Gestern ploppte die Nachricht hoch, dass Rainer Wend nicht mehr für den Deutschen Bundestag kandidiert, sondern von nun ab ohne das Mäntelchen des Politikers gleich als Vollzeit-Lobbyist für die Deutsche Post tätig sein wird. Natürlich ist er nur tätig. Arbeit wäre etwas Ernsthaftes, er wird lediglich beschäftigt und belohnt. Da sich die zukünftige SPD-Fraktion im Bundestag wohl halbieren lässt, muss nun die Endlagerung wichtiger Spitzenfunktionäre erfolgen.
Endlagerung ist ein sehr schönes Stichwort in diesem Zusammenhang. Wend übernimmt bei der Post den Zentralbereich Politik und Nachhaltigkeit. Die Schäden, die Rainer Wend anrichtet, sind mit Sicherheit sehr nachhaltig. Zumindest waren sie es für die deutschen Arbeitnehmer, als er vehement für die
Verkürzung der Rente durch Verlängerung der Lebensarbeitszeit argumentierte, wie es einfach nur jemand wie er kann:
Wenn wegen Beibehaltung der Rente die Lohnnebenkosten steigen, würden die Arbeitsplätze in den Call-Centern wegfallen.
So spricht ein echter Sozialdemokrat in der neoliberalen Version 2.1 beta. Die mies bezahlte, häufig illegale Tätigkeit in den Callcentern wollte er schützen. Wend hat aber auch als Lobbyist schon eine komische Note. Zusammen mit seinen Kumpels Peter Danckert, Roland Berger, Ullrich Marseille, Hans-Dietrich Genscher, Günter Rexrodt, Bernd Schiphorst, Hans-Hermann Tiedje und
Hans-Erich Bilges operierte er höchst ungewöhnlich als
PR-Dienstleister WMP Eurocom für den unseligen Florian Gerster und seine Bundesanstalt für Arbeit.
Da hatte es schon eine gewisse Komik, dass Wends Kumpel Schiphorst einen millionenschweren Auftrag des Arbeitsamtes für PR ohne ordentliche Ausschreibung bekam, während Wend nicht nur ihn als Aufsichtsratsmitglied kontrollieren sollte, sondern auch als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Arbeit für die Kontrolle Florian Gersters zuständig war. Natürlich ist an den seit damals nie verstummten Gerüchten nichts dran. Rainer Wend hat kein Geld bekommen, zumindest wurde nie ernsthaft ermittelt.
Wo nicht ermittelt wird, da besteht auch kein Anfangsverdacht. Es hat auch kein Geschmäckle, wenn sich Politiker vor den PR-Karren spannen lassen. Das ist gut für Deutschland. So können sie die Leute, von denen sie ihr wirkliches Gehalt bekommen, wenigstens ab und an mal unauffällig treffen. Es ist übrigens ein böses Gerücht, dass Wend ebenfalls
Zweithosen von Hunzinger bekommen habe. Das war Scharping.
Aber Rainer Wend wusste auch sofort die richtigen Worte in der
Affäre Zumwinkel zu finden und offenbarte sie dem erstaunten deutschen Volk mit Inbrunst:
Da geht wieder ein Stück Vertrauen in unsere Eliten verloren.
Das schallende Gelächter, das folgte, war eine Gefahr für die Ohren der Denkenden. Einige bekundeten damals, dass es extrem schwierig sei, gleichzeitig zu kotzen und zu lachen. Aber nun hat der Wend die richtige Wende genommen. Ab ins Geld. Wenn man sich die tollen Zustellungserfolge von DHL ansieht und dass Briefpost nun meist nur noch dreimal wöchentlich zugestellt wird, dann ist Wend bei der Post nicht falsch.
Das sahen wohl auch die Anleger so. Nachdem der Kurs nach Bekanntwerden der Personalie erst um 1,2 Prozent sank, konnte er sich dann doch wieder erholen und der DAX-Entwicklung folgen. Aber heute ist nicht alle Tage. Der Wend wird tun, was er kann. Arme Post, armes Deutschland!
on einer Wiederaufbereitung möchte ich dringend abraten.