter Satz hat dann doch noch deutlich gemacht, was deine wirklichen Beweggründe sind, solch überhebliches Zeug zu schreiben.
Das ist Stimmungsmache von der aller übelsten Sorte.
Darüberhinaus scheint mir, dass keiner der bisherigen Kommentatoren an der Wahrheit interessiert zu sein scheint.
Ja was ist denn, Ihrer Meinung nach, nun die Wahrheit? Es wäre nett, wenn Sie diese den bisherigen Kommentatoren mitteilen würden.
Aber bitte nicht das übliche Zeug von einem standhaften Kämpfer für die Meinungsfreiheit, Querdenker und und-Recht-hat-er. Denn diese Dinge gehen schwer als Wahrheit durch. Sorry, daran ändert auch die häufige Wiederholung nichts.
Wenn Sie etwas Wahrheit benötigen, dann empfehle ich Ihnen den SPIEGEL dieser Woche. Auf den Seiten 94 bis 97 finden Sie einige Fakten. Normalerweise würde ich ja den SPIEGEL nicht als glaubwürdige Quelle bezeichnen. Was nun aber die hier genannte Seiten betrifft, so kann ich die dortigen Wahrheiten nur bestätigen. Einfach aus persönlicher Erfahrung.
Viele Grüße
J.Fuhrmann
Ei, selbst der größte Optimist wird da auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Der Herr würde doch eher in eine Phalanx der Uneinsichtigen passen, deren Ansichten schon aus Prinzip und ohne WENN und ABER immer die richtigen sind.