Auf der Straße leben zu müssen, ist nicht besonders angenehm, und da die Frostperiode vor der Tür steht, ist es für die Entfaltung unseres Gesellschaftsempfindens nicht so verkehrt, sich hierüber ein paar Gedanken zu machen. Das Nachdenken über die Obdachlosigkeit beschert einem wahrlich kaum ein immerwährendes und immer wärmendes Glücksempfinden, wenn man bedenkt, dass die Temperaturen sinken und zur Flucht in die warme Wohnstube ermahnt wird.
Die, die auf dem Bürgersteig, unter Brücken - sprich: auf der Platte - leben müssen, haben kaum die Wahl, sehen sich einer Ohnmacht ausgeliefert und müssen ausharren, in der Hoffnung auf günstigere Bedingungen.
Zum Glück (obwohl "Glück" hier eher komprimiert betrachtet werden muss) gibt es die Kältehilfe-Programme, welche für die Gestrandeten in der kalten Jahreszeit ein Hoffnungsschimmer sind. Und TV Berlin hat sich das Thema Obdachlosigkeit zu Herzen genommen. Eine Glanzleistung und eine lobenswerte Initiative, wenn man bedenkt, dass die sonstige Mainstream-Presse sich dann doch lieber auf Banales und Vorgekautes beschränkt, und das „Sehen“ eher auf das Festkleben des Auges am Okular ihres Mikroskop-ähnlichen Betrachtungs-Tunnels reduziert zu sein scheint ... Ja, weil sie lieber aus ihrem vorgefertigten Schuhkarton berichten, statt investigativer Journalismus zu betreiben.
Auf Berlin umgerechnet gibt es ca. 10 000 Wohnungs- und Obdachlose. Über die ganze Republik verteilt müssen es knapp eine Million sein. Dies ist eine vorsichtige Schätzung. Und wie viele es wirklich sind, welche fernab der häuslichen Wärme ihr Dasein fristen müssen, dies findet man eher in die Kehrseite der Sternen hineingekratzt; denn offiziell (s.u.) wird die Zahl wohl eher wieder nach unten gedrückt werden; um das Märchen vom produktiven und aufwärts strebenden Deutschland aufrechtzuerhalten, statt offen und ehrlich ins Mikrofon zu blasen, dass es uns beschissen geht und wir am Rande einer wirtschaftlichen und menschlichen Katastrophe stehen.
Wo wir nun gerade beim Thema: Das Offizielle sind, so lese man diese nette Nachricht ... Eine Steigerung der Perversität, entstanden in den Köpfen unserer Anzug- und KostümchenträgerInnen, im Zirkus des Parlements:
Obdachlose protestieren gegen Kürzungen
Düsseldorf (ddp-nrw). Rund 100 Obdachlose und Sozialarbeiter haben am Montag vor dem Düsseldorfer Landtag gegen geplante Kürzungen von Zuschüssen für Wohnungslose demonstriert. Die Betroffenen protestierten gegen das Vorhaben der schwarz-gelben Koalition, Zuschüsse für Obdachlosen-Projekte in Höhe von 1,2 Millionen Euro zu streichen. Unterstützung bekamen die Demonstranten von den Oppositionsfraktionen SPD und Grüne. Das Land wies die Kritik an den Kürzungen zurück.
«Die Begründung von CDU und FDP, die Wohnungslosigkeit sei um 70 Prozent zurückgegangen und damit eine weitere Förderung nicht mehr sinnvoll, ist zynisch und widerspricht auch der Wahrnehmung der Menschen im Land», sagte SPD-Fraktionsvize Britta Altenkamp. Die vielen Ehrenamtlichen, die eng mit den Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und unter Beteiligung weiterer gesellschaftlicher Gruppen daran arbeiteten, die soziale Not zu lindern, würden «vor den Kopf gestoßen». In NRW gibt es nach ihren Angaben rund 13 000 Obdachlose.
Eine Sprecherin des Generationenministeriums sagte auf Anfrage, das auslaufende Landesprogramm für Projekte gegen Obdachlosigkeit sei immer als «Anschubfinanzierung» gedacht gewesen. Insgesamt 130 Projekte seien seit 1996 befristet unterstützt worden. Es sei kommunale Aufgabe, die Obdachlosenarbeit weiter zu fördern. Zehn Projekte würden vom Land noch bis zum Ende der Laufzeit bezuschusst. Im laufenden Jahr würden insgesamt 17 Projekte gefördert.
Grünen-Fraktionsvize Barbara Steffens bezeichnete die geplanten Kürzungen als «Skandal». Die anhaltend rückläufigen Obdachlosenzahlen seien kein Anlass für Entwarnung. «Da in der amtlichen Statistik nur Personen erfasst werden, die in städtischen Notunterkünften leben, ist die Dunkelziffer hoch», sagte Steffens.
(ddp)
Da bleibt einem wirklich die Spucke weg ... wenn man erfährt, dass die fett gemästeten Maden sich immer tiefer ins wund geschlagene Fleisch derer hineinfressen, welche sowieso schon am Boden liegen und - neben ein wenig Nahrung und Obdach - nicht mehr verlangen, als ein Minimum an Respekt. Und Gelder sind natürlich keine da, denn der Senat muss ja sparen. Es sei denn, ein Prestigeobjekt müsse wieder her, wie die Rekonstruktion vom Berliner Stadtschloss, wofür mal eben schlappe 480 Millionen Euro veranschlagt wurden, wovon alleine das Land Berlin 32 Millionen Euro zu tragen hat. 480 - und 6 Nullen für eine Reise in die glorreiche Vergangenheit Preußens ... Und somit bleibt für den verarmten Penner und die sozial Minderbemittelten halt leider nichts übrig ...
Eine wunderschöne und künstlerisch wirklich wertvolle Fotoreportage - mit dem Thema "Homeless people in Germany" - findet man hier, und ich hoffe, der Künstler Akash nimmt es mir nicht übel, dass ich ein Bild hier mit reinsetze und somit für ihn und seine hervorragenden Arbeiten werbe.
So schön die Fotografien einem auf der Seele kleben bleiben mögen ..., die Realität in welcher Obdachlose leben müssen ist bitterhart, menschenverachtend und wirklich brutal!
Deutschfehler bitte ich zu entschuldigen, da dies nicht meine Muttersprache ist.