"(Beifall)" - so die Überschrift im
stenografischen Bericht der Merkel-Rede zum 22. Parteitag der CDU in Stuttgart. Und dann im ersten Abschnitt viermal
"Wir erleben". Anschließend eine rednerische Reise durch
"Angela im Wunderland", durch Merkels Erlebnispark der Mitte ohne Mitte. Merkel strotzt vor Dankbarkeit, x-mal dankt sie in den nächsten Sätzen. Wer hätte das gedacht, was dann folgt, dass die grosse, mit zwei Stellen nach dem Komma gewählte
AusVorsitzende nichts erzählt, was sie sonstwo bereits erzählte. Aber das liegt wohl an den Textbausteinen aus dem Schüttelbecher der Propaganda.
"Kein schöner Land in dieser Zeit" wurde zwar nicht gesungen, aber dafür redet Merkel die politischen Leistungen hoch und ihre krisensichere Hilflosigkeit runter. Wenn da nicht die schwäbische Hausfrau wäre. Nein, nein, Angela Merkel verrät nicht das Rezept der "Maultasche", sondern sie erklärt das Geheimnis der Finanzkrise aus Sicht der schwäbischen Haufrau:
"Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben". Ha noi, Merkel hat nicht des Pudels, aber dafür der Finanzkrise Kern gefunden.
Marktwirtschaft "made in Germany"
Die schwäbische Hausfrau kann beruhigt sein, wenn sie mit einem Vier-Punkte-Plan ruhiggestellt wird: Der Staat wirft den Banken das Geld nach, der Wirtschaft werden Brücken gebaut, der Staat verschafft den Menschen finanzielle Spielräume - Uaah! - und er will die Zukunft nicht aus dem Blick verlieren. Unsere Leser mögen uns die Ironie verzeihen.
Oh la la, Europa muss sich auf etwas gefasst machen, es darf demnächst den neusten Exportschlager Deutschlands importieren:
"Subsidiarität und Wettbewerb, Ausgleich und Solidarität". Doch zunächst ist Europa nur ein Testmarkt für die deutsche Soziale Marktwirtschaft, der Rest der Welt kommt später dran. Diese Idee stammt jedoch nicht von der schwäbischen Hausfrau, sondern von der uckermärkischen Kanzlerin, die einst rote Strümpfe trug.
Heribert Prantl von der
Süddeutschen Zeitung trifft es besser als der "Bürger-Herold", wenn er über
"Merkels Melissengeist" schreibt. Merkels Geist aus ihrer Reiseapotheke kann man wirklich gut gebrauchen, um Kopf-, Herz-, Magen- und Nervenbeschwerden nach der Redenlektüre zu vertreiben.
Quelle:
Bürger-Herold
Peinlich. Propaganda mit Gschmäckle.
Im Übrigen ist es die Merkel-Regierung, die über ihre Verhältnisse lebt und nicht der Bürger.