Et bien ... Nicht immer soll Unangenehmes aus belgischem Munde erklingen, und somit plaudere ich halt ein wenig
über und werbe
für die erfreulichen Seiten meiner Heimatstadt:
GENT, Gand, (
vom keltischen Wort Ganda, was soviel wie Zusammenfluss, Mündung bedeutet) ... Die Stadt wird ja auch von zwei Flüssen (Leie, Schelde) durchzogen, und somit leben die Genter direkt - nebst dem Seehafen - am, um, und mit dem Wasser, welches in Form von vielen Kanälen das Stadtbild prägt.
Gent ist Hauptstadt Ost-Flanderns, und diese Stadt ist einfach der Hammer und authentischer als Brugge=Brügge (west-flämisch augesprochen als „brögghe“), abgedrehter als Brussel und verdammt lieblicher als Berlin.
Brügge, einst eine herrliche Stadt - Venedig des Westens - wurde nun leider eher zur Jahrmarkts-Veranstaltung, zwecks Unterhaltung der Touristenhorden degradiert. Durch Massen, welche angekarrt aus allen Ecken des Planeten die einst „Wonderschoone“=Wunderschöne - über die Kopfsteinpflaster zu Tausenden einfallend - überrumpeln und mit jedem Schritt ein Stückchen mehr ihrer Authentizität nehmen ... sie mit jedem Atemzug ein wenig mehr töten. Brügge wurde zu stark aufpoliert und verfällt leider immer mehr der Dekadenz.
Gent hat hier eher eine Künstler- Bohémien-ähnliche Atmosphäre und diskretere Eleganz zu bieten, und mit ca. 235 000 Einwohnern ist sie nicht all zu unübersichtlich. Und wenn man die Muße hat, sich auch abseits der Touristentrassen, in Seitengässchen zu verirren, dann entdeckt man sehr schnell die versteckten Schönheiten. Wenn man dann auch noch gut achtgibt, erkennt man das Feuer der Stadt im Augenfunkeln der vielen Studenten und Besucher, welche nach dem Genuss der vielen belgischen Biersorten eher ein Grinsen zu bieten haben und ein angenehmerer Anblick sind als das gewohnte „Böse-und-gestresst-Dreinschauen“, welches mir hier in Deutschland und vor allem in Berlin täglich begegnet und auch der Grund ist, warum ich hier eines Tages auch wieder verschwinden werde. (Hoffentlich treibt das Schicksal mich wieder Richtung Flandern, und somit auch nach Gent).
Ein interessantes Spektrum der kulturellen Erlebnisse sind die vielen Kirchen, mittelalterlichen Bauten, die Grachten, die Cafés und natürlich die Museen (ca. 30), mit unzähligen Sammlungen der flämischen Malerei und sonstiger Kunstformen. Die Stadt hat auf belgischer Ebene die meisten geschützten Monumente, und ein Schlendern zwischen Belfort, Bijloke, Kanälen und Marktplätzen ist wirklich zu empfehlen. Man sollte sich auch die Mühe machen, die Kirchen von innen anzuschauen, da es hier neben Rubens-Schinken auch den liebevoll und subtil durch Jan van Eyck, gemalten Genter Altar in der St. Bavo Kathedrale zu entdecken gibt. Gent ist neben Antwerpen auch die Wiege der Flämischen Schule und hatte ca. 2 km von der Stadtgrenze entfernt die Latemse Schule (Permeke, Gust De Smet und sonstige Pigment-Koryphäen) unter ihren Fittichen.
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Im 11. Jahrhundert wurde Gent zur Metropole der Textilproduktion und, als zweitgrößte Stadt Nordeuropas nach Paris, zur wirtschaftlichen Großmacht. Karl V. wurde hier als ältester Sohn von Philipp I. und Johanna von Kastilien am 24. Februar 1500 geboren usw. ... (
Wikipedia bietet hier genügend Lesestoff, für den, den es interessiert, und die Geschichte Flanderns ist sehr lehrreich, auch was ihren Einfluss auf die Kreuzzüge und die deutsche Geschichte angeht).
Jährlich gibt es im Monat Juli die „Gentse Feesten“ (Genter Festival).
Das Sommer-Festival lockt ca. anderthalb Millionen Besucher an, und hier wird eine Menge guter Sound, Theater etc. auf offene Bühnen und in den über die Stadt verstreuten Lokalen geboten.
Auf dem Heimweg kann man dann noch schnell bei der nächste Pommes-Bude halt machen, um den durch übermäßigen Biergenuss lädierten Magen wieder zu stärken.
In meiner Jugend war es Tradition, in den frühen Morgenstunden, "angesudelt", zum nächsten auf dem Weg liegenden „Fritkot“ zu wackeln, um dort - sich an einer Kante der Bude oder der in der Nähe stehenden Mülltone festkrallend - geduldig auf seine Tüte Fritten zu warten, da diese Dinger frisch zubereitet wurden und somit auch „Zeit“ brauchten. An manchen Buden entstand somit eine neue Party, da neben Pommes, Frikadellen und sonstigen leckeren Schweinereien auch noch Trapistenbier (bis zu 12% - und bis zum Abwinken) serviert wurde ... Leider stirbt die echte belgische Fritte langsam aus, da sie durch Holland-Import-Einfrier-Bring-Schnelles-Geld-„Pommes“ abgelöst wird und man fast nur noch hieraus resultierende – geschmacklose - Fastfood-Stäbchen bekommt. (Wer wissen will, wie man Fritten wirklich zubereitet, der kann sich melden ... ;-)
Meine Stadt ist eine ur-gemütliche Stadt. Anderseits ist der ganze „Trouble“ für die nicht vom Tourismus profitierenden Anwohner eher lästig, da das Parken hier – aufgrund der vielen autofreien Zonen und anderen Verkehrseinschränkungen zur Glückssache wird und viele „Gentenaars“ die Touristen eher verfluchen. Aber sie nehmen es trotzdem mit Humor ... Eine angeborene Eigenart dieses Menschenschlags.
Gent, je t'aime
Bildquelle: users.ugent.be
Deutschfehler bitte ich zu entschuldigen, da dies nicht meine Muttersprache ist.
ich flirte schon eine ganze Weile mit dem Besuch dieser beiden Städte... irgendwann komm ich mal vorbei.
Und ich wünschte, ich könnte so gut flämisch und französich, wie du deutsch.
Merci
lohnt sich wirklich, mal 'nen Abstecher, in Verbindung mit faul-am-Strand-rum-liegen - nach Flandern zu machen.
Also, ich freue mich schon und schöne Fotos hast du da gemacht!
moules-frites... ist eher nicht die jahreszeit. bekommt man aber in fast jedem restaurant. am besten in der fressmeile am korenmarkt. dort gibt es ein gutes fischrestaurant. (kleine gasse neben dem kaufhof... ich glaube die gasse heißt: klein turkije...) une bonne brasserie... einfach den kopf in die türe stecken und schauen, was dir am besten gefällt... empfehlen kann ich die kneipen am "vrijdagmarkt" ... ;-)
enjoy ur trip...